Das Problem Mobbing
Von Tania Konnerth • 12 Kommentare
Mobbing ist ein weitverbreitetes Phänomen, unter dem immer mehr Menschen leiden. Im schlimmsten Fall kann Mobbing sogar Auslöser für akute und chronische Krankheiten sein. Durch Mobbing kommt es in Organisationen zu:
- Ausfall- und Fehlzeiten,
- reduzierter Leistungsfähigkeit und -bereitschaft,
- Reibungsprozessen und
- aufgrund der schlechten Stimmung oft zu einer reduzierten
- Motivation bei allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.
Letztlich kostet Mobbing Kraft, Energie und Geld – und zwar die Betroffenen, den Unternehmen und auch dem Staat. Mobbing schadet also auf ganzer Linie.
Das Wort Mobbing
Das Wort “Mobbing” kommt vom englischen “to mob” und bedeutet, dass Menschen über etwas herfallen oder sich auf etwas stürzen. Aber auch im Deutschen verwenden wir den Begriff bereits sei langer Zeit: ein Mob ist eine Horde von Menschen mit schlechtem Benehmen und kriminellem Verhalten. Seit einigen Jahren wird die Bezeichnung “Mobbing” im Zusammenhang mit unkollegialem Verhalten, Intrigen und Schikanen unter Kollegen benutzt. Mobbing ist inzwischen in aller Munde. Handelt es sich beim Mobbing um ein neues Phänomen oder nur um einen neuen Namen?
Wo wird gemobbt?
Wenn heute über Mobbing gesprochen wird, sind damit bewusste Intrigen oder Schikanen gegen Kollegen gemeint. Mobbing findet aber durchaus nicht nur in der Arbeitswelt statt. Sehr viele Menschen dürften es persönlich aus ihrer eigenen Schulzeit gut kennen: In jeder Schulklasse gibt es wohl Außenseiter, die von allen gehänselt und geärgert werden. Das ist im Grunde nichts anderes als das Mobbing im Unternehmen. Mobbing kann überall dort stattfinden, wo Menschen dauerhaft aufeinander treffen und sich durch die äußeren Umstände nicht aus dem Weg gehen können (gemeinsamer Arbeitsplatz, ein Verein oder eben dieselbe Klasse).
Wie wird gemobbt?
Der Forscher Heinz Leymann hat sich intensiv mit dem Mobbing-Problem befasst. Er unterscheidet zwischen 45 verschiedenen Mobbing-Handlungen, die sich in fünf Kategorien einteilen lassen:
- Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen, z.B. durch ständige Kritik oder Beschimpfungen, lächerlich machen o.ä.
- Angriffe auf die sozialen Beziehungen, z.B. durch Nichtbeachtung, “schneiden” oder Ignoranz.
- Angriffe auf das soziale Ansehen, durch Klatsch und Tratsch, falsche Gerüchte und Beleidigungen.
- Angriffe auf die Qualität der Arbeit, z.B. durch Informationszurückhaltung oder dadurch, dass Aufgaben zugeteilt werden, die von der Person nicht zu bewältigen sind.
- Angriffe auf die Gesundheit, worunter z.B. auch Gewaltandrohungen oder sexuelle Belästigungen zu zählen sind.
Schlimm ist vor allem, dass in einer Mobbing-Situation meistens mehrere Kollegen mitmachen und das Opfer zu schikanieren beginnen, wenn erst einmal einer damit begonnen hat. Im schlimmsten Fall verbünden sich alle gegen einen Kollegen oder eine Kollegin.
Es gibt wohl nie nur einen Grund, der für eine Mobbing-Situation verantwortlich ist. In der Regel spielen verschiedene Ursachen zusammen. Dabei ist wichtig zu beachten, dass jeder der Beteiligten, also der Mobbende und der Gemobbte ihren Beitrag zu der einer Mobbing-Situation leisten, zum einen mit dem, was sie tun – und auch mit dem, was sie nicht tun.
Unternehmensklima und äußere Einflussfaktoren
Die Stimmung in einem Unternehmen ist oft ein ganz entscheidender Faktor für eine Mobbing-Situation. In einem Klima, das von Ellenbogendenken und ehrgeizigem Karrierestreben geprägt ist, wird es viel schneller zum Mobbing kommen, als in einer offenen und angstfreien Atmosphäre. Wo kein Teamgeist herrscht und Gemeinschaft ein Fremdwort ist, kämpft oft jeder gegen jeden. Auch schlechte Arbeitsbedingungen, angstauslösende Unternehmens-Entscheidungen oder Ignoranz der Führungspersonen gegenüber den Bedürfnissen ihrer Untergebenen können den Nährboden für das Mobbing bilden. Um hier Abhilfe zu schaffen oder vorbeugend zu wirken, ist vor allem die Führung des Unternehmens gefragt.
Ursachen beim Mobber
Zum Mobber können die verschiedensten Personen werden – Kollegen und auch Vorgesetzte. Die Ursachen liegen in der Person, können aber durch äußere Einflüsse verstärkt bzw. begünstigt werden. In der Regel sind Mobber selbst frustriert und unzufrieden. Oft ist auch ein übersteigerter Ehrgeiz oder die Angst vor dem Jobverlust der Grund für das Mobben anderer.
Ursachen auf der Seite des Gemobbten
Es scheint immer ein bisschen unfair zu sein, auf der Opferseite nach Ursachen für die Situation zu suchen – schließlich leiden diese Menschen sehr unter ihrer Situation. Es ist aber sehr interessant einmal hinzuschauen, warum z.B. meist nur ganz bestimmte Leute gemobbt werden, während andere nie Opfer solcher Angriffe oder Intrigen sind. Es liegt nahe, dass bestimmte Verhaltensweisen, Einstellungen und auch Glaubenssätze Menschen immer wieder in eine Opfersituation bringen.
Sehr oft werden auch eine Reihe von äußerlich erkennbaren Merkmalen genannt, die andere Menschen zum Mobben zu provozieren scheinen, z.B. Auffälligkeiten in Kleidung oder Frisur, mangelnde Körperpflege oder auch Behinderungen. Daneben können auch Nichtraucher in einer Gruppe von Rauchern oder umgekehrt schnell Mobbing-Opfer werden. Gute Leistungen und öffentliche Anerkennung “von oben” sind oft auch ein Auslöser für Mobbing-Attacken.
Gemeinsamer Faktor ist hier die Andersartigkeit eines Menschen. Wer in irgendeiner Hinsicht anders ist, als die Menschen, die ihn umgeben, ist ein potentielles Mobbing-Opfer, was deutlich macht, wie ernst jede Mobbing-Situation zu bewerten ist. Es geht hier um Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen, die, in welcher Form auch immer, aus der Masse herausstechen, und zeigt uns einmal mehr, wie wichtig es ist, gemeinsam für mehr Toleranz, Offenheit und ein menschliches Miteinander zu sorgen.
Und hier erfahren Sie, was Sie in einer Mobbing-Situation konkret tun können.





Ein Freund von mir wird gemobbt mit unzähligen kleinen Gehässigkeiten (mehrmals wird der Urlaub wird aus dem Urlaubsplaner gelöscht; man legt Betriebsfeste zu Terminen zu denen er bekanntermaßen nicht kann; unterstellt ihm er sei unkollegial, dabei muss er allein die Arbeit machen und die anderen Kollegen quatschen miteinander etc. pp) Und sein Vorgesetzter macht das Ganze mit, indem er in Berichte Unwahrheiten hineinschreibt, die er erst nach Hinzunahme des Betriebsrates korrigiert. Er hält das Klima fast nicht mehr aus, weil es so viel Energie kostet und er Angst hat, auch wirklich mal einen große Fehler zu machen. Die Personalabteilung hat ihn auch nicht ernst genommen und er ist ziemlich ratlos.
Was also tun in einer solchen Situation?
KÜNDIGEN!
Ich bin auch für kündigen, denn warum soll man sich das Leben schwer machen lassen??
Gleichzeitig bin ich für >Arbeit an mir selbstMutterthema< will endlich bearbeitet werden.
Wie gesagt, hinter Mobbing steckt viel mehr.....
Es trifft vor allem Menschen, die endlich aufwachen sollten und vor allem, die sich mit sich selbst auseinander setzen sollten. Schönen Sonntag!!!!
Ich habe gerade in diesen Tagen von einem Selbstmord erfahren, dessen Auslöser "auch" Mobbing war.
Und es ist nicht das erste Mal: vor einigen Jahren hat sich ein guter Freund (*) von mir das leben genommen "auch" (in diesem fall vielleicht hauptsächlich!) wegen Mobbing!
(*) verheiratet, mit zwei kleinen Kindern
Hallo,
ich war und bin aktuell zum Mobbing-"Opfer" geworden. Das schon jahrelang und zwar durch einen Kollegen, der sehr subtil vorgeht, immer zu jedem außerordentlich freundlich und hilfsbereit ist. Ich habe ihn einmal als "Aal" bezeichnet, weil er wirklich sehr schlecht greifbar ist.
Eines kann ich mir selbst auf die Fahne schreiben, ich hätte schon sehr viel früher für mich sorgen und mich nach etwas Neuem umsehen sollen. Doch war ich mit den weiteren Umständen und meiner Arbeit "eigentlich" zufrieden. Ich habe versucht mich anzupassen, ohne mein Gesicht zu verlieren. Zeitweise ist mir das gelungen.
Doch unter dem Strich habe ich verloren und habe zu viel, viel zuviel Energie in etwas gesteckt, was es nicht wert war. Oft ist es die Angst, die uns lähmt zu agieren und zwar in jeder Hinsicht. Ich kann nur jedem raten, in einer solchen Situation sich Verstärkung zu holen und rechtzeitig zu gehen. Aber zu gehen und auch bei sich zu schauen, was dazu geführt haben könnte und was ich selbst anders machen sollte.
Interessant finde ich, und das möchte ich an dieser Stelle noch mal erwähnen, dass andere Menschen ja unsere Spiegel sind...
Das schon süchtig zu nenende Verhalten des Mobbers hat folgenden Grund :
er haut auf seinen Spiegel : das Opfer triggert seine Abwehr an/ bedroht deeren Stabilität - die Abwehr seiner eigenen Ohnmachtsgefühle/erfahrungen
deswegen helfen auch all die gängigen, wenn auch noch so gut gemeinten Interventionen nicht : es ist ihm nicht bewusst!
Opfer und Täter ( und auch die "Helfer" ) haben das gleiche Thema und alle drei kennen die Erfahrung von großer Hilflosigkeit / Ohnmacht - zumeist aus der Kindheit.
Alle drei beschließen sehr schnell : daaaaaaas will ich nicht mehr fühlen und verdrängen :
Das Opfer verdrängt oft mithilfe von besonders freundlich, engagiert, genau
der Täter beschließt unbewusst " Nie wieder Opfer " und geht gern in den Angriff
der Helfer hilft dem Opfer, um sein eigenes Ohnmachtsgefühl zu verdrängen
All das unbewusst - deswegen nicht geheilt.
In Deutschland bringen sich ca. 1000 Erwachsene/ pro Jahr wegen Mobbings um - die Duunkelziffer wird weit höher sein - über Kinder/Jugendliche gibt es überhaupt keine Zahlen!!
Richtiges Mobbing ( der Begriff wird nicht immer zutreffend verwandt ) ist traumatisch - Kinder, die das erlwebt haben, werden oft später Täter oder wieder Opfer, in Ehe und Familie, Beruf.
Wenn Eltern ihre Erfahrung nicht heilen, nimmt mindestens ein Kind das Thema wieder auf....
In einer inneren Arbeit kann das Opfer in der Begegnung mit seinem Täter die Verstrickung lösen, sich seine Macht zurückholen : am nächsten Tag hat der Täter kein Interesse mehr an der Person! Erklärung : s.o.!
herzlichst ! Laura Bach
Mobbing ist 'ne harte Sache. Wir sollten alle mithelfen und Unterstützung anbieten wenn wir ein Mobbingopfer kennen oder bei uns in der Arbeit jemand gemoppt wird. Es sind nicht nur die Mobber sondern auch all die die zusehen.
Ist man Opfer bleibt leider oft wirklich nur die Kündigung. Dies ist je nach Lage natürlich schwierig. Dennoch Mobbing kann bleibenden Schaden hinterlassen. Das Vertrauen leidet sehr und die Persönlichkeit kann derart geschädigt werden das man an der neuen Stelle wieder gemobbt wird.
Ursacheforschung finde ich nur bedingt sinnvoll. Es sollte klar sein wer Opfer und wer Täter ist denn jeder wirklich jeder kann von Mobbing betroffen werden.
Eins noch: Wir müssen uns nicht immer alles gefallen lassen,
" Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt"
ja, auch ich möchte zu diesem Thema etwas schreiben, weil ich Mobbing in meinem Leben oft genug erlebt habe.
Tania, vielen Dank dafür, dass du es erneut gewaagt hast, dieses Thema aufzugreifen. Aber ehrlich gesagt, ich glaube, ihr könntet jede Woche etwas darüber schreiben, so akut ist es mittlerweile in Deutschland!
Ich bin selbst am überlegen, ob ich meinen noch Arbeitgeber auf diesen Link aufmerksam machen soll!
Sich wehren? Ja ist gut, aber wenn die Kollegen über Leichen gehen und lügen, dann stehst du allein da, ohne Beweise ohne Zeugen!
Und selbst kündigen? Dann hast du die A-KArte, weil du nämlich noch vom Arbeitsamt zusätzlich gesperrt wirst, als wohlverdiente Strafe für dein unartiges Verhalten!
Nach dem Motto: "Wer anders ist, muss büßen!"
Viele Grüße am Sonntag wüsncht Euch
Ach und noch was! In dem Augenblick paßt Albert Einsteins Spruch wunderbar hin:
WER EIN TADELLOSES MITGLIED einer SCHAFHERDE SEIN WILL, MUSS SELBST EIN SCHAF SEIN!
Viele Grüße einer nicht Schafstammenden und nicht Schafwerdenden Frau!
Morganne, danke für deinen Spruch, ich gehöre auch zu der nicht Schafwerdenden Rasse....:-))
Hallo zusammen
und danke für das erneute Verlinken dieses Artikels. Er kam zur rechten Zeit, da ich seit Monaten erhebliche Angst davor habe, noch einmal gemobbt zu werden, nur gemerkt habe ich das so richtig erst heute durch den Artikel.
Jetzt bin ich traurig, aber auch froh, über diese Erkenntnis und gleichzeitig dankbar für Eure Ideen dazu, was jeder der Beteiligten dagegen tun kann, was auch wichtig ist. Denn ein Konflikt zwischen zwei Personen ist lange nicht so schlimm, als wenn dann andere auf den Zug aufspringen und mitmachen, statt Farbe zu bekennen. Mir war mobben schon immer ein Graus, egal wie ungewöhnlich anders Menschen sind. Aber ich liebe ja auch die Vielfalt und fände es furchtbar, wenn alle gleich ticken würden. Aber genau das erwarten manche Mobber: dass andere sind wie sie.
In einem Führungskurs vor ein paar Jahren wurde meinem früheren Chef beigebracht, dass jede Gruppe Ihren Sündenbock brauche und dass es der Gruppe gut täte, gegen jemanden zu sein, um Frust abzulassen. Nur zu sehr übertreiben sollte man das nicht und auch nett zu dem Sündenbock sein. Damals konnte ich mich nicht dagegen zur Wehr setzen. Mittlerweile bin ich wehrhafter, trotzdem sorgt der zunehmende Streß dafür, dass ich wieder merke, dass ich schwächer werde, aber es ist nicht mehr die gleiche Situation. Man lernt nie aus und es ist für mich wichtig, nie aufzuhören, anzufangen
liebe Grüße
Monika
hallo, zum thema Mobbing empfehle ich noch das Buch von Martin Wolmerath "Mobbing", das das Thema "Sündenbock" sehr ausführlich beschreibt...
Määäää,määää, määäääää
Morganne!
P.S. Lachen ist auch eine sehr gute Anti-Mobbing-Therapie!