Wie coache ich mich selbst? Schritte 2 + 3 (Seite 2 von 3)

Wenn Sie ein Coachingziel für sich gefunden haben, dann macht es Sinn, noch einmal einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Check 1: Setzen Sie überhaupt am richtigen Punkt an?

Oft neigen wir nämlich dazu, ein Coachingziel festzulegen, das eigentlich nur Symptombekämpfung ist und uns gar nicht wirklich dahin führt, wo wir eigentlich hinwollen. Das hat u.a. damit zu tun, dass wir meist dazu neigen, die erstbeste und vielleicht auch die bequemste Problemlösung zu wählen, die uns in den Sinn kommt, obwohl dies nicht immer auch die tatsächlich beste Lösung ist.

Wenn Sie z.B. von Ihrem Chef einfach zu viel Arbeit auf den Tisch bekommen, dann nutzt Ihnen das Coachingziel “Sich besser organisieren” nur bedingt. Zu viel Arbeit ist zu viel Arbeit, egal, wie gut man organisiert ist. Natürlich können Sie mit einer besseren Selbstorganisation auch mehr Arbeit in kürzerer Zeit erledigen, aber ein Zuviel bleibt ein Zuviel. Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, bei einem Problem genau nach den Ursachen zu suchen. In diesem Fall wäre vielleicht ein besseres Coachingziel, wenn Sie mittel- bis kurzfristig Ihre Arbeitslast verringern würden.

Hilfreiche Fragen

Um Ihr Coachingziel noch einmal genauer zu untersuchen, können Sie sich an dieser Stelle fragen:

  • Was will ich durch mein Coachingziel eigentlich erreichen?
  • Worum geht es eigentlich?
  • Und erreiche ich das auch wirklich durch mein Coachingziel?

Wie ist es also bei Ihrem Ziel? Ist das nur Symptombekämpferei oder erreichen Sie damit wirklich das, was Sie erreichen wollen?

Check 2: Was ist der Preis Ihres Coachingziels?

Viele Ziele scheitern daran, dass wir im Vorfeld die damit verbundenen Nachteile (das, was es uns kostet, das Ziel zu erreichen), nicht mit in unsere Überlegungen einbezogen haben. Erst bei der Umsetzung stellen wir dann fest, dass der Preis zu hoch ist.

Deshalb ist es sinnvoll, Ihr Ziel noch einmal mit folgenden Fragen zu durchdenken:

  • Was sind die Vor- und die Nachteile meines Coachingziels?
  • Und wiegen die Vorteile wirklich schwerer als die Nachteile, wenn ich es erreicht habe?

Beispiel

Nehmen wir wieder unser Beispiel aus dem Schritt 1.

Coachingziel: Ich will mich selbst besser organisieren, eine tägliche Aufgabenliste führen und keine Aufgaben mehr aufschieben.

Vorteile, wenn ich mein Ziel erreiche Mögliche Nachteile, wenn ich mein Ziel erreichen will
Ich erreiche mehr in weniger Zeit. Es ist anstrengend, jeden Tag an die Aufgabenliste zu denken, besonders nachdem die erste Begeisterung nachgelassen hat.
Ich bin verlässlicher. Es kostet Kraft und Überwindung, auch bei Unlust unangenehme Aufgaben zu erledigen.
Ich bin gelassener. Ich bekomme mehr Arbeit aufgebürdet, weil ich effektiver arbeite.
[...] [...]

An dieser Stelle werfen Sie einmal einen ehrlichen Blick auf Ihr Ziel und fragen sich, was es Sie an Kraft, Zeit, Geld und Überwindung kosten wird und was es vielleicht noch für Nachteile hat. Wenn wir uns von Anfang an auch die möglichen Kosten eines Ziels bewusst machen, können wir uns besser darauf vorbereiten – oder auch entscheiden, dass der Preis zu hoch ist und uns von dem Ziel verabschieden.

Zusammengefasst

Im zweiten Schritt geht es also darum, Ihr Coachingziel noch einmal zu überarbeiten und zu verändern, so dass

  • Sie mit dem Ziel zum einen das “wirkliche Problem” adressieren und
  • zum anderen die Kosten des Ziels nicht zu hoch sind oder
  • Sie sich auf die Kosten des Ziels vorbereiten können.

Im dritten Schritt lernen Sie nun eine Möglichkeit kennen, wie Sie es sich selbst einfacher machen können, Ihr Ziel zu erreichen.

Schritt 3: Erstellen Sie einen Coachingplan

Was Sie jetzt noch brauchen, ist ein guter Plan, mit dem Sie festlegen,

  1. wie genau Sie Ihr Coachingziel erreichen und
  2. in welchen Zwischenschritten Sie das tun wollen.

Wie erreiche ich mein Coachingziel?

In den meisten Fällen wissen wir selbst schon ziemlich gut, wie wir ein Coachinziel erreichen können. Wenn Sie sich allerdings noch nicht sicher sind, dann stellen Sie sich doch einfach einmal die folgende Frage:

( Kurz Nachgefragt:  Wie kann man sein eigener Coach oder Therapeut werden? Antwort auf diese Frage liefert das  Selbstcoaching-Programm   )

“Was fehlt mir noch, um mein Coachingziel zu erreichen?”

oder

“Was verhindert, dass ich mein Coachingziel bereits morgen erreicht habe?”

Ausgehend von den Antworten auf diese beiden Fragen können Sie sich auf die Suche nach konkreten Schritten machen, mit denen Sie Ihr Coachingziel erreichen können.

Wenn Sie sich z.B. fragen: “Was fehlt mir, um morgen schon gut organisiert zu sein?” fallen Ihnen vielleicht die folgenden Antworten ein:

  • Ein aufgeräumter Schreibtisch (Mein Schreibtisch ist total zugemüllt)
  • Überblick über meine Aufgaben (im Augenblick ist alles Chaos).
  • Klarheit (Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll).
  • Prioritäten (Ich halte mich ständig mit unwichtigem Kleinkram auf)
  • [...]

Aus diesen Punkten können Sie jetzt einen Aktionsplan festlegen, mit dem Sie planen, was genau Sie zu Ihrem Coachingziel führt.

Aktionsplan:

  • Ich räume meinen Schreibtisch auf und er bleibt aufgeräumt.
  • Ich schreibe jeden Tag meine Aufgaben auf und notiere neue Aufgaben sofort.
  • Ich teile meine Aufgaben in wichtig und unwichtig ein.
  • Ich erledige die wichtigen Dinge immer zuerst.

Ihr Aktionsplan gehört natürlich auch auf Ihren Selbstcoaching-Zettel.

Es gibt auch Fälle, bei denen die Schritte zu Ihrem Coachingziel nicht ganz so offensichtlich sind. In diesem Fall macht es Sinn, wenn Sie sich entsprechende Literatur besorgen oder andere Leute fragen, ob diese Rat wissen.

Ein schrittweiser Stufenplan

Es ist zwar ein verständlicher Wunsch, aber es macht in der Regel wenig Sinn, wenn Sie nun von sich selbst erwarten, dass Sie Ihr Coachingziel schon morgen erreicht haben. Leider tun wir das aber unbewusst oft ganz automatisch. Auf diese Weise ist natürlich Frust vorprogrammiert. Um sich nicht auf diese Weise zu überfordern, stufen Sie jetzt noch Ihr Ziel ab und legen Zwischenschritte fest, die Sie nacheinander anstreben.

Hilfreiche Fragen dazu sind:

  • Wie sieht es z.B. aus, wenn Sie Ihr Ziel zu 10% erreicht haben?
  • Wie, wenn Sie es zu 25% erreichen?
  • Wenn Sie Ihr Ziel zu 50% erreicht haben?
  • Und zu 75%?
  • Und wie ist es, wenn Sie Ihr Ziel 100%-ig erreicht haben?

Genau das sind die Zwischenschritte, die Sie jetzt schriftlich festlegen.

Nehmen wir dazu wieder das Beispiel aus den vorangehenden Schritten.

Coachingziel: Ich will mich selbst besser organisieren, eine tägliche Aufgabenliste führen und keine Aufgaben mehr aufschieben.

in % Zwischenziele
10% Ich schreibe einmal pro Woche eine Liste mit all meinen Aufgaben.
25% Ich schreibe einmal pro Woche eine Liste mit all meinen Aufgaben und ergänze diese Liste alle 2 Tage um neue Aufgaben.

Ich kennzeichne wichtige Aufgaben auf meiner Liste.

50% Ich schreibe einmal pro Woche eine Liste mit all meinen Aufgaben und ergänze diese täglich um neue Aufgaben.

Ich kennzeichne wichtige Aufgaben auf meiner Liste.

Ich erledige 1 X pro Woche eine der wichtigen Aufgabe als allererstes am Tag.

75% [...]
100% [...]

Ihren Stufenplan übertragen Sie am besten auch auf Ihren Selbstcoaching-Zettel. Wenn dieser langsam voll wird, benutzen Sie ruhig auch die Rückseite. Ziel dieses Zettels ist, dass Sie alles zu Ihrem Coachingziel an einer Stelle gesammelt im Überblick haben.

Diese Vorgehensweise mit dem Stufenplan ist beim Selbstcoaching ganz wichtig, denn ohne professionelle Anleitung neigen viele Menschen dazu, sich zu überschätzen. Nehmen Sie sich immer kleine Schritte vor. Machen Sie eines nach dem anderen. Verlangen Sie von sich selbst nicht, dass alles gleich perfekt läuft. Freuen Sie sich über kleine Fortschritte. Und akzeptieren Sie, dass es Rückschläge geben wird. Wenn Sie in Ihrem Plan bereits bei 50% sind und dann klappt es nicht mehr, dann gehen Sie einfach zu 25% zurück und machen dort weiter.

Das wichtigste ist, dass Sie dranbleiben und genau darum geht es im nächsten Schritt.

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