Praktische Tipps für einen konstruktiven "Self-Talk"
Nachdem Sie nun erfahren haben, welche Chancen in der Bewusstmachung unserer Selbstbotschaften liegen, möchten wir Ihnen hier noch einige konkrete Tipps dafür geben, wie Sie Botschaften, mit denen Sie sich nicht gut fühlen, verändern können. Denn wenn Sie allein einen Teil der negativen Selbstbotschaften auf eine konstruktive und fördernde Weise verändern können, kann das sowohl für Ihr Wohlbefinden als auch für Ihre Selbstmotivation positive Folgen haben.
Das Zauberwort “noch”
Ein wahres Zauberwort ist das unscheinbare Wörtchen “noch”. Mit diesem Wort können wir die Botschaften, die wir uns selbst geben, auf ganz einfache, aber sehr wirkungsvolle Weise verändern.
Beispiele
Spüren Sie einmal den folgenden Sätzen nach:
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Tipp
Kleben Sie einen Post-it-Note mit dem Wörtchen “noch” an eine gut sichtbare Stelle, um sich daran zu erinnern.
Der Unterschied ist für die meisten Menschen sofort spürbar. Das Wort “noch” öffnet auf gleichsam magische Weise Türen in Richtung auf Veränderungsmöglichkeiten. Eine Aussage ist nicht länger selbstbestätigend, sondern das “noch” deutet an, dass wir bereits auf dem Weg sind, etwas zu ändern.
Es braucht nur ein wenig Selbstdisziplin, um das Wörtchen “noch” in Ihre Selbstbotschaften einzubauen – die Wirkung hingegen ist enorm.
Noch ein Zauberwort: “Vielleicht”
Eine ähnliche Wirkung wie das Wort “noch” kann auch das Wort “vielleicht” haben.
Beispiele
So können sich Sätze verändern, wenn Sie ein “vielleicht” nutzen:
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Das Wort “vielleicht” oder auch “möglicherweise” können Sie nutzen, um einen vollkommen negativen Satz über sich durch einen Zusatz abzuschwächen. Auch hiermit öffnen Sie die Tür für neue Möglichkeiten. Und das tut gut.
Denkfalle “Ich muss…”
Eine richtige Denkfalle ist die Formulierung “Ich muss…”. Wann immer Sie “Ich muss…” denken oder sagen, machen Sie sich selbst zum Opfer.
Grundsätzlich gilt: Müssen müssen Sie gar nichts. Sie entscheiden sich dafür. Ihr Chef gibt Ihnen eine Anweisung? Dann müssen Sie dieser nicht Folge leisten. Sie tun es aber, um Ihren Job zu behalten. Also entscheiden Sie sich dafür – und das auch noch aus einem guten Grund.
Formulierungen wie “Ich will…” oder “Ich entscheide mich für…” haben eine ganz andere Qualität als Formulierungen wie “Ich muss…” oder “Ich soll…”. Sie bekommen ein Bewusstsein dafür, Ihr Leben selbst zu gestalten und nicht nur Spielball äußerer Mächte zu sein.
Probieren Sie das einmal im Alltag aus.
Warum nicht einfach Negatives durch Positives ersetzen?
Tipp
Lesen Sie dazu auch unseren Artikel zum Thema Affirmationen.
Ein Tipp, den Sie im Zusammenhang mit dem inneren Dialog überall finden, ist der, negative Formulierungen durch positive auszutauschen. Das kann sinnvoll sein, wenn es funktioniert. Vielen Menschen geht das aber gegen den Strich. Sie haben das Gefühl, sich selbst in die Tasche zu lügen, wenn sie statt “Ich bin ein Versager” so etwas sagen sollen wie “Das habe ich gut gemacht.”
Grundsätzlich gilt: Wir tun nichts ohne Sinn. Wenn sich jemand ständig selbst kritisiert, tut er das nicht, weil er “dumm” ist, sondern er verfolgt damit – unbewusst – ein Ziel. So kann hinter der Selbstkritik z.B. die Überzeugung stehen, ohne die Selbstkritik nichts erreichen zu können oder faul zu werden. Unerwünschtes Verhalten einfach “weghaben” zu wollen, ist in den seltensten Fällen von Erfolg gekrönt, solange wir nicht verstehen, warum wir etwas tun.
Wir haben Ihnen hier deshalb vor allem solche Tipps angeboten, mit denen Sie Ihre Selbstbotschaften zunächst behutsam ergänzen und verändern können. Dennoch ist es langfristig durchaus ratsam, die negativen Selbstbotschaften zumindest zu reduzieren, denn negative Botschaften haben negative Folgen. Auf eine etwas vereinfachte Kurzformel gebracht, gilt: Je weniger Sie schlecht über sich denken, desto besser werden Sie sich fühlen.
Sich selbst verstehen
Wenn Sie merken, dass Sie Ihre negativen Selbstbotschaften nicht einfach durch positive ersetzen können, dann nehmen Sie sich die Zeit, diese Botschaften etwas genauer zu erkunden. Dafür finden Sie hier einige Denkfragen:
- Wie genau fühle ich mich, wenn ich das zu mir sage? Will ich das so beibehalten oder möchte ich mich anders fühlen? Wenn ja wie? Und was müsste ich mir sagen, wenn ich mich so fühlen will?
- Warum sage ich mir das eigentlich? Was will ich damit erreichen? Wie könnte ich das, was ich will, auf eine andere Art erreichen?
- Gab oder gibt es vielleicht Personen, die ähnliches zu mir gesagt haben? Wer war das? Welchen Einfluss hat diese Person noch heute auf mich – und will ich ihr weiterhin diesen Einfluss zugestehen?
- Wie würde ich mich fühlen, wenn ich das nicht mehr zu mir sagen würde?
Diese Fragen sind nicht unbedingt einfach zu beantworten. Nehmen Sie ausreichend Zeit, um sich mit diesen Fragen zu befassen und erwarten Sie bitte nicht, gleich beim ersten Mal alle Antworten zu finden.
Bringen Sie Geduld mit und seien Sie behutsam mit sich. Unsere Selbstbotschaften haben viel mit unserer Geschichte und unserer Persönlichkeit zu tun. Wer hier tiefer einsteigt, begibt sich auf die spannende Reise der Selbsterkenntnis. Je liebevoller Sie hier mit sich umgehen, desto eher werden Sie sich sich selbst anvertrauen können – und auf diese Weise vielleicht etwas sehr Wichtiges über sich erfahren.





Danke für diesen Artikel. Ich habe etwas ähnliches letztens in einem Vortrag vorgestellt. Die Situation, ich muss zu einem Termin und steh im Stau. Was beginnt, wir werden nervös, schauen auf die Uhr, fangen an nervös auf dem Lenkrad rumzuklopfen und reden in Form von "Mist jetzt schaffe ich das nicht rechtzeitig", "Was soll ich jetzt bloß tun", "Ich bin fix und fertig", "Was denken jetzt die anderen", "Warum geht das nicht weiter hier", "Bestimmt wieder so ein Trödler, der den Führerschein gewonnen hat". Und was passiert, wir fangen an zu schwitzen, werden noch hektischer, schaunen alle 5 Sekunden auf die Uhr und denken und denken und denken. Man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen und der Atem wird unruhig. Und es sind eben nicht die Dinge an sich, welche die Gefühle der Menschen in Verwirrung bringen, sondern die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen. Statt im Stau die Zeit zu nutzen, ein paar Atemübungen zu machen. Im Handyzeitalter dürfte das inzwischen auch kein Problem mehr machen, kurz anrufen und Bescheid geben. Und sich zu sagen, ok, es ist jetzt so. Sich mal fragen, wie geht es mir damit, mal in sich zu spüren. Oder man beobachtet die anderen Autofahrer, hört einen interessanten Beitrag im Radio und legt seine Lieblings-CD ein und sing eine Runde mit. Als ich das vorgestellt habe, haben die Leute gelacht. Als ich ihnen dann noch vorschlug zu sich morgens oder tagsüber öfters mal zu sagen, "ich bin wertvoll", oder "ich sehe gut aus" oder "ich bin genau richtig so wie ich bin", konnten sie das nicht annehmen. Warum ist das so, habe ich mich gefragt? Ich glaube, es liegt wirklich schon in der Kindheit, Fehler oder falsches Verhalten, was immer das auch ist, wird gerügt, gelobt wird selten. Schade eigentlich.
Liebe Alexandra,
interessant, was Du da schreibst. Genau da, wo Deine Gedanken und Fragen aufhören, könntest Du mit Robert Betz Antworten sowie Lösungswege zur Auflösung dieser Gedankenmuster finden.
Mir hat er in relativ kurzer Zeit mein Leben schon sehr in Richtung Leichtigkeit und Selbstliebe verändern geholfen.
Liebe Grüße
Verena
Herzlichen Dank auch für diesen wertvollen Fingerzeig --- stimmt eigentlich, sehr interessant festzustellen, wie ich so mit mir rede + vor allem auch in welchen Momenten !?
Sich selbst manches mal lobend auf die Schulter zu klopfen, schadet keinem, macht unabhängig vom Lob anderer und stärkt die Eigenliebe und das Selbstvertrauen. Das hilft auch in Momenten, wo andre Menschen, weil sie selbst mit sich uneins sind, meinen, Dich kritisieren zu müssen. Zu wissen und sich sicher zu sein, dass man Dinge richtig macht, wie man sie macht, ist ein gutes Gefühl. Gruss Beate
Danke für den schönen Artikel, der das Thema in Kürze(!) prägnant auf den Punkt bringt: das alles ist insbesondere auch beim Lernen, z.B. im Studium sehr wichtig! Sehr gelungen und konkret praktisch-hilfreich fine ich die vier Fragen zur Reflexion!
Hallo zusammen,
wahrscheinlich gäbe es weniger Elend auf dieser Erde, wenn sich mehr Menschen selbst mögen würden. Ich hatte mich früher auch sehr stark abgewertet, zu einer Zeit, als ich noch viel positive Resonanz von außen bekam. Mit den Jahren bekam ich immer weniger die breite positive Resonanz von außen und spätestens dann macht es viel Sinn, sich wenigstens selbst wertzuschätzen. Es macht auch Sinn, um unabhängig zu sein. Was "in" ist, verändert sich im Laufe der Zeit, man selbst verändert sich mit zunehmendem Alter. Dann ist es einfach gut, wenn man liebevoll mit sich redet.
Man tut Niemandem weh damit, ich finde eher, man beschenkt Andere damit, wenn man mit sich selbst liebevoll umgeht, weil man dann anderen gegenüber auch liebevoller ist, als wenn man zu sich sagt: ich bin zu gar nichts nutze, das hätte ich besser machen können oder die Anderen sind besser. Dabei fühlt man sich doch einfach nur besch... Und genauso sieht man dann die Anderen. Oder man sieht sich klein und die Anderen groß. Aber auch das ist nicht wirklich gut, für keinen der Beteiligten.
Die Idee mit dem "noch" habe ich auch eingeführt vor vielen Jahren. Das ist ein echtes Zauberwort. Das mit dem noch und ein anderer Spruch haben bei mir bewirkt, dass ich relativ schlagartig festgestellt habe, wie negativ ich eigentlich denke. Der Spruch war: "Man muß mit allem rechnen - sogar mit dem Schönen"
Liebe Grüße und eine schöne Woche
Monika
Das gefällt mir sehr gut und die Kommentare dazu auch.
Manchmal ist es wie ein Wink des Himmels, dass gerade dann so ein Thema kommt was mir weiterhilft bzw, mir wieder auf die Beine hilft. Ich danke allen hier Beteiligten dafür.
Doris
Ich empfehle, aus bester Erfahrung, die Aussöhnung mit dem inneren Kind. Nachdem ich es mithilfe dieser wertvollen Prozessarbeit schaffte, meistens nicht mehr aus dem verletzten erwachsenen Kind heraus, sondern als liebe- und verantwortungsvoller Erwachsener zu handeln, spürte ich keinen Impuls mehr, mich in einem inneren Dialog abzuwerten. Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, mich oft zu loben und zu bestärken, einfach, weil ich mich mag. Und weil sich das super anfühlt und mich glücklich macht, freue ich mich immer mehr und mehr an dem was ich kann und bin - und das sage ich mir auch. ;-)
Ein sehr schöner Beitrag, der einem mal wieder zeigt, wie wichtig es ist, achtsam mit sich selbst umzugehen.
Danke!