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Der Veränderungsprozess im Modell - Teil 1 (Seite 4 von 6)

Anhand eines modellhaften Veränderungsprozesses wird schnell deutlich, worin die Schwierigkeiten bestehen, mit Veränderungen konstruktiv umzugehen und wie man es trotzdem schaffen kann. Wir wollen hier das Modell einer Veränderung vorstellen. Dazu nehmen wir zunächst ein ganz praktisches Beispiel:

Beispiel: Sie wollen mit dem Zug fahren

Quelle

Das Modell stammt aus dem folgenden Buch:  Die neuen Methoden des Lernens und der Veränderung von Franz Decker, Lexika Verlag, 1996, S. 194ff

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen wichtigen Termin. Sie wollen mit dem Zug fahren, haben eine Fahrkarte und warten nun am Bahnhof.

Der Zug fährt nicht - Plötzlich hören Sie eine Durchsage, dass es einen Unfall gegeben hat und der Zug ausfällt. Sie bekommen zunächst einen gehörigen Schreck. In diesem Moment sitzen Sie da und tun nichts. Dann werden Sie vielleicht denken: “Das war sicher nicht mein Zug!” oder “Ich habe mich bestimmt verhört”. Als nächstes werden Sie wahrscheinlich dennoch aufstehen und jemanden suchen, den Sie fragen können. An dieser Stelle tun Sie dies aber mit der Annahme, dass Ihnen gesagt wird, dass Ihr Zug fährt. Wie viele Leute fragen Sie? Glauben Sie dem ersten Fahrgast, der die Durchsage auch gehört hat? Suchen Sie dann einen Schaffner? Glauben Sie dem sofort?

“Das kann ja nicht sein”- Dann folgt sehr wahrscheinlich eine Phase, in der Sie vielleicht so etwas wie “Das kann ja gar nicht sein, ich habe eine Fahrkarte, ich fahre immer Zug und dieser Zug kommt auch immer. Ich habe schließlich bezahlt, das können die mit mir nicht machen…” oder ähnliches denken. Sie wollen die Situation nicht wirklich wahrhaben. Und doch: Der Zug fährt nicht.

Und was nun? - Nach einer Weile werden Sie zumindest auf einer rationalen Ebene akzeptieren, dass Ihr Zug nicht fährt. Was tun Sie dann? An diesem Punkt setzt normalerweise ein gewisses “Ja, … aber”- Denken ein: “Dann nehme ich einen anderen Zug, ja, ich nehme einfach den nächsten Zug.” Sie erfahren, dass heute gar kein Zug mehr aus diesem Bahnhof fahren wird. Dann erkundigen Sie sich nach dem nächsten Bahnhof und fragen, ob Sie dann da den Zug nehmen können, aber Sie erfahren, dass die ganze Strecke gesperrt ist. Sie kommen durch dieses Vorgehen keinen Schritt weiter und sitzen immer noch auf dem Bahnhof, wo Ihnen die Zeit davon rennt.

Keine Chance – Sie kommen hier mit keinem Zug weg! -Nun gilt es, auch emotional zu erkennen, dass weder Ihr Zug noch irgendein anderer Zug von diesem Gleis fahren wird. Und das fühlt sich nicht gut an. Sie werden vielleicht verärgert sein, wütend, traurig oder sogar verzweifelt. Vielleicht fragen Sie nochmals beim Schaffner nach. Irgendwann aber werden Sie ruhiger und begreifen, dass Sie von diesem Bahnhof heute nicht mehr mit einem Zug wegfahren werden. Der neue Gedanke ist dann: “OK, mit dem Zug kann ich nicht fahren, was nun?”

Suche nach neuen Möglichkeiten – Nun fangen Sie an, nach einer anderen Lösung zu suchen. Sie erkundigen sich nach dem Preis für ein Taxi, das aber ist zu teuer. Sie überlegen, ob Sie fliegen können, aber in der Nähe gibt es keinen Flughafen. Sie durch- denken verschiedene Möglichkeiten. Irgendwann finden Sie eine neue Strategie. Sie finden also durch Versuch und Irrtum heraus, was Sie tun müssen, um weiterzukommen. In diesem Beispiel: Sie nehmen einen Mietwagen und schaffen es so auch noch rechtzeitig zu Ihrem Termin.

Der Veränderungsprozess im Modell

Dieses kleine Beispiel lässt sich nun auch modellhaft darstellen. Die folgende Graphik stellt die verschiedenen Phasen eines Veränderungsprozesses dar. Sie können dieses Modell grundsätzlich auf Veränderungsprozesse anwenden, wobei die einzelnen Phasen in verschiedenen Situationen unterschiedlich lang oder intensiv sein können. Je komplexer und gravierender die anstehenden Veränderungen sind, desto schwieriger wird es aber, die einzelnen Phasen zu erkennen.

Der Veränderungsprozeß

Die Eigenkompetenz-Achse steht für die subjektiv empfundene  persönliche Einschätzung der Kontrolle über die Situation. Die Zeit-Achse symbolisiert die Zeit, die während eines Veränderungsprozesses vergeht. Die Ziffern in dieser Graphik stehen für die verschiedenen Abschnitte im Veränderungsprozess.

Auf der nächsten Seite werden die einzelnen Abschnitte näher erläutert.