Mediation in der Praxis
Die Mediation ist keineswegs nur “ein bisschen Konfliktmanagement” oder “etwas Gesprächsmoderation”. Das Verfahren ist in der Praxis sehr viel komplexer und fordert die Mitarbeit aller Beteiligten.
Der klassische Ablauf einer Mediation
Wie eine Mediation im Einzelnen verläuft, ist stark abhängig vom Mediator (dem Moderator in einer Mediation) und auch von der Konfliktsituation. Im Allgemeinen wird der Mediator den Konfliktparteien zuerst erläutern, was eine Mediation ist und mit welcher Zielsetzung dieses Verfahren eingesetzt wird. Er wird auch einige Spielregeln für das Verfahren nennen und erläutern. In vertraulichen Einzelgesprächen geht es dann darum, dass der Mediator Informationen über den Konflikt und die Parteien sammeln. Im Rahmen dieser Gespräche werden auch schon gemeinsame Verhandlungsgespräche mit allen Beteiligten vorbereitet. Am Ende einer Mediation steht ein abschließendes Treffen, in denen Vereinbarungen getroffen und konkrete Beschlüsse gefasst werden. Im schlimmsten Fall wird die Mediation an dieser Stelle abgebrochen, ohne dass eine Einigung erreicht wurde.
Methodenvielfalt nutzen
Im Rahmen einer Mediation können sowohl für die vertraulichen Einzelgespräche als auch für die Verhandlungen der Parteien miteinander verschiedenste Methoden genutzt werden:
- Moderationsmethode / Metaplan,
- Fragetechniken,
- Methoden wie das 6-Hut-Denken,
- Ideenbrainstorming und andere Kreativitätstechniken,
- Mind Mapping,
- Rollenspiele und vieles mehr.
Die Aufgabe des Mediators ist es, die Prozesse innerhalb des Konflikts und die
Beweggründe beider Seiten sichtbar zu machen. Dafür kann er alle zur
Verfügung stehenden Methoden und Medien nutzen.
Auswahl des Mediators
Die Mediation ist ein professionelles Verfahren, das einen professionellen Mediator erfordert. Diese Tätigkeit verlangt eine Vielzahl von Fähigkeiten und Kenntnissen und kann in der Regel nicht einfach von “irgendjemanden” ausgeübt werden. Wenn Sie vielleicht denken “Frau Ludwig versteht sich mit allen gut, dann kann sie doch diese Mediation machen.”, dann ist das keine gute Idee. Es ist ganz entscheidend, dass der Mediator eine neutrale Position inne hat und nicht selbst Teil des Systems ist, in dem der Konflikt stattfindet. Nur so besteht die Chance, dass beide Seiten den Mediator als Vermittlerperson akzeptieren. Und diese Akzeptanz ist eine Grundvoraussetzung für die Mediation.
Anforderungen an den Mediator
Folgende Kenntnisse und Fähigkeiten sind u.a. für eine Mediation notwendig:
- Wissen um Konflikte, deren Verläufe und Konfliktmanagement,Kommunikative Fähigkeiten, Fertigkeiten zur Interpretation und Fähigkeiten zur Klärung,
- Verhandlungstechniken,
- Krisenmanagement und De-Eskalationstechniken,
- die Fähigkeit, sich einerseits in die Beteiligten hineindenken zu können, andererseits aber den Blick von außen zu wahren,
- situationsbezogenes Spezialwissen und
- ggf. juristisches Knowhow.
Was letztlich herauskommt, ist immer offen
Wie erfolgreich eine Mediation letztendlich ist, bleibt zunächst offen. Es gibt hier keine Garantien. Zwar wird der Erfolg in einem großen Maße von den Fähigkeiten des Mediators beeinflusst, hängt aber letztlich von den beteiligten Personen selbst ab. Wie groß ist hier die Bereitschaft zur Kommunikation? Wollen die Beteiligten den Konflikt überhaupt beenden oder gibt es möglicherweise Vorteile für einzelne Personen, wenn Sie den Konflikt weiterführen? Inwieweit sind die Beteiligten bereit, sich – sofern nötig – zu ändern? Das Verfahren der Mediation erfordert Eigenverantwortlichkeit von den Beteiligten. Hier müssen nicht nur Entscheidungen, Vorschriften oder Sanktionen akzeptiert und getragen werden, sondern es ist die aktive und konstruktive Mitarbeit jedes Einzelnen gefordert. Im Idealfall können auf diese Weise Konflikte nicht nur aus der Welt geschafft werden, sondern die Beteiligten finden gemeinsam eine Lösung, die eine wirkliche Verbesserung für alle Beteiligten mit sich bringt.





