Sagen Sie „Nein“ und erreichen Sie Ihre wichtigen Ziele

richtung

Vor einigen Wochen wurden die Menschen rund um die Bundeshauptstadt Berlin mit der Nachricht konfrontiert, dass sich die für den 3. Juni vorgesehene Eröffnung des neuen Flughafens verzögere, voraussichtlich bis März 2013. Ausschlaggebend seien Probleme mit dem Brandschutz, so die Verantwortlichen. Und zur Illustration werden Hintergrundgeschichten wie diese berichtet:

In einem großen Lagerraum im Untergeschoss des Terminals wurde ein Feuermelder installiert. Die Firmen, die diesen Raum als Lager nutzen wollten, verlangten Trennwände. Als die Wände eingebaut waren, stellte man fest, dass jeder der auf diese Weise neu entstandenen Räume einen Feuermelder benötigt, der mit der Meldezentrale verbunden sein muss. Bei der Installation dieser Feuermelder wurden mehrere Signalkabel für andere technische Systeme beschädigt. Diese Kabel konnten nicht geflickt werden, sondern mussten über mehrere Hundert Meter neu gezogen werden …

Kennen Sie das aus Ihrem Leben?

Sie wollen sich beruflich neu orientieren oder sich einen langgehegten Traum erfüllen und ein Buch schreiben. Sie beginnen, Ihr Vorhaben zu planen, und legen die Schritte fest, die zum Ziel führen. Und gehen mit Elan ans Werk. Dann tritt ein Problem auf: In Ihrer Firma ist eine Umstrukturierung geplant und Ihr aktueller Job ist nicht mehr sicher. Dann hat die Sicherung des Arbeitsplatzes erst einmal Vorrang. Oder die Recherchen für das Buch gestalten sich umfangreicher als gedacht. Und Sie passen Ihren Plan an und konzentrieren sich ganz auf die ausführliche Recherche. In beiden Fällen vergeht natürlich Zeit. Der Sommer naht und Sie müssen den Familienurlaub vorbereiten. Nach der langen Urlaubsauszeit fällt es Ihnen zunächst wieder schwer …

Viele gute Vorhaben und Ideen erleben ihre Realisierung nicht. Sie scheitern an einer Verkettung von unerwarteten Situationen, deren Handhabung man umgangssprachlich auch als Durchwursteln oder Improvisieren beschreibt. Unplanbarkeit ist ein normaler Dauerzustand in einer Zeit, in der die Welt zunehmend komplexer wird. Wir stehen permanent vor Entscheidungen. Es fällt schwer, Kurs zu halten. Große Pläne lassen sich schon lange nicht mehr 1 : 1 umsetzen. Weil viele Wege zum Ziel führen. Weil wir oft erst mit Verzögerung wissen, ob wir uns erfolgreich entschieden haben. Und weil sich die Rahmenbedingungen oft so schnell ändern, dass wir unsere Ziele anpassen müssen. Für eine komplexer werdende Welt sind Experiment und Improvisation oft die richtige Strategie.

Unsere Flughafengeschichte geht aber noch weiter. Vor der Entscheidung, die Trennwände einzubauen, gab es auch den Vorschlag, Trenngitter zu installieren. Dann wären nicht weitere Feuermelder und Verbindungen zur Meldezentrale notwendig geworden und die Signalkabel würden weiterhin unbeschädigt in den dafür vorgesehenen Versorgungsschächten liegen.

Manche Improvisationen, die weitere Improvisationen nach sich ziehen, die dann unsere Pläne über den Haufen werfen, beginnen mit Entscheidungen, deren Motive nicht recht klar sind oder im Konflikt miteinander stehen. Die Projektverantwortlichen des Flughafens ließen sich bei ihrer Entscheidung offenbar von ihrem Servicedenken gegenüber den künftigen Mietern leiten. Und nicht von dem Anspruch, ein kompliziertes System nicht noch komplizierter zu machen.

So ist es auch in unseren lebenspraktischen Beispielen. Die Konzentration auf den momentanen Job erfolgte, weil die kurzfristige Sicherheit stärker wog als ein langfristig erfülltes Berufsleben. Die Entscheidung für die Buchrecherche war auch ein „Ja“ zu mehr Sicherheit durch noch mehr Informationen, aber die Fertigstellung des Buches – Ihr großer Traum – rückt dadurch erstmal wieder ein Stück in die Ferne.

Nicht das komplexe Leben oder unerwartete Zufälle durchkreuzen unsere Pläne, sondern wir selbst tun das, indem wir „Ja“ sagen und improvisieren, wo ein „Nein“ und klare Grenzziehung geboten wären. Dadurch erhöhen wir die Komplexität und die Fehleranfälligkeit – bei technischen Systemen wie auch in unserem Alltag.

Die Umstrukturierung kann nicht nur eine Gefahr für den Job sein, sondern auch eine Chance für den Neuanfang. Statt immer weiter für ein Buch zu recherchieren, kann die Entscheidung dagegen befreiend wirken und einer aktiven schöpferischen Phase den Weg bereiten.

Halten Sie Ihr Leben einfach! Durch ein klares „Nein“. Ein „Nein“, das nicht verneint, sondern ein Bekenntnis zu Ihren wichtigen Werten und Zielen ist. Wenn Ihnen klar ist, welchen Werten Sie in Ihrem Leben folgen. Wenn Ihnen bewusst ist, auf welches große Ziel Sie zusteuern. Dann werden Sie mit Freude und aus Überzeugung „Nein“ zu Umwegen und Kompromissen sagen. Und wenn es Ihnen schwerfällt, diese Grenze zu ziehen, dann machen Sie vorher einen kleinen Test: Was wird durch mein „Nein“ leichter und einfacher? Welche Werte und Ziele unterstütze ich dadurch?

Über Stefan Pinter

Im Hauptberuf berate ich Politiker. Außerdem bin ich Coach und Kommunikationstrainer (www.einfachcoaching.com). Und stelle dabei oft fest, dass die Methoden des Selbstmanagement nicht dauerhaft erfolgreich sind, weil sie nicht berücksichtigen, wie diejenigen "ticken", die sie einsetzen sollen. Daher arbeite ich als Coach gern mit Persönlichkeits-portraits.

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich leidenschaftlich mit dem (Lebens-)Rhythmus. Auf diese Weise ist auch die Xing-Gruppe "Leben im Rhythmus" mit über 600 Mitgliedern entstanden.

Wie finden Sie den Beitrag?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1)
Loading ... Loading ...
Raus aus dem Gedankenkarussel - 2 einfache Fragen, die einen aus Gedankenschleifen rauskatapultieren können.

Kommentare

Kiki schreibt am 24. Juni 2012

Aus meiner beruflichen Erfahrung weiss ich, wie schwierig es fuer viele Menschen ist, “Nein” zu sagen, auch wenn ihnen klar ist, dass dann vieles einfacher in ihrem Leben waere. Hinter einem nicht gesagten Nein stehen Aengste vorm Nicht-geliebt-werden, Verlassen-werden… etc. Tiefsitzende Glaubenssaetze, die bereits in der Kindheit gepraegt worden sind halten uns vor solch klaren Aussagen ab und lassen uns lieber Ja sagen, wo ein Nein viel autentischer waere. Deshalb sollten wir uns fragen, wovor habe ich Angst, wenn ich Ja statt Nein sage. Wie sehen mich dann die anderen? Und: Ist das wirklich wahr? Was ist eigentlich das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich Nein sage?

Georg schreibt am 25. Juni 2012

danke für ihren wunderbaren beitrag, er hat mich in einer wichtigen Entscheidung heute bestärkt! Danke! :)

Nete schreibt am 25. Juni 2012

Die Pointe dieses Artikels ist die Äußerung, dass ein “NEIN” keine Ablehnung gegen etwas ist, sondern im Grunde ein Ja für etwas anderes, etwas das uns wichtiger ist. Diese Denkweise hilft total, sich zu einem Nein zu bekennen. Denn dann lehne ich nicht einfach ab, sondern bekenne mich für etwas.
Vielen Dank, das war ein- und erleuchtend, denn bis jetzt hab ich mich immer schwach und nicht durchsetzungsfähig gefühlt, wenn ich mal wieder nicht Nein sagen konnte.

Henriette Beier schreibt am 25. Juni 2012

Ich finde auch die Sichtweise ein “Nein” als ein “Ja” zu mir, zur meine Ziele und Werte sehr Konstruktiv. Es macht mich Ruhig und gibt mich zurgleich Motivation und Energie richtung meine Ziele.
Eigentlich reise ich schon lange mit der Überzeugung das andere nicht was gegen mich tun – sondern für sich selbst was auch sehr angenehm ist, nur fehlte mir irgendwie diesen Teil die ganz gut dazugehört…
Danke dafür.
Liebe Grüsse,
Henriette (Dänin)

danny schreibt am 26. Juni 2012

Danke für diese Geschichte. Ich bin gerade sehr in einer persönlichen Umbruchphase und diese Geschichte bestärkt mich darin meinen Weg weiterzugehen.

Dagmar schreibt am 29. Juni 2012

Leider wurde ich auch so erzogen, dass mir ein NEIN immer schwer über die Lippen kam. Sei ein braves Mädchen…. Bis es mich beruflich im wahrsten Sinne des Wortes aus den Schuhen gehauen hat. Ein heilsamer Sturz.

Heute sage ich NEIN, wenn ich NEIN meine. Basta. Die Folge ist ein einfacheres Leben. Was hatte ich erwartet? Das der Himmel über mir zusammenstürzt, wenn ich NEIN sage? Zu meinem Erstaunen wurden die meisten NEINS akzeptiert. Wenn nicht, ist mir das inzwischen auch egal. Ich bin nicht auf der Welt, um den Anforderungen anderer Menschen gerecht zu werden.

Die positiven Folgen sind ein besserer – wenn auch schlechter bezahlter – Job und mein begonnenes Studium. Ich liebe mein Leben und danke euch für den schönen Beitrag.

Viele Grüße
Dagmar