So können Sie Ihre Redeangst überwinden
Von Tania Konnerth
Das größte Problem beim Reden vor anderen ist für viele Menschen die Redeangst. Redeangst geht über das normale Maß an Lampenfieber hinaus und hindert uns daran, gut oder sogar überhaupt vor anderen Menschen zu reden.
Lampenfieber ist nützlich
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Wenn wir Lampenfieber haben, spüren wir eine leichte nervöse Anspannung, weil unser Körper die körpereigene Droge Adrenalin produziert. Unsere Aufmerksamkeit läuft auf Hochtouren und unsere Sinne sind geschärft. Diese natürliche Spannung hilft uns dabei, Höchstleistungen zu vollbringen, weil so unsere Konzentration gesichert ist. Lassen Sie sich also nicht ins Bockshorn jagen, wenn Sie ein flattriges Gefühl in der Magengegend spüren oder Ihre Hände heiß und kalt werden. Registrieren Sie diese Körperreaktionen interessiert und atmen Sie einfach ruhig und tief durch. Viele Schauspieler sagen, sie möchten das Lampenfieber vor einer Vorstellung nicht missen. Vielleicht können auch Sie lernen, das Lampenfieber vor einer Rede oder Präsentation zu genießen.
Redeangst schadet
Viele Menschen empfinden aber mehr als nur Lampenfieber – sie haben richtige Angst. Im Gegensatz zum Lampenfieber ist Redeangst ein Gefühl, das uns blockiert. Wir geraten in Panik. Plötzlich wissen wir überhaupt nicht mehr, was wir sagen wollen und die Vorstellung, vor die anderen Menschen treten zu müssen, wird zum Horror. Bei einigen Menschen führt diese Angst dazu, dass sie vor den anderen nur noch stammeln und stottern, andere können überhaupt nicht vor eine Gruppe vor Menschen treten. In Amerika gehört die Angst, vor einer Gruppe von Menschen zu sprechen, zu den häufigsten Ängsten überhaupt.
Wovor wir Angst haben
Die Hintergründe für unsere Ängste können sehr unterschiedlich sein. Vielleicht ist unsere Angst in einer früheren Situation entstanden, in der uns etwas furchtbar Peinliches passiert ist und wir werden immer wieder daran erinnert. Vielleicht haben wir Angst, dass die anderen uns auslachen. Vielleicht ist unser eigener Anspruch zu groß, so dass wir ihm nie gerecht werden können. Auch so können wir Angst auslösen. Es ist sehr hilfreich, herauszufinden, was genau bei uns die Angst auslöst. Je mehr wir über unsere Angst wissen, desto besser können wir an ihr arbeiten. Aber leider sind unsere Ängste nicht immer rational nachvollziehbar oder logisch zu begründen. Wir haben einfach Angst und wissen nicht genau, wovor.
Was Sie konkret gegen Redeangst tun können
Professionelle Hilfe suchen – Wenn Sie unter einer sehr starken Redeangst leiden und das Gefühl haben, das Sie das nie in den Griff bekommen, sollten Sie sich vielleicht einen guten Trainer oder einen Psychologen suchen, mit dem sie gemeinsam an der Sache arbeiten können. Solche Trainingsstunden können sehr hilfreich sein. Vielleicht hilft Ihnen auch ein guter Rhetorik-Kurs, in dem Sie die Möglichkeit haben, das Reden unter Anleitung zu üben. Dort können Sie sich auch mit anderen Teilnehmern austauschen, denen es in der Regel nicht viel anders geht als Ihnen. Auch ein gezieltes Stimm- und Sprachtraining kann uns mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein geben.
Übung gegen die aufsteigende Panik – Wenn Sie spüren, dass Angst oder Panik in Ihnen aufsteigen, können Sie meist an gar nichts anderes mehr denken. Indem Sie sich so auf Ihre Angst konzentrieren, verstärken Sie. Probieren Sie einmal folgendes aus: Setzen Sie sich ruhig hin. Schütteln Sie beide Hände ca. 20x nach unten aus. Lassen Sie die Hände dann ruhig hängen und konzentrieren Sie sich ganz auf das Pulsieren und Kribbeln in Ihren Händen. So lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit sehr effektiv von Ihrer Angst ab. Je mehr Sie es schaffen, sich auf Ihre Hände zu konzentrieren, desto weniger können Sie sich gleichzeitig auch auf Ihre Angst konzentrieren. Dieser kleine Trick lässt sich schnell und einfach auch kurz bevor Sie reden müssen durchführen.
Mentaltraining I – Stellen Sie sich vor, wie Sie bereits vor Ihrem Publikum stehen und genauso frei, unbeschwert und professionell reden, wie Sie es am liebsten tun möchten. Sehen Sie die Situation so deutlich vor Ihrem inneren Auge, wie nur irgend möglich. Am besten sehen Sie es wie einen Spielfilm auf einer Leinwand in hellen Farben und mit Ton. Wenn Sie aber sehr große Angst haben, sollten Sie zunächst die Situation noch nicht durch Ihre eigenen Augen wahrnehmen, sondern aus der Distanz eines Zuschauers, so dass Sie sich selbst beobachten, wie Sie erfolgreich reden. Wenn Sie sich dann mit der Vorstellung schon ein bisschen vertrauter fühlen, können Sie in die Rolle des Redners schlüpfen und sich diese Situation immer wieder vorstellen. Ein solches wiederholtes Mentaltraining ist sehr wirksam.
Mentaltraining II - Stellen Sie sich die für Sie beängstigende Redesituation vor. Lassen Sie sich auch auf Ihre Angst ein. Nun stellen Sie sich vor, wie den Leuten in Ihrem Publikum Mickey Mouse-Ohren wachsen und sie alle rote Pappnasen aufhaben. Machen Sie die anderen vor Ihrem geistigen Auge winzig klein wie Ameisen oder pusten Sie sie auf wie Luftballons – verändern Sie die Situation so, dass sie für Sie persönlich komisch wird. So können Sie die Gefühle, die Sie mit der Situation verbinden, verändern. Lassen Sie nicht gleich nach. Überlegen Sie sich, was Sie lustig fänden und malen Sie sich genau das aus. Verändern Sie vielleicht auch das Tempo – lassen Sie z.B. alle Leute ganz langsam bewegen. Unterlegen Sie alles mit einer lustigen Musik. Tun Sie, was Ihnen gefällt und empfinden Sie dann die Erleichterung in sich. Vielleicht können Sie sich sogar lächeln sehen, ja vielleicht ist es Ihnen möglich, richtig herzhaft zu lachen. Diese Übung mehrfach wiederholt kann Ihre innere Einstellung zu der zuvor beängstigenden Situation nachhaltig positiv verändern.
Literatur zum Thema:
- Ulla Beushausen: Sicher und frei reden
- Vera F. Birkenbihl: Rhetorik
- Peter Kürsteiner: Reden, vortragen, überzeugen




