"Self-Talk" - Wie reden Sie eigentlich mit sich?
Von Tania Konnerth • 9 Kommentare
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie Sie mit sich selbst reden? Selbstgespräche sind nämlich keineswegs nur etwas, das “seltsame Leute” tun. Auch wenn es vielen Menschen nicht bewusst ist, so führen wir alle täglich Selbstgespräche.
In unseren Gedanken senden wir uns selbst Botschaften – mal mehr, mal weniger, mal fast ununterbrochen. Und die Art und Weise, mit der wir da mit uns selbst kommunizieren, kann einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden und auf unsere Motivation haben. Hier erfahren Sie mehr über den so genannten “Self-Talk”.
Laut ausgesprochene Selbstgespräche führen tatsächlich nicht allzu viele Menschen. Aber fast jeder kommuniziert dennoch ständig mit sich. Ja, auch Sie!
Wenn Sie z.B. so etwas denken wie “Warum habe ich das nun wieder gemacht?” oder “Ich muss nachher noch an die Milch denken.” dann “sprechen” Sie mit sich selbst – führen also einen “Self-Talk”.
Self-Talk findet auf folgenden Ebenen statt:
- In der Form unserer Gedanken,
- in Sätzen, die wir zu uns selbst sagen und
- in Äußerungen anderen gegenüber, in denen wir etwas über uns sagen.
Leider die Regel: Negativer Self-Talk
Leider ist das, was wir uns selbst sagen, sehr oft extrem respektlos. Wir kritisieren uns, putzen uns runter und schimpfen mit uns.
Kaum jemand würde sich das von jemand anderem gefallen lassen, was wir uns da selbst an den Kopf werfen!
Nur merken wir oft nicht einmal, was wir uns da antun, denn unsere inneren Botschaften an uns selbst sind uns meist vollkommen unbewusst.
Beispiel
Die meisten Menschen lassen, wenn sie über sich selbst reden, kein gutes Haar an sich. Varianten dieser Schimpferei sind vielfältig:
- z.B. Vorwürfe: “Mensch, diesen Fehler habe ich nun schon x-mal gemacht. Irgendwann könnte ich daraus ja auch mal lernen!”
- oder Beleidigungen: “Ich dumme Gans!” oder “Immer stelle ich mich so dusselig an!”
- oder Ironie und Sarkasmus: “Na, das war aber mal wieder wirklich glorreich von mir… ” oder “Ich Genie!” (wenn etwas schief geht).
- u.ä.
Stellen Sie sich nun einmal ein Kind vor, das den lieben langen Tag von seinen Eltern gesagt bekommt, wie “dumm”, “unfähig” oder “unmöglich” es ist… “Das arme Kind!” denken Sie jetzt?
Tja, und das ist genau das, was sich viele Menschen selbst antun – mit weitreichenden Folgen.
Selbstbotschaften haben eine Wirkung
Über 50.000 Gedanken sollen wir täglich durchschnittlich denken – und nach Expertenansicht besteht davon der größte Teil aus Gedanken über uns selbst. Das kann natürlich nicht wirkungslos bleiben.
Sicher kennen Sie das Sprichwort “Kleider machen Leute”. Auf unser Thema umgewandelt könnte es lauten: “Worte machen Leute” oder noch präziser: “Worte machen Stimmungen und Gefühle”.
Der innere Dialog ist, wie gesagt, bei sehr vielen Menschen negativ. Und das hat Folgen, wie z.B.:
- Unsicherheit,
- Selbstzweifel,
- Entmutigung,
- Antriebsschwäche,
- Lustlosigkeit,
- Unwillen,
- Trotz,
- Unzufriedenheit
- u.a.
Dass sich das auf Dauer negativ auf das Selbstbewusstsein auswirkt, liegt auf der Hand.
Darüber hinaus beeinflusst eine solche Haltung sich selbst gegenüber nicht selten auch unsere Grundstimmung ganz allgemein. Wer mit einem ewig negativen Selbstdialog lebt, sieht sehr oft auch vieles im Leben ähnlich negativ. Und das Gleiche gilt umgekehrt: wer die Welt negativ sieht, lässt kaum an sich selbst ein gutes Haar. Dieses sich gegenseitig bedingende System kann man zwar nicht von heute auf morgen durch einen veränderten inneren Dialog knacken. Aber mit kleinen Schritten können wir auf Dauer viel bewirken – in unserer Einstellung uns selbst gegenüber und auch gegenüber dem Leben an sich.
So machen Sie sich bewusst, wie Sie mit sich reden
Der erste Schritt, Ihren inneren Dialog zu ändern, ist ihn überhaupt erst einmal wahrzunehmen. So unbewusst, wie wir mit uns reden, so schwierig erscheint es, sich hier selbst auf die Schliche zu kommen. Aber es geht!
Tipp
Hier kann es sehr hilfreich sein, sich eine Zeitschaltuhr zu stellen, um sich regelmäßig an diese kleine Reflexionsübung zu erinnern.
Halten Sie zunächst mehrfach am Tag inne und machen Sie sich klar, was Sie gerade denken. Sammeln Sie Ihre Gedanken über sich selbst, damit Sie eine Übersicht bekommen. So wird es möglich zu erkennen,
- in welchen Situationen Sie wie über sich denken,
- ob Ihre Botschaften an sich selbst durchgehend negativ sind
- oder ob Sie vielleicht auch schon eine Reihe von liebevollen und aufbauenden Gedanken zu sich sagen.
Halten Sie Ihre Gedanken ruhig auch schriftlich fest oder nehmen Sie sie auf Tonband auf.
Fragen zur Reflexion
Hier finden Sie einige Fragen, mit denen Sie Ihre Botschaften an sich selbst reflektieren können:
- Welches Gefühl geben mir die Botschaften, die ich mir selbst sende? (z.B. ich fühle mich kraftvoll, demotiviert, angeregt, ausgelaugt u.ä.)
- Wie wirkt das, was ich mir selbst sage auf mich? (z.B. respektvoll, abwertend, liebevoll, ungeduldig, genervt, wohlwollend o.ä.)
- Welche Bilder kommen mir in den Kopf, wenn ich mir diese Botschaften mit einem gewissen Abstand anschaue? (Solche Assoziationen können uns Aufschluss über die Gefühlsqualität geben, wenn Sie z.B. ein rotes Tuch assoziieren, spricht das für Wut o.ä.)
- Wie würde ich reagieren, wenn mir jemand anderes so etwas sagen würde? (Wie weiter oben schon beschrieben, würden wir uns viele Dinge, die wir uns selbst sagen, von anderen nicht widerspruchslos gefallen lassen. Sich einmal klarzumachen, wie wir reagieren würden, wenn diese Botschaft von einer anderen Person käme, hilft dabei sich bewusst darüber zu werden, wie unangemessen unsere Selbstbotschaften manchmal sind)
Wenn Sie erst einmal wahrnehmen, welche Botschaften Sie sich selbst senden, können Sie diese auch behutsam verändern. Negativen, vernichtenden und demotivierenden Sätzen, können wir etwas Positives, Aufbauendes und Liebevolles zur Seite oder entgegen stellen. Auf diese Weise wird Ihre Sprache und Ihr immer feiner werdendes Sprachgefühl in Bezug auf Ihre Selbstdialoge zu einem nützlichen Helfer.
Und dafür finden Sie hier noch einige praktische Tipps.






Danke für diesen Artikel. Ich habe etwas ähnliches letztens in einem Vortrag vorgestellt. Die Situation, ich muss zu einem Termin und steh im Stau. Was beginnt, wir werden nervös, schauen auf die Uhr, fangen an nervös auf dem Lenkrad rumzuklopfen und reden in Form von "Mist jetzt schaffe ich das nicht rechtzeitig", "Was soll ich jetzt bloß tun", "Ich bin fix und fertig", "Was denken jetzt die anderen", "Warum geht das nicht weiter hier", "Bestimmt wieder so ein Trödler, der den Führerschein gewonnen hat". Und was passiert, wir fangen an zu schwitzen, werden noch hektischer, schaunen alle 5 Sekunden auf die Uhr und denken und denken und denken. Man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen und der Atem wird unruhig. Und es sind eben nicht die Dinge an sich, welche die Gefühle der Menschen in Verwirrung bringen, sondern die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen. Statt im Stau die Zeit zu nutzen, ein paar Atemübungen zu machen. Im Handyzeitalter dürfte das inzwischen auch kein Problem mehr machen, kurz anrufen und Bescheid geben. Und sich zu sagen, ok, es ist jetzt so. Sich mal fragen, wie geht es mir damit, mal in sich zu spüren. Oder man beobachtet die anderen Autofahrer, hört einen interessanten Beitrag im Radio und legt seine Lieblings-CD ein und sing eine Runde mit. Als ich das vorgestellt habe, haben die Leute gelacht. Als ich ihnen dann noch vorschlug zu sich morgens oder tagsüber öfters mal zu sagen, "ich bin wertvoll", oder "ich sehe gut aus" oder "ich bin genau richtig so wie ich bin", konnten sie das nicht annehmen. Warum ist das so, habe ich mich gefragt? Ich glaube, es liegt wirklich schon in der Kindheit, Fehler oder falsches Verhalten, was immer das auch ist, wird gerügt, gelobt wird selten. Schade eigentlich.
Liebe Alexandra,
interessant, was Du da schreibst. Genau da, wo Deine Gedanken und Fragen aufhören, könntest Du mit Robert Betz Antworten sowie Lösungswege zur Auflösung dieser Gedankenmuster finden.
Mir hat er in relativ kurzer Zeit mein Leben schon sehr in Richtung Leichtigkeit und Selbstliebe verändern geholfen.
Liebe Grüße
Verena
Herzlichen Dank auch für diesen wertvollen Fingerzeig --- stimmt eigentlich, sehr interessant festzustellen, wie ich so mit mir rede + vor allem auch in welchen Momenten !?
Sich selbst manches mal lobend auf die Schulter zu klopfen, schadet keinem, macht unabhängig vom Lob anderer und stärkt die Eigenliebe und das Selbstvertrauen. Das hilft auch in Momenten, wo andre Menschen, weil sie selbst mit sich uneins sind, meinen, Dich kritisieren zu müssen. Zu wissen und sich sicher zu sein, dass man Dinge richtig macht, wie man sie macht, ist ein gutes Gefühl. Gruss Beate
Danke für den schönen Artikel, der das Thema in Kürze(!) prägnant auf den Punkt bringt: das alles ist insbesondere auch beim Lernen, z.B. im Studium sehr wichtig! Sehr gelungen und konkret praktisch-hilfreich fine ich die vier Fragen zur Reflexion!
Hallo zusammen,
wahrscheinlich gäbe es weniger Elend auf dieser Erde, wenn sich mehr Menschen selbst mögen würden. Ich hatte mich früher auch sehr stark abgewertet, zu einer Zeit, als ich noch viel positive Resonanz von außen bekam. Mit den Jahren bekam ich immer weniger die breite positive Resonanz von außen und spätestens dann macht es viel Sinn, sich wenigstens selbst wertzuschätzen. Es macht auch Sinn, um unabhängig zu sein. Was "in" ist, verändert sich im Laufe der Zeit, man selbst verändert sich mit zunehmendem Alter. Dann ist es einfach gut, wenn man liebevoll mit sich redet.
Man tut Niemandem weh damit, ich finde eher, man beschenkt Andere damit, wenn man mit sich selbst liebevoll umgeht, weil man dann anderen gegenüber auch liebevoller ist, als wenn man zu sich sagt: ich bin zu gar nichts nutze, das hätte ich besser machen können oder die Anderen sind besser. Dabei fühlt man sich doch einfach nur besch... Und genauso sieht man dann die Anderen. Oder man sieht sich klein und die Anderen groß. Aber auch das ist nicht wirklich gut, für keinen der Beteiligten.
Die Idee mit dem "noch" habe ich auch eingeführt vor vielen Jahren. Das ist ein echtes Zauberwort. Das mit dem noch und ein anderer Spruch haben bei mir bewirkt, dass ich relativ schlagartig festgestellt habe, wie negativ ich eigentlich denke. Der Spruch war: "Man muß mit allem rechnen - sogar mit dem Schönen"
Liebe Grüße und eine schöne Woche
Monika
Das gefällt mir sehr gut und die Kommentare dazu auch.
Manchmal ist es wie ein Wink des Himmels, dass gerade dann so ein Thema kommt was mir weiterhilft bzw, mir wieder auf die Beine hilft. Ich danke allen hier Beteiligten dafür.
Doris
Ich empfehle, aus bester Erfahrung, die Aussöhnung mit dem inneren Kind. Nachdem ich es mithilfe dieser wertvollen Prozessarbeit schaffte, meistens nicht mehr aus dem verletzten erwachsenen Kind heraus, sondern als liebe- und verantwortungsvoller Erwachsener zu handeln, spürte ich keinen Impuls mehr, mich in einem inneren Dialog abzuwerten. Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, mich oft zu loben und zu bestärken, einfach, weil ich mich mag. Und weil sich das super anfühlt und mich glücklich macht, freue ich mich immer mehr und mehr an dem was ich kann und bin - und das sage ich mir auch. ;-)
Ein sehr schöner Beitrag, der einem mal wieder zeigt, wie wichtig es ist, achtsam mit sich selbst umzugehen.
Danke!