Mehr und weniger planen

planenodernicht

Wenn man die guten Dinge im Leben bekommen will, soll man sich dann eher Ziele setzen und geplant vorgehen oder soll man sich eher dem Leben anvertrauen und sich treiben lassen?

Wobei ich mit den guten Dingen hier unsere typisch menschlichen Wünsche meine, wie (finanzielle) Sicherheit, Wohlstand, Miteinander, Autonomie, Partnerschaft, Anerkennung.

Wenn man diese guten Sachen möchte, sollte man dann im Leben eher zielorientiert vorgehen und sich anstrengen oder eher ganz entspannt darauf vertrauen, dass das Richtige schon passieren wird?

Ich habe auf diese Frage natürlich auch keine definitive Antwort. Aber ich habe in den vergangenen 20 Jahres beides ausprobiert und meine Erfahrungen mit beiden Ansätzen gemacht.

Früher war ich zum Beispiel ein großer Planer meines Lebens. Ich habe mir konkrete Ziele gesetzt und die Erreichung der Ziele Schritt für Schritt durchgeplant. Zum Beispiel die Selbstständigkeit. Ein Instrument zu lernen. Aufs Land zu ziehen. Ein Haus zu kaufen. Und, und, und.

Ziele zu setzen, den Weg zu den Zielen zu planen, hat bei mir erstaunlich oft geklappt. Ich habe viele Dinge erreicht, die am Anfang nur eine Zielvorstellung auf dem Papier waren und die ich dann in kleinen Schritten umgesetzt habe. Natürlich musste ich auf meinem Weg meinen Plan oft überarbeiten, aber das ist bei der Projektplanung eben so. Ich habe durch Zielsetzung viele der oben zitierten guten Dinge bekommen. Und natürlich habe ich auch meinen Preis dafür bezahlt, wie immer im Leben.

Planung und systematisches Umsetzen funktioniert also tatsächlich und man erhöht dadurch die Chancen, sein Ziel wirklich zu erreichen. Das ist übrigens auch das Ergebnis einer groß angelegten Studie des Psychologieprofessors Richard Wiseman. Zielplanung macht erfolgreicher. Aber: Ziele so zu erreichen, ist auch anstrengend und es kostet Kraft und Überwindung. Vielleicht gehen deswegen so wenige auf diese Art vor.

Ziele und Planung sind aber natürlich kein 100%iges Erfolgsrezept. Bei mir hat das mit den Zielen und dem Planen auch oft gar nicht geklappt.

Manchmal war das Ziel zu komplex, so dass es im Detail wahrscheinlich einfach nicht planbar war. Manchmal hat sich das Ziel auch als Strohfeuer herausgestellt, also als ein Wunsch, den ich nach 2 Monaten nicht mehr so attraktiv fand wie noch am Anfang. Und wenn das Ziel einen nicht mehr zieht, hilft natürlich auch ein Plan nichts. Manchmal hat es mit einem Ziel auch nicht geklappt und dann habe ich hinterher gemerkt, dass das auch gut so war. Da war es also gut, dass ich gescheitert bin. Erkennen kann man das aber erst hinterher.

In den letzten Jahren habe ich das mit den Zielen allerdings ein bisschen aufgegeben. Ehrlich gesagt habe mir schon wirklich lange keine großen Ziele mehr gesetzt, dazu Pläne gemacht und diese Pläne systematisch umgesetzt. Außer vielleicht im geschäftlichen Bereich. Was die großen Schachzüge in meinem Leben angeht, da verlasse ich mich heute eher auf meine Intuition und schwimme so einigermaßen entspannt im Fluss des Lebens. Und das klappt auch erstaunlich gut. Ich habe hier jedenfalls das Gefühl, das Leben meint es gut mit mir.

Wenn man sich zurücklehnt und sich treiben lässt, dann wird das Leben natürlich auch ein bisschen unwägbarer, als wenn man alles durchplant. Es passieren dann Dinge, die man nicht unbedingt erwartet hat und die man manchmal zuerst so auch gar nicht wollte. Wobei sich bei mir auch die unerwarteten Erfahrungen im Nachhinein immer als gut und richtig herausgestellt haben.

Meine Erfahrung ist also:

(1) Ziele setzen und hart arbeiten funktioniert. Insbesondere, wenn man weiß, was man will. Zum Beispiel, wenn es darum geht, das eigene Einkommen zu vergrößern, einen besseren Arbeitsplatz zu finden, Freunde zu gewinnen. Und auch wenn man merkt, dass das Leben einem von alleine nicht die ganzen guten Dinge zuspielt, dann würde ich immer wieder anfangen, Ziele zu setzen und diszipliniert daran zu arbeiten.

(2) Loslassen und sich auf das Leben einlassen funktioniert auch. Vielleicht sogar am besten dann, wenn man bereits in vielen Bereichen des Lebens das hat, was man braucht. Vielleicht weil man selbst dann bereits eingenordet ist. Oder weil unser Leben dazu tendiert, die grundsätzliche Richtung beizubehalten, die man eingeschlagen hat. Also vielleicht erst mal mit Energie und Leidenschaft in die gewünschte Richtung paddeln. Und dann kann man die Ruder aus dem Wasser nehmen, sich zurücklehnen und sich treiben lassen.

Vielleicht ist das sogar die wahre Lebenskunst, phasenweise beides zu können, also manchmal hart zu arbeiten und sich manchmal treiben zu lassen.

( Kurz nachgefragt: Steht bei Ihnen eine Entscheidung an? Dann werfen Sie doch mal einen Blick auf unsere Entscheidungs-Werkstatt

John Lennon hat ja mal gesungen:

„Life is what happens to you while you’re busy making other plans.“ („Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“)

Dieses Zitat wird häufig als Argumentation verwendet, dass Planung nichts bringt.

Dabei war John Lennon jemand, der eine sehr genaue Vorstellung davon hatte, was er wollte, und der lange Zeit sehr erfolgreich und sehr diszipliniert Musik gemacht hat :-). Auch er hat also seine Phasen gehabt, wo er systematisch und hart gearbeitet hat.

Wenn man die guten Dinge im Leben bekommen will, soll man sich dann eher konkrete Ziele setzen und planen? Oder soll man sich dem Leben anvertrauen und loslassen?

Meine Antwort lautet: beides. Und zwar jeweils zur genau richtigen Zeit.

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Kommentare

Sylvia Gräfen schreibt am 15. Juli 2012

“Mehr oder weniger planen” ist für mich (63 Jahre jung) keine Frage, sondern die Kunst, das Richtige im richtigen Moment einzusetzen bzw. zu handhaben. Richtungsweiser ist meine Intuition, die sich u. a. aus vielen Erfahrungen mit mir selbst und aus Beobachtung der Menschen meiner Umgebung speist. Konkret und akribisch auf ein bestimmtes Ziel hin planen kann sehr hilfreich sein – aber auch sehr hemmend. Mich innerlich zurücklehnen und geschehen lassen kann sehr befreiend sein und lässt mich u. U. Ziele erreichen, die mir nie eingefallen wären – birgt aber auch die Gefahr des inneren Schlendrians in sich.
Entscheiden, wann was in welchem Ausmaß dran ist – das ist die Kunst. Jedoch, ich bekenne: Mit zunehmendem Alter empfinde ich immer stärker die Freiheit in mir, geschehen zu lassen – und mich so von den ungeahnten Möglichkeiten des Lebens überraschen zu lassen.

    Ulrike schreibt am 16. Juli 2012

    So hätte ich es auch in Kürze geschrieben!
    Danke!
    Gut Sylvia !

    ich sehe es so und lebe es auch so
    mal so mal so – immer wieder einlassen, loslassen, aufstehen, weiter gehen, leben halt……vertrauen!!!
    Ich glaube an das Gute im Menschen !

    alles Gute und viel Freude !
    Ulrike

Kirstin schreibt am 15. Juli 2012

Vielen Dank Ralf, für diese Gedanken…..als ich die ersten Zeilen las und mir klar wurde, um was es ging, war ich sehr, sehr gespannt, wie deine Erfahrung dazu sein würde, denn diese Frage hat mich immer sehr beschäftigt. Ich lese viel zum Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, und das Setzen von Zielen und Abarbeiten der Schritte dahin, wird ja an soooo vielen Stellen als der einzig richtige Weg beschrieben. Da ich mich aber auch in so Sätzen wie ‘Du musst den Fluß nicht anschieben’, den mal ein Gestalttherapeut zu mir sagte, als ich wieder mal voller Kontrollwahn in meinem Leben am ackern war, wiederfinde und die tiefe Ruhe und Befreiung darin erkennen kann, wenn ich das mal wirken lasse, dann fühle ich mich immer zerissen. Da ist diese Sehnsucht in mir, mich dem Leben anzuvertrauen, darauf zu vertrauen, dass schon für mich gesorgt ist bzw. dass die Dinge schon für mich richtig kommen werden, wenn ich mich ehrlich darum bemühe, ein “halbwegs guter Mensch” zu sein – zu mir und zu anderen und niemandem wissentlich Schaden zufüge…bisher habe ich in meinen fast 40 Jahren auch die Erfahrung gemacht, dass das Leben es tatsächlich gut mit mir meint…..und dann kamen da immer die vielen Stimmen, die sagen, man müsse Ziele haben, planen, daran arbeiten…..alles in mir streubt sicht….schön, dass du heute über deine Erfahrungen schreibst, die mir gut nachvollziehbar sind und mir helfen, ein bisschen meinen inneren Widerstand aufzugeben, indem ich mir erlaube innerlich zu sagen ‘siehste, da gibt es noch mehr Menschen, die sagen, sich dem Fluß des Lebens anzuvertrauen kann ein guter Weg sein’, aber eben auch genauer zu schauen, denn ich habe schon an manchen Stellen das Gefühl, dass ein bisschen mehr gezieltes Vorgehen gut sein könnte, um beruflich noch mal die zarten Keime der Veränderung die in mir schlummern, zu nähren und zu pflegen und gezielt zu schauen, was habe ich für Talente und Anlagen, wer bin ich …und wie kann ich damit mir und anderen dienlich sein.
Oh – viele Worte… du siehst, du hast was losgetreten, herzlichen Dank dafür!

Patricia schreibt am 15. Juli 2012

Lieber Ralf,
dieses Thema passt haargenau auf meine derzeitige Situation. Ich stelle derzeit mein Leben komplett auf den Kopf. Ich habe eine bewußte Entscheidung getroffen, um mich von meinem alten Leben zu “befreien”. Nun, da ich die Freiheit habe, weiß ich noch nicht, wie es weitergehen soll. Das macht mir allerdings keine Angst. Ich lasse mich so lange treiben bis ich auf Zeichen und Hinweise treffe, die mir helfen, mein neues Leben weiter zu gestalten. Bisher hat mir die Erfahrung nämlich eher gezeigt, dass das Leben nicht planbar ist.
Ich vertraue auf das Leben und auch wenn ich ein paar Umwege nehme, weiß ich sicher, dass am Ende alles gut wird.
Liebe Grüße
Patricia

Regina schreibt am 15. Juli 2012

Ich bin auch der Meinung, dass es auf die richtige Mischung ankommt. Hat man erstmal ein sozusagen geplantes Ziel und beginnt darauf hinzuarbeiten, dann öffnen sich plötzlich Türen auf dem Weg, die einem weiterhelfen, mit denen man nie gerechnet hat und die man nie hätte einplanen können.
Und ich denke, das ist die Kunst, dieses anzunehmen und zu sehen, wie sich alles weiterentwickelt. Man nennt das auch manchmal glückliche Zufälle, wenn man den richtigen Menschen begegnet, die einem weiterhelfen können oder irgendwas passiert, was einem auf dem Weg zum Ziel behilflich ist, aber ich denke, das zeigt einem genau, dass man auf dem richtigen Weg ist, wenn diese “Zufälle” passieren und dann muss man sie annehmen und es geschehen lassen ohne jedoch ganz die Planung zu vergessen.

Anne schreibt am 15. Juli 2012

Hallihallo miteinander,

ja das mit dem Planen ist eine delikate Angelegenheit. Ich hatte zum Beispiel sosehr mein Ziel vor Augen, es war fast am Gelingen, ich lebte in meine Lebensvisson hinein – das Ziel vor Augen. Entbehrungen, 7-Tage-Woche, Kapital, alles hatte ich gegeben und leider durch äußere Umstände wurde mir alles genommen. Ich stand vor dem Schrotthaufen einer Illusion? einer verbohrten Zielverfolgung? Hatte ich innere Stimmen überhört, dass da was im “Busch” ist?
Planen ist gut, Ziele zu haben ist wichtig. Mich beschäftigt an dieser Stelle die Frage: und was kommt danach? Wenn Ziele zerschlagen werden, wie füllt man diese Leere – mit neuen Zielen? Ist das “zielführend”?
Sei`s drum: aufstehen, Schmutz abwischen, Krone zurecht rutschen, weiter gehen…und lächeln nicht vergessen :-)
In diesem Sinne
Plane gut, schau in dich hinein, korrigiere, lass dich überraschen

Herzlichst

    Petra schreibt am 16. Juli 2012

    Liebe Anne,

    Du sprichst da einen sehr heiklen Punkt an. Wie fühlt man sich, wenn man voller Enthusiasmus seiner Vision gefolgt ist, alles gegeben hat – 7-Tage-Woche; den Preis gezahlt hat, die Sommerblumen nicht zu bemerken, den See links liegen gelassen hat, Freunde und Familie für eine Zeit lang zurückstellte – kurz: fest an sein Ziel glaubte. Und dann scheitert!!!! Das ist echt hart und ich bin nicht sicher, ob es einem gelingt, einfach nur die Krone aufzsetzen und weiter zu laufen. Schließlich ist in diesem Fall nicht nur der Traum sondern das gesamte Weltbild zerstört – denn es heißt doch überall: glaube an Deine Vision, arbeite hart dafür – dann wird es schon gelingen..

    Also dann doch lieber einfach treiben lassen ohne Ziel und ohne Enttäuschung…???

    Allen eine schöne Woche!

Gaby Feile schreibt am 15. Juli 2012

Vielen Dank für diesen Artikel. Mal ehrlich: welcher Plan geht wirklich genau so auf, wie man ihn festlegt? Selbst wenn wir planen, müssen wir mit Unvorhergesehenem rechnen und flexibel darauf reagieren. Da hilft der schönste Plan nichts. Ein Plan kann helfen, Struktur ins Leben zu bringen, wenn man das braucht. Meine Erfahrung ist, dass man das dann eher braucht, wenn man nicht so genau weiß, was man will. Oder wenn man es zu genau weiß! Ich selbst halte es nun auch eher mit John Lennon, obwohl ich früher sehr viel geplant habe und mir Ziele gesetzt habe. Doch nach Erreichen der Ziele war dann irgendwie eine Leere, und ein neuer Plan musste her. Seit ich offener bin für das, was das Leben mir bietet, bin ich viel entspannter. Ich brauche mich nicht an die To-Dos halten, sondern kann spontan entscheiden. Und das Schönste: es ist alles viel stimmiger und entspricht eher meinen Bedürfnissen. Statt Zielen habe ich nun eine Vision, und alles, was diese Vision lebendig macht, lasse ich zu!

Übrigens: für die täglichen Aufgaben ist ein Plan gar nicht so schlecht, solange er flexibel ist und Puffer beinhaltet.

Viele Grüße

Gaby

    Doris Maas schreibt am 16. Juli 2012

    Hallo Gaby, das ist ein aus meiner Sicht sehr hilfreicher Kommentar. Davon kann ich mir eine “Scheibe abschneiden”. Ab welchem Alter konntest Du diese Lockerheit leben? (Geht mich zwar nichts an, interessiert mich jedoch ;o))) ) Ich wünsche Allen einen schönen Tag

Bruno Masching schreibt am 16. Juli 2012

Ebenfalls danke für den Beitrag. Wie Sie schon in ihrem Schlusssatz sagen gibt es auch hier nicht nur Schwarz und Weiß. Es gibt Zeiten und Momente da hilft das geplante Vorgehen um seine Ziele zu verwirklichen und umzusetzen. Dass wir das Leben nicht planen können ist Ansichtssache, dass es nicht immer so kommt wie wir es planen ist Fakt. In Zeiten in denen wir durch unplanbare Erlebnisse emotionalen Stimmungen unterworfen sind wird Planung keinen Raum haben. Ob und wie lange das so bleiben soll muss jeder dann für sich entscheiden. Aber alle die diesen Artikel kommentiert haben kennen ja beide Seiten und sind dadurch in der Lage den Schalter umzuswitchen.
Was ich allerdings meine festgestellt zu haben ist, dass Menschen die sich nur treiben lassen sich oft in einem Zustand der Unzufriedenheit befinden.

Gruß Bruno

Ulrike schreibt am 16. Juli 2012

Das Thema passt so was von genau zu meiner derzeitigen Situation. Nach 15 Jahren Selbstständigkeit und nach 6 Jahren Versuch als Angestellte Fuß zu fassen, bin ich nun arbeitslos und habe mich entschlossen ein Sabbaticel-Jahr daraus zu machen, zugegeben mit einer finanziellen Absicherung für 15 Monate (bin über 50). Das Jahr wird mein Jahr. Ich lasse mir von anderen nicht mehr erzählen was Erfolg ist und wie ich mein Leben zu leben habe. Ich lass mir nicht mehr erzählen, dass man nur mit einer optimalen Zieldefinition und Planung “alles” im Leben erreicht. Ich lerne im Moment, mich im Fluss treiben zu lassen. Ich lerne, meine Bedürfnisse wahrzunehmen. Ich lerne, mich selber zu respektieren. Meinen “Schlendrian”, meinen “inneren Schweinehund” habe ich lange unterdrückt und sie durften nicht sein. Ich heiße sie jetzt willkommen. Berufsziele, Körperziele, Schönheitsziele, Geldziele, Elternziele etc. haben mein Leben diktiert und ich bin dabei verloren gegangen. Es ist so schön, sich einfach mal gehen zu lassen. In diesem Sinne wünsche ich alle eine schöne ungeplante Zeit – einfach leben. :-)
Herzlichen Gruß, Ulrike

Gerit Weinhold schreibt am 22. Juli 2012

Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst?
Mach Pläne!

Daniela Bornemann schreibt am 23. Juli 2012

Ihr Lieben,
danke für diesen tollen Artikel und für die tollen Kommentare!!! Ich denke, hier handelt es sich um ein ganz besonders wichtiges Thema im Leben eines jeden Menschen, egal wie alt, egal welcher Wissensstand vorhanden ist…es ist einfach wichtig zu wissen, was einem im Leben wirklich gut tut und etwas bedeutet. Und das findet man nicht im Aussen, in dem man sich dem Mode-Diktat unterwirft oder sich das entsprechende Haus und Auto leisten kann. Auch ich habe früher alles genau geplant und zum Teil sehr hart daran gearbeitet, es auch umsetzen zu können. Damit einher ging aber auch bei mir ein Gefühl der Leere, wenn das Ziel erreicht war. Durch die Geburt meiner Tochter entdeckte ich dann die wahren Werte im Leben…ich hatte sie immer gekannt und gelebt, jedoch immer geglaubt, dass ein zufriedenes Leben nur möglich ist, wenn man hart dafür arbeitet. Nun, wie ich feststellen durfte, ist dem nicht so! Ich bin vor einigen Jahren durch eine grosse Krise gegangen, die mir regelrecht den Boden unter den Füssen weggezogen hat. Auch davor war mein Leben nicht ‘einfach’ aber in diesem Moment gab es für viele Wochen und Monate nur noch eins: völliges Gottvertrauen! Es war das einzige, was mich aufrecht gehalten hat…der Glaube daran, dass alles wieder gut wird und es sich irgendwie für alle Beteiligten richtig und gut regeln wird. In dieser Zeit habe ich die wichtigsten Lernlektionen meines Lebens gelernt: weiterhin Vertrauen zu leben und dem Grundsatz zu folgen: ‘Was Du nicht willst das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu’. Und es hat geholfen!!! Mit dem heutigen Abstand betrachtet weiss ich, dass die ganzen Ereignisse mich auf meinen Weg bringen sollten…und es hat funktioniert! In dem Moment, in dem Türen sich geschlossen haben, gingen viele neue Türen auf. Heute bin ich selbstständig in einer Branche tätig, die erst ganz langsam ins Bewusstsein der Menschen kommt. Ich kann nur Teilzeit arbeiten, weil ich meine Tochter grossziehe und trotzdem funktioniert es. In dem Existenzgründungskurs, den ich vor 4 Jahren besuchte, hat man mir vorgerechnet, dass meine Arbeit sich nicht rechnen wird und von meinem früheren Standpunkt als Planerin sah ich das genauso. Dennoch wusste ich: ich werde in 5 Jahren ein Reiki-Institut gegründet haben, bei dem viele Menschen mitarbeiten und sich gegenseitig unterstützen, damit es den Hilfesuchenden schnell besser geht. Diesen Wunsch hatte ich immer und habe ihn im vollen Vertrauen an die geistige Welt gegeben, dass es bitte funktionieren würde, wenn es für alle Beteiligten richtig sei. Und so ist es…es entwickelt sich immer besser und mehr, es treten immer mehr Menschen in mein Leben, die zu meiner Art zu denken passen…alles ergänzt sich. Und trotzdem: da ich selbstständig und alleinerziehend bin, muss ich auch planen und organisieren. Denn meine Tochter möchte nach der Schule ja schliesslich etwas essen und Begleitung bei den Hausaufgaben haben, sich mit Freundinnen verabreden usw. Da muss ich planen. Was jedoch den Rest des Alltags und vor allem die Zukunft angeht, lasse ich mich führen und geniesse die kleinen Momente. Im Zusammensein mit meiner Tochter, beim Spaziergang, beim Betrachten des Himmels, beim Mittagessen auf der Picknickdecke…diese Momente sind Dank der Planung drumherum dann immer wieder möglich und ich versuche, sie vollkommen auszukosten. Meine Arbeit würde ohne Planung sicher auch nicht funktionieren…aber die Art der Planung ist anders geworden. Ich plane nicht mehr jedes Detail durch und prüfe ständig, wo ich stehe. Ich stelle mir vor, wie es für uns gut sein könnte und dann werde ich dorthin geführt. Natürlich muss ich meine Schritte auch gehen und handeln…trotz allem sind die Sorgen weniger und das Leben im Fluss des Lebens ist einfach viel viel angenehmer, spannender und spontaner… :-)
Der folgende Ausspruch von Goethe hat mich während meiner Gründungszeit begleitet:
‘Was immer Du tun kannst oder glaubst zu können, beginne es.
Kühnheit besitzt Magie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt.’
Ich wünsche mir für jeden Menschen auf dieser schönen Erde ein Leben in Harmonie mit sich selbst, dann kommen die richtigen Pläne im richtigen Moment zum Vorschein. Und wenn wir alle unser wahres Potenzial leben, kann es doch nur gut für uns alle sein…
Ich wünsche allen Lesern viel Freude beim Planen und sich treiben lassen :-)

Rita schreibt am 6. August 2012

Hallo zusammen

Ich habe mich mit grosser Neugierde auf diesen Artikel gestürzt, um zu sehen, wie andere sich in diesem Zwiespalt entscheiden zwischen kopfgesteuertem Planen (gesellschaftsfähig) und bauchgesteuertem Sich-Treiben-Lassen (alles andere als gesellschaftsfähig, aber als Flow wunderbar und sehr kreativ).
… bis mir heute ein- und aufgefallen ist: Man muss sich ja gar nicht unbedingt entscheiden, denn es gibt auch eine Kombination der beiden Prinzipien! Nämlich Herangehensweisen wie z.B. “Bestellen beim Universum”, und wie sie noch alle heissen.

(Wer’s nicht kennt, ich versuche eine kurze Beschreibung: Man startet mit dem eher kopflastigen Planen, indem man den “Liefertermin” setzt und sich mit dem gewünschten Bestellobjekt solange auseinandersetzt, bis man die (für einen selbst wichtigen) Eigenschaften in Form von Kriterien festhalten kann.
Danach gibt man die Bestellung vertrauensvoll auf (z.B. mit einem Ritual – finde ich zumindest hilfreich).
Nach dem Aufgeben der Bestellung muss der Kopf diesen Wunsch völlig loslassen (ganz wichtig! kein Grübeln erlaubt!!). Jetzt zählt nur noch das Vertrauen und die Intuition; d.h. ab hier bis zum Liefertermin kann und muss man sich treiben lassen. Das bedeutet, man sollte intuitiven Impulsen nachgeben und nachgehen, denn über diese kann man zum Ziel geführt werden).

Gemäss meiner Erfahrung funktioniert es nicht immer, aber es hat doch schon einige Male wunderbar geklappt! – Und wenn es nicht klappt (wie kürzlich passiert), kann es auch daran liegen, dass das Projekt einfach noch nicht reif ist. Oder das Projekt so wichtig ist, dass man das Grübeln nicht lassen kann…

Was mir in diesem Zusammenhang auch noch einfällt – kürzlich gelesen: “Tue nichts, was Du nicht aus Freude heraus tust. Warte, bis es Freude macht.” (Joseph Campbell, zitiert in einem Werk von Marshall B. Rosenberg). Freude als Massstab, das geht für mich wieder in Richtung Flow-Erlebnisse. Klar, dass man das nicht überall als Devise nehmen und leben kann, aber es wäre doch schön, wenn die Mehrheit der Aktivitäten im Leben Freude bereiten würde…?