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Was Sie als verantwortliche Führungsperson tun können (Seite 4 von 6)

Mobbing

Oft wird gesagt, dass das Mobbing in erster Linie ein Problem in der Führung ist. Diese Anschuldigung macht es Ihnen als verantwortliche Führungsperson natürlich nicht leicht. Manch einer reagiert darauf damit, alle Vorwürfe von sich zu weisen oder das Problem selbst zu verneinen. Wenn Sie aber erkennen, dass in Ihrem Unternehmen oder Team gemobbt wird, hilft es wenig, wenn Sie den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wüssten Sie davon nichts. Genauso wenig nutzt es, wenn Sie sich selbst immer wieder sagen, dass Sie versagt haben. Nehmen Sie das Problem aktiv in die Hand. Hier finden Sie dafür einige Tipps :

Beschäftigen Sie sich mit Kommunikation, Konflikten und Psychologie

Auch wenn Ihre Aufgabengebiete und Kompetenzen wahrscheinlich woanders liegen, sollten Sie sich ein Grundlagen-Knowhow in den Bereichen der menschlichen Psyche und des zwischenmenschlichen Verhaltens aneignen. Und das möglichst nicht nur in theoretischer Form durch Bücher, sondern vor allem auch durch praktische Workshops und Seminare. Lernen Sie möglichst viel über Missverständnisse, Konflikte und Kommunikationsschwierigkeiten und darüber, wie sie zu bewältigen sind.

Lernen Sie Ihre Belegschaft immer wieder neu kennen

Tipp

Vielleicht legen Sie für jeden Ihrer Mitarbeiter ein kleines Dossier an, mit Themen wie: Wünsche, Bedürfnisse, Schwächen, Stärken, usw. Aber Achtung: Nutzen Sie diese Informationen niemals gegen Ihre Mitarbeiter.

Lassen Sie sich darauf ein, Ihre Belegschaft immer wieder neu kennenzulernen. Vielleicht haben Sie ja den einen oder anderen falsch eingeschätzt. Vielleicht haben sich aber auch Ihrer Untergebenen verändert. Befassen Sie sich mit den Menschen, die Sie führen sollen – was ist ihnen wichtig, was wünschen sie sich, was macht sie aus? Seien Sie aufmerksam und nehmen Sie wahr, was zwischen den Personen stattfindet.

Seien Sie Ansprechpartner

Als Vorgesetzte oder Vorgesetzter sollten Sie ein offenes Ohr für die Probleme Ihrer Belegschaft haben. Zugegeben, das ist nicht immer leicht und vor allem nicht jedermanns Sache. Aber Sie sind nun einmal der oder die Vorgesetzte und sollten damit auch für Ihre Untergebenen da sein. Es liegt in Ihrer Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle gut arbeiten können. Wenn jemanden mit Problemen zu Ihnen kommt, sollten Sie möglichst immer zuhören. Falls Sie gerade wirklich keine Zeit haben, können Sie einen Termin für den Nachmittag oder nächsten Tag ausmachen.

Seien Sie Problemlöser

Signalisieren Sie in jedem Fall Ihre Bereitschaft, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen und lassen Sie die Person nicht allein. Selbstverständlich können Sie sich nicht jedes noch so winzig kleinen Problemchens annehmen, aber darum geht es auch nicht. Entscheidend ist, dass Ihre Belegschaft weiß, dass Sie sich auch in heiklen Situationen nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Hilfestellung anbieten.

Bieten Sie den Betroffenen Hilfe an – dem Gemobbten und dem Mobbenden

Tipp

Ergreifen Sie öffentlich  nicht nur die Partei des Mobbing-Opfers. Wenn Sie das Opfer  zu Ihrem “Liebling” machen, wird das Mobben sicher nur noch schlimmer.

Wenn es bereits einen Mobbing-Fall in Ihrem Unternehmen gibt, sollten Sie schnell handeln: Sprechen Sie den Konflikt offen an. Reden Sie mit den Betroffenen einzeln, ohne Vorwürfe zu machen, sondern mit dem Ziel, eine konstruktive Lösung zu finden.

Fragen Sie das Opfer, ob es Hilfe braucht – da Mobbing sowohl psychisch als auch physisch krank machen kann, geht es hier vielleicht um therapeutische Hilfe aber auch um Möglichkeiten für eine Kur o.ä. Vergessen Sie nie, dass viele Mobbing-Opfer sogar an Selbstmord denken. Und fragen Sie auch den Mobbenden, was Sie tun können, um das Problem aus der Welt zu schaffen.

Für ein gutes Betriebsklima sorgen

Wo Mobbing-Situationen entstehen, stimmt in der Regel mit dem Betriebsklima etwas nicht. Vielleicht herrscht ein zu großer Leistungsdruck oder es gibt zu wenig Anerkennung? Vielleicht sind die Arbeitsbedingungen so schlecht, dass Ihre Belegschaft dadurch aggressiv wird? Vielleicht müssen Kollegen zusammenarbeiten, bei denen Streit vorausprogrammiert ist? Gehen Sie einmal selbstkritisch durch Ihr Unternehmen und fragen Sie sich, was in dieser Hinsicht zu verbessern ist. Gut wäre es, wenn Sie einmal eine neutrale Person von außen durch Ihr Unternehmen gehen lassen, die Ihnen Feedback und Tipps für Verbesserungen geben kann. Sie können auch einmal eine Mitarbeiter/innen- Befragung durchführen. Wenn Sie dabei aber wirklich ehrliche Antworten haben möchten, sollen Sie diese Befragung anonym durchführen. Seien Sie so offen wie möglich für die Äußerungen Ihrer Belegschaft – so erfahren Sie, wo der Wurm drin steckt. Sie können auch einmal unseren Artikel zur Verbesserung des Betriebsklimas lesen.

Scheuen Sie sich nicht, Hilfe von außen anzunehmen

Manchmal kann es nötig sein, professionelle Hilfe von außen anzunehmen. Berater und Trainer bieten ihre Dienstleistungen zu vielen Problemstellungen an. Auch ein Mediator kann in Konfliktsituationen hervorragende Arbeit leisten. Nehmen Sie aber nie den Erstbesten oder gar den Preisgünstigsten. Lernen Sie verschiedenen Berater oder Trainer kennen und bilden Sie sich ein Urteil über die Strategien und Arbeitsmethoden. Entscheiden Sie sich nur dann für solche Maßnahmen, wenn Sie der Person 100%-ig zutrauen, die Situation zu meistern.

Auch Sie können bei allem nur lernen

Geben Sie nicht auf und machen Sie sich selbst nicht fertig, wenn Sie es mit einem Mobbing-Problem in Ihrer Abteilung oder Firma zu tun haben. Nicht das Problem selbst ist das Schlimme, sondern wenn Sie weiterhin nichts dagegen tun. Lernen Sie aus Fehlern, seien Sie offen für neue Erkenntnisse und finden Sie den Mut zu Veränderungen.

  1. Udo schreibt am 10. November 2011 um 21:03

    Ein Freund von mir wird gemobbt mit unzähligen kleinen Gehässigkeiten (mehrmals wird der Urlaub wird aus dem Urlaubsplaner gelöscht; man legt Betriebsfeste zu Terminen zu denen er bekanntermaßen nicht kann; unterstellt ihm er sei unkollegial, dabei muss er allein die Arbeit machen und die anderen Kollegen quatschen miteinander etc. pp) Und sein Vorgesetzter macht das Ganze mit, indem er in Berichte Unwahrheiten hineinschreibt, die er erst nach Hinzunahme des Betriebsrates korrigiert. Er hält das Klima fast nicht mehr aus, weil es so viel Energie kostet und er Angst hat, auch wirklich mal einen große Fehler zu machen. Die Personalabteilung hat ihn auch nicht ernst genommen und er ist ziemlich ratlos.

    Was also tun in einer solchen Situation?

    • Maria schreibt am 13. November 2011 um 07:19

      KÜNDIGEN!

    • Monika schreibt am 13. November 2011 um 07:42

      Ich bin auch für kündigen, denn warum soll man sich das Leben schwer machen lassen??
      Gleichzeitig bin ich für >Arbeit an mir selbstMutterthema< will endlich bearbeitet werden.
      Wie gesagt, hinter Mobbing steckt viel mehr.....
      Es trifft vor allem Menschen, die endlich aufwachen sollten und vor allem, die sich mit sich selbst auseinander setzen sollten. Schönen Sonntag!!!!

  2. Maria schreibt am 13. November 2011 um 07:23

    Ich habe gerade in diesen Tagen von einem Selbstmord erfahren, dessen Auslöser "auch" Mobbing war.

    Und es ist nicht das erste Mal: vor einigen Jahren hat sich ein guter Freund (*) von mir das leben genommen "auch" (in diesem fall vielleicht hauptsächlich!) wegen Mobbing!

    (*) verheiratet, mit zwei kleinen Kindern

  3. Susanne schreibt am 13. November 2011 um 09:31

    Hallo,

    ich war und bin aktuell zum Mobbing-"Opfer" geworden. Das schon jahrelang und zwar durch einen Kollegen, der sehr subtil vorgeht, immer zu jedem außerordentlich freundlich und hilfsbereit ist. Ich habe ihn einmal als "Aal" bezeichnet, weil er wirklich sehr schlecht greifbar ist.

    Eines kann ich mir selbst auf die Fahne schreiben, ich hätte schon sehr viel früher für mich sorgen und mich nach etwas Neuem umsehen sollen. Doch war ich mit den weiteren Umständen und meiner Arbeit "eigentlich" zufrieden. Ich habe versucht mich anzupassen, ohne mein Gesicht zu verlieren. Zeitweise ist mir das gelungen.

    Doch unter dem Strich habe ich verloren und habe zu viel, viel zuviel Energie in etwas gesteckt, was es nicht wert war. Oft ist es die Angst, die uns lähmt zu agieren und zwar in jeder Hinsicht. Ich kann nur jedem raten, in einer solchen Situation sich Verstärkung zu holen und rechtzeitig zu gehen. Aber zu gehen und auch bei sich zu schauen, was dazu geführt haben könnte und was ich selbst anders machen sollte.

    Interessant finde ich, und das möchte ich an dieser Stelle noch mal erwähnen, dass andere Menschen ja unsere Spiegel sind...

    • Laura Bach schreibt am 14. November 2011 um 20:51

      Das schon süchtig zu nenende Verhalten des Mobbers hat folgenden Grund :
      er haut auf seinen Spiegel : das Opfer triggert seine Abwehr an/ bedroht deeren Stabilität - die Abwehr seiner eigenen Ohnmachtsgefühle/erfahrungen

      deswegen helfen auch all die gängigen, wenn auch noch so gut gemeinten Interventionen nicht : es ist ihm nicht bewusst!

      Opfer und Täter ( und auch die "Helfer" ) haben das gleiche Thema und alle drei kennen die Erfahrung von großer Hilflosigkeit / Ohnmacht - zumeist aus der Kindheit.
      Alle drei beschließen sehr schnell : daaaaaaas will ich nicht mehr fühlen und verdrängen :
      Das Opfer verdrängt oft mithilfe von besonders freundlich, engagiert, genau

      der Täter beschließt unbewusst " Nie wieder Opfer " und geht gern in den Angriff

      der Helfer hilft dem Opfer, um sein eigenes Ohnmachtsgefühl zu verdrängen

      All das unbewusst - deswegen nicht geheilt.

      In Deutschland bringen sich ca. 1000 Erwachsene/ pro Jahr wegen Mobbings um - die Duunkelziffer wird weit höher sein - über Kinder/Jugendliche gibt es überhaupt keine Zahlen!!

      Richtiges Mobbing ( der Begriff wird nicht immer zutreffend verwandt ) ist traumatisch - Kinder, die das erlwebt haben, werden oft später Täter oder wieder Opfer, in Ehe und Familie, Beruf.

      Wenn Eltern ihre Erfahrung nicht heilen, nimmt mindestens ein Kind das Thema wieder auf....

      In einer inneren Arbeit kann das Opfer in der Begegnung mit seinem Täter die Verstrickung lösen, sich seine Macht zurückholen : am nächsten Tag hat der Täter kein Interesse mehr an der Person! Erklärung : s.o.!

      herzlichst ! Laura Bach

  4. Noiram schreibt am 13. November 2011 um 10:31

    Mobbing ist 'ne harte Sache. Wir sollten alle mithelfen und Unterstützung anbieten wenn wir ein Mobbingopfer kennen oder bei uns in der Arbeit jemand gemoppt wird. Es sind nicht nur die Mobber sondern auch all die die zusehen.
    Ist man Opfer bleibt leider oft wirklich nur die Kündigung. Dies ist je nach Lage natürlich schwierig. Dennoch Mobbing kann bleibenden Schaden hinterlassen. Das Vertrauen leidet sehr und die Persönlichkeit kann derart geschädigt werden das man an der neuen Stelle wieder gemobbt wird.
    Ursacheforschung finde ich nur bedingt sinnvoll. Es sollte klar sein wer Opfer und wer Täter ist denn jeder wirklich jeder kann von Mobbing betroffen werden.
    Eins noch: Wir müssen uns nicht immer alles gefallen lassen,
    " Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt"

  5. Morganne schreibt am 13. November 2011 um 12:16

    ja, auch ich möchte zu diesem Thema etwas schreiben, weil ich Mobbing in meinem Leben oft genug erlebt habe.
    Tania, vielen Dank dafür, dass du es erneut gewaagt hast, dieses Thema aufzugreifen. Aber ehrlich gesagt, ich glaube, ihr könntet jede Woche etwas darüber schreiben, so akut ist es mittlerweile in Deutschland!

    Ich bin selbst am überlegen, ob ich meinen noch Arbeitgeber auf diesen Link aufmerksam machen soll!

    Sich wehren? Ja ist gut, aber wenn die Kollegen über Leichen gehen und lügen, dann stehst du allein da, ohne Beweise ohne Zeugen!

    Und selbst kündigen? Dann hast du die A-KArte, weil du nämlich noch vom Arbeitsamt zusätzlich gesperrt wirst, als wohlverdiente Strafe für dein unartiges Verhalten!

    Nach dem Motto: "Wer anders ist, muss büßen!"

    Viele Grüße am Sonntag wüsncht Euch

    • Morganne schreibt am 13. November 2011 um 12:40

      Ach und noch was! In dem Augenblick paßt Albert Einsteins Spruch wunderbar hin:

      WER EIN TADELLOSES MITGLIED einer SCHAFHERDE SEIN WILL, MUSS SELBST EIN SCHAF SEIN!

      Viele Grüße einer nicht Schafstammenden und nicht Schafwerdenden Frau!

  6. Monika schreibt am 13. November 2011 um 12:46

    Morganne, danke für deinen Spruch, ich gehöre auch zu der nicht Schafwerdenden Rasse....:-))

  7. Monika schreibt am 13. November 2011 um 13:50

    Hallo zusammen
    und danke für das erneute Verlinken dieses Artikels. Er kam zur rechten Zeit, da ich seit Monaten erhebliche Angst davor habe, noch einmal gemobbt zu werden, nur gemerkt habe ich das so richtig erst heute durch den Artikel.

    Jetzt bin ich traurig, aber auch froh, über diese Erkenntnis und gleichzeitig dankbar für Eure Ideen dazu, was jeder der Beteiligten dagegen tun kann, was auch wichtig ist. Denn ein Konflikt zwischen zwei Personen ist lange nicht so schlimm, als wenn dann andere auf den Zug aufspringen und mitmachen, statt Farbe zu bekennen. Mir war mobben schon immer ein Graus, egal wie ungewöhnlich anders Menschen sind. Aber ich liebe ja auch die Vielfalt und fände es furchtbar, wenn alle gleich ticken würden. Aber genau das erwarten manche Mobber: dass andere sind wie sie.

    In einem Führungskurs vor ein paar Jahren wurde meinem früheren Chef beigebracht, dass jede Gruppe Ihren Sündenbock brauche und dass es der Gruppe gut täte, gegen jemanden zu sein, um Frust abzulassen. Nur zu sehr übertreiben sollte man das nicht und auch nett zu dem Sündenbock sein. Damals konnte ich mich nicht dagegen zur Wehr setzen. Mittlerweile bin ich wehrhafter, trotzdem sorgt der zunehmende Streß dafür, dass ich wieder merke, dass ich schwächer werde, aber es ist nicht mehr die gleiche Situation. Man lernt nie aus und es ist für mich wichtig, nie aufzuhören, anzufangen

    liebe Grüße
    Monika

    • Morganne schreibt am 13. November 2011 um 14:51

      hallo, zum thema Mobbing empfehle ich noch das Buch von Martin Wolmerath "Mobbing", das das Thema "Sündenbock" sehr ausführlich beschreibt...

      Määäää,määää, määäääää

      Morganne!

      P.S. Lachen ist auch eine sehr gute Anti-Mobbing-Therapie!