5 Tipps zum Verzeihen (Seite 2 von 2)

verzeihen

Verzeihen ist schwierig. Aber möglich. Wir haben Ihnen hier eine Reihe von konkreten Tipps dafür zusammengestellt.

Tipp 1: Finden Sie heraus, was es zu verzeihen gibt

Einige Verletzungen, die wir erlitten haben, sind offensichtlich. Jemand, der z.B. von seinem Partner betrogen wurde, wird diese Wunde lange mit sich tragen. Anderes liegt tiefer, manches haben wir auch verdrängt.

Nehmen Sie sich einmal etwas Zeit und Ruhe und überlegen Sie, was und wem Sie ganz persönlich alles zu verzeihen haben. Erstellen Sie eine Liste von Dingen,

  • für die Sie heute noch auf jemanden wütend sind,
  • die Sie verletzt haben und die heute noch schmerzen,
  • die Sie einfach nicht vergessen können und die noch immer an Ihnen nagen,
  • für die Sie am liebsten Rache nehmen möchten
  • und ähnliches.

Manches kann sich schon erledigen, wenn Sie es auf der Liste stehen sehen – denn es kommt auch vor, dass wir innerlich schon längst abgeschlossen haben, aber vom Kopf her immer noch denken, nicht verzeihen zu können. Vielleicht können Sie über manche Punkte inzwischen auch lachen. Solche Dinge streichen Sie dann einfach durch.

Anderes wird schmerzen, wenn Sie an daran denken und das auf der Liste sehen. Mit diesen Punkten arbeiten Sie weiter.

Tipp 2: Raus damit!

Auch wenn wir Verletzungen oft jahrelang mit uns herumtragen und selbst wenn wir auch schon x-mal darüber geredet haben, ist es empfehlenswert, sich die ganze Sache einmal gezielt von der Seele zu schreiben.

Unterschätzen Sie hier nicht die Wirkung des geschriebenen Wortes. Das Niederschreiben hat eine andere Wirkung als das Sprechen. Wenn wir schreiben, schöpfen wir oft aus tieferen Schichten in uns und so kommt auch das leichter hoch, was wir sonst eher unterdrücken.

Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe und gehen Sie zurück in die Situation, die für Sie auch heute noch so schmerzlich ist. Beschreiben Sie, was genau geschah. Schreiben Sie auf, was in Ihnen vorging. Was das Schlimme war, was Ihnen angetan wurde.

Sie können das Ganze auch als Brief verfassen – adressiert an die Person, der Sie noch nicht verzeihen können. Drücken Sie ruhig alle Ihre Vorwürfe deutlich aus – Papier ist geduldig. Sie brauchen, nein, Sie sollten möglichst nichts zensieren, denn alles was in Ihnen ist, darf jetzt einmal raus.

Und dann: Werfen Sie diesen Zettel fort. Dieses symbolische Vernichten des Geschriebenen kann eine sehr befreiende Wirkung haben. Sie können den Zettel auch rituell verbrennen, womit wir schon beim nächsten Punkt sind.

Tipp 3: Entwickeln Sie Rituale

Rituale helfen vielen Menschen beim Loslassen. Hier einige Anregungen dazu:

  • Symbolische Verabschiedungen: Wenn Sie über das Erlebnis geschrieben haben, können Sie mit diesem Blatt die Macht der Symbole nutzen, um kraftvoll loszulassen. Verbrennen und zerreißen – das tut den meisten Menschen sehr gut. Erlauben Sie sich dabei zu weinen und packen Sie ihre angestauten Gefühle mit ins Feuer oder in die Lust, das Geschriebene zu zerfetzen. Sie können sich auch ein Symbol für die Tat aussuchen und dieses z.B. mit einem Luftballon in den Himmel schicken. Wichtig ist, dass Sie etwas wählen, was für Sie “Loslassen” und “Abschied nehmen” so plastisch wie möglich symbolisiert.
  • Eine weitere Möglichkeit ist, ein Foto von der Person (oder eine Zeichnung oder auch nur den Namen) vor sich hinzulegen und dann laut zu ihr zu sprechen. Sie dürfen hier ruhig noch einmal ihrer Wut oder Enttäuschung Ausdruck verleihen. Gehen Sie dann aber dazu über so etwas zu sagen, wie: “Ich bin heute bereit loszulassen, denn ich will nicht mehr, dass diese Sache mein Leben beeinflusst. Ich verzeihe dir heute.” Wählen Sie etwas, was Sie mit innerer Überzeugung sagen können und sprechen Sie es laut aus.
  • Vielen Menschen helfen auch die so genannten Affirmationen. Suchen Sie sich dazu zwei oder drei besonders kraftvolle Sätze aus und sagen Sie sich diese mehrmals am Tag selbst laut vor oder schreiben Sie sie auf. Beispiele könnten sein: “Ich übernehme Verantwortung für mein Leben und lasse nicht länger zu, unter dem, was andere getan haben, zu leiden. Ich entscheide mich zum Loslassen. Ich befreie mich von dem Schmerz, indem ich verzeihe.” Auch hier ist wichtig, dass die Sätze für Sie passen.
  • Nutzen Sie besondere Daten: Die meisten Menschen, die ein Unrecht nicht verzeihen können, wissen sehr genau, wann es ihnen angetan wurde. Jahrestage sind wegen ihres Symbolgehalts für solche Verzeihensübungen deshalb ein besonders gutes Datum.

Überlegen Sie auch, ob Ihnen selbst weitere Rituale einfallen, mit denen es Ihnen möglich wird, das Erlittene loszulassen. Nutzen Sie alles, was Ihnen dabei hilft.

Tipp 4: Manchmal hilft die andere Sicht

Wenn wir verletzt worden sind oder uns ein Unrecht angetan wurde, nehmen wir verständlicherweise zunächst nur uns selbst und unseren Schmerz wahr.

Wenn wir aber nach der ersten akuten Enttäuschung aus einem gewissen Abstand auf das Ereignis schauen, können wir auch unser Gegenüber wahrnehmen, also den Menschen, der uns verletzt hat.

( Vielleicht auch für Sie interessant: Wie man die eigenen Lebensziele entdeckt )

Das kann uns ermöglichen, zu verstehen, warum er oder sie das getan hat. Vielleicht können wir erkennen, welche Gründe es gab. Gründe, die das Verhalten nicht unbedingt rechtfertigen, aber doch verständlich machen. Vielleicht erkennen wir auch unseren eigenen Anteil an der Situation. Und vielleicht hilft uns das dabei, unsere Gefühle zu relativieren und die Sache bereinigen oder loslassen zu können.

Tipp 5: Nicht immer schafft man es allein

Nicht bei allen Sachen ist es möglich, aus eigener Kraft loszulassen und zu verzeihen. Missbrauchopfer, Opfer von Kriminal- und Gewalttaten, aber auch Menschen, die betrogen wurden oder deren Vertrauen zutiefst verletzt wurden, schaffen es oft nicht, sich allein davon zu befreien.

Wenn Sie das bei sich feststellen, sollten Sie über therapeutische Hilfe nachdenken. Das hat nichts mit Schwäche oder Kranksein zu tun, sondern einfach damit, dass Sie es sich selbst Wert sein sollten, die Hilfe anzunehmen, die Sie bekommen können, um freier und glücklicher zu leben. Denn: es ist Ihr Leben.

Literatur zum Thema

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Kommentare

Joachim schreibt am 16. Februar 2012

Verzeihen heisst für mich, über sich selber hinaus zu wachsen. Aus Schuld kann Mitgefühl entstehen.

Bianka schreibt am 16. Februar 2012

Ein sehr schöner Beitrag! Aber was ist, wenn ein anderer einem nicht verzeihen will? wie geht man damit um?

Stephan Reimann schreibt am 16. Februar 2012

Hallo,

vielen Dank für den Artikel, der sich übrigens sehr schön in Ihre angenehm gestaltete Website einfügt. Sie ist wirklich angenehm für’s Auge.

Ich finde es sehr wichtig, zu verzeihen. Gandhi sagte einmal: ”

Jemanden zu hassen ist genauso klug, wie ein glühendes Stück Kohle aufzuheben, um damit nach jemandem zu werfen. Wir sind die jenigen, die sich dabei verbrennen…”

Ich denke, wenn wir verzeihen, tun wir das nicht für eine andere Person, sondern für uns selbst, damit wir aufhören, uns zu “verbrennen”.

Alexandra schreibt am 17. Februar 2012

Ein interessanter Artikel. Ich habe ein wenig darüber nachgedacht, was es für mich heißt zu verzeihen. Also, grundsätzlich denke ich auch, es ist keine Schwäche verzeihen zu können.

Aber wenn ich einem Menschen verzeihe, er dann wieder und wieder meine Grenzen überschreitet, ich ihm das auch mitteile und ich immer und immer wieder verzeihe, dann ist bei mir irgendwann aber dann doch ein Punkt erreicht, wo ich nicht mehr will und kann. Nämlich wenn ich verzeihe, damit auch eine gewisse Ruhe empfinde, das Thema abgeschlossen ist, und es wird dann wieder aufgewühlt, dann strengt mich das an, dann muss ich mich wieder und wieder damit beschäftigen, mich damit auseinandersetzen und habe immer wieder neu die Hoffnung, nach dem Verzeihen zur Ruhe zu kommen, da jedes erneute Beschäftigen mit dem Thema unglaublich Kraft kostet. Wenn es mir zuviel wird, da ziehe ich einen Schlußstrich, dann ist das Fass übergelaufen und dann kann ich damit abschließen und komme zur Ruhe und werde nicht wieder und wieder aufgewühlt.

Dazu braucht es schon etwas. Ich verzeihe schon, aber es gibt Menschen und Situationen da wollte ich nicht mehr und es geht mir gut damit, sie sind für mich erledigt und beschäftigen mich nicht immer weiter.

    Christine schreibt am 19. Februar 2012

    Hallo Alexandra,

    ich bin derzeit auch in einer solchen Situation. Ich habe so viel versucht dazu.
    Ich sage zu mir, nicht um jeden Preis.
    Alles kann man nicht ins Positive lösen.

    Christine.

Elke schreibt am 19. Februar 2012

Es gibt Geschehnisse, Verletzungen, die sind so schwer, dass es schwer fällt bis unmöglich ist, zu verzeihen. Weil sie so massiv in die eigene Persönlichkeit eindringen, dass der Schaden, den ein Mensch genommen hat, nicht mehr zu heilen ist. (z.B. Missbrauch)
Muss dieser Mensch verzeihen? Definitiv nicht. Beim Verzeihen liegt der Fokus in solch einem Fall zu stark auf dem Täter. Frei nach dem Motto: “Wenn du deinem Täter verziehen hast, dann geht es dir besser. Arbeite am Verzeihen.”
Nee, arbeite an dir, an deinem Leben, daran, Schönes zu empfinden. Der Täter ist unwichtig. Soll Gott oder sonstwer ihm verzeihen. Wenn du es irgendwann von selbst kann – gut, wenn nicht -auch gut.

Susanne Körner schreibt am 19. Februar 2012

Hallo,

ich bin sozusagen gerade unmittelbar beteiligt, da eine mir sehr nah stehende Person mir sehr weh getan hat. Der Schock, zum einen über die Tat_sache als solches, als auch wie mit mir umgegangen wurde, sitzt immer noch tief.

Mein Verstand sagt mir, dass sie etwas nicht verstanden hat und sich deshalb so verhält – sie kann nicht anders – doch meine Gefühle sind noch immer sehr verletzt, es tut immer noch sehr weh, obwohl es schon 10 Monate her ist.

Ich weiß heute noch nicht, ob ich das jemals verzeihen kann. Vielleicht gelingt es mir ja noch. Aber, so einfach ist es nicht. Es braucht nicht nur die Bereitschaft, sondern ich glaube, das ich es mit mehr Mitgefühl dem anderen gegenüber schaffen könnte. Wer weiß wann mir das gelingt. . .

    Christine schreibt am 19. Februar 2012

    Hallo Susanne, dazu ist mir

    “Die Insel der Gefühle eingefallen.” Die Liebe hat gefragt, wer hat mir geholfen?
    ” Die Zeit”, weil nur die Zeit vesteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist.

Maximilian schreibt am 19. Februar 2012

Nach 18 Jahren fällt es mir immer noch schwer, jemandem zu verzeihen. Dieser Jemand war mein direkter Vorgesetzter, ja sogar noch mehr, mein bester Freund. Ich lieh ihm 1994 mein gesamtes gespartes Kapital (35.000,- DM); ich sollte es bereits nach 3 Monaten! zurückbekommen. Die letzte kleine Rate kam 2002. Ein Großteil ist er mir immer noch schuldig. Im Dezember letzten Jahres suchte ich ihn nochmals auf, er warf mich aus seiner Wohnung mit Tritten heraus. In den 18 Jahren war ich so verletzt, habe soviele Nerven lassen müssen, viele Nächte, die ich nicht schlafen konnte. Er ist zwischenzeitlich neu verheiratet, hat eine Familie gegründet und seine neue Frau verdient irre viel Geld. Nur ist das halt ihr Geld, und nicht seins, so sagt er stets. Nach 18 Jahren sehe ich nun ein, dass ich mich damit abfinden muss, dass es so nicht weitergehen kann. Ich muss das Thema abschliessen. Es fällt mir aber so schwer.

Marietta schreibt am 20. Februar 2012

Als Affirmationen haben sich mir zwei Sprüche besonders hilfreich erwiesen:
“Wer sich ärgert, büßt für die Sünden der anderen” und
“Mit jeder Minute Ärger versäumt man 60 glückliche Sekunden”.
Aber die helfen mir auch nur, wenn es um eher “lässliche Sünden” geht, wo also der Ärger im Vordergrund steht (da allerdings funktionieren sie ganz hervorragend). Bei wirklich tiefen Verletzungen, die Trauer und nachhaltigen Schmerz hinterlassen, greifen sie leider kaum.

Kommunikationsentzug verursacht bei mir so eine tiefe Wunde, wenn ich nicht mal die Chance habe, mit dem anderen etwas zu klären, sich auszusprechen, Hintergründe zu erfahren, um besser verstehen zu können, oder auch respektvollen Abschied nehmen zu können. “Nicht der Rede wert” zu sein kann nach einer intensiven Beziehung die Hölle bedeuten, für mich jedenfalls. Ignoriert werden finde ich noch schlimmer als angebrüllt werden; das wäre zwar auch nicht angenehm und respektvoll, aber es würde wenigstens zeigen, dass ich als Gegenüber wahrgenommen werde.

Da ich dann alles nur im eigenen Kopf wenden kann, dreht es dort seine unfruchtbaren Runden und löst sich nicht auf. Loslassen wäre großartig für mich, mein Verstand weiß das auch, und ich will auch niemand anderem so viel Macht über meine Lebensqualität geben, dafür bin ich selbst verantwortlich. Aber die vielen offenen Fragen kehren ungewollt zurück wie die Bilder von einem Unfall, der immer wieder vor dem inneren Auge erscheint. Ich würde gern vergeben, loslassen, mich freimachen und die innere Restbindung auflösen, um mir selbst nicht immer wieder den Schmerz der Erinnerung zuzufügen. Mir ist schon klar, dass ich selbst für meine Gefühle zuständig bin und mir meine Reaktionen selbst schaffe (der andere ist ja auch längst physisch aus meinem Leben verschwunden).

Ich habe schon versucht, durch Schreiben und anschließendes Zerfetzen eines Briefes Entlastung zu schaffen, aber das riss den Schmerz noch mal neu auf, kein Gegenüber für meinen Ausdruck zu haben. Durch die beim Schreiben sichtbar werdende Vakanz auf der Adressatenseite steigerte ich mich nur in noch mehr verzweifelte Hilflosigkeit.
Wäre der andere gestorben, könnte er auch nicht mehr antworten, aber der Tod wäre wenigstens eine akzeptable Erklärung für sein Schweigen, damit könnte ich wahrscheinlich besser umgehen, so makaber das klingt. Aber so bleibt immer ein irrwitziges Zipfelchen Hoffnung im Hinterkopf, eines Tages käme die große Wende, Einsicht und Entgegenkommen, Klärung und Frieden von der anderen Seite. So lange ich dieses Zipfelchen nicht loslassen kann, verwarte ich (teilweise) mein Leben wie ein hypnotisiertes Kaninchen, das darf nicht sein. Es ist ja so paradox: selbst wenn ich das zum Thema in einer Therapie oder Aufstellung mache, verschenke ich noch Ressourcen meines Lebens an einen “toten Gaul”, von dem ich endlich absteigen sollte. Wissen ist das Eine, Fühlen das andere.

Vielleicht hat einer der Leser eine Anregung, welche anderen Rituale einsetzbar wären, wenn gerade das Thema verweigerte Kommunikation das heiße Eisen ist. Ich habe schon in Flüsse, Feuer und den Wind gesprochen, kinesiologische Ablösungen vollzogen, meinen Anteil in Gestaltsitzungen geklärt und vieles mehr, um wieder frei zu werden von dieser Anhaftung. Doch wie man an der weiterhin starken Reaktion auf dieses Thema sieht, liegt es mir immer noch schwer und glühendheiß auf der Seele. Ich bin gespannt auf Eure Ideen.

    Petra B. schreibt am 20. Februar 2012

    Hallo Marietta,

    ich habe aus deinen Ausführungen den Eindruck gewonnen, dass du absolut alles erfahren möchtest, was zu deiner schmerzlichen Situation geführt hat. Dies ist ein verständlicher, doch aus meiner Sicht problematischer Wunsch. Die Erfüllung dieses Wunsches scheitert bereits daran, dass der Verstand (rational) Emotionen (irrational) einfach nicht völlig erfassen kann. Jede “Antwort” würde tausend neue Fragen aufwerfen. Es wäre also auch mit Gegenüber eine Never-ending-Story.
    Dies zu akzeptieren und loszulassen, ist zugegeben eine schwere Übung.

    Ich schlage dir vor, deinen Fokus auf einen anderen Herzenswunsch zu richten, denn die Dinge, denen man Aufmerksamkeit schenkt, verstärken sich. Im Umkehrschluss: ein Problem, dem man Aufmerksamkeit entzieht, wird schwächer!

    Wäre dies eine Option?

    Viele Grüße
    Petra

    Helga schreibt am 21. Februar 2012

    Verzeihen ist ein wunderbares und für mich sehr wichtiges Thema. Ich habe Jahre mit sinnlosem Haß auf die Täter verbracht, geschadet haben dies Gefühle nur mir selbst- Irgendwann verspürte ich das Bedürfnis in mir den ganzen Schrecken loslassen zu können. Gern hätte ich früher die innere Einsicht gehabt, dass der Weg über das Verzeihen geht – Verzeihen hieß für mich die Befreiung vom Täter und des Geschehenem, von “Schuld und Sühne”. Verzeihen heißt für mich nicht Vergessen. Verzeihe ich muß ich mit dem anderem trotzdem nichts mehr zu tun haben. Es ist nicht Vergessen, ich bin in der Situation nur! nicht mehr emotional gefangen, dazu gehörte für mich auch mir selbst zu verzeihen, meine Hilflosigkeit, meine Ohnmacht und meine Opferrolle dabei.

Marietta schreibt am 21. Februar 2012

Hallo, Petra,

danke für Deine Aufmerksamkeit und Deine Anregungen.
Es geht mir nicht darum, ALLES zu erfahren, was zu der Situation geführt hat, aber ETWAS wäre schon recht hilfreich. Vieles trägt sich leichter, wenn man einen gewissen Sinn darin erkennen kann, auch wenn er nicht der eigenen Sicht entspricht. Spielt aber jetzt keine Rolle mehr, ich habe mich ja damit abgefunden, dass keine Aufklärung mehr kommt.

Aber der Hinweis, mich lieber auf anderes Erwünschtes zu fokussieren, ist für mich sehr hilfreich; prinzipiell ist mir das sehr vertraut, aber hier hatte ich es etwas aus den Augen verloren. Es hat mich selbst erschreckt, wie stark ich beim Stichwort “Vergeben” wieder auf das Thema ansprang, weil ich glaubte, ich hätte es weitgehend losgelassen. Danke also noch mal für Deine Erinnerung!

Herzliche Grüße
Marietta