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3 Schritte, um Gewohnheiten zu verändern (Seite 2 von 2)

schlechte Angewohnheiten

Hier finden Sie drei konkrete Schritte, mit denen Sie sich einmal auf eine andere Weise mit Ihren “schlechten Angewohnheiten” beschäftigen können:

Schritt 1: Würdigen Sie Ihre schlechten Angewohnheiten

Zunächst ist es wichtig, nicht länger gegen sich selbst zu kämpfen. Wenn Sie sich dafür verurteilen, eine schlechte Angewohnheit zu haben, denken Sie negativ von sich und behandeln sich schlecht. Das ist weder angenehm noch motivierend.

Viel nützlicher ist es, schlechte Angewohnheiten stattdessen ab sofort als eine Chance zu sehen, etwas über sich selbst zu erfahren und etwas für sich zu verbessern. Würdigen Sie und verzeihen Sie sich also Ihre schlechten Angewohnheiten, so schwer es Ihnen vielleicht auch fällt – sie bieten Ihnen Entwicklungsmöglichkeiten.

Kleiner Tipp dazu: Schauen Sie vor allem auf das Entwicklungspotential, also darauf, wie es sein wird, wenn Sie sich von einer schlechten Angewohnheit lösen können. So entsteht Lust an Veränderung.

Schritt 2: Verstehen Sie Ihre schlechten Angewohnheiten

Mit Schritt 1 wird es Ihnen möglich, sich konstruktiv mit Ihren schlechten Angewohnheiten zu befassen, anstatt sie nur blind zu bekämpfen. Die folgende Vorgehensweise hat sich bewährt, um herauszufinden, warum wir etwas tun:

Tipp

Leider glauben die meisten Menschen von sich, sehr viele schlechte Angewohnheiten zu haben. Eine solche Liste wirkt frustrierend. Entscheidend ist zu erkennen, welche unserer Angewohnheiten uns wirklich behindern, um dann mit diesen zu arbeiten. Die anderen können Sie selbstbewusst als “Schrullen” abbuchen.

Schreiben Sie zunächst alle Angewohnheiten auf, die Sie an sich nicht mögen – die Sie also als Ihre “schlechten Angewohnheiten” bei sich bezeichnen würden. Bitte seien Sie hier nicht übermäßig kritisch. Notieren Sie nur das, was Ihnen spontan in den Kopf kommt und grübeln Sie nicht stundenlang nach. Überlegen Sie sich nun, welche von diesen Angewohnheiten Sie als besonders hinderlich im Alltag empfinden. Wählen Sie bitte höchstens drei der Angewohnheiten aus und entscheiden Sie sich dann für diejenige, unter der Sie am meisten leiden. Und mit der beginnen Sie, zu arbeiten. Nehmen Sie sich diese Angewohnheit nun vor und analysieren Sie sie mit den folgenden Denkfragen:

  • Kurze Beschreibung meiner Angewohnheit:
  • Wie oft ich das tue:
  • Welche Nachteile mir durch dieses Verhalten entstehen:
  • Wann ich das zum ersten Mal gemacht habe: (Nicht immer werden Sie das rekonstruieren können, aber versuchen Sie bitte, sich daran zu erinnern. Das kann Sie direkt an die Wurzeln dieser Angewohnheit führen und Ihnen einige wichtige Erkenntnisse vermitteln)
  • Gründe dafür, dass ich damit begonnen habe: (Forschen Sie hier bitte, auch wenn es vielleicht etwas unangenehm ist, möglichst intensiv nach den ursächlichen Gründen. Wenn Sie verstehen, was Sie ursprünglich zu diesem Verhalten veranlasst hat, fällt es Ihnen deutlich leichter, den heutigen Nutzen dieser Angewohnheit zu erkennen)
  • Was mir diese Angewohnheit ermöglicht, nutzt oder was sie mir an Vorteilen bringt: (Hier bitte nicht gleich aufgeben, sondern wirklich ein bisschen überlegen – Sie haben in jedem Fall mindestens einen Vorteil von dieser Angewohnheit, denn sonst würden Sie das nicht tun! Es muss sich dabei aber nicht immer um deutlich erkennbare, also direkte Vorteile handeln, denken Sie also auch um die Ecke.)

Schritt 3: Hebeln Sie Ihre schlechten Angewohnheiten aus

Wenn Sie erkannt haben, welchen Vorteil (oder auch mehrere) Sie von einer schlechten Angewohnheit haben, halten Sie den Schlüssel in der Hand, um diese Angewohnheit auszuhebeln.

Nehmen Sie nun ein großes Blatt Papier und sammeln Sie Ideen dafür, wie Sie diesen Vorteil auf eine andere Weise als durch Ihr Verhalten erreichen können.

Beispiel

Sie haben als schlechte Angewohnheit “Nägel kauen” aufgeschrieben. Da Sie sich Ihre Nägel oft blutig beißen, haben Sie genügend Motivation, das zu ändern. Sie finden durch die Analyse heraus, dass Sie vor allem dann an Ihren Nägeln kauen, wenn Sie sich von anderen Menschen unter Druck gesetzt fühlen. Diesen Zusammenhang hatten Sie bisher noch nicht gesehen, sondern dachten, Sie machen das grundsätzlich in stressigen Situationen. Sie erkennen, dass Ihr Nägelkauen Ihnen ermöglicht, aus der Situation zu fliehen: Indem Sie sich selbst Schmerzen zufügen, müssen Sie sich nicht mehr mit Ihrer Ohnmacht befassen, die Sie erleben, wenn Sie von anderen unter Druck gesetzt werden. Sie erkennen, dass Ihr Nägelkauen eine Art Signallampe für Situationen ist, in denen Sie mit sich Dinge geschehen lassen, die Sie eigentlich nicht wollen. Auf diese Weise wird es Ihnen möglich, sensibler für sich selbst zu werden und immer öfter für sich einzustehen. Statt sich blutig zu beißen, wird es Ihnen vielleicht zunächst möglich, den Raum zu verlassen, wenn Ihnen jemand zu sehr zusetzt. Beim nächsten Mal trauen Sie sich dann vielleicht schon, ein offenes Wort zu sprechen.

Natürlich ist dieses Beispiel vereinfacht dargestellt. Es macht aber anschaulich, wie unsere schlechten Angewohnheiten gleichsam zu Verbündeten werden können, die uns dabei helfen, uns auf eine Weise zu verändern, die uns gut tut. Also nicht einfach etwas “weghaben” zu wollen, sondern sich so zu entwickeln, dass wir die schlechte Angewohnheit einfach nicht mehr nötig haben.

Und noch ein Tipp zum Schluss

Ganz wichtig ist bei diesem Thema eines zu beachten: Gehen Sie nicht verbissen vor, sondern seien Sie liebevoll und nachsichtig mit sich. Kein Mensch ist perfekt und frei von schlechten Angewohnheiten. Unsere kleinen und großen Schwächen machen uns menschlich und oft auch liebenswert. Wir sollten uns grundsätzlich von dem Anspruch verabschieden, an uns zu arbeiten, um fehlerfrei zu werden.

Machen Sie sich immer wieder klar, dass wir gute Gründe für das haben, was wir tun, auch wenn sie uns nicht immer bewusst sind. Unsere so genannten schlechten Angewohnheiten sind nichts weiter als Leuchtbojen, die uns zeigen, wo wir noch Entwicklungspotential haben – und zwar dahingehend, etwas für uns zu verbessern.

Literatur zum Thema

  1. Matthias schreibt am 26. Januar 2012 um 11:31

    Gar nicht selten kann man schlechte Angewohnheiten ändern, indem man aufhört, sie ändern zu wollen.

  2. Robert schreibt am 29. Januar 2012 um 12:39

    Den Kommentar von Matthias kann ich nicht nachvollziehen. Ich denke, das es wichtig ist, ein Ziel vor Augen zu haben. Und dieses Ziel ist die Überwindung einer schlechten Angewohnheit.
    Erst wenn ich ein Ziel vor Augen habe, weiß ich auch, wohin die Reise geht. Sonst macht das keinen Sinn.

  3. Matthias schreibt am 29. Januar 2012 um 13:27

    Aber das Ziel spiegelt immer auch die innere Zerrissenheit.

  4. Alex C. schreibt am 29. Januar 2012 um 23:06

    Hallo,

    Ich habe mir für solche Dinge ein "Franklin-Programm" erstellt. Es heißt so, weil ich das Konzept aus einer Biographie von Benjamin Franklin habe.

    Dieser legt die zu andernden Verhalten fest und schreibt diese dann auf ein Blatt. Dahinter lässt er Platz für Hacken. Hatte er einen ganzen Tag geschafft dieses Verhalten nicht zu machen, so kommt ein Hacken rein. Wenn nicht, ein Strich. nach 4 Wochen voll mit Hacken hat Franklin gesagt: "gut, dass hab ich verändert, auf zum nächsten. "

    Diese Methode wir so ähnlich auch in der Psychotherapie eingesetzt (weiß ich aus eigener Erfahrung). Dort wird mit Tageszielen gearbeitet die auf einen großes Ziel hinaus laufen.
    Der Vorteil dieser Methode ist das man seinen Fortschritt sieht. Und so sich motivieren kann.
    Der Überblick hat auch einen Nachteil, denn man sieht ja auch wann man es nicht geschafft hat. Hier ist es wichtig zu lernen das man sagt: "Egal, morgen wieder!"

    Auch hier gilt, wie bei allem, nicht jeder Weg passt zu jedem Menschen. Aber zu wissen welchen Weg man NICHT geht kann auch helfen.

    Ich Wünsche allen Lesern viel Kraft und Lebensfreude!
    Und bedanke mich für viele hilfreiche und interessante Themen.

    Alex C.

  5. Petra B. schreibt am 30. Januar 2012 um 15:52

    Hallo,
    ich glaube auch, dass jeder für sich probieren sollte, welcher Weg "der richtige" ist.
    Methoden oder Techniken sind nützlich, doch die hier beschriebene Franklin-Methode dauert nicht umsonst mindestens 30 Tage. Denn erst nach einem gewissen Zeitraum haben wir uns an neue Verhaltensweisen gewöhnt.

    Ich persönlich bin eher daran interessiert, den Grund (hier Vorteil) meines Verhaltens zu erkennen, damit ich feststellen kann, ob die Zeit reif ist, dies zu ändern oder ob ich überhaupt eine Änderung wirklich will. Ist das nicht der Fall, klappt es nämlich nicht mit der dauerhaften Motivation. Da wird dann jede Technik zur Pflicht und damit zum Zwang. Zwang bedeutet jedoch in jedem Fall, dass ich Widerstand leiste - also nix mit Abgewöhnen oder nur unter Qualen. Gute Voraussetzungen für eine neue "schlechte" Angewohnheit ;)).
    Dies scheint Matthias in seinem Kommentar gemeint zu haben - das Loslassen des Zwangs.

    Alles Gute
    Petra