Ich bin sowieso angreifbar

sowhat

Vor einiger Zeit hatte ich mir einen Zeitungsausschnitt mit einem Interview mit dem deutschen Bundestrainer Joachim Löw aufgehoben. An einer Stelle sagt Löw: „Man muss mal von diesem Gedanken wegkommen, dass ein Trainer immer Angst davor hat, was im Nachhinein möglicherweise passiert.“ Und an anderer Stelle: „Ich bin doch sowieso angreifbar. Egal, was ich mache. Aber das ist eben so, damit muss man leben: Trainer machen nun mal auch Fehler.“

Beim Lesen musste ich an Menschen denken, die ihr Verhalten davon abhängig machen, was im Nachhinein womöglich passieren könnte.

Da sagt oder denkt jemand z. B.:

  • Wenn ich wieder Kontakt zu meinem Vater aufnehme, könnte er mich wieder zurückweisen, und das würde echt weh tun.
  • Wenn ich zugebe, dass ich gerne Klatschblätter lese, werde ich belächelt.
  • Wenn ich die Stelle in Berlin annehme, müssen wir eine Fernbeziehung führen. Ob wir das schaffen?
  • Ich würde mich so gerne selbständig machen, aber dann müsste ich meinen sicheren Job aufgeben. Was passiert mit mir, wenn es schiefgeht?

Die Angst vor Fehlern

Bei diesen und ähnlichen Befürchtungen geht es häufig darum,

  • dass man aneckt oder provoziert und befürchtet, mit den Reaktionen der anderen nicht zurechtzukommen,
  • dass man Angst hat, irgendetwas falsch zu machen,
  • dass man später bereuen könnte, was man getan hat.

Vielleicht kennen Sie solche und ähnliche Gedanken auch. Man möchte am liebsten kein Risiko eingehen. Und in vielen Situationen ist es auch sinnvoll und notwendig, Risiken zu vermeiden. In anderen Situationen können einen Befürchtungen aber auch daran hindern, Chancen zu nutzen oder positive Erfahrungen zu machen. Und in vielen Fällen ist es ein Trugschluss, wenn wir meinen, ein Risiko überhaupt einschätzen zu können. Ähnlich wie bei der Aufstellung einer Fußballmannschaft kann einem niemand hundertprozentig sagen, ob eine Entscheidung richtig ist, ob für einen Jobwechsel oder das Zusammenziehen mit dem Partner. Man kann auch nicht immer vorhersagen, wie andere reagieren. Ein Risiko bleibt also immer bestehen.

Und das ist es auch, was mich an dem Interview so beschäftigt hat. Joachim Löw sagt ganz richtig: „Ich bin doch sowieso angreifbar. Egal, was ich mache. Aber das ist eben so, damit muss man leben: Trainer machen nun mal auch Fehler.“ Und das gilt ja auch für uns alle: Man ist immer angreifbar. Egal, was man macht. Menschen machen nun mal Fehler.

Vielleicht fällt Ihnen auch die eine oder andere Situation ein, in der Sie versucht haben, im Vorhinein alle Risiken abzuwägen, und dann doch alles ganz anders kam als gedacht?

Immer dann, wenn unser Hauptaugenmerk darauf liegt, Fehler und Risiken zu vermeiden, gibt es noch einen anderen möglichen Knackpunkt. Wenn wir Risiken vermeiden wollen und dazu Sachen machen, hinter denen wir gar nicht stehen, laufen wir schnell Gefahr, uns selbst untreu zu werden.

  • Alexandra rüscht sich für ein Date total auf, weil sie meint, dass das der sicherste Weg ist, einen Mann zu beeindrucken. Eigentlich ist das aber überhaupt nicht ihr Ding. Sie beeindruckt so vielleicht sogar den Mann, ist aber nicht sie selbst. Und was bringt ihr dieses Date dann?
  • Bernhard gibt sich seinem Chef gegenüber begeistert, als er gefragt wird, ob er die Arbeitspläne für die Abteilung machen würde. Eigentlich findet er das eine furchtbare Aufgabe. Aus der Nummer kommt er so schnell nicht mehr raus.

Wenn es darum geht, Ziele zu erreichen, Wünsche zu verwirklichen und Entscheidungen zu treffen, ist es keine gute Herangehensweise, wenn wir versuchen, Fehler oder Risiken zu vermeiden. Weil wir meist gar nicht im Vorhinein wissen können, was besser ist, und uns ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir uns untreu werden.

Zu sich stehen

In vielen Situationen ist es auch völlig unnötig, sich von seinen Befürchtungen leiten zu lassen. Vielleicht haben Sie das auch schon erlebt? Sie haben in einer Situation etwas getan, was Sie schon immer tun wollten, sich aber früher nicht getraut haben. In so einem Moment handelt man so, wie es einem wirklich entspricht, ist sich treu und erlebt dann vielleicht, dass das Ergebnis positiver ausfällt als gedacht.

  • Alex hat eine wildfremde Frau angesprochen und ihr gesagt, dass er sie sympathisch findet und sie gerne näher kennen lernen möchte. Und sie hat sich zu einem Kaffee mit ihm verabredet.
  • Martina hat ein schickes Kleid angezogen, obwohl sie sonst eher der Jeanstyp ist. Und entgegen ihren Befürchtungen hat sie einige Komplimente bekommen und wurde nicht schräg angesehen.
  • Daniel hat für die Party mehr Brötchen gekauft, als mit Sylvia abgesprochen war. Zunächst scheint es viel zu viel zu sein. Unerwarteterweise werden fast alle aufgegessen.

Das sind schöne Überraschungen, die einen prima ermutigen können, etwas zu riskieren und sich weniger von Befürchtungen leiten zu lassen. Solche Erfahrungen helfen einem dabei, sich auch in anderen Situationen zu trauen und sich häufiger treu zu sein.

Umgekehrt kann es natürlich auch passieren, dass Befürchtungen eintreffen, man Fehler macht oder etwas gehörig schiefläuft.

  • Alex hätte auch eine Abfuhr bekommen können.
  • Eine Bekannte von Martina könnte abfällig reagieren: „Meine Güte, hast du dich aufgebrezelt. Irgendwie passt das gar nicht zu dir.“
  • Die Hälfte der Brötchen bleibt bei der Party übrig. Sylvia macht Daniel Vorwürfe, dass er zu viele gekauft hat.

Klar, nur weil wir uns selbst treu bleiben, bekommen wir nicht unbedingt angenehmere Rückmeldungen. Wir machen Fehler und treffen Entscheidungen, die sich im Nachhinein als falsch erweisen. Aber, wenn wir hinter dem stehen, was wir tun, lässt sich auch leichter mit kritischen Reaktionen, Fehlern oder Fehlentscheidungen umgehen. Auch wenn andere einem sagen, dass etwas falsch war oder etwas danebenging. Auch, wenn wir selbst merken, dass wir einen Fehler gemacht haben, so lässt sich damit doch leichter leben, weil wir uns selbst treu waren.

  • Alex würde dazu stehen, dass er die Frau angesprochen hat. Klar wäre er enttäuscht, aber es wäre ihm nicht peinlich, weil er sich selbst treu war.
  • Martina könnte sich vielleicht ein wenig unwohl fühlen, würde sich jedoch schnell wieder fangen, weil sie sich freut, dass sie das trägt, worin sie sich wohl fühlt.
  • Daniel steht zu seinem Brötcheneinkauf, weil es ihm wichtig ist, dass auf jeden Fall genug da ist. Und weil er lieber zu viel übrig hat, als dass es von irgendetwas zu wenig gibt.

Wie treu sind Sie sich selbst gegenüber?

Vielleicht haben Sie auch Lust, sich ein paar Gedanken zu Ihrer Treue sich selbst gegenüber zu machen. Dann fragen Sie sich doch mal:

  • In welchen Situationen bin ich in letzter Zeit angeeckt oder habe provoziert, einfach weil ich mich so verhalten habe, wie ich es für richtig halte?
  • In welchen Situationen hätte ich mich in letzter Zeit gerne anders verhalten? So dass ich mehr von dem gemacht hätte, was ich wirklich gut finde?
  • Bei wem verstelle ich mich? Und wieso? Was befürchte ich?
  • Welche Entscheidungen habe ich in letzter Zeit getroffen? Bin ich mir selbst dabei treu geblieben? Habe ich aufgrund von Befürchtungen und möglichen Risiken eine bestimmte Entscheidung gefällt?

Wenn Sie mögen, können Sie sich jetzt gleich auch überlegen, in welchen Situationen oder Beziehungen Sie sich zukünftig häufiger selbst treu sein möchten.

(Etwas anderes:  Haben Sie sich schon einmal unser Projekt: Tagebuch angeschaut? Für alle, die sich schreibend selbst coachen möchten. )

Wenn wir versuchen, uns möglichst treu zu sein:

  • werden wir stärker und gewinnen mehr Selbstvertrauen, weil wir merken, dass wir uns auf uns selbst verlassen können,
  • geben wir uns selbst die Chance, das umzusetzen, was uns wirklich am Herzen liegt: unsere wahren Bedürfnisse, Ziele und Anliegen,
  • können wir uns davon überraschen lassen, dass unsere Befürchtungen vielleicht nur in unserem Kopf bestehen. Vielleicht findet Tante Erna es toll, dass wir in Jeans kommen, weil sie das in ihrer Jugend am liebsten auch getan hätte,
  • geben wir uns selbst die Möglichkeit, Solidarität von unerwarteter Seite zu bekommen, weil andere sich trauen, sich unserer Meinung oder unserem Verhalten anzuschließen.

Fragen Sie sich also:

  • Wem möchten Sie in Zukunft authentischer begegnen?
  • In welchen Situationen wollen Sie mehr zu sich stehen?
  • Welche Meinungen wollen Sie in Zukunft klarer sagen?
  • Was möchten Sie in Zukunft nicht mehr machen?
  • Was ist Ihnen wichtig im Leben?

Falls es Ihnen nicht so leichtfällt, diese Fragen zu beantworten, seien Sie doch in den nächsten Tagen ein wenig achtsamer. Und versuchen Sie, wahrzunehmen, wann Sie sich vielleicht untreu sind oder nicht so richtig zu sich selbst stehen. Oder spüren Sie bewusst in sich hinein, in welchen Situationen und bei welchen Begegnungen Sie mehr zu sich stehen möchten. Nach ein paar Tagen wird es Ihnen dann vermutlich leichter fallen, die Fragen zu beantworten.

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Kommentare

N. Müller schreibt am 9. Oktober 2012

Hallo,

Ich finde diesen Beitrag auch wieder sehr gut,
auch um bestimmte Dinge auch aus einer anderen Sicht, von einer anderen Seite aus zu sehen, sehen zu lernen
wieder ein Stück echter Lebenshilfe.

N. Müller

Schöne des Himmels schreibt am 14. Oktober 2012

Für mich eine der schwierigsten Aufgaben, die es jetzt zu bewältigen gibt. Nachdem ich Jahre den Fokus auf andere hatte (Familie, Partner, …) zu wissen, mehr man jetzt ist und sich treu zu bleiben, fällt sehr schwer. Danke für die Gedankenanstösse.

A.Behrens schreibt am 14. Oktober 2012

Dieser Beitrag kommt für mich im genau richtigem Moment! Nachdem ich eine Kaufentscheidung getroffen hatte, die sich in diesem Moment auch genau richtig anfühlte, kamen mir danach große Zweifel: was sagt mein Partner, ist das nicht eine finanzielle Belastung usw.
Deshalb: ein großes Danke für die Denkanstöße :-)!

Heide Decurtins schreibt am 14. Oktober 2012

Ein sehr guter Artikel, der wieder mal beschreibt, wie kompliziert wir unser Leben gestalten. Als ich bereits im “höheren Alter” mich weiterbildete, nochmals wissen wollte, was in mir überhaupt noch steckt, wurde ich von allen Seiten belächtelt, “beraten” und niedergemacht. Ein Satz, der mir seitdem mein Leitsatz ist, war: Da ich die Gedanken meiner Mitmenschen ja nicht beeinflussen kann, gehe ich meinen Weg einfach weiter, egal was geschieht – und bleibe offen und neugierig. Hier sind wieder mal Glaubenssätze am Werk, die unbedingt aufgelöst werden sollten. Wir sind Gestalter unseres Lebens – also gestalten wir und nicht die anderen. Darum seinen Weg gehen, das beste aus jeder Situation machen – und daran denken, dass der liebe Gott uns zwei Ohren gemacht hat. Wir sagen in der Schweiz: Göschenen – Airolo – (Gotthardtunnel) was bedeutet – zu einem Ohr rein – zum anderen raus. Jeder Mensch ist einzigartig und dies zu wissen, bedeutet schon ein ganzes Stück Selbstbewusstsein.

    Annelie schreibt am 14. Oktober 2012

    Liebe Heide,
    du beschreibst sehr schön die Reaktionen, die auftreten können, wenn wir anfangen mehr zu uns selber zu stehen. Gerade, wenn “die anderen” uns ja jahrelang anders kannten. Das Umfeld reagiert natürlich auf unsere neue Haltung und ist zu mindest irritiert. Nach 19 Ehejahren fange ich nun an viel mehr zu mir zu stehen. Ich halte mitlerweile an meinen Bedürfnissen und Wünschen ganz fest und lasse sie nicht mehr wegen Mann oder Kind fallen. Es gibt mir viel Kraft und Selbstvertrauen. Schön, dass du “im höheren Alter” noch einmal wissen wolltest, was noch in dir steckt, das ist auch für andere ein Vorbild! Viele liebe Grüße Annelie

    Marina schreibt am 17. Oktober 2012

    Ja, liebe Heide,..zu sich zu stehen kann eben viele Gesichter haben. Auch ich habe im fortgeschrittenen Alter nochmal eine Ausbildung gemacht,..ich wurde dafür bewundert. Das Ergebnis ist: ich arbeite nicht mehr in diesem Beruf weil ermir nicht die Erfüllung bringt, die ich mir erhofft habe,ich mich darin fremd fühle obwohl ich das Geld wirklich brauchen kann. Und jetzt trotzdem zu sagen: nein, das ist es nicht, hat mir Schuldgefühle bereitet. Ich musste fast krank werden um mir zu erlauben, mich erneut auf die Suche zu begeben. Ich bin- nun mit über 50J-in einem Alter in dem “man” wissen müsste/sollte, was man will und die Meisten schon wieder an Rente denken oder weiterlernen zu anstrengend ist. Ichhabe mir erlaubt, eine Auszeit zu nehmen, mich wieder in die unemanzipatorische Abhängigkeit meines Mannes zu begeben um etwas völlig Anderes zu entwickeln, von dem ich nicht weiß, ob es gelingt. Ich fühle -mich kollektiv betrachtet- oft als Alien. Es kann auch Angst machen zu sich zu stehen, aber etwas in uns zwingt uns manchmal und ich glaube das ist gut so.

Hanny schreibt am 14. Oktober 2012

Ich würde noch ein Stück weitergehen und folgendes zu bedenken geben:
Indem ich immer in diesen Befürchtungen lebe, was passieren könnte, bin ich nie ganz und gar “hier und jetzt” – ich verpasse das, was jetzt und hier gerade wunderbar ist, weil Sorgen meinen Kopf füllen.
Aus diesen Sorgen bildet sich auch ein gestresstes Körpermilieu. Stress, auch wenn er nur virtuell ist, tut uns nicht gut, wenn er zur Dauerphase wird.

Mir ist letztens auch folgendes Paradoxon aufgefallen (zum Thema “unangreifbar”):
Je mehr ich versuche, perfekt zu sein, desto mehr mache ich “falsch”. Warum das so ist? Ich sehe mich ja nur noch durch die Brille: So und so muss das alles sein.
Alles, was eine Abweichung ist – auch wenn sie positiv ist! – ist dann falsch. Und wenn man mit diesem Perfektionsanspruch lebt, hat man auch immer die kritische Stimme auf der Schulter, die einem flüstert: “Na, das war jetzt aber peinlich!”

Dieser Perfektionsanspruch führt also dazu, dass wir uns schlechter fühlen und finden, als wir sind. Wir sind nicht mehr “in uns”, sondern nur noch in unserer Fiktion von dem, was andere denken und leben völlig an der Realität vorbei. Unser perfektes Bild lässt uns halluzinieren davon, dass andere das genauso sehen wie wir.

Wir leben also blind und taub an uns und unserem wahren Charakter vorbei, ziehen uns vielleicht auch von anderen Menschen zurück, weil sie uns überanstrengen – wir können diese perfekte Fassade nicht 24/7 aufrecht erhalten und nehmen darum vielleicht sogar Abstand zu anderen.

Das widerspricht all unseren vitalen Impulsen! Das Leben und die Menschen, die uns begegnen, versuchen immer, uns zu beeinflussen – wir verbiegen uns (gerade in jungen Jahren) für andere und versuchen, ihnen zu gefallen.

Es ist aber nie zu spät, sich in einem ruhigen Moment hinzusetzen und – wenigstens vor sich selbst ehrlich – zu schauen, welche Aspekte dieser Fassade wirklich wir sind und was wir uns lediglich antrainiert haben, was nun uU sogar hinderlich ist.

Das Leben und der Umgang mit Menschen wird einfacher, wenn man sich klar macht, dass man verwundbar ist und dass da ok ist.

Euch alles Gute,

Hanny

    Hanny schreibt am 14. Oktober 2012

    Da fiel mir doch noch grad dieser Song ein:
    https://www.youtube.com/watch?v=H_VI7tHySPk

    “Mach dein Ding, steh dazu, heul nicht rum, wenn andere lachen…” ;)

    (Bitte nicht erschrecken, die Musik springt im letzten Drittel auf die übliche rockige Schiene der Ärzte^^)

    Ralf schreibt am 14. Oktober 2012

    Der Artikel beschreibt in der Tat ein Grundübel unserer Gesellschaft : ANGST..
    Und kaum jemand lebt im “Hier und Jetzt”, entweder wird die Vergangenheit beklagt und bejammert, oder die Zukunft wird anstvoll versucht zu planen..
    Ich habe einige Jahre versucht, herauszufinden, WARUM das so ist, was könnten die URSACHEN für diese Angst vor Fehlern sein und warum stehen Menschen nicht viel mehr zu sich selbst?
    Eine Antwort fand ich erst, als ich einige Zeit Europa verließ und viele andere Gesellschaften, Mentalitäten und Sichtweisen kennenlernte.
    Ein erster Schritt, diese ANGST zu überwinden und mehr zu sich selbst zu stehen, liegt meiner Meinung nach in einer drastischen Vereinfachung der eigenen Lebensweise.
    Es gibt so etwas wie ein “Universalschlüssel”, der dieses Problem löst, aber der Anfang liegt im Erkennen dieses “Gesellschaftssystems” und den Mechanismen wie dieses System funktioniert.
    Der Anfang liegt in uns selbst, in einer Veränderung unserer Sichtweise auf das Leben.
    Das Leben ist sehr kurz, selbst wenn es 80 oder 100 Jahre dauert…..

Eva schreibt am 14. Oktober 2012

Super Text, auch das Trainer Beispiel finde ich sehr gut, mal was ganz anderes. Ich bin angreifbar aber das ist nun mal so und kann ich nicht ändern, aber ich mache das was ich für richtig halte.

Man kann es eh nie allen recht machen, außerdem sind wir wohl nicht auf der Welt um die Erwrtungen anderer zu erfüllen.

Es gibt den Witz “Fritz, so tot im Flur liegend kenne ich Dich ja gar nicht!”. Etwas makaber vielleicht, aber man erschreckt eben die Mitmenschen wenn man mal etwas anders macht als bisher.

Heide schreibt am 14. Oktober 2012

Ein sehr schöner und interessanter Beitrag. Danke.

Es gibt Bereiche, in denen war ist und war es mir schon immer egal, was andere Menschen über mich denken. Im Beruf z. B. bin ich im Hinblick auf hierarchische Strukturen niemals zum Beifallklatscher geworden, nur weil Vorschläge von Vorgesetzten kamen. Was mir nicht gefällt oder was ich nicht so will, sage ich auch.

Bei diversen Verabredungen habe ich mich auch immer aufgerüscht wie die Alexandra. Was das an Zeit und Energie kostete. Heute gehe ich entspannter mit solchen Situationen um und fühle mich bei Verabredungen daher sehr viel wohler.

Der Herr Löw hat eine prima Einstellung. Da wir es mit Sicherheit nicht allen Menchen recht machen können, kommt die Kritik und das süffisante Lächerln etc. Letztlich muss man darüber stehen und darf sich grundsätzlich nicht von der Meinung anderer Menschen abhängig machen.

Schönen Sonntag wünsche ich noch.

Heide

Ulrike schreibt am 14. Oktober 2012

Danke ! an das Team “Zeit zu Leben”
kommt genau richtig der Text! :-))

schöne Zeit Euch allen!
Ulrike

Heide schreibt am 14. Oktober 2012

Lieber Ralf,

die Ursache dürfte tatsächlich in der Angst liegen und wie du habe ich seit geraumer Zeit damit angefangen, mein Leben zu vereinfachen.

Hört sich immer so simpel an, ist es aber nach meinen Erfahrungen nicht. Angefangen habe ich vor über zwei Jahren mit dem Entrümpeln meines Hause. Das war vom Keller bis unter das Dach mit Dingen vollgestopft, die ich im Laufe der Zeit erworben hatte und die “noch gut” waren, seit vielen Jahren auf ihren nächsten Einsatz warteten usw.
Ich habe mich konsequent von allem überflüssigen Zeug (3., 4. und 5. TV!!!!) getrennt und kann endlich wieder durchatmen.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass ich heute viel weniger Geld für Plunder ausgebe, den ich ja nicht wirklich brauche. Man lernt also dazu.

Außderem ist mein Selbstbewusstsein gestiegen und mir ist es inzwischen wirklich egal, wer was über mich denkt.
Da wird der “Universalschlüssel” wohl das Schloss gefunden haben. Hätte nie gedacht, dass es funktioniert.

LG
Heide

Ulrike schreibt am 14. Oktober 2012

Danke auch den anderen
für Ihre Interessanten und anregenden Kommentare

Euch allen einen guten Herbst! ;-)
Ulrike

Klara schreibt am 14. Oktober 2012

Mich würde sehr interessieren, lieber Ralf, was genau du meinst mit “Vereinfachung” des Lebens.

Ich finde, vieles ist ganz schön kompliziert. Von Menschen hausgemachte Komplikationen sind an der Tagesordnung. Wie soll man sich davon frei machen, man schwebt ja nicht im luftleeren Raum?

Hoffentlich liest du dieses, und kannst noch Tipps geben?
Danke im voraus!
Klara

Berthold schreibt am 14. Oktober 2012

Voll-Treffer in jeder Hinsicht. Und wo in der Gesellschaft hat einer Gelegenheit, das zu erlernen, und zu festigen, wenn die Mehrheit von Einfluss nehmenden Personen eher das Gegenteil bewirkt? Wer kennt es nicht? “was soll der Nachbar denken?”; “das tut man nicht!” usw. Ich habe mir irgendwann mal eine “Bruecke” gebaut, und ins Unterbewusstsein ge”haemmert”: Wer von den vielen fremden Ratgebern gibt mir denn sein Geld, und nicht nur die tollen Ratschlaege oder negativen Kommentare. Und schon bin ich ICH. Und positive Resonanz wirkt verstaerkend, negative wird gar nicht ernst genommen. Wer hat etwas in etwa so geschrieben? Was kuemmert’s die Eiche, wenn ein Hund dran pinkelt?

Andreas schreibt am 14. Oktober 2012

Ja ein guter Artikel und heute fühle ich mich bestätigt, denn ich mache seit Jahren “mein Ding”. Mittlerweile könnte ich gar nicht mehr anders und ich habe das Gefühl, “richtig” zu leben.

Ich möchte aber auch einmal die andere Seite beleuchten. Nicht jede meiner Aktionen ist erfolgreich gewesen. Ich habe mehrere meiner früheren Träume verwirklicht, und in einem Fall kam ich nach einigem Jahrem zum Schluß, daß es das doch nicht ist. Man entwickelt sich weiter, Träume werden real und sind dann keine mehr, neue entstehen. Von vielen Kollegen und auch einigen Freunden wurde das aber nicht verstanden. Ich habe etliche Häme zu hören bekommen, nach dem Motto “Wie, Du hast Deinen Traum verwirklicht, und nun findest Du das gar nicht mehr gut? Da hättest Du es doch gleich sein lassen können?” Falsch!

Es ist nicht immer leicht, “sein Ding” zu machen, solange man in Beziehungen zu anderen bleiben möchte. Man darf nicht vergessen, daß man als “lebendes Vorbild” das Lebenskonzept derjenigen angreift, die sich nichts trauen. In Freundschaften trennt sich hier die Spreu vom Weizen.

Solange ich noch keinen Erfolg in einer angefangenen Sache “vorweisen” kann, ist es schwer und ich muß Durststrecken überstehen. Während derselben Zeit leben andere ihr gemütliches Leben weiter und nähren meine Selbstzweifel. Bei Erfolg bin ich dann plötzlich ein “Held”, was genauso absurd ist. In jedem Fall, so oder so, bewege ich mich auf meinem eigenen etwas schwankendem Boden, der sich aber “echt” anfühlt.

Ein guter Satz fällt mir noch ein, ausgesprochen von Otto Schily im sehenswerten Film “Die Anwälte”, angesprochen auf die scheinbaren Positionswechsel in seinem Leben. Da sagt er: “Nur Idioten ändern sich nicht.”

Andreas

    Marina schreibt am 18. Oktober 2012

    Lieber Andreas, Deinen Kommentar kann ich nur unterstereichen.
    Etwas zu wagen heißt oft unter Erfolgszwang zu stehen, gerade wenn es um Traumverwirklichung geht. Da hast Du gefälligst glücklich zu sein!
    Träue halten halt auch nicht immer, was sie versprechen!!

    Wie oft hören wir auch den Satz: das wird nie was, das kann nix werden. Wird es wirklich nix, hat`s jeder kommen sehen, wird`s was, dienen wir als Motivationsschilder für die Kinder der Freunde und Verwandten: schau mal, der hat was riskiert und hat`s geschafft(was das auch immer heißt..).
    Ich bin gerade sehr ausgiebig und anhaltend im Gespräch mit meinen Söhnen in Sachen Lebensgestaltung und ein wichtiger Punkt dabei ist ihnen immmer wieder bewusst zu machen, dass sie auch von ihren Eltern, ihrer Sozialisation geprägt wurden und wie wichtig es ist, sich selbst zu fragen, zu prüfen, was sie selbst wollen und warum sie es wollen. Unser Sohn meinte kürzlich: wenn ich sehe wie glücklich mein Vater darüber ist, dass ich Jura studiere, und wie ich das mache, habe ich Schuldgefühle was anderes zu studieren.(Er hat noch keine konkrete Idee..)
    Wir reden natürlich sehr offen darüber und da fällt mir ein ähnlicher Satz wie der von Andreas ein:
    “es gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern als ihr treu zu bleiben.”
    LG Marina

Doris schreibt am 17. Oktober 2012

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank, das ist genau das Thema das mir gerade auf dem Kopf fällt.

Menschen die mir nahe stehen, die mir lieb und teuer sind, deren Meinung mir wichtig ist und am Herzen liegt, kann ich erst einmal nichts abschlagen. Es fällt mir unsagbar schwer, zu entdecken was meins ist, was ich brauche, ich bin nicht achtsam. Kann meist nicht nein sagen. Dabei sage ich ja nicht nein zu ihnen, sondern ja zu mir.

Ich arbeite und arbeite und eine sehr liebe Freundin wollte bei mir übernachten, an meinem einzigen freien Tag und ich sagte spontan ja. Jetzt merke ich, ich bräuchte Zeit für mich, ganz allein, sonst verliere ich mich, werde grantig.

Ich finde es so schwer, die richtigen Worte zu finden, in meinem Herzen weiß ich es und es fühlt sich richtig an, aber das umsetzten. Fürchte doch ihr vor den Kopf zu schlagen, dabei mag sie mich ja so, weil ich authentisch bin…..oft!

Ganz LG Doris

    Hanny schreibt am 17. Oktober 2012

    UI, eine wichtige Sichtweisenänderung, dass man “ja” zu sich und nicht “nein” zu den anderen sagt! Danke dafür!

    Witzigerweise habe ich genau das gleiche Problem vor einer Woche gehabt :) Bei mir wollte jemand übernachten, der sich schon mit jemand anderem verabredet hatte und ich stecke aber gerade in einer Prüfungsphase. Nur würde ich damit ja nicht nur ihn, sondern noch eine dritte Person “enttäuschen”. Dann dachte ich: Jeder hat die Verantwortung für seine eigenen Gefühle. Ich für mich, der andere für sich. Zum Nein-Sagen gehört auch das “Schade” aushalten können, was dann folgt. Und das war für mich das größte Problem.
    Vielleicht ein Gedanke, der dir weiterhilft?

    Ich habe mich für mich entschieden und es war gut so :)