Was kann ich tun?
Wenn Sie merken, dass Arbeit in Ihrem Leben einen zu großen Stellenwert hat und Sie das ernsthaft ändern wollen, können Sie eine Menge tun!
Beginnen Sie damit, die Arbeitszeit bewusst zu reduzieren
Gerade wenn Sie in einer verantwortungsvollen Position sind, können Sie in den seltensten Fällen Ihren Job einfach von heute auf morgen um die Hälfte reduzieren. Es ist ja auch mit der Arbeit nicht so, wie z.B. beim Alkohol, dass man sie komplett meiden kann – selbst wenn man es wollte. In den meisten Fällen werden Sie sich sinnvollerweise dagegen entscheiden, Ihren Job zu kündigen und arbeitslos zu bleiben.
Die Lösung aus dem Dilemma Arbeitssucht heißt also nicht vermeiden, sondern einen bewussten Umgang damit zu lernen.
Die Arbeitszeit-Buchführung
Führen Sie ab sofort exakt Buch darüber, wie viel Zeit Sie täglich mit der Arbeit verbringen. Achtung: Zu dieser Zeit gehören nicht nur die Stunden, die Sie am Arbeitsplatz verbringen, sondern auch die Stunden, in denen Sie über Probleme auf der Arbeit nachdenken, zu Hause arbeiten oder auf Dienstreisen sind u.ä.
Sie können dafür ein Formular nutzen, in dem Sie auf einer DinA4-Seite in einer Tabelle die Tage und Stunden notieren und dort dann eintragen, wann Sie wie lange und mit welcher Arbeit im Einzelnen beschäftigt waren. Eine andere Möglichkeit ist es, einen Kalender zu nutzen, in dem Sie Tag für Tag eintragen, wie lange Sie arbeiten. Wählen Sie ein System, mit dem Sie leicht klarkommen.
Eine solche Buchführung über die tatsächliche Zeit, die man mit der Arbeit verbringt, kann schon allein durch das Bewusstwerden heilsam sein. Wenn Sie sehen, dass Sie täglich 10 oder mehr Stunden vom Tag de facto mit Arbeit beschäftigt sind, kann Ihnen das ganz schön zu denken geben. Darüber hinaus können Sie diese Zeit-Buchführung dann dafür nutzen, Ihre Arbeitszeit Schritt für Schritt zu reduzieren.
Suchen Sie sich eine sinnvolle Alternative zur Arbeit
Wenn unsere Arbeit zu unserem zentralen Lebensinhalt geworden ist, dann ist es meist keine gute Idee, sie einfach reduzieren zu wollen. Es entsteht dann schnell ein Vakuum, was uns Angst macht. Der Arbeitssüchtige wird dieses Loch naturgemäß schnell zu füllen versuchen – und zwar mit neuer Arbeit.
Sie sollten sich deshalb ganz bewusst überlegen, was Sie mit der freien Zeit anfangen wollen, die Sie für sich gewinnen werden, wenn Sie Ihre Arbeit reduzieren. Sehen Sie das als Chance, ab sofort auch solche Dinge tun zu können, für die Sie bisher keine Zeit hatten. Möglichkeiten dazu wären z.B.:
- Ausflüge und Unternehmungen mit Ihren Lieben – bitte schreiben Sie konkrete Ideen auf, wie z.B. "in den Vogelpark gehen" oder "Drachen steigen lassen" u.ä.
- Unternehmungen mit Freunden, wie z.B. "Skatabende", "Kegeln gehen" oder "Konzert-Besuche",
- ein neues Hobby (und zwar eines, das Sie wirklich nur aus Freude tun und ohne Verdienstgedanken),
- sportliche Betätigungen – bitte auch hier konkret aufschreiben, worauf Sie Lust haben, wie z.B. ein Aikido-Kurs oder in den Fußballverein eintreten,
- u.a.
Also: Worauf haben Sie Lust? Was wollten Sie immer schon machen?
Eine Auszeit für einen Neustart
Eine gute Möglichkeit, um einen Schnitt zu setzen, ist es, sich eine Auszeit zu gönnen. In den Mühlen des Alltags lassen sich Veränderungen nur schwer planen und umsetzen. Gerade wenn Sie tendenziell arbeitssüchtig sind, werden Sie sich selbst immer wieder so in Ihre Arbeit stürzen, dass Sie kaum zum Nachdenken kommen.
Tipp
Z.B. ein Klosteraufenthalt kann eine sehr heilsame Wirkung haben. Wir ziehen uns dann einmal für einige Zeit ganz aus dem normalen Leben zurück, um zu uns zu kommen. Inzwischen bieten immer mehr Klöster in Deutschland, aber z.B. auch in Asien eine solche Möglichkeit auch für Nicht-Gläubige an.
Deshalb: Machen Sie zunächst einmal eine Pause. Mindestens zwei, besser drei
oder vier Wochen. Bleiben Sie möglichst nicht zu Hause, sondern fahren Sie
an einen ruhigen Ort, an dem Sie ungestört sind und keine Möglichkeiten
zum Arbeiten haben.
Nutzen Sie diese Zeit, um sich zu erholen, zu sich zu kommen und sich einmal mit so wesentlichen Fragen zu beschäftigen, wie z.B.:
- Was macht mein Leben aus?
- Was will ich vom Leben?
- Was ist mir wirklich wichtig?
- Was könnte ich später bereuen, wenn ich so weitermache, wie bisher?
- Was vernachlässige ich zur Zeit in meinem Leben?
- Was sind lebens- und liebenswerte Dinge?
- Wie könnte ich mein Leben gestalten, um erfüllt und zufrieden zu leben?
Suchen Sie sich ggf. Hilfe und Unterstützung
Wenn Sie merken, dass Sie allein nicht weiterkommen und immer wieder in die Arbeitsspirale geraten, dann sollten Sie sich Hilfe suchen.
- In leichteren Fällen kann es ausreichen, gemeinsam mit einem Coach oder Trainer ein funktionierendes Zeit- und Selbstmanagement zu entwickeln, damit Sie Ihre Zeit nicht länger nur mit stetig ansteigender Arbeitsbelastung verbringen, sondern auch wieder Zeit für anderes finden.
- In ernsteren Fällen ist professionelle Hilfe durch einen Therapeuten sinnvoll, denn dann kann es unter Umständen nötig sein, das eigene Leben wesentlich zu verändern.
- Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich einer Selbsthilfevereinigung anzuschließen. Ein Beispiel sind die AAS – Anonyme Arbeitssüchtige. Infos unter www.arbeitssucht.de.
Welchen Weg Sie wählen, ist letztlich nicht wirklich wichtig. Entscheidend ist, dass Sie es schaffen, in Ihrem Leben wieder ein bisschen mehr zu sehen, als nur ein ausführendes Arbeitstier zu sein. Sie und Ihr Leben sind es wert!
Literatur zum Thema:
Thema Burnout




