Aus der Gehirnforschung: Wie wir ungeliebte Gewohnheiten loswerden können

hirnforschung

Zu lange Computer spielen, Rauchen, zu viel Schokolade oder Chips. Alles Gewohnheiten, die viele Menschen haben und gerne ablegen würden. Vielleicht haben Sie auch die eine oder andere Gewohnheit, die Sie liebend gerne loswerden wollen. Manchmal sind es ja auch nur kleine Ticks und Marotten, ohne die das Leben einfacher wäre. Wie z. B. dass man in einer ungesunden Sitzhaltung am Schreibtisch sitzt oder jeden Morgen ein paar Minuten zu spät aus dem Haus geht und dann rennen muss, um den Bus noch zu bekommen. Die meisten Menschen, die ich kenne, haben die eine oder andere Gewohnheit, die sie gerne loswerden würden. Und vielleicht geht es Ihnen ja ganz ähnlich.

Dabei haben viele von uns auch schon versucht, sich etwas abzugewöhnen, und dabei festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist.

Heute möchte ich Ihnen neuere Erkenntnisse der Gehirnforschung vorstellen, die uns dabei helfen können, ungeliebte Gewohnheiten loszuwerden. Wie das genau gehen kann, können Sie in einem Selbstexperiment mit Ihrer eigenen Gewohnheit ausprobieren.

Wie funktionieren Gewohnheiten?

Gewohnheiten sind in ganz vielen Fällen ja unheimlich praktisch. Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich jedes Mal, wenn Sie sich die Zähne putzen oder beim Autofahren beschleunigen, bewusst überlegen, was Sie dazu genau machen müssten. Das könnte ganz schön nerven und wäre auch ziemlich anstrengend. Bei vielen Gewohnheiten sind wir froh darüber, dass sie uns das Leben erleichtern. Wenn wir verstehen wollen, wie wir Gewohnheiten verändern können, müssen wir zunächst etwas mehr darüber wissen, wie das mit unserem gewohnheitsmäßigen Handeln eigentlich genau funktioniert.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es in unserem Gehirn ein Areal gibt, in dem Gewohnheiten abgespeichert werden, die so genannten Basalganglien. Dieser Bereich in unserem Gehirn ist dafür verantwortlich, dass wir uns bei gewohnheitsmäßigen Handlungen nicht mehr bewusst überlegen müssen, was wir nun genau machen müssen. Wie wir die Zahnbürste halten oder wie wir genau vorgehen müssen, wenn wir das Auto von 0 auf 50 km/h beschleunigen wollen. Das Problem mit den Basalganglien ist, dass wir mit unseren Absichten kaum auf sie zugreifen können, weil dieser Bereich unseres Gehirns unserem bewussten Willen nur schwer zugänglich ist. Wir können also kaum eingreifen, wenn eine Gewohnheit erst einmal in Gang gesetzt ist. Wir merken das, wenn wir versuchen, uns – z. B. aufgrund einer wunden Stelle im Mund – die Zähne anders zu putzen als gewohnt. Dazu muss man sich dann nämlich sehr gut konzentrieren, sonst fährt man doch wieder automatisch über die schmerzhafte Stelle.

Wo es um unsere Gewohnheiten geht, haben die Basalganglien das Kommando. Also das Areal in unserem Gehirn, in dem Gewohnheiten abgespeichert werden. Dieses reagiert auf bestimmte Auslösereize und sorgt dann dafür, dass unser gewohnheitsmäßiges Handeln in Gang gesetzt wird. Zum Beispiel kann der Anblick einer Zigarettenschachtel der Auslöser für das Rauchen sein. Oder die leere Wohnung am Abend kann der Auslöser sein, sich an den Computer zu setzen und stundenlang Computer zu spielen. Der Auslösereiz ist allerdings nicht alleine für unser gewohnheitsmäßiges Handeln verantwortlich. Hinzu kommt noch, dass wir mit jeder gewohnheitsmäßigen Handlung ein Verlangen stillen. Jedes Mal, wenn wir unsere Gewohnheit ausführen, erhalten wir eine Belohnung, z. B. die Entspannung beim Rauchen einer Zigarette oder dass wir beim Computerspielen nicht mehr merken, dass wir uns alleine fühlen. Die Routine einer Handlung ist also immer eingebettet zwischen Auslöser und Belohnung.

Gewohnheiten sind erlernt

Wodurch das gewohnheitsmäßige Verhalten ausgelöst wird und welches Verlangen wir mit unserer Gewohnheit stillen, haben wir irgendwann einmal gelernt. Vielleicht haben bei der Arbeit viele Kollegen das Rauchen einer Zigarette zum Anlass für eine Pause genommen oder man hat in einer Situation, in der man sich alleine fühlte, das erste Mal ein Computerspiel gespielt und erlebt, dass man sich dabei weniger einsam fühlt. Wiederholt man dieses Verhalten dann häufiger, wird es zur Gewohnheit und alleine der Auslösereiz und das Verlangen nach der Belohnung reichen aus, um das gewohnte Verhalten fast zwangsläufig in Gang zu setzen.

Dass wir nicht bewusst auf unsere gewohnheitsmäßigen Prozesse in den Basalganglien zugreifen können, erklärt auch, wieso es so schwierig ist, sich etwas abzugewöhnen. Und wie bei vielen Dingen ist es auch hier so: Wenn man erst einmal weiß, wieso eine Sache schwierig ist, lässt sich womöglich auch leichter eine Lösung finden.

Wie lassen sich Gewohnheiten loswerden?

Wenn wir alte Gewohnheiten loswerden wollen, funktioniert das am besten, indem wir sie durch neue Gewohnheiten überlagern. Dazu muss ein neues Verhalten mit dem alten Auslöser verknüpft werden und möglichst gut das gleiche Bedürfnis erfüllen, das bisher mit der alten Gewohnheit befriedigt wurde. Zum Beispiel statt Computer zu spielen, um sich nicht alleine zu fühlen, ruft jemand dann einen Freund an.

Das klingt jetzt erst einmal recht theoretisch und ist vielleicht auch eher unrealistisch. Die meisten von uns haben erlebt, dass sich Gewohnheiten eben nicht so einfach ändern lassen.

Es ist also gar nicht so einfach, das Computerspielen bleiben zu lassen und stattdessen einen Freund anzurufen. Das ist so, weil unsere Gewohnheiten ja automatisch ablaufen. Dadurch merken wir oftmals erst, wenn es schon zu spät ist, dass wir uns wieder wie gewohnt verhalten. Man sitzt dann z. B. vor dem Computerspiel, ehe man sichs versieht, oder hat die halbe Chipstüte bereits leer gegessen, bevor es einem bewusst wird. Der Auslöser war da und dann läuft die Gewohnheit ab, ohne, dass wir direkten Zugriff darauf haben. Sie erinnern sich? Das ist so, weil wir mit unseren Absichten keinen Zugriff auf die Basalganglien haben.

Die Basis ist also, dass wir uns unserer Verhaltensmuster bewusst werden. Denn nur so können wir aktiv eingreifen und unser Verhalten verändern.

Und damit beginnt auch das Selbstexperiment, das ich Ihnen heute vorstellen möchte.

Das Selbstexperiment

Möchten Sie gerne eine lästige oder ungeliebte Gewohnheit loswerden? Dann können Sie hier gleich damit starten und ein kleines Experiment mit sich selber machen.

Schritt 1: Eine Gewohnheit, die man loswerden möchte, benennen

Entscheiden Sie sich für ein gewohnheitsmäßiges Verhalten, das Sie gerne loswerden möchten, z. B. weniger Schokolade essen, Unpünktlichkeit, eine ungesunde Sitzhaltung, auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen.

(Tipp:  Wie Tagebuch-Schreiben Ihnen hilft, Klarheit zu finden, Entscheidungen zu treffen oder sich selbst besser anzunehmen: Projekt: Tagebuch)

Schritt 2: Den Auslöser identifizieren

Finden Sie heraus, wodurch dieses Verhalten ausgelöst wird. Fragen Sie sich dazu:

  • Was passiert, unmittelbar bevor ich die Gewohnheit ausführe?
  • Woran denken Sie, bevor Sie sich so gewohnheitsmäßig verhalten?
  • In welchen Situationen tritt diese Gewohnheit auf?

Beispiele: 

Schokolade essen => wenn ich abends auf dem Sofa sitze

ungesunde Sitzhaltung => wenn ich es bei der Arbeit bequem haben möchte

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => wenn ich müde werde, aber zu faul zum Aufstehen bin

Vielleicht wissen Sie im ersten Moment nicht, was genau Ihr Verhalten auslöst. Das ist völlig normal, weil es ja gewohnheitsmäßig abläuft und uns meist nicht bewusst ist. Da hilft es, wenn Sie sich einige Male bei Ihrem gewohnheitsmäßigen Verhalten beobachten. Vermutlich wissen Sie zwar, in welchen Situationen Sie sich gewohnheitsmäßig verhalten. Nur der ganz genaue Auslöser ist Ihnen vielleicht noch nicht klar. Auch in den Beispielen lässt sich der Auslöser noch stärker konkretisieren. Das ist übrigens wichtig, weil Sie dann die neue Gewohnheit noch besser auf den Auslöser abstimmen können.

Beispiele: 

Schokolade essen => wenn ich abends auf dem Sofa sitze => meist in dem Moment, wenn die Werbung meine Gefühle anspricht und ich mich nach gemütlicher Stimmung und z. B. Geborgenheit und Harmonie sehne.

ungesunde Sitzhaltung => wenn ich es bei der Arbeit bequem haben möchte => wenn ich mich besser konzentrieren will

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => wenn ich müde werde, aber zu faul zum Aufstehen bin => Ich möchte mich nicht der Stille im Schlafzimmer aussetzen, nicht zur Ruhe kommen, ich will nicht, dass der Tag schon zu Ende ist.

Schritt 3: Auslöser wahrnehmen

Als Nächstes geht es darum, dass Sie lernen, die Auslöser wahrzunehmen. Sie erinnern sich? Unsere Auslöser nehmen wir oft gar nicht bewusst wahr, weil unsere Gewohnheiten ja bereits so automatisch ablaufen. Damit wir eine neue Gewohnheit etablieren können, ist es jedoch wichtig, zu registrieren, wann unser gewohnheitsmäßiges Verhalten ausgelöst wird.

Wie nimmt man aber nun bewusst die Auslöser für seine ungeliebten Gewohnheiten wahr? Ein erster Schritt besteht darin, achtsamer zu werden und sich erst einmal nur darauf zu konzentrieren, die Auslöser zu erkennen und bewusst wahrzunehmen. Ohne sein Verhalten gleichzeitig verändern zu wollen. Um die Auslöser besser wahrzunehmen, macht man die Auslöser am besten sichtbar oder fühlbar. Das lässt sich gut verwirklichen, wenn man mit dem Auslösereiz eine Handlung verbindet, sich z. B. eine Notiz macht oder eine bestimmte Bewegung ausführt. Jedes Mal, wenn jemand z. B. erkennt „Ach ja, da ist es wieder. Jetzt greife ich ganz automatisch zu der Chipstüte“, macht er einen Strich auf einem Zettel, den er immer bei sich trägt.

Nehmen Sie Ihre Auslösereize einige Tage, z. B. eine Woche lang, wahr, sodass Sie immer häufiger merken, wann Ihr gewohnheitsmäßiges Verhalten in Gang gesetzt wird.

Möglichkeiten, um die Auslöser bewusst zu registrieren:

  • Tragen Sie ständig Papier und Stift bei sich und machen Sie für jeden Auslösereiz, den Sie wahrnehmen, einen Strich auf Ihr Blatt. Zum Beispiel immer, wenn Sie beim Fernsehgucken merken, dass Sie jetzt Schokolade essen möchten.
  • Tragen Sie ein Armband, das Sie jedes Mal von einem Handgelenk zum anderen wechseln, wenn Sie einen Auslöser für Ihre Gewohnheit wahrnehmen. Zum Beispiel, wenn Sie  bei einer Verabredung oder einem Termin denken: „Das schaff ich schon noch.“
  • Stecken Sie sich einen kleinen Stein, eine Haselnuss oder einen anderen kleinen Gegenstand in die Hosentasche. Jedes Mal, wenn Sie einen Auslöser wahrnehmen, stecken Sie den Gegenstand in die andere Hosentasche. Zum Beispiel immer wenn Sie feststellen, dass Sie in die ungesunde Sitzhaltung wechseln wollen.

Wenn man diese Wahrnehmungsübung eine Zeit lang, z. B. eine Woche lang, durchgeführt hat, werden einem die Momente, in denen das gewohnheitsmäßige Verhalten ausgelöst wird, immer bewusster.

Schritt 4: Die Belohnung oder das Verlangen herausfinden

Im nächsten Schritt geht es darum, das Bedürfnis, das wir mit der Gewohnheit befriedigen wollen, herauszufinden. Auch hier kann man sich am besten einige Male bei dem gewohnheitsmäßigen Verhalten beobachten. Weil sich dann ganz konkret spüren lässt, welches Verlangen man in der jeweiligen Situation stillen möchte.

Fragen Sie sich dazu:

  • Wozu tu ich das, was ich da mache?
  • Was bekomme ich, wenn ich meine Gewohnheit ausführe?
  • Was würde ich vermissen, wenn ich mich nicht so verhalte, wie ich es gewohnt bin?

Schokolade essen => Bedürfnis nach Geborgenheit, möchte mich sicher und aufgehoben fühlen.

ungesunde Sitzhaltung => Bequemlichkeit, Entspannung

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => Ich möchte keine Zeit verschwenden, möchte von den Gedanken in meinem Kopf abgelenkt sein.

Schritt 5: Eine neue Gewohnheit finden

Damit die neue Gewohnheit sich auch wirklich umsetzen lässt, ist es besonders wichtig, eine Handlung zu finden, die das gleiche Verlangen stillt wie die ursprüngliche Gewohnheit. Dies gehört mit zum Kniffligsten, wenn wir alte Gewohnheiten loswerden wollen. Weil wir oftmals gar nicht so leicht darauf kommen, wie wir dieses Bedürfnis auch noch auf andere Weise befriedigen könnten.

Fragen Sie sich:

  • Wie könnte ich dieses Verlangen noch stillen?
  • Wie gehen andere mit diesem Bedürfnis um? (Diese Frage kann einen vielleicht auf kreative Ideen bringen.)
  • Welche Handlungen gibt es in meinem Leben schon, mit denen ich dieses Bedürfnis befriedige?

Und entscheiden Sie sich für eine neue Gewohnheit, die Sie statt der alten einführen wollen.

Beispiele:

Schokolade essen => Bedürfnis nach Geborgenheit, möchte mich sicher und aufgehoben fühlen => in eine kuschelige Wolldecke einmummeln, einen Tee aus einer besonders schönen Tasse trinken, Teekanne mit Stövchen aufstellen, Kerzen anzünden 

ungesunde Sitzhaltung => Bequemlichkeit, Entspannung => einen Fußhocker an den Schreibtisch stellen, auf dem ich die Füße bequem hochlegen kann

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => möchte von den Gedanken in meinem Kopf abgelenkt sein => im Bett Hörbücher hören oder lesen

Schritt 6: Beginnen Sie mit der neuen Gewohnheit

Wenn Sie Ihre Auslösereize zuverlässig und leicht registrieren können, beginnen Sie damit, die neue Gewohnheit einzuüben. Dazu müssen Sie in dem Moment, wenn Sie Ihren Auslösereiz registrieren, sich bewusst für das andere Verhalten entscheiden. Das ist mit das Schwierigste, wenn Sie eine neue Gewohnheit etablieren möchten. Der Schritt zu der neuen Gewohnheit fällt aber umso leichter, je besser diese neue Gewohnheit Ihr Verlangen, das Sie mit der alten Gewohnheit gestillt haben, erfüllt.

Zuvor müssen Sie aber vielleicht noch einige Dinge einrichten, damit Sie möglichst ohne Widerstände mit Ihrer neuen Gewohnheit starten können.

Beispiele:

Schokolade essen => Bedürfnis nach Geborgenheit, möchte mich sicher und aufgehoben fühlen => in eine kuschelige Wolldecke einmummeln, einen Tee aus einer besonders schönen Tasse trinken, Teekanne mit Stövchen aufstellen, Kerzen anzünden => schöne Wolldecke kaufen, verschiedene Sorten Tee besorgen, Teekanne mit Stövchen aus dem Keller holen, schöne Kerze kaufen

ungesunde Sitzhaltung => Bequemlichkeit, Entspannung => einen Fußhocker an den Schreibtisch stellen, auf dem ich die Füße bequem hochlegen kann => Fußhocker besorgen und direkt neben den Schreibtisch stellen

auf dem Sofa vor dem Fernseher einschlafen => möchte von den Gedanken in meinem Kopf abgelenkt sein => im Bett Hörbücher hören oder lesen => interessante Hörbücher und Bücher besorgen und am Bett bereitstellen

Wenn Sie merken, dass es Ihnen nicht gelingt, das gewohnte Verhalten durch Ihr neues Verhalten zu ersetzen, fragen Sie sich:

  • Welche Auslösereize könnte es noch geben?
  • Muss ich noch besser lernen, die Auslöser wahrzunehmen, und mir dafür vielleicht noch ein wenig Zeit nehmen?
  • Gibt es noch andere Bedürfnisse, die durch die alte Gewohnheit befriedigt werden, die ich bei der neuen Gewohnheit nicht berücksichtigt habe?
  • Wie könnte mein Bedürfnis, das durch die alte Gewohnheit befriedigt wird, durch eine neue Gewohnheit noch besser gestillt werden?

Und wenn Ihnen keine weiteren Ideen einfallen, welche Auslöser es noch geben könnte oder wie Sie ein Bedürfnis noch auf andere Weise befriedigen könnten, fragen Sie vielleicht einen guten Freund oder eine Freundin. Oftmals kommen dabei sehr kreative Ideen heraus, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre. Und dann experimentieren Sie mit diesen Ideen wieder weiter.

Nochmal kurz zusammengefasst die 6 Schritte:

  • Störende Gewohnheit benennen.
  • Auslöser identifizieren.
  • Auslöser wahrnehmen.
  • Belohnung identifizieren.
  • Ersatz-Gewohnheit finden.
  • Die neue Gewohnheit beginnen.

Auch damit ist es nicht einfach, seine Gewohnheiten loszulassen, aber es kann Sie einen guten Schritt voranbringen. Aber ich verspreche Ihnen: Es lohnt sich, sich an dieser Stelle aufmerksam zu beobachten und den Versuch zu wagen, eine neue, erfolgsbringende Gewohnheit zu etablieren.

Übrigens werden wir zu Jahresbeginn wieder unseren Gewohnheiten-Kurs mit Forum anbieten. Hier trainieren wir 30 Tage lang gemeinsam eine neue, erfolgsbringende Gewohnheit. Falls Sie gerne erinnert werden möchten, sobald es losgeht, können Sie sich hier in den Infoverteiler eintragen (kostenlos und unverbindlich).

Buchtipp:

Duhigg, Charles (2012). Die Macht der Gewohnheit. Warum wir tun, was wir tun. Berlin: Bloomsbury Verlag. ISBN: 978-3-8270-0957-9. 22,99 €

 

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Kommentare

Maja schreibt am 20. November 2012

Wenn man eine Gewohnheit einfach nur durch eine neue Gewohnheit ersetzt, hat man immer noch die zugrunde liegende Thematik nicht gelöst. Um eine Gewohnheit wirklich loszuwerden bzw. aufzulösen, muss man einige Schichten tiefer eintauchen und die Ursachen herausfinden – und diese emotional verarbeiten. Erst dann ist man wirklich frei. Alles andere sind Programmierungen, die man versucht “drüber” zu legen, aber mit echter Freiheit hat das nichts zu tun…

    Gudrun Harfmann schreibt am 25. November 2012

    Hallo Maja, ich denke um ein glückliches Leben zu führen (was wir uns doch alle wünschen) ist es nicht wichtig,
    ob wir so stark sind und uns von ungeliebten Gewohnheiten verabschieden können (was wahrscheinlich die meisten nicht schaffen..) oder ob wir eine schlechte Gewohnheit durch eine bessere ersetzen. (was auch schon nicht einfach ist) Hauptsache wir erreichen das, was wir wollen und sind dann glücklich; wie wir das tun finde ich nicht so wichtig.

    Ich bewundere Dich, wenn Du das wirklich kannst!

    Liebe Grüße, Gudrun

    Hartmut schreibt am 26. November 2012

    Das erinnert mich an Ralf Bihlmaiers Mentaltraining: Hinter jedem Verhaltensmuster steckt eine Prägung. Erst wenn die quasi von der Festplatte gelöscht wird, kann sich das Gute, was darunter liegt, entfalten…

Anika schreibt am 20. November 2012

Ich zupfe die Haut um meine Fingernägel herum, teilweise so intensiv, dass es blutet. Was soll denn daran die Belohnung sein? Ich davon abgehen kann ich auch nicht wirklich einen Auslöser benennen, denn ich mache das so oft und in so unterschiedlichen Situationen, dass ich es nicht einordnen kann. :-(

    Gudrun Harfmann schreibt am 25. November 2012

    Hallo Anika, ist Dir bewusst, dass Du unter ziemlicher Anspannung stehst und Dir das Nagelhautzupfen (kenn ich von mir selbst) eine gewisse Erleichterung bringt? Um diese Gewohnheit los zu werden könntest Du Dir vielleicht einen kleinen, weichen Ball oder etwas anderes besorgen und z.B. immer in der Hosentasche haben, damit kannst Du ganz leicht immer den Ball zusammendrücken, wenn Dir danach ist und
    bemerken tut das wohl auch keiner.
    Sonst wäre es wohl gut nach der psychischen Ursache zu forschen… sei es Dir wert, denn Du bist es!

    Alles Liebe, Gudrun

    marcel schneider schreibt am 27. November 2012

    hallo Anika,
    ich habe 50 Jahre lang Fingernägel gekaut und 30 Jahre stark geraucht.Unterbrechen konnte ich beides nachdem ich begriffen habe weshalb ich es mache, also nachdem ich mir die Zusammenhänge bewusst gemacht habe. Es ist Arbeit mit und für sich selber. Ich habe es für mich gemacht und so hat es geklappt. (Nach unzähligen Versuchen die “Andern” zu befriedigen)
    viel mut wünscht dir Marcel

Anika schreibt am 20. November 2012

Ups, der Fehlerteufel hat sich hier eingeschlichen. “Und davon abgesehen kann ich auch nicht wirklich einen Auslöser benennen,…” sollte das heißen. :D

Elena Sommer schreibt am 25. November 2012

Guten Morgen, vielen Dank, für diesen interessanten Artikel. Mir hat die umsetzbaren Möglichkeiten einer Veränderung sehr gut gefallen. Wenn ich etwas ändern möchte, dann stehen Überlegungen im Raum, was ich stattdessen möchte. Beim genannten Beispiel: zu viel am Computer spielen kann das Gefühl von Einsamkeit kompensiert werden und es wird vorgeschlagen, mit einem Freund zu telefonieren. Hmm, Männer telefonieren doch nicht so gerne, oder? Aber es ist richtig, die Aufmerksamkeit woanders hin zu lenken.
Eine andere Idee, wäre, mit dem Freund nach draußen zu gehen, in eine Bar, Kneipe oder ähnliches. Das befriedigende Gefühl eines tollen Abends, wo viel mehr erlebt wird als in den eigenen vier Wänden, breitet sich aus und kann Ruhe in das eigene System bringen.
Ein weitere Idee, die ich persönlich jeden Tag anwende: Ich stelle mir einen Wecker auf eine Stunde und arbeite dann entweder konzentriert an einem Thema oder erlaube mir meine Zeit “zu verschwenden”. So ist man nicht gezwungen etwas loszuwerden, was man glaubt behalten möchte und hat trotzdem das getan ohne es ausarten zu lassen.

Mit strahlenden Grüßen
Elena Sommer

Michael Grunewald schreibt am 25. November 2012

Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob es Erfahrungswerte gibt, wie lange man die ‘neue Gewohneheit’ bewusst trainieren muss, bis sie selbst zu einer ‘echten Gewohnheit’ wird.

Grüße aus Berlin
Michael

    marcel schneider schreibt am 27. November 2012

    hallo michael,
    zur Frage nach der Zeitdauer der Verankerung neuer Verhaltensweisen; bei mir dauert es 6-8 Wochen, erfordert also geduldige Beharrlichkeit
    gruss Marcel

Martin schreibt am 26. November 2012

Eine meiner simplen Lebensweisheiten lautet: “Die Summe der Laster bleibt konstant”. So banal das klingen mag, so wahr ist es leider auch. Als ich nach 20 Jahren das Rauchen aufgegeben habe, ist zwar der Nikotinkonsum auf Null gegangen, dafür aber der von Süßigkeiten und Knabbereien gestiegen. Und natürlich auch das Gewicht. Ist es wirklich so viel gesünder bzw. lebensverlängernd, dick und NR statt schlank und Raucher zu sein? Habe ich nicht letztlich ein Risiko gegen ein anderes getauscht? Und: Wer will überhaupt länger leben? …

Ist es *wirklich* so viel besser, seine Zeit stets mit anderen Menschen zu verbringen statt vielleicht alleine irgendwelchen Beschäftigungen nachzugehen? Die Frage ist nicht mehr so pauschal einfach zu beantworten, wenn man Computerspiele durch sinnvollere Tätigkeiten ersetzt, finde ich. Wer sagt bzw. bestimmt eigentlich, was sinnvoll bzw. gut ist?

Oder zu dem Beitrag von Anika: Eine gute Bekannte von mir muss sich manchmal selbst in den Arm kneifen – und zwar so feste, dass es blutet. Nur um ihre Panikattacken halbwegs in den Griff zu kriegen. Fällt das auch unter Gewohnheiten?

Ist es nicht letztlich völlig egal, welchen Gewohnheiten man nachhängt, solange man eben nicht selbst darunter leidet? Und wenn ja, ist einem dann wirklich dauerhaft damit geholfen, die eine Gewohnheit durch eine andere zu ersetzen? Dazu finde ich Hartmuts Hinweis gut – die Frage ist nur, ob das, was darunter liegt, wirklich immer gut ist…

    Hartmut schreibt am 26. November 2012

    Hallo Martin,

    Bihlmaier vertritt die Ansicht: “Unser Problem sind Ängste, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie haben. Unter jeder Angst ist ein positives Gefühl.”
    Um Angst bzw. Ängste – die wir ja als unangenehme Gefühle erleben – zu vermeiden, entwickeln wir bestimmte Vermeidungs- bzw. Verhaltensmuster, die schließlich zu Gewohnheiten werden und unser ganzes Leben bestimmen. Vielleicht meinte Oscar Wilde einst ja genau das, als er feststellte: “Unser wirkliches Leben ist oft eine Leben, dass wir gar nicht führen.”
    Steve Biddulph kommt in “Das Geheimnis glücklicher Kinder” im ersten Kapitel zur gleichen Erkenntnis, wie Bihlmaier. Er schreibt sinngemäß, dass wir als Kinder – unabsichtlich – eine Prägung erhalten haben und das sich daraus ergebende Verhaltensmuster leben wir als Rolle bis ans Lebensende weiter.
    Daher pflichte ich Anika bei, es gilt die Ursache – sprich Prägung – zu finden und diese zu beseitigen. So hat z. B. Ralf Bihlmaier mit seiner mentalen Resonanzmethode die Ursachen für mein schlimmes Lampenfieber gefunden und diese einfach von der “Festplatte” gelöscht. Und das innerhalb von wenigen Minuten. Ich wollte es zunächst selbst nicht glauben. Aber seit einem Jahr wirkt es…;-)
    Wer also in einer Lebenssituation steckt, die er so nicht haben will, dem kann ich das Tagesseminar von Ralf Bihlmaier empfehlen. Habe es selbst schon zum dritten Mal besucht und bin immer wieder erstaunt, wie er in kurzer Zeit Erfolge erzielt.