Erfolgsprinzip “Flexibilität”

flexibilitaet

“Wir erwarten von unseren Mitarbeitern Flexibilität.”
“In den heutigen Zeiten muss man eben flexibel sein.”
“Flexibilität ist ein echter Erfolgsfaktor.”

Solche und ähnliche Aussagen findet man zahlreich, wenn es um das Thema Flexibilität geht. Wir möchten dieses Erfolgsschlagwort hier einmal für Sie genauer beleuchten und vor allem schauen, ob und wie sich Flexibilität praktisch erlernen lässt.

“Flexibel” – was ist das eigentlich?

Der Ursprung des Wortes “Flexibilität” ist das lateinische Verb “flectere”, was “biegen” oder “beugen” bedeutet. Am besten lässt sich die direkte Bedeutung anhand eines Grashalmes illustrieren, der dem Wind sehr weich nachgibt, ohne wie z.B. ein fester Stab zu brechen.

Nun ist aber “Flexibilität” hier nicht so zu verstehen, dass wir uns vom Wind des Lebens hin und hertreiben lassen und gleichsam zum rückratlosen Blatt im Wind werden sollen.

Flexibilität als Erfolgseigenschaft meint vielmehr, in der Lage zu sein, sich auf die Umwelt einstellen zu können. Also auch auf sich ständig verändernde Bedingungen zu reagieren und nicht einfach an ihnen zu scheitern.

Das Leben ist Veränderung

Es sei dahingestellt, ob die Welt früher tatsächlich stabiler und das Leben weniger Wandlungen unterworfen war, heute müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass schon morgen alles ganz anders sein kann.

Der Job, den wir heute haben, kann morgen schon gefährdet sein, die Firma, in der wir arbeiten, verkauft werden, die Einnahmen, mit denen man fest gerechnet hat, wegfallen. Auch Partnerschaften und Ehen sind nicht so sicher, wie sich das viele von uns wünschen. Und selbst junge Menschen können plötzlich vor der Tatsache stehen, eine schwere Krankheit oder einen herben Schicksalsschlag verarbeiten zu müssen.

Natürlich sind die Folgen von Veränderungen sehr unterschiedlich – manche stecken wir mit einem Lächeln weg, andere reißen uns schier den Teppich unter den Füßen weg. Auf manche Veränderungen kann man sich gut vorbereiten, andere kommen plötzlich und erwartet. Und manche Umstellungen fallen uns leichter als andere.

Ja zu Veränderungen

Flexibilität besteht zu einem großen Maß aus einem grundsätzlichen Ja zu Veränderungen. Damit ist nicht gemeint, dass wir alle Veränderungen toll finden sollen, sondern es geht darum, sie als Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und die Notwendigkeit einzusehen, sich immer wieder auf sie einstellen zu müssen.

Und DAS ist nichts anderes als Flexibilität.

Leicht gesagt und schwer getan

Nun sagt sich das so leicht, aber in der Praxis zeigt sich schnell, wie schwer es ist, mit dem Fluss der Veränderungen im Leben mitzugehen. Schließlich sind wir alle in ein komplexes System aus Verpflichtungen, Bedürfnissen und Aufgaben eingebunden, das es uns schwer macht, nicht nur große, sondern manchmal auch kleine Dinge zu ändern.

Schon die simple Bitte unseres Vorgesetzten, doch ab sofort eine Stunde früher (oder später) zur Arbeit zu kommen, kann eine ganze Lawine auslösen: Plötzlich klappt die Kinderversorgung weder morgens noch abends, das Ehrenamt, welches wir übernommen haben, lässt sich so nicht mehr wie gewohnt erledigen, die Sportstunde, die wir uns zum Ausgleich genommen haben, fällt dann aus, Hausputz und Einkaufen müssen neu organisiert werden usw. usw. Und das ist ein Beispiel einer geringfügigen Änderung!

Der Ruf nach Flexibilität klingt deshalb in den Ohren vieler Menschen wie ein Hohn und erscheint kaum machbar.

Energieverschwendung vermeiden

Es gibt Veränderungen, gegen die man einfach nichts tun kann. Wenn Ihre Firma verkauft wird und Sie dadurch den Job verlieren, können Sie sich noch so sehr aufregen, es wird Ihnen nichts helfen. Wenn Ihre Kita geschlossen wird, kommen Sie nicht darum herum, einen neuen Platz für Ihr Kind zu finden.

Bei solchen Veränderungen ist es wichtig, Energieverschwendung zu vermeiden. Mit Energieverschwendung ist ewiges Hadern und Ärgern gemeint und auch die Weigerung, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Dass Sie kurzfristig enttäuscht oder sauer, ja vielleicht entsetzt sind, ist vollkommen normal und verständlich. Nur sollten Sie nicht in diesem Zustand verharren, sondern Ihre Energie dann dafür nutzen, die neue Situation möglichst positiv für sich auszugestalten.

( Randnotiz: Kennen Sie eigentlich schon Finde deinen Kompass. Nützlich, um seine Ziele und seine Richtung im Leben zu finden. )

In anderen Fragen steht es hingegen manchmal an, sich gegen anstehende Veränderungen einzusetzen. Wenn Ihr Partner Ihnen mitteilt, unglücklich zu sein und dass er über eine Trennung nachdenkt, haben Sie noch viele Möglichkeiten, das Ruder herumzudrehen. Hier bestünde eine sinnlose Energieverschwendung darin, sich selbst Vorwürfe zu machen. Arbeiten Sie lieber gemeinsam daran, wieder zueinander zu finden.

Flexibilität heißt Wahlmöglichkeiten zu finden

Im Wesentlichen bedeutet Flexibilität, Wahlmöglichkeiten zu entdecken. Also nicht nur einen Weg vor der Nase zu sehen, sondern möglichst viele.

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Kommentare

Hendrik Maaß schreibt am 13. Januar 2013

Nichts gegen den Willen, sich verändern zu wollen oder für bestimmte neue Dinge (Kunst etc.) offen zu sein, aber der Begriff “Flexibilität” hat in der heutigen Zeit aber auch eine verborgene, wenig schmeichelhafte Bedeutung: http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2009/neusprech-flexibilitat/

Petra schreibt am 14. Januar 2013

Vielen Dank Hendrik für den link.Ich denke, es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Für das einzelne Individuum scheint es zunächst sinnvoll, felxibel zu sein. Randbedingungen ändern sich in der Tat und es fällt Menschen, die sich schnell umstellen können, leichter, mit veränderten Bedingungen klar zu kommen(“love it, chance it or leave it”). Allerdings stellt sich tatsächlich die Frage, was zuerst da ist: das Huhn oder das Ei- Veränderungen können sich doch nur dann etablieren, wenn Menschen sie hervorrufen bzw. mitmachen. Wenn keiner jedes Jahr das neueste iphone kaufen würde (weil es eh keinen gibt, der alle Features nutzt), würde sich die Technikwelt langsamer drehen.Wenn kein Arbeitnehmer aus vermeintlichem Sicherheitsdenken überall hin umziehen würde, nur um den Arbeitsplatz zu erhalten, dann würde die Forderung nach Flexibilität ins Leere laufen. Paradoxerweise führt gerade hier der Wert “Stabilität und Sicherheit” in die Unsicherheit…Schlußendlich ist alles eine Frage des Wertewandels: wieviel Wert scheint heute noch ein stabiles soziales Gefüge zu sein?? Wie wertvoll hingegen erachtet die Gesellschaft es, dem “Hype” zu folgen – Schnelle Erfolge, schnelles Geld, oberflächliche Bindungen (weil der gute Freund morgen schon vergesen sein muß oder lediglich virtuell existiert), Zerstreuung, lieber 3 Kinofilme auf dem Tablet heunterladen als Buch lesen oder sich mit Freunden philosophischen Betrachtungen hingeben…Ist das wirklich erstrebensweirt? Und wenn nicht: warum machen alle mit? Weil man meint, es nicht ändern zu können?? Flexibel sein heißt dann wohl tatsächlich auch manipulierbar u werden ohne eigene Meinung und ohne Kämpfergeist.

mae schreibt am 21. Januar 2013

Super, petra. dein beitrag gefiel mir gut, weil ich ähnlich denke. klar, flexibel-sein hat viele seiten, und: alle(s) ändert sich immer, ich mich auch, von sekunde zu sekunde… aber in diesem werte-diskurs ist es ja auch wichtig, differenziert hinzuschauen, auch auf das was bleibt und evtl. sogar zunimmt: nämlich bei aller flexibilität auch die (eigene) innere stabile haltung, der innere frieden und die freude am leben.
mit liebem gruß, mae