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Hätte ich nur …, könnte ich doch …, wär ich doch nur …

Von Nicole Alps8 Kommentare

aeltere Menschen

Die neuen Alten. Immer wieder begegnet mir dieser Begriff, bei dem ich an ältere Menschen mit einem ausgefüllten, engagierten Leben denke. Die voller Zufriedenheit auf die vergangenen 60, 70, 80 Jahre zurückblicken und ein glückliches Leben mit einer Reihe Pläne für die nächsten Jahre führen.

Ich kenne aber auch ältere Menschen, denen es ganz anders geht. Und auch hier bei Zeit zu leben bekommen wir immer mal wieder Mails mit der Bitte, doch mal etwas für ältere Menschen zu schreiben,

Manche von ihnen erleben, dass sie nicht mehr erreichen können, was ihnen ursprünglich so wichtig war.

Andere haben das Gefühl, Chancen verpasst zu haben, die sie im Rückblick gerne wahrgenommen hätten.

Manch einer erfährt, dass sein Leben durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen wird.

Wieder andere haben das Gefühl, dass ihr Lebensentwurf gescheitert ist.

Andere merken, dass ihr Leben anscheinend einfach so an ihnen vorbeigegangen ist.

Manch einer hadert mit seinen Lebensentscheidungen:

Vielleicht fragen Sie sich ja auch manchmal:

Ich beschreibe Ihnen gleich einige Schritte, die Ihnen helfen können, zuversichtlicher und freudvoller in Ihre Zukunft zu blicken. Mir ist völlig klar, dass ein Weg raus aus Verbitterung, Schmerz und Enttäuschung oft nicht leicht ist und nicht mit ein paar einfachen Schritten zu bewältigen ist. Es kann manchmal ein wenig dauern, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Aber vielleicht kann Ihnen die folgende Beschreibung ein klein wenig dabei helfen, sich einen Weg in die Zukunft zu bahnen.

Übrigens sind diese Gedanken nicht nur für ältere Menschen interessant. Es gibt auch viele jüngere Menschen, die sich mit 30, 40 fragen, wie sie mit enttäuschten Erwartungen an ihr Leben umgehen können.

1. Frustration, Enttäuschung und verpasste Chancen annehmen

Um sich nicht die Zukunft durch die Vergangenheit zu belasten, ist es wichtig, Gefühle wie Frustration, Enttäuschung, Schmerz und Trauer anzunehmen. Das klingt für Sie vielleicht sehr vertraut. Womöglich haben Ihnen das auch schon andere Menschen gesagt: „Du musst mit der Vergangenheit abschließen. Nimm es so, wie es ist. Und fang an, wieder nach vorne zu schauen.“ Vielleicht denken Sie jetzt sogar: „Annehmen? Die hat gut reden. Wie soll ich das denn machen?“

Zuerst einmal: Annehmen fällt einem meist nicht leicht. Die Enttäuschung, der Schmerz oder andere belastende Gefühle liegen einem schwer auf der Seele. Es erscheint einem vielleicht unmöglich, diese Gefühle anzunehmen. Ich sage auch gar nicht, dass es ein leichter Weg ist. Aber um nach verpassten Chancen und schmerzhaften Erfahrungen wieder zuversichtlicher in die Zukunft sehen zu können, ist es notwendig, die Vergangenheit und die damit verbundenen Enttäuschungen anzunehmen und zu akzeptieren. Oft geht das nur in ganz kleinen Schritten und das ist auch völlig in Ordnung so.

Indem Sie Ihre Gefühle, wie zum Beispiel Traurigkeit, Enttäuschung oder Wut, möglichst neutral wahrnehmen, können Sie diese Gefühle leichter akzeptieren.

Neutral wahrnehmen bedeutet, sich nicht für seine Gefühle und sein Denken zu verurteilen, abzuwerten und niederzumachen. Sondern sich zum Beispiel zu sagen:

„Ich denke, ich habe mein Leben nicht so gelebt, wie ich es wollte. Darüber bin ich wirklich traurig und enttäuscht. Ich merke, dass ich mich dafür verurteile.“

„Es gibt Dinge, die ich im Nachhinein gerne getan hätte. Nun habe ich die Chance verpasst und möchte am liebsten die Zeit zurückdrehen.“

„Es lief alles so gut und dann hat das Schicksal mir alle Pläne zerstört. Ich weiß nicht, wie ich jetzt weitermachen soll. Es fällt mir schwer, positiv in meine Zukunft zu schauen.“

Wenn Sie sich solche oder ähnliche wertfreie Sätze sagen, vermitteln Sie sich selber, dass Ihre Enttäuschung und Ihr Schmerz in Ordnung sind. Und dass Sie diese Gefühle annehmen und stehen lassen dürfen. Dadurch fühlen Sie sich dann weniger gelähmt und blockiert. Bedrückende Gefühle, wie Frustration und Trauer, zu akzeptieren, ist meist nicht so einfach. Oftmals kommen die Gefühle immer wieder hoch. Und dann geht es wiederum darum, sie anzunehmen. Wenn man aber immer wieder so mit seinen Gefühlen umgeht, gelingt es einem allmählich, seine Sichtweise zu verändern. Dadurch wird man dann wieder offener für mehr Zuversicht und Lebensfreude.

2. Den Blick weiten

Wenn Sie Ihre belastenden Gefühle und Gedanken wahrgenommen und ihnen Raum gegeben haben, können Sie sich auch wieder anderen Gedanken zuwenden. Und eine neue Perspektive entwickeln.

Zum Beispiel, indem Sie sich bemühen, möglichst viele verschiedene Aspekte in Ihrem Lebensweg zu erkennen. Sich also nicht nur auf das Negative und Verfahrene zu konzentrieren, sondern sich auch zu erinnern, was Sie Positives in Ihrem Leben erlebt haben. Auch das ist oftmals nicht so leicht. Da kann es dann helfen, wenn Sie sich mit Hilfe einiger Fragen die anderen Aspekte, wie zum Beispiel gut genutzte Möglichkeiten oder Dinge, für die Sie dankbar sein können, bewusst machen. Schreiben Sie die Antworten am besten kurz auf. Dann können Sie sich später, zum Beispiel, wenn Sie nur das Negative sehen, den geweiteten Blick auf die positiven Dinge zurückholen, indem Sie dann Ihre Antworten erneut durchlesen.

Haben Sie einige Antworten auf ein paar Fragen gefunden und kurz notiert? Damit haben Sie Ihren Blick erweitert und sehen nun deutlicher die positiven Aspekte Ihrer Vergangenheit. Dann blicken Sie leichter in eine freudvolle und befriedigende Zukunft. Falls es Ihnen schwerfällt, diese positiven Aspekte zu sehen, lassen Sie sich ruhig Zeit. Manchmal hilft es, wenn man an dieser Stelle erst einmal unterbricht und sich später, vielleicht auch an einem anderen Tag, diese Fragen erneut stellt.

3. Eine neue Perspektive entwickeln

Damit Sie leichteren Herzens weitergehen können, entwickeln Sie nun eine neue Perspektive. Ein Ausblick nach vorne, der es Ihnen ermöglicht, zuversichtlich in die nächste Zeit zu gehen. So ein Ausblick nach vorne kann bei jedem Menschen anders sein. Häufig kostet es einen ein wenig Überwindung, Pläne für die Zukunft zu machen, wenn man mit dem Leben hadert oder von vergangenen Erfahrungen enttäuscht worden ist. Oftmals hilft es dann, in ganz kleinen Schritten etwas Neues anzufangen. Wenn Sie eine neue Perspektive entwickeln, geht es also nicht darum, eine große neue Lebensvision zu entwickeln oder ganz massive Veränderungen herbeizuführen. Ganz, ganz oft sind es Kleinigkeiten, die die Lebensfreude zurückbringen. Ab und zu kann aber auch ein lang gehegter Lebenstraum von Bedeutung sein.

Vielleicht inspiriert Sie dies ja schon zu Ihren eigenen kleinen und großen Zukunftsperspektiven. Ist all das nichts für Sie? Dann habe ich hier einige Fragen für Sie, mit denen Sie herausfinden können, was Ihnen zukünftig mehr Lebensfreude und Perspektive geben könnte. Schreiben Sie sich ruhig auch hier Ihre Antworten auf. Dann haben Sie gleich eine schriftliche Ideensammlung, aus der Sie dann konkrete Schritte für Ihr Handeln in der nächsten Zeit ableiten können.

Fragen Sie sich:

Wobei habe ich früher oft gedacht: „Das möchte ich ja auch mal machen“?

Oftmals geraten Wünsche, die wir früher mal hatten, in Vergessenheit und jetzt könnte ein guter Zeitpunkt sein, diese alten Wünsche wieder aufleben zu lassen.

Welche alten Träume habe ich? Was habe ich mir gewünscht, als ich acht Jahre alt war?

Wie kann ich vielleicht doch noch etwas von dem erleben, was ich mir so sehr gewünscht habe?

Diese Frage finden die meisten Menschen schwierig zu beantworten. Oft liegt das daran, weil es so schwer ist, sich von einem lang gehegten Traum zu verabschieden. Wenn man sich zum Beispiel immer gewünscht hat, Mutter und später Oma zu werden, erscheint es unmöglich, seinen Traum auf irgendeine andere Weise zu verwirklichen. Jenseits der 50 kann man als Frau nun keine Kinder mehr bekommen. Hinter unseren Träumen stecken in den allermeisten Fällen aber ja bestimmte Bedürfnisse. Beim Traum vom Muttersein zum Beispiel: Kinder aufwachsen zu sehen, etwas von der eigenen Lebenserfahrung weiterzugeben, mit Kindern die Welt neu entdecken zu können. Und solche, hinter den Träumen steckende Bedürfnisse lassen sich sehr häufig doch noch erfüllen. Dennoch fällt es schwer, alte Träume loszulassen, weil in uns dann manchmal alles schreit: „Ich will aber.“ Es ist schwer, keine Frage. Aber versuchen Sie mal für einen Moment, und sei es nur für diese kleine Übung, sich von Ihrem Traum zu distanzieren, und erlauben Sie sich, mit den Gedanken zu spielen. Vielleicht entdecken Sie dann doch noch andere Möglichkeiten, wie diese Bedürfnisse erfüllt werden können. Übrigens sind viele unserer Wunschträume romantische Vorstellungen, die, wenn sie wirklich wahr würden, uns sehr häufig auch enttäuschen würden. Der Traum vom Leben auf dem Land mit großem Garten und altem Bauernhaus sieht in der Realität oft ganz anders aus. Dort steht dann vielleicht die harte Arbeit im Vordergrund.

Fragen Sie sich vielleicht: Welche Bedürfnisse stehen hinter meinen Wünschen und Träumen? Und wie kann ich die möglicherweise auf andere Arten erfüllen?

Welche Freundschaften oder Bekanntschaften könnte ich intensivieren oder wieder aufleben lassen?

Welche Begegnungen tun mir besonders gut? Kann ich den Kontakt mit diesen Freunden, Bekannten oder Verwandten intensivieren, indem ich sie öfter treffe oder häufiger telefoniere?

Welche Bekannten, die ich bisher nur flüchtig kenne, sind mir besonders sympathisch? Könnte ich mich mit diesen gezielt verabreden? Gibt es Unternehmungen (Theater, Kino, Spazierengehen), zu denen ich mich mit ihnen verabreden könnte?

4. Konkrete Schritte vornehmen

Wenn Sie diese Fragen für sich beantwortet haben, können Sie daraus Ideen für konkrete Vorhaben entwickeln, die Sie in nächster Zeit umsetzen möchten. Damit Sie etwas ändern und Ihre Vorhaben in die Tat umsetzen, entscheiden Sie sich am besten jetzt für einige Ideen, die Sie jetzt gleich und in den nächsten Tagen umsetzen möchten. Am besten schreiben Sie Ihre Vorhaben so konkret wie möglich auf. Damit machen Sie sie verbindlicher. Idealerweise beginnen Sie mit Ihren ersten konkreten Schritten innerhalb der ersten 72 Stunden. Damit erhöhen Sie nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wirklich etwas verändern, dramatisch. Je schneller man nach dem Fassen eines Vorsatzes ins Handeln kommt, umso wahrscheinlicher ist es, dass man seine Ziele erreicht.

Zum Beispiel:

Gehen Sie bei Ihren Vorhaben am besten in kleinen Schritten vor. Nehmen Sie sich für eine Woche vielleicht ca. 1–3 Punkte vor. Diese kleinen Schritte sind so wichtig, damit Sie sich nicht überfordern. Nehmen Sie sich zu viel vor, riskieren Sie, dass Sie es nicht schaffen, Ihre Ideen umzusetzen. Und Vorhaben, die man nicht umsetzt, frustrieren einen dann.

5. Ideen umsetzen

Setzen Sie Ihre Ideen nun um. Dazu planen Sie sich am besten die Punkte, für die Sie sich in Schritt 4 entschieden haben, fest ein. Indem Sie zum Beispiel Erinnerungen in Ihren Kalender eintragen oder sich Erinnerungszettel aufhängen, erinnern Sie sich daran, jemanden anzurufen oder sich Informationen einzuholen.

Hier noch einmal zusammengefasst, wie Sie vorgehen können, um in Ihrem Leben mehr Lebensfreude und Zuversicht zu verspüren.

1. Frustration, Enttäuschung und verpasste Chancen annehmen:

2. Den Blick weiten: Fragen Sie sich zum Beispiel:

3. Eine neue Perspektive entwickeln: Fragen Sie sich zum Beispiel:

4. Konkrete Schritte vornehmen

5. Ideen umsetzen

  1. Regina schreibt am 7. Februar 2012 um 16:55

    Wenn ich mal wieder das Gefühl habe über früher nachdenken zu müssen, dann höre ich mir folgendes Lied an ;-)
    http://www.youtube.com/watch?v=N_EmvrsoAqk

    • Thomas L. Jenner schreibt am 8. Februar 2012 um 11:03

      Der Text zum Mitsingen: http://diefeisten.de/content/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=38 (8.2.12, 11:00 Uhr)

    • Nele schreibt am 12. Februar 2012 um 07:23

      Hallo Regina,
      das Lied ist wirklich super und der Text so wahr....und ja man sollte in der Zukunft leben nicht in dem alten S......

      Herzliche Grüsse, Nele

    • Gerda schreibt am 13. Februar 2012 um 08:27

      Ich bedanke mich für den Youtube-Link, sonst hätte ich Ganz schön feist nie kennengelernt! Super Lieder!
      Liebe Grüße, Gerda (Bj 58 - hab die Vergangenheit aufgeräumt, lebe im Hier und Jetzt..... für Morgen!)

  2. Vera schreibt am 12. Februar 2012 um 09:47

    Man sollte in der Gegenwart leben und dabei die Zukunft im Auge haben und aus der Vergangenheit lernen. Das gelingt mir nicht immer - Vergangenheit kann belasten und Zukunft Angst machen.
    Wird alles so werden, wie ich es mir erhoffe, erträume.... Wieso passiert mir das oder das, das hatte ich doch schon mal oder das war so nicht eingeplant....

    Ich fand den Artikel sehr gut, besonders im Hinblick auf alte Träume und umgesetzte Wünsche. Manches kommt eben nicht so, wie man/frau es gerne hätte.
    Mein Motto ist deshalb der schöne Spruch von Dietrich Bonhoeffer: "Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche"

  3. Katarina B. schreibt am 12. Februar 2012 um 19:10

    Ich bin 65, habe vieles falsch gemacht, mich damit versöhnt.... Es war ein langer Prozess, teilweise bin ich
    immer noch dran. Ich sehe das "kleine Mädchen" in mir,
    mit den Zöpfen, den erwartungsvollen schönen Augen, wollte
    allen recht machen, wollte geliebt werden.........
    Hatte viele Träume, am liebsten wäre sie Tänzerin geworden.
    Ich liebe dieses kleine Mädchen und ich werde sie nie mehr
    verlassen. Ich glaube, sie verzeiht mir.
    Katarina

  4. claudia schreibt am 13. Februar 2012 um 14:37

    Hach ich fand und finde den Artikel auch super, vor allem, weil er sich auch an jedes Alter richtet.
    Der Text von Regina und Thomas ist auch toll.

    Ich habe in den letzten 2 Wochen wieder ein gutes Hörbuch gehört - ich glaube zum 5. Mal in 2-3 Jahren - und da wurde mir wieder klar, wie gut es mir gehen kann, wenn ich 1. die Vergangenheit in Liebe hinter mir lasse, 2. Niemanden mehr verurteile 3. versuche mich nicht in alles einzumischen (ich dachte ja immer ich will nur helfen) 4. ALLES und ALLE so zu akzeptieren, wie es ist/sie sind 5. Mich und mein Leben und all mein Tun zu lieben und vor allem im Hier und Jetzt zu LEBEN - also wirklich jeden Moment zu geniessen.
    Ehrlich ?? mir geht es seit dem viel besser

    mein Traum war immer, noch ein 2. Kind und mit 40 hakte ich den Wunsch unter Tränen ab.Aber dann passierte etwas unerwartetes : eine gute Freundin fragte mich voriges Jahr, ob ich die Patentante ihres 1. Kindes werden möchte und so erfüllt sich da doch ein Teil meines Traumes. :-) ich werde mein Bestes geben.

    Hallo Katarina - ich fand einen Satz sehr schön, den ich neulich gelesen habe "wir haben nie etwas falsch gemacht, wir haben nur gelernt" - vielleicht hilft dir das ja auch.

    Liebe Grüße an alle

  5. Ute M. Mertes schreibt am 14. Februar 2012 um 16:19

    Auch mich hat mein Bekannter wegen einer jungen Dame verlassen. Ich bin bereits 72 Jahre alt und für mich war es so, dass ich mit meinem Bekannten den Rest meines Lebens leben wollte. Aber leider....

    Um nicht in Depressionen zu fallen, begann ich damit, Geschichten zu schreiben über Tiere, die Natur, alles, was mir einfällt. Diese Geschichten lese ich nun für Kinder und Senioren vor, um auch sie zu ihrer Kreativität anzuregen. Das macht richtigen Spaß, und so kann ich ein neues Leben für mich aufbauen.

    Allen schicke ich gute Gedanken

    Ute