5 Möglichkeiten, die eigenen Gefühle zu erforschen
Hier finden Sie verschiedene Übungen, mit denen Sie Ihre Gefühle nicht nur entdecken, sondern auch ausleben können.
Wichtig dabei ist, dass Sie sich möglichst keine Gedanken über die Ergebnisse machen, sondern sich einfach mit Spaß und Offenheit daran machen, wieder ein Stück von sich selbst kennen zu lernen.
Übung 1: Gefühle beschreiben
Beginnen Sie am besten mit etwas Bekanntem: Unsere Gefühle zu beschreiben, fällt uns deshalb am leichtesten, weil wir uns im Gespräch mit sehr vertrauten Menschen hin und wieder so weit öffnen können, dass wir über unsere Gefühle sprechen.
Nutzen Sie hier nun einmal die Methode des so genannten “Free-Writings”, um sich schreibend Ihren Gefühlen zu nähern.
Für diese Übung nehmen Sie sich bitte mindestens 20 Minuten Zeit, in denen Sie ungestört sein können. Sie brauchen einen Stift und ein Blatt Papier oder ein Notizbuch. Schreiben Sie oben auf das Blatt den Titel “Meine Gefühle”.
Schließen Sie nun die Augen und atmen Sie einige Male tief durch. Spüren Sie behutsam in sich hinein. Was fühlen Sie gerade? Können Sie eines oder mehrere Gefühle erkennen?
Bitte lassen Sie die Augen so lange geschlossen, bis Sie wirklich in Kontakt mit einem oder mehreren Ihrer Gefühle sind. Für den Anfang brauchen das keine “spektakulären” Empfindungen zu sein. Auch so etwas wie “müde”, “neugierig”, “ungeduldig” oder “albern” sind Empfindungen, mit denen Sie sich näher befassen können.
Registrieren Sie, welche Bezeichnungen, welche Worte Ihnen in den Sinn kommen. Öffnen Sie die Augen und schreiben Sie alles auf – und zwar unsortiert, unzensiert und ohne viel zu überlegen. Sie brauchen nicht auf Rechtschreibung oder Stil zu achten. Alles, worum es geht, ist einfach eine schriftliche Skizze von dem zu bekommen, was da gerade in Ihnen ist.
Wichtig: wenn Sie glauben, dass Ihnen nichts mehr einfällt, bleiben Sie trotzdem dran und schreiben Sie weiter. Wenn Ihnen immer wieder dasselbe einfällt, schreiben Sie Begriffe ruhig doppelt oder dreifach auf. Ihr Schreibfluss sollte nicht abbrechen.
Diese Übung können Sie ruhig einige Male wiederholen. Sie kann sogar zu einem täglichen Ritual werden – 5-10 Minuten Freewriting bringt Sie jeden Morgen in Kontakt mit dem, was in Ihnen ist und so werden Sie sehr viel bewusster in den Tag starten und können einigen Ballast loswerden.
Übung 2: Gefühle malen
Gefühle lassen sich nicht immer vollständig in Worte fassen. Manchmal sind sie diffus und flüchtig. Nutzen Sie einmal die Möglichkeit, das was in Ihnen ist, in Farben und Formen auszudrücken.
Extra-Tipp
Probieren Sie einmal Fingerfarben aus! Damit haben Sie ein sehr direktes Malerlebnis.
Sie brauchen dafür Malpapier und Farben. Sehr gut eignen sich Wachsmalstifte oder auch Wasser- bzw. Acrylfarben. Sie können natürlich auch Filzstifte, Buntstifte oder anderes wählen – ganz wie es Ihnen angenehm ist.
Versetzen Sie sich nun in ein Gefühl Ihrer Wahl. Vielleicht spüren Sie den ganzen Tag schon etwas in sich rumoren. Oder Sie machen eine bestimmte Musik an, mit der Sie sich in ein bestimmtes Gefühl versetzen können. Schließen Sie ruhig wieder die Augen, um intensiv in Kontakt mit dem Gefühl zu kommen.
Und malen Sie dann einfach drauf los! Es geht nicht darum, ein Bild zu malen, sondern Sie sollen nur Ihre Gefühle mit Farben und Formen auszudrücken versuchen. Lassen Sie sich ganz von Ihren inneren Gefühlen leiten – versuchen Sie bitte nicht, etwas davon zu manipulieren. Möchten Sie alles schwarz malen, tun Sie es. Spüren Sie den Impuls, mit mehreren Stiften gleichzeitig zu malen, tun Sie das. Vertrauen Sie sich ganz dem Gefühl an und seien Sie neugierig darauf, was sich Ihnen zeigen wird.
Diese Übung können Sie jederzeit zwischendurch machen, wenn Sie spüren, dass etwas in Ihnen Ausdruck finden möchte. Sehen Sie es als Ventil und als Möglichkeit, Gefühle in Ihnen konstruktiv auszuleben. Sie können die Bilder nach der Übung fortwerfen – oder, wenn Sie Ihnen gefallen auch aufheben oder rahmen. Wichtig ist nur, während der Übung keinerlei Qualitätsanspruch an das Ergebnis zu haben.
Übung 3: Gefühle tanzen
Eine wundervolle Möglichkeit, Gefühle auszudrücken ist der Tanz. Das nutzen jedoch die allerwenigsten von uns. Seltsamerweise tanzten wir als Jugendliche fast alle gern und konnten uns auf der Tanzfläche auch richtig gehen lassen. Mit dem Erwachsenwerden ließ das meist nach und viele brauchen leider inzwischen einiges an Alkohol, um sich zu trauen, sich tänzerisch auszudrücken.
Probieren Sie diese Möglichkeit einfach einmal in Ihrem Zimmer aus, wenn Sie allein sind. Wählen Sie eine Musik, die Sie tief berührt. Drehen Sie den Regler ruhig ein bisschen lauter (ggf. setzen Sie Kopfhörer auf). Stellen Sie sich in die Mitte des Raumes, schließen Sie die Augen und spüren Sie zunächst nur. Lassen Sie die Musik Sie umschmeicheln oder aufrütteln. Nehmen Sie die Melodie, den Rhythmus, die Stimme, die Instrumente und das Gesamtbild der Musik ganz bewusst wahr.
Wenn Sie einen Impuls spüren, dann geben Sie dem einfach nach. Zu Beginn werden es eher kleine Bewegungen sein – wir müssen erst lernen, uns zu trauen. Lassen Sie alles zu, was Ihr Körper tun möchte. Schwingen Sie mit den Armen, hüpfen Sie, wiegen Sie sich im Takt, drehen Sie sich. Was immer sich da ausdrücken will, heißen Sie herzlich willkommen und freuen sich an Ihren eigenen Bewegungen.
Der körperliche Ausdruck dessen, was wir fühlen, kann im wahrsten Sinne sehr bewegend sein. Wundern Sie sich deswegen bitte nicht, wenn Sie vielleicht lachen oder weinen möchten. Tun Sie es. Lassen Sie sich auf Ihre Gefühle ein – und tanzen Sie Ihren ganz persönlichen Tanz.
Diese Übung können Sie mit unterschiedlichen Musikarten wiederholen. Seien Sie gespannt darauf, wie viel Ausdruckskraft Sie an Ihrem Körper entdecken werden.
Übung 4: Gefühle tönen
Wir können unsere Gefühle auch in Tönen ausdrücken. Trauer wird oft in Schluchzen ausgedrückt, Wohlbefinden in Seufzen usw. Darüber hinaus können wir aber noch zahlreiche andere Töne machen. In den seltensten Fällen nutzen wir unsere Klangmöglichkeiten – vielleicht aus Scham oder weil wir uns es selbst nicht erlauben.
Ziehen Sie sich für diese Übung wieder in Ihren eigenen Raum zurück und sorgen Sie dafür, nicht gestört zu werden. Vielleicht können Sie Ihre Wohnung ja auch mal für eine halbe Stunde ganz für sich allein haben. Stellen oder setzen Sie sich in die Mitte des Raumes und bringen Sie sich wieder in Kontakt mit einem intensiven Gefühl. Es spricht nichts dagegen, auch dafür Musik spielen zu lassen.
Und während Sie sich immer tiefer auf Ihr Gefühl einlassen, erlauben Sie sich Töne zu machen. Zunächst nur ganz leise und zaghaft. Vielleicht ist es ein Brummen? Ein Quietschen? Ein Zischen? Ein Wimmern? Ein Grollen? Geben Sie den Impulsen nach, die kommen, ohne sie zu zensieren oder zu unterdrücken. Erlauben Sie sich nach und nach auch lauter zu werden, wenn Ihnen danach ist. Sie dürfen sich ausdrücken – lassen Sie Ihre Gefühle tönen.
Auch bei dieser Übung kann es sein, dass die Gefühle dadurch stärker werden. Weinen Sie ruhig, wenn Ihnen danach ist oder lachen Sie aus ganzem Herzen.
Übung 5: Gefühle zeigen
Als letzte Übung möchten wir Ihnen vorschlagen, Ihre Gefühle zu spielen.
Denken Sie dazu an einen Pantomime-Künstler. Sie haben Ihren Körper, Ihre Mimik und Ihre Gestik, um darzustellen, was in Ihnen ist. Nehmen Sie sich den ganzen Raum, um sich auszudrücken. Haben Sie Mut, weit aus sich herauszugehen.
Diese Übung können Sie zunächst auch allein für sich machen. Mit vertrauten Menschen gemeinsam kann aus dieser Übung aber auch eine sehr schöne und intensive Gruppenerfahrung werden.
Literatur zum Thema
- Gefühle schreibend erforschen: Gabriele Rico: Von der Seele schreiben
Für Kinder:
Für den Beruf:





Hallo,
wieso neigen wir (ich oder wer auch immer) dazu, die eigenen Gefühle zu unterdrücken? Die Annahme finde ich ein wenig zu allgemein.
Liebe Grüße
Joachim
Lieber Joachim,
stell dir vor hast dich heute morgen ganz fürchterlich mit deiner Frau gezankt. Lässt du dann deinen Ärger und deine schlechten Gefühle auf deinem Arbeitsplatz raus, indem du deine Kollegen schlecht behandelst? Doch eher nicht. Du machst deine Arbeit und unterdrückst deine Emotionen um nicht auch noch nach dem Grund deiner schlechten Laune gefragt zu werden, denn dann müsstest du ja vielleicht etwas über dein Privatleben und über dich selbst erzählen.
Das mal so als Beispiel. Und so unterdrücken viele Menschen ihre Emotionen aus Gewohnheit und Angst sich mit den Gegebenheiten näher auseinandersetzen zu müssen.
So würde ich diese Aussage interpretieren..........