Wie Sie mit Menschen in Kontakt kommen

kontakt

Es ist toll, wenn man seine Interessen, Gedanken und Gefühle mit anderen Menschen teilen kann. Gemeinsam philosophieren. Einem Freund seine Sorgen anvertrauen. Gemeinsam mit seinen Kumpels einen Berg besteigen. Oder zusammen mit der besten Freundin shoppen gehen.

Gemeinsam macht das Leben einfach mehr Spaß.

Aber was macht man, wenn einem Freunde und Bekannte für gemeinsame Unternehmungen fehlen?

Im Artikel Raus aus der Einsamkeit haben wir dazu schon ein bisschen was geschrieben. Und ein Tipp war, dass man an seinen sozialen Fähigkeiten arbeiten soll. Denn um Freunde oder sogar einen Lebenspartner zu finden, muss man erst einmal in der Lage sein, Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. Das ist immer der erste Schritt, bevor sich eine tiefergehende Beziehung formen kann.

Und wie stellt man das an? Wie kommt man in Kontakt mit anderen Menschen?

Wie schafft man es, andere Menschen anzusprechen?

Dazu habe ich hier einige Tipps für Sie gesammelt:

Tipp 1: Üben Sie …

Die wenigsten Dinge klappen beim ersten Mal. Das gilt auch für das Sprechen mit Menschen, die man noch nicht kennt.

Ich sage es Ihnen ganz ehrlich: Ich war lange Zeit ein eher zurückhaltender und eher schüchterner Mensch. Und ich bin nur ganz selten in der Öffentlichkeit mit anderen Menschen in Kontakt gekommen. Und weil mich das an mir selbst gestört hat, habe ich mir vorgenommen, daran etwas zu ändern. Und ich habe angefangen, das Ansprechen fremder Menschen zu üben. Und heute fällt es mir leicht, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Weil ich es wirklich geübt habe. Weil ich mir erlaubt habe, oft auf die Nase zu fallen. Und weil ich immer weitergemacht habe, bis ich es konnte.

Das Wichtige beim Üben ist, dass Sie jeden Versuch und jedes Üben an sich schon als Erfolg verbuchen können.

Es geht am Anfang nicht darum, dass Sie sofort ein tiefgreifendes Gespräch mit einem anderen Menschen beginnen und dass Sie beide Freunde fürs Leben werden.

Für den Anfang reicht es, dass man sich traut, jemanden anzusprechen, und dann vielleicht noch ein paar Sätze austauscht, bevor man wieder getrennte Wege geht.

Oder es reicht, dass Sie mit der Kellnerin im Restaurant über die Bestellung hinaus einige Worte wechseln. Oder dass Sie einem unbekannten Mann auf der Straße ein Kompliment machen: „Schöner Hintern“ zum Beispiel. Über so etwas freut sich auch ein Mann :-)

Üben Sie. Und üben bedeutet: Tun Sie es. Erlauben Sie sich zu scheitern. Lernen Sie aus Ihren Fehlschlägen. Tun Sie es wieder. So lange, bis Sie es können. Das gilt auch fürs Ansprechen von Menschen.

Und wenn Sie es mit dem Üben wirklich ernst meinen, dann setzen Sie sich sogar ein Tagesziel: Heute wechsele ich ein paar Worte mit mindestens 3 Fremden.

Vielleicht auch interessant?  Wenn die Tage dunkler werden schmiert bei vielen die Stimmung ab. Hier könnte vielleicht unser Projekt Lebensfreude nützlich sein.  )

Tipp 2: Fangen Sie klein an

Wenn Sie üben wollen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, dann fangen Sie bitte möglichst klein an.

Nehmen Sie sich NICHT vor, endlich Ihre Traumfrau anzusprechen, die Sie jeden Tag im Bus sehen.

Nein, starten Sie mit kleinen Herausforderungen. Denn es gibt keinen schnelleren Weg zum Frust, als sich selbst zu überfordern und sich zu viel vorzunehmen.

Kleine Herausforderungen könnten sein:

  • Wechseln Sie ein paar Worte mit der Kassiererin im Supermarkt.
  • Sprechen Sie einen Kollegen im Büro an, den Sie zwar noch nicht kennen, aber schon öfters gesehen haben.
  • Gehen Sie zu einem Stammtisch oder Netzwerktreffen und lernen Sie dort am Tisch neue Menschen kennen, indem Sie sich vorstellen und das Gespräch suchen.
  • Wenn Sie in einer Schlange stehen, zum Beispiel in einem Geschäft oder im Kino, dann reden Sie mit den Menschen vor oder hinter Ihnen.
  • Besuchen Sie eine Weiterbildungsveranstaltung und suchen Sie das Gespräch mit den anderen Teilnehmern.
  • Machen Sie eine Bemerkung zu den Menschen, die am Nebentisch im Restaurant oder Café sitzen.
  • Fragen Sie einen Fremden nach dem Weg oder nach der Zeit.

Starten Sie mit Situationen, in denen Sie nicht viel zu verlieren haben.

Tipp 3: Gehen Sie Ihren Ängsten auf den Grund

Bekommen Sie bei den Tipps hier langsam Schweißperlen auf der Stirn oder packt Sie ein massives Unwohlsein? Dann haben Sie vielleicht Ängste, wenn es um das Ansprechen fremder Menschen geht. Lassen Sie uns da mal genauer hinschauen.

Wenn Sie jemanden im Café oder im Supermarkt ansprechen …

  • Was genau könnte denn schlimmstenfalls passieren?
  • Was genau haben Sie zu verlieren?
  • Und wenn das Ansprechen scheitert und es vielleicht sogar ein bisschen peinlich wird: Welche Auswirkungen wird das in 2 Wochen, in 2 Monaten oder in 2 Jahren für Sie haben?

Beantworten Sie doch mal bitte diese Fragen für sich. Was soll denn passieren? Und wäre das wirklich so dramatisch?

Vielleicht haben Sie Angst um Ihre Würde und Ihren Selbstwert. Aber hier gilt: Ein Scheitern hat immer nur die Bedeutung, die Sie der Sache geben.

Sie können ein Scheitern auch so betrachten:

  • Ich habe mich wenigstens getraut.
  • Ich habe es wenigstens versucht.
  • Ich bin jemand, der sein Leben in die Hand nimmt und über seinen Schatten springt.
  • Mein Wert als Mensch hängt ganz bestimmt nicht davon ab, ob mir jemand einen Korb gibt oder nicht.

Und ja, gerade in der Übungsphase kann auch mal etwas schiefgehen, wenn Sie Kontakt aufnehmen. Und erstaunlich ist, das wird meistens gar nicht an Ihnen liegen:

  • Der andere hat vielleicht gerade einen schlechten Tag und ist maulig und zurückweisend drauf.
  • Der andere ist schüchterner als Sie und bekommt es von sich aus nicht hin, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.
  • Der andere ist ein arroganter Egomane, der Sie gar nicht verdient hat.
  • Der andere hat sich gerade über etwas geärgert und Sie bekommen das jetzt ab.
  • Der andere ist gerade sehr unzufrieden mit sich selbst und deswegen für Kontakt nicht offen.

Sie können nichts weiter tun, als den Kontakt herzustellen. Und der andere muss auch seinen Teil dazu beitragen. Wenn er das nicht will, dann liegt das meistens nicht an Ihnen.

Tipp 4: Richtig und Falsch

Falls Sie auf der Suche nach einem Partner sind, dann beherzigen Sie bitte auch die folgende Weisheit:

„Der Richtige kann nichts falsch machen und der Falsche nichts richtig.“

Das bedeutet so viel, wie wenn der andere Sie schon in eine Schublade gesteckt hat oder Sie einfach nicht der passende Typ sind, dann können Sie auch mit dem souveränsten und geschicktesten Kontaktmanöver nicht punkten.

Aber wenn Ihre Gegenüber Sie schon irgendwie attraktiv finden, dann funktioniert auch die ungeschickteste Anmache.

Über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten. Für die eine bin ich ein attraktiver Mann und für die andere ein unansehnlicher Typ.

Wir haben alle unseren Geschmack und unsere Vorlieben. Und wir möchten ja auch nicht, dass sich jemand persönlich angegriffen fühlt, wenn derjenige nicht unserem Geschmack entspricht.

Tipp 5: Kontakt herstellen

Wie kann man denn nun ganz konkret den Kontakt zu einem anderen Menschen herstellen? Wie stellt man es an, jemanden anzusprechen?

Am Anfang ist es erst einmal notwendig, die Aufmerksamkeit des anderen auf sich zu ziehen. Die einfachste Möglichkeit ist, Blickkontakt herzustellen. Schauen Sie dem anderen also in die Augen und warten Sie darauf, dass er Sie bemerkt und zurückschaut. Dann kann das Gespräch beginnen.

Schaut Sie der andere noch nicht an, müssen Sie dessen Aufmerksamkeit gewinnen. Hier tut es ein „Hallo!“ oder ein „Entschuldigung!“.

O. k. und was sagt man dann? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Stellen Sie eine Frage – Sind Sie öfter hier? Gibt es hier etwas zu beachten? Können Sie hier etwas empfehlen? Wissen Sie zufällig, wo die Schillerstraße ist? Wo haben Sie denn dieses T-Shirt her? Kennen wir uns nicht aus …? Habe ich Sie nicht schon mal im … gesehen? Kann man als Mann so eine Farbe tragen? Darf ich Sie mal um eine Einschätzung zu meiner Frisur bitten?
  • Machen Sie ein ernst gemeintes Kompliment – Sie haben ja tolles Haar. Ihr Anzug gefällt mir großartig. Ein wunderbares Kleid. Stattliche Oberarme. Sie sind die freundlichste Kellnerin, die ich je gesehen habe.
  • Benennen Sie (wenn möglich) Gemeinsamkeiten – Sie haben ja das gleiche Essen bestellt wie ich. Ihre Brille ist ja auch von Ray-Ban, sind Sie zufrieden? Sie haben ja das gleiche Handy wie ich, was gefällt Ihnen denn daran am besten?

Und sobald Sie ins Gespräch gekommen sind, gilt es, das Gespräch am Laufen zu halten. Am einfachsten geht das, indem Sie zwei Dinge tun:

  • Stellen Sie Fragen zu dem, was Ihnen Ihr Gegenüber erzählt, und
  • knüpfen Sie an ein Detail Ihres Gesprächspartners an und erzählen Sie von sich.

A: Ach, Sie haben einen Kochkurs gemacht? Wo denn?

B: Das war in Marios Kochschule, die ist am Wiener Platz.

A: Ach, am Wiener Platz. Ich hatte mal einen Freund, der hatte da eine schöne Wohnung. Wie viele Stunden hatte denn der Kochkurs?

B: …

Fragen. Von sich erzählen. Fragen. Von sich erzählen. So hält man ein Gespräch in Gang.

Das sind die 5 Tipps, die Ihnen dabei helfen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen:

  • Trainieren Sie das Ansprechen.
  • Fangen Sie nicht mit einer zu großen Herausforderung an.
  • Schauen Sie Ihren Ängsten ins Auge und relativieren Sie, wovor Sie sich fürchten.
  • Denken Sie dran: Der Richtige kann nichts falsch machen und der Falsche nichts richtig.
  • Stellen Sie den Kontakt über eine Frage, ein Kompliment oder über Gemeinsamkeiten her.

Viel Erfolg mit den Tipps.

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Raus aus dem Gedankenkarussel - 2 einfache Fragen, die einen aus Gedankenschleifen rauskatapultieren können.

Kommentare

Nadja schreibt am 14. Juni 2012

klingt alles gut und schön. nur ist es für viele ein problem da sie nicht wissen trotz ständiger versuch nicht erfolgreich sind. außerdem könnensie damit nicht viel anfangen, wenn sie nicht wissen woran es liegt.

ich kenne da zei voll nette personen die jahre immer wieder versuchen freunde zu finden (außer mir haben sie keine) und immer leer ausgehen.

ich kann beim besten willen nicht verstehen warum manche so stur sind.

da wirft sich die frage auf, “woran liegt es?”

sie können sich sehr gut artikulieren und haben vorbildliche manieren.

Joachim schreibt am 15. Juni 2012

Aktivitäten in einer Gruppe bilden aus meiner Sicht eine entspannte Atmosphäre für Kontakte.
Sei es im Sportverein, im Theaterkurs oder eine organisierte Urlaubsreise.
Hier wird ein Gesprächsthema gleich mitgeliefert.
Über gemeinsame Unternehmungen kommt man sich auf jeden Fall näher.

Mark schreibt am 17. Juni 2012

Habe meinen Weg zum Kontakt über biodanza gefunden. Ein Tanz für den man keine Schrittfolgen zu lernen braucht (und sozusagen nichts falsch machen kann!)und wie ganz selbstverständlich mit anderen Menschen in einen sehr nahen Kontakt kommt. Besonders auf Wochenend-Workshops oder Festivals.

Heidi schreibt am 17. Juni 2012

Zunächst: Ich schätze Stil und Inhalt der “Zeit zu leben”-Artikel in der Regel sehr. Nun konnte ich es kaum glauben, einen Ratschlag zum Ansprechen unbekannter Männer auf der Strasse zu finden über das Kompliment “Schöner Hintern.” Ein Smiley ist dahinter, soll das heissen das ist doch nicht so ganz ernstgemeint oder ironisch zu verstehen?! Falls ja: Das nehmen manche tatsächlich ernst! Ich wünsche mir da mehr Sensibilität. Ich würde eine solche Anrede auf der Strasse von Fremden als äusserst distanzlos, unhöflich und je nach Situation auch als sexistisch empfinden. Kommentare zu meinem Hintern akzeptiere ich allenfalls nur von guten FrendInnen.

Nonofleur schreibt am 18. Juni 2012

..also jemanden Fremden mit “schöner Hintern” anzusprechen finde ich tatsächlich eher etwas befremdlich..ich als Frau fände sowas (von einem Fremden) auch eher anzüglich..ich weiss aber nicht, wie das bei Männern ankommt (?)..

Floh schreibt am 18. Juni 2012

Also, ich muss sagen, dass ich (Frau) persönlich nichts dagegen hätte, wenn mir jemand “Schöne Hintern” sagen würde.

Ich muss dazu sagen, dass es natürlich ganz darauf ankommt, wer es in welchem Ton zu mir sagt.

Es sollte schon nett bis keck rüberkommen, und nicht sexistisch reduzierend. ;-)
Und der Altersunterschied sollte nicht zu groß sein bzw. man sollte grob einschätzen, wie der-/diejenige vom Typ her wohl drauf ist, dem man es sagt.

Aber grundsätzlich find ich’s eigentlich witzig. :-)

Daniele Cipriano schreibt am 1. August 2012

Das liebes Zeit zu Leben Team für diese ausführliche Hilfe.
Eigentlich ist es ganz einfach: Einfach anfangen. Blickkontakt und Smalltalkt helfen sehr, z. B. das Wetter, der Ort, Gemeinsamkeiten.

Danke für die Einschätzung, dass man sehr oft auf die Nase fallen muss um es wirklich üben zu können.