Schlechte Angewohnheiten - wie kann man sie ändern?
Von Tania Konnerth • 5 Kommentare
Gehören Sie auch zu den Menschen, die gerne die eine oder andere ihrer Gewohnheiten ändern würden? Sei es, das Rauchen aufzugeben, endlich pünktlicher zu werden oder die elende Aufschieberitis zu überwinden? Wenn ja, dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft, denn diesen Wunsch haben sehr viele. Und wenn Sie vielleicht schon verschiedene Anläufe unternommen haben, ohne dass Sie Ihre Gewohnheiten dauerhaft ändern konnten, dann sind Sie auch damit nicht allein.
Mit diesem Artikel möchten wir Ihnen einige Denkanstöße der etwas anderen Art zum Thema “Gewohnheiten ändern” anbieten.
Jeder Mensch hat so genannte “schlechte Angewohnheiten”. Gemeint sind damit Verhaltensweisen, die es uns selbst oder anderen in irgendeiner Weise schwer machen, wie z.B.:
- Unzuverlässigkeit,
- Faulheit,
- Ängstlichkeit,
- Gedankenlosigkeit,
- Schlampigkeit
- und dergleichen mehr.
Allein die Bezeichnung “schlechte Angewohnheiten” macht deutlich, dass wir hier Bewertungsmaßstäbe anlegen. Wir verurteilen uns für das, was wir da tun und wir bekämpfen unsere schlechten Angewohnheiten – und damit bekämpfen wir auch uns selbst. Dass das leider nur selten von Erfolg gekrönt ist, ist eigentlich nicht verwunderlich…
Warum sich solche Angewohnheiten so schwer ändern lassen
In Büchern zum Thema “Selbstmanagement” hört sich das alles oft so einfach an: Wir können unsere Angewohnheiten mit etwas Disziplin und einem guten Plan ändern. Wir brauchen also nur einen Schritt-für-Schritt-Plan und den nötigen Willen, um uns der lästigen Verhaltensweisen zu entledigen.
Soweit die Theorie. In der Praxis scheitern allerdings die meisten von uns, wenn sie versuchen, alte Angewohnheiten zu ändern. So ein Plan funktioniert vielleicht einige Tage, aber dann fallen wir zurück in die bekannten Muster. Nicht wenige schieben das dann auf die eigene Schwäche. Und so kommt zu den Selbstvorwürfen bezüglich unserer schlechten Angewohnheiten auch noch das Gefühl, versagt zu haben…
Dabei liegt die Ursache für unser Scheitern viel weniger in Willensschwäche oder einem schlechten Plan, als vielmehr darin, dass wir etwas Wesentliches übersehen: Nämlich, dass wir von unseren schlechten Angewohnheiten profitieren und deshalb unbewusst gar kein Interesse haben, sie zu ändern.
Vom Nutzen schlechter Angewohnheiten
Der Gedanke, dass wir von unseren schlechten Angewohnheiten auch profitieren sollen, ist für viele Menschen neu. Schließlich leiden wir darunter und wollen sie ja deshalb weghaben – wie sollen sie uns da nutzen?
Tatsächlich aber haben wir immer einen Grund für unser Verhalten.
Beispiele
- Beim Rauchen dürften die meisten Menschen (vor allem Raucher) diesen Gedankengang noch relativ leicht nachvollziehen können: Ein Vorteil (von vielen anderen), den uns das Rauchen ermöglicht, kann z.B. der sein, dass wir uns jederzeit eine kleine Pause gönnen können. Gerade in Stressphasen, in denen wir das Gefühl haben, keine Zeit für Pausen zu haben, wirkt die kleine Zigarette zwischendurch wie eine Entspannungsinsel und sorgt für eine Auszeit.
- Auch wer ständig zu spät kommt, hat dadurch Vorteile: So ist dem Zuspätkommenden z.B. die Aufmerksamkeit der anderen sicher (auch negative Reaktionen wie Vorwürfe o.ä. sind Aufmerksamkeit!).
- Und wer immer wieder Fastfood isst, obwohl er sich eigentlich gesund ernähren will, hat dadurch z.B. den Nutzen, dass durch das fette Essen Gelüste befriedigt werden.
- Usw.
Sie können hier den Nutzen variieren – für jeden Menschen ist ein anderer Vorteil denkbar.
Grundprinzip: Erst verstehen, dann verändern
Die eben skizzierten Beispiele zeigen, wie gesagt, nur einige der vielen, vielen Vorteile, die uns schlechte Angewohnheiten bringen können. Es empfiehlt sich, einmal ganz systematisch für sich selbst herauszufinden, was uns unsere jeweiligen Angewohnheiten an Nutzen bringen und zwar aus folgenden Gründen:
Selbsterkenntnis
Wir verwenden oft viel Bereitschaft auf, die Beweggründe anderer Menschen zu verstehen, aber bei uns selbst machen wir uns nur selten diese Mühe. Wenn Sie aber erst einmal erkennen, warum Sie etwas tun, werden Sie liebevoller mit sich selbst umgehen können und brauchen sich nicht länger selbst fertig zu machen.
Die Energie, die Sie bisher darauf verwendet haben, sich aufgrund Ihrer schlechten Angewohnheit selbst zu schelten, können Sie dann dafür nutzen, einen konstruktiveren und erfolgversprechenderen Weg einzuschlagen.
Neue Wege
Wenn Sie erst einmal wissen, was Sie von einer schlechten Angewohnheit haben, öffnet sich ein ganz neuer Weg: Sie können sich nun fragen, wie Sie diesen Nutzen auch auf anderem Weg bekommen können – auf eine Weise, die vielleicht deutlich weniger Nachteile hat, als Ihre schlechte Angewohnheit. So wird es Ihnen viel leichter fallen, die schlechte Angewohnheit Schritt für Schritt loszulassen.
Sie tun eine Sache ja nicht um der Sache wegen, sondern um den Vorteil zu bekommen. Wenn Sie sich den Vorteil auf anderem Wege verschaffen, wird die Angewohnheit mehr und mehr zur Hülse, die im besten Fall irgendwann einfach überflüssig wird.
Wenn Sie z.B. erkennen, dass Ihre Angewohnheit, übermäßig viele Süßigkeiten zu essen, sehr viel damit zu tun hat, dass Sie sich selbst etwas Gutes tun wollen, dann können Sie sich einmal gezielt überlegen, auf welche Art Sie sich auf eine gesündere Weise etwas Gutes tun können. D.h. nicht, dass Sie völlig aufhören müssen, Süßigkeiten zu essen – aber Sie können mit etwas mehr Bewusstsein über die Zusammenhänge auch andere Dinge finden, die Ihnen gut tun – und so den Süßigkeitenkonsum reduzieren.
Arbeiten Sie mit sich, nicht gegen sich
Viele Ansätze, persönliche Veränderungen anzugehen, scheitern, weil wir viel zu hart mit uns selbst umgehen. Wir behandeln uns oft sehr brutal, kritisieren uns und reden uns ein, “unfähig”, “schwach” und “ungenügend” zu sein. Gerade was unsere schlechten Angewohnheiten angeht, so sind wir noch ungeduldiger und kritischer mit uns als sonst und nicht selten kommt dieser Veränderungsversuch dann einem persönlichen Kleinkrieg gleich.
Kein Wunder, dass wir da auf stur stellen und jede Mitarbeit verweigern!
Wenn Sie aber wie eben beschrieben vorgehen, arbeiten Sie mit sich und nicht gegen sich. Probieren Sie es doch einmal aus. Im Folgenden haben wir dazu für Sie 3 konkrete Schritte erarbeitet.





Gar nicht selten kann man schlechte Angewohnheiten ändern, indem man aufhört, sie ändern zu wollen.
Den Kommentar von Matthias kann ich nicht nachvollziehen. Ich denke, das es wichtig ist, ein Ziel vor Augen zu haben. Und dieses Ziel ist die Überwindung einer schlechten Angewohnheit.
Erst wenn ich ein Ziel vor Augen habe, weiß ich auch, wohin die Reise geht. Sonst macht das keinen Sinn.
Aber das Ziel spiegelt immer auch die innere Zerrissenheit.
Hallo,
Ich habe mir für solche Dinge ein "Franklin-Programm" erstellt. Es heißt so, weil ich das Konzept aus einer Biographie von Benjamin Franklin habe.
Dieser legt die zu andernden Verhalten fest und schreibt diese dann auf ein Blatt. Dahinter lässt er Platz für Hacken. Hatte er einen ganzen Tag geschafft dieses Verhalten nicht zu machen, so kommt ein Hacken rein. Wenn nicht, ein Strich. nach 4 Wochen voll mit Hacken hat Franklin gesagt: "gut, dass hab ich verändert, auf zum nächsten. "
Diese Methode wir so ähnlich auch in der Psychotherapie eingesetzt (weiß ich aus eigener Erfahrung). Dort wird mit Tageszielen gearbeitet die auf einen großes Ziel hinaus laufen.
Der Vorteil dieser Methode ist das man seinen Fortschritt sieht. Und so sich motivieren kann.
Der Überblick hat auch einen Nachteil, denn man sieht ja auch wann man es nicht geschafft hat. Hier ist es wichtig zu lernen das man sagt: "Egal, morgen wieder!"
Auch hier gilt, wie bei allem, nicht jeder Weg passt zu jedem Menschen. Aber zu wissen welchen Weg man NICHT geht kann auch helfen.
Ich Wünsche allen Lesern viel Kraft und Lebensfreude!
Und bedanke mich für viele hilfreiche und interessante Themen.
Alex C.
Hallo,
ich glaube auch, dass jeder für sich probieren sollte, welcher Weg "der richtige" ist.
Methoden oder Techniken sind nützlich, doch die hier beschriebene Franklin-Methode dauert nicht umsonst mindestens 30 Tage. Denn erst nach einem gewissen Zeitraum haben wir uns an neue Verhaltensweisen gewöhnt.
Ich persönlich bin eher daran interessiert, den Grund (hier Vorteil) meines Verhaltens zu erkennen, damit ich feststellen kann, ob die Zeit reif ist, dies zu ändern oder ob ich überhaupt eine Änderung wirklich will. Ist das nicht der Fall, klappt es nämlich nicht mit der dauerhaften Motivation. Da wird dann jede Technik zur Pflicht und damit zum Zwang. Zwang bedeutet jedoch in jedem Fall, dass ich Widerstand leiste - also nix mit Abgewöhnen oder nur unter Qualen. Gute Voraussetzungen für eine neue "schlechte" Angewohnheit ;)).
Dies scheint Matthias in seinem Kommentar gemeint zu haben - das Loslassen des Zwangs.
Alles Gute
Petra