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Die Selbstverständlichkeitsfalle (Seite 2 von 2)

Klar können Sie gut zuhören. Aber das ist ja nichts Besonderes. Man kann sich auf Sie verlassen. Aber das ist ja wohl das Mindeste! Sie haben ein Gespür für Menschen und fühlen sich gut in andere Situationen ein? Das können andere auch. Und dass Sie souverän Präsentationen halten, ist nicht der Rede Wert. Immerhin hatten Sie schon in der Schule immer die Klappe auf und sind das Reden vor anderen von klein auf gewöhnt.

Klingt bekannt? Dann willkommen in der Selbstverständlichkeitsfalle.

Was Ihnen die Falle verrät

Zunächst ist auf jeden Fall interessant, wie Ihre persönliche “Selbstverständlichkeitsfalle” aussieht: Nehmen Sie Pluspunkte und Qualitäten beispielsweise nicht wahr,

Sie sehen schon, wie vielfältig die Gründe tatsächlich sein können, wenn man seine Pluspunkte nicht wahrnehmen möchte – kann – oder sie relativiert.

Gucken Sie sich mal näher an, was für Gründe dahinterstecken.

Tipp 1: Konkret werden

Zunächst ist es auf jeden Fall wichtig, die Eigenschaft/Fähigkeit, um die es geht, selbst genau zu definieren: Was meine ich genau damit? Was ist MEINE Definition (nicht die aus dem Lexikon).

Dann geht’s weiter: Wenn Sie etwas als selbstverständlich abtun, weil Sie der Meinung sind, dass “jeder” das kann oder andere generell besser sind als Sie, dann aber bitte Nägel mit Köpfen machen:

Gehen Sie nicht nur ausgewählte Eigenschaften, Kenntnisse und Fähigkeiten durch, sondern wenn dann alle.

Tipp 2: Einsortieren

Wenn Sie etwas nicht wirklich als wichtig genug oder erwähnenswert einschätzen, dann machen Sie sich doch eigene Kategorien, die passend sind.

Übrigens ist es eine gute Sache, wenn Sie sich mit anderen darüber austauschen: Dabei muss es gar nicht mal direkt um Sie gehen. Vielleicht möchten Sie beim nächsten Schwatz mit Freunden oder Kollegen einfach mal darüber sprechen, wie Sie bestimmte Eigenschaften/Fähigkeiten finden.

Und dann gibt es mal eine Diskussion darüber, was einen guten Zuhörer eigentlich genau ausmacht und wie oft oder selten man auf welche trifft. Ganz nebenbei klären sich oft Unklarheiten oder gar Schwierigkeiten, weil man die Tür zu entsprechenden Themen öffnet.

Tipp 3: Anstrengung gefällig?

Nicht wenig Menschen verbinden etwas, worauf man stolz sein kann (oder das für Sie passende Wort, wenn Ihnen “Stolz” zu stark ist), mit Anstrengung. Nur wenn man auch Aufwand betreibt oder sich so richtig anstrengt, dann kann man es als gute Eigenschaft, als etwas Besonderes bzw. “hart Erworbenes” annehmen.

Leider führt das dazu, dass beispielsweise jemand, der seit jeher ein Talent für Grafik hatte, das nicht mehr als tolle Fähigkeit ansieht – denn er schüttelt es ja aus dem Ärmel. Menschen, die am Telefon lebendig und mitreißend sind, erkennen diese tolle Eigenschaft nicht an (“Was mach ich schon groß!”).

Wer Anstrengung/harte Arbeit damit verbindet, eigene Qualitäten wahrzunehmen und auch anzuerkennen, der hat wahrscheinlich irgendwo fest einprogrammiert, dass ohne Anstrengung/”Leistung” kein Ergebnis rauskommt, auf das man stolz sein könnte – oder das man für sich positiv verbuchen darf.

Tipp 4: Ich will nicht so im Mittelpunkt sein

Manchmal ist das Nicht-sehen-und-anerkennen-Wollen der eigenen Stärken auch damit verbunden, dass man sich selbst nicht “so wichtig”nehmen/in den Mittelpunkt stellen möchte. Und weil das passieren könnte, wenn man auch nur darüber nachdenkt, lässt man’s lieber gleich. Beziehungsweise baut sogar vor, indem man für sich den “Stärken-Ball” immer schön flach hält.

In diesem Fall: Lösen Sie sich von der Vorstellung, damit groß nach außen gehen zu müssen.

Fangen Sie doch einfach damit an, an Ihrem Küchentisch nur ganz für sich selbst mal Bestandsaufnahme zu machen. Und sehen Sie, wie es Ihnen damit geht.

Und: Wenn Ihnen jemand erzählt hat, Sie sollen sich nicht so wichtig nehmen, dann vergessen Sie das mal bitte schnell wieder. Denn Sie sind die wichtigste Person in Ihrem Leben!

© bei Gitte Härter
www.schreibnudel.de

Von Gitte Härter

Gitte Härter war viele Jahre Coach und Trainerin für Businessthemen. Seit einem Jahr hat sie sich mit www.schreibnudel.de ganz auf das Schreiben spezialisiert. Am allerliebsten schreibt sie Bücher – und hat auch schon zwei Dutzend Ratgeber veröffentlicht (Aktuell: "Sorry! Entschuldigungen aussprechen, annehmen, ablehnen")