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Innere Kündigung: der Schuss ins eigene Knie

Von Gitte Härter6 Kommentare

Innere Kündigung

„Dann mach ich eben Dienst nach Vorschrift”, eine häufige Drohung von frustrierten Angestellten. Das Unternehmen fördert Engagement nicht – oder unterdrückt es gar. Es werden unnötige Projekte ins Leben gerufen, die nach getaner Arbeit wieder eingestellt werden. Die Bezahlung steht in keinem Verhältnis zur Tätigkeit. Der Chef ist ungerecht …

Die Gründe sind vielfältig. Der frustrierte Mitarbeiter verliert zunehmend Energie. Es folgt die innere Kündigung.

Was als Drohung gedacht ist, die letztlich dem Unternehmen schaden soll, ist in Wirklichkeit ein Schuss ins Knie. Denn der am meisten drunter leidet, sind Sie selbst.

Die Folgen der inneren Kündigung

Wenn Sie innerlich gekündigt haben – und nur noch „Dienst nach Vorschrift”, also das Allernötigste machen, ist das natürlich auch ein Schaden für das Unternehmen. Das haben die nun davon, dass sie Ihr Engagement nicht anerkennen und nutzen: dann schrauben Sie Ihr Engagement eben zurück. Nur dafür bekommen Sie schließlich auch Ihr Gehalt.

Die Firma ist selbst schuld: sie hätte für ihr Geld noch mehr haben können. Einen motivierten Mitarbeiter, der mit Elan und Ideen an die Arbeit geht.

Das ist der Plan. Ihre vermeintlich einzige Waffe, wenn Sie den Arbeitsplatz nicht wechseln wollen und im Unternehmen bleiben.

Das Unternehmen

In Wirklichkeit merkt das Unternehmen meist gar nicht, dass Ihr Engagement zurückgegangen ist. Oder es ist egal. Denn in einem Umfeld, wo Aktivität nicht gewünscht ist, wird sie auch nicht vermisst werden.

Waren Sie jedoch vorher mit viel Tatendrang dabei – und jetzt nicht mehr, was Arbeits”output” und vielleicht auch Arbeitsstunden angeht, müssen Sie unter Umständen mit Konsequenzen rechnen. Sie werden darauf angesprochen, was los sei. Sie seien doch sonst engagiert gewesen und jetzt nicht mehr … Jetzt kann sich alles zum Guten wenden: Sie lassen allen Frust raus, Ihr Chef ändert sich. Und sie lebten glücklich bis an Ihr Lebensende.

Da ich aber davon ausgehe, dass Sie als engagierter Mitarbeiter Ihren Frust bereits vor der inneren Kündigung angesprochen haben – vermutlich sogar mehrmals, und das fruchtlos, ist die zweite mögliche Konsequenz wahrscheinlicher: Ihre Beurteilung fällt schlecht aus, Sie fallen in Ungnade. Und da nützt es niemandem, welche Gründe auch immer Sie haben mögen.

Sie selbst

Sehr wichtig sind auch die ganz persönlichen Folgen für Sie. Ein engagierter Mensch, der so frustriert ist, dass er sich aus Rache oder weil er sich nicht verstanden/respektiert fühlt, völlig zurücknimmt, fügt sich selbst am meisten Schaden zu.

Sie leben gegen Ihre Überzeugungen. Das kostet Energie! Sich zurückzunehmen klingt einfach („dann mach ich eben nur noch das Nötigste), ist es aber nicht. Außerdem sind Sie frustriert. Und jetzt doppelt. Zum einen, weil Ihre Firma Ihr Talent und Ihr Engagement nicht anerkennt und für sich nutzt, Sie einfach nicht loslegen lässt. Zum anderen über sich selbst! Denn eigentlich wären Sie ja ganz anders.

Unzufriedenheit im Beruf wirkt sich massiv auf Ihre Persönlichkeit aus. Diese beeinflusst Ihr gesamtes Umfeld. Im Beruf leiden auch diejenigen darunter, die Sie gar nicht treffen möchten: die Kollegen, mit denen Sie sich eigentlich gut verstehen – die Kunden, die Sie vormals immer so zuvorkommend und nett betreut haben. Im Privatleben leiden die Familie und Freunde darunter. Denn Sie sind unzufrieden, unleidlich.

Sehen Sie es umgekehrt: Wenn Sie im Beruf erfolgreich sind. Wenn Sie Ziele erreichen. Erfolge feiern können. Ihre Arbeit anerkannt und gelobt wird, dann geht es Ihnen gut – Sie sind glücklich. Sie können Bäume ausreißen. Ihr Selbstvertrauen steigt.

Alles ins Gegenteil verkehrt, hat fatale Folgen

Ein Bekannter von mir ist ein ganz frischer Fall von innerer Kündigung: früher engagiert, ausgesprochen hilfsbereit und beneidenswert ausgeglichen, ist er seit Monaten sehr großem Stress ausgesetzt – ohne Unterstützung, ohne Aussicht auf Besserung, es werden ihm dauernd Knüppel zwischen die Beine geworfen. Zuvor ein Pionier in Aufbauarbeit und sprühend vor Verbesserungsideen, ist er nach Monaten des Frustes ein völlig anderer Mensch.

Schon morgens sieht er ständig auf die Uhr und verkündet lautstark die verbleibende Zeit bis zum Feierabend, was die Kollegen tierisch nervt. Bei jeder Aufgabe kommt ein Kommentar oder ein unzufriedenes Grunzen. Und der hilfsbereite, geduldige Mensch ist am Telefon unfreundlich und flucht nach dem Auflegen, was das wieder für ein Idiot war.

Da mein Bekannter weiß, dass sich nichts ändern wird, möchte er mit niemandem über die Arbeit reden. Und auch zu Hause verschließt er sich. Diese Haltung vergiftet – den Menschen und das gesamte Umfeld.

Kommt Ihnen bekannt vor? Dann tun Sie was!

© bei Gitte Härter
www.schreibnudel.de

Von Gitte Härter

Gitte Härter war viele Jahre Coach und Trainerin für Businessthemen. Seit einem Jahr hat sie sich mit www.schreibnudel.de ganz auf das Schreiben spezialisiert. Am allerliebsten schreibt sie Bücher – und hat auch schon zwei Dutzend Ratgeber veröffentlicht (Aktuell: "Sorry! Entschuldigungen aussprechen, annehmen, ablehnen")

  1. Annabella schreibt am 1. September 2011 um 21:09

    Hallo,

    einige Jahre habe ich auch gedacht, dass es tatsächlich der Schuss ins eigene Knie sei, wenn ich mein Engagement reduziere.
    Dienst nach Vorschift muss aber nicht unbedingt derart schmerzliche Folgen haben.

    Der Tipp, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen, ist leider auch nicht für jede(n) umsetzbar (Alter, keine freien und entsprechend bezahlte Stellen in der Nähe usw.).

    Also habe ich mein berufliches Engagement seeeehr langsam reduziert und dafür neue Aufgaben im privaten Bereich übernommen. Das dauerte fast 3 Jahre.

    Die Kolleginnen und Kollegen halten mich vermutlich aufgrund meines Alters (51) schon für etwas schrullig. Meine Vorgesetzte hat es aufgegeben, mir immer mehr Aufgaben zu übertragen, weil ich diesem permanenten Zuwachs nicht mehr gewachsen erscheine.

    Nach Feierabend und am Wochenende habe ich heute viel mehr Power und bin glücklich so wie es jetzt ist.

    Viele Grüße von Annabella

    • Heide schreibt am 3. September 2011 um 14:27

      Hallo Annabella,

      kann es sein, dass Sie Beamtin sind oder wie funktioniert das sonst, dass man seine übertragenen Aufgaben nicht erledigt?
      Aus der Sicht meiner eigenen Situation kann ich mir das nicht wirklich vorstellen. Das nötige "Alter" hätte ich mit 60 auch und genügend Frust. Andere Kolleginnen versuchen auch Arbeit abzuschieben, weil sie soooo überlastet sind. Es würde jedoch nie jemand Aufgaben aus meinem Bereich übernehmen, was bei mir oft in vielen Überstunden endet.
      Für konstruktive Tipps wäre ich deshalb sehr dankbar.

      Viele Grüße von Heide

  2. Eileen schreibt am 4. September 2011 um 08:51

    Hallo zusammen ich bin 32 und arbeite in einem Secend Hand Laden. Wir machen auch Umzüge, Entrümpelungen,....... Da ich die einzige, außer dem LKW Fahrer bin mit Führerschein, musste ich die ganzen Besichtigungen mit machen; war vor und nach den Öffnungszeiten unterwegs, das privat Taxsi für den Chef. Und reguläre Pause gibt es keine!! Essen zwischen den Kunden und der Beratung, Regalen einräumen. Bis ich letzte Woche Morgens einfach einen Kreislauf Zusammenbruch hatte. Jetzt bleibt das Geschäftsauto einfach Abends im Geschäft, und ich arbeite nur noch was ich kann. Wenn was nicht fertig wird , dann halt eben nicht. Ich setze mich öfter hin und ruhe mich aus. Bis jetzt hat der Chef noch nichts gesagt. Und wenn dann ist es mir auch egal. Wenn ich gekündigt werde dann ist das schon fast eine Erlösung.

  3. Ingrid schreibt am 4. September 2011 um 10:49

    vielleicht sollte man/frau zwischen "innerer Kündigung" und von 160 % auf 100 % zurückschrauben unterscheiden.
    Wenn wir unseren Job so machen, dass abends noch Luft ist, etwas anderes zu tun und nicht müde auf die Couch zu fallen, ist das nicht mit innerer Kündigung gleich zu setzen. Innere Kündigung heißt für mich, tagein, tagaus ungerne zur Arbeit zu gehen - kein Engagement mehr für die übertragenen Aufgaben zu verspüren, für die man/frau bezahlt wird. Die oben genannten Beispiele kenne ich auch, habe aber dann festgestellt, dass Kollegen, die sich im gleichen beruflichen Kontext befanden, teilweise das 3-5fache von mir verdienten - ich habe diese Leistung ohne Geld erbracht. Gespräche im Kreis leitender Angestellter drehen sich sehr sehr viel um Tantiemen.
    Sich von der Einstellung zu lösen, nicht genug zu leisten, ist etwas ganz anderes, als die innere Kündigung.
    Maßstab von beidem ist die Zufriedenheit mit sich selbst - aber aus anderen Blickwinkeln.
    Heide: ans konstruktiven Tipp kann ich Dir nur mitgeben, am Anfang jeden Tages zu überlegen, was Du wie erledigen möchtest und am Ende 10 Minuten zu reflektieren, wie die Wirklichkeit war. Damit sammelst Du Argumente für Dich, zu erklären, dass nicht alles machbar ist. Du siehst aber auch, was Du alles geschafft hast, das tut Dir selber gut und dient dann auch als Argument (laut, oder nur als Rückhalt) beim nächsten Mal, wenn eine weitere Aufgabe dazu kommen soll.

    • Gitte Härter schreibt am 5. September 2011 um 11:27

      Hallo zusammen,

      dankeschön für die Kommentare und eigenen Erfahrungen.

      Und Ingrid: dankeschön fürs Differenzieren:

      >>vielleicht sollte man/frau zwischen "innerer Kündigung" und von 160 % auf 100 % zurückschrauben unterscheiden ...

      Da haben Sie mir die Worte aus dem Mund genommen.

      Alles belastet, und das ständige Zuviel und übertourig fahren ist auch ganz schlimm - ganz zu schweigen von den Konsequenzen, die damit früher oder später einhergehen. Oft ist das auch eine Vorstufe zum kann/will nicht mehr, werde nicht in dem Maße wertgeschätzt wie ich mich krummlege, was dann auch zur richtigen inneren Kündigung werden kann.

      Doch wenn es schon soweit ist, dass man resigniert hat, man ungerne in die Arbeit geht, sein eigenes (eigentlich vorhandenes!) Engagement runterfährt, dann schadet man sich meiner Ansicht nach nur selbst. Ich kenne einige Leute auch im eigenen Bekanntenkreis, wo sich das natürlich bis ins Privatleben reinzieht und erheblichen Schaden anrichtet.

      Viele Grüße
      Gitte Härter

  4. Simone schreibt am 6. September 2011 um 10:10

    Hallo,
    dieses Thema passt ja wie die Faust aufs Auge. Meinem Mann geht es momentan so, er fühlt sich momentan auch ausgelaugt, hintergangen, und nicht akzeptiert, ständig bekommt er Prügel zwischen die Beine geworfen, einfach nur schlimm.
    Es ist sogar schon soweit, dass es auch die Ehe belastet, weil ich gar nicht mehr so gut zureden kann, was ständig neues auf ihn einprasselt. Eigentlich liebt er seine Arbeit sehr, nur die Chefs hören im Februar auf und haben jetzt schon keinen Bock mehr und das bekommt mein Mann ab, er sagt zwar er würde es bis zu den neuen Chefs noch durchziehen, er hat ja noch Resturlaub, aber ob es dann besser wird, keine Ahnung.
    Bei mir drehen sich die Gedanken auch nur noch im Kreis und immer die Frage, was kommt heute wieder.Echt schlimm. Ich bin selbständig und das zieht mich einfach runter.

    Mal sehen wie es weiter gehen wird.

    Ich wünsche allen alles Liebe und Gute

    Viele liebe Grüße

    Simone