Kontakt
Facebook
Twitter
RSS
Gästebuch
Wöchentlicher Newsletter

Vom Anspruch, perfekt zu sein...

Von Tania Konnerth2 Kommentare

Haben Sie an sich selbst auch den Anspruch, möglichst perfekt zu sein? Möchten Sie immer der oder die Beste sein und sind Sie selbst Ihr gnadenlosester Kritiker?

Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft, denn das geht sehr vielen Menschen so. Leider. Denn so ein Perfektionsanspruch ist ein sehr sicheres Mittel, es sich selbst nicht nur schwer zu machen, sondern auch eine Garantie dafür, dauerhaft unglücklich zu sein.

Mit diesem Artikel möchten wir das Phänomen “Perfektionismus” beleuchten und Ihnen einige praktische Tipps bieten, wie Sie liebevoller mit sich selbst umgehen können.

Wer sehnt sich nicht danach, geliebt und angenommen zu werden? Schon früh als Kinder lernen wir, dass diejenigen das meiste Lob und die größte Anerkennung bekommen, die gute Leistungen bringen.

Wer brav ist, gut rechnen kann oder ein schönes Bild malt wird gelobt, erhält gute Noten und wir hören “Schau dir das mal an, warum kannst du das nicht auch so?”

Wir lernen damit, den Wert unserer Leistungen – und in einem zweiten Schritt dann auch den unseres Seins – an anderen zu messen. Wir glauben, dass wenn wir nur gut genug wären, so gut wie eben die anderen, würden wir endlich von allen geliebt und angenommen werden.

Und so vergleichen wir uns ständig mit anderen. Wir schielen nach deren Leistungen und Erfolgen und möchten genau das auch erreichen. Nur nicht schlechter sein, nur nicht versagen.

Ich muss besser sein…

Bald reicht es uns nicht mehr, genauso gut wie andere zu sein – nein, wir wollen besser sein. Und zwar im Idealfall besser als alle anderen.

So entsteht die fixe Idee vom Perfektionismus: Wir beginnen damit, unsere Leistungen mit unserem persönlichen Wert gleichzusetzen. Nur wenn wir perfekte Leistungen bringen, sind wir überhaupt etwas wert und nur wenn wir es schaffen, vollkommen und fehlerfrei zu sein, dann ist uns die Liebe aller sicher – so glauben wir.

Ein Irrtum, der sehr schwer wieder aus unseren Köpfen zu bekommen ist…

Ein aussichtsloser Kampf

Wir geraten auf diese Weise quasi in einen ewigen Wettkampf. Allerdings mit einem Gegner, den wir niemals schlagen können. Auch wenn wir uns nämlich mit anderen vergleichen, so sind es tatsächlich wir selbst, mit dem wir ringen.

Überlegen Sie doch einmal: selbst wenn Sie etwas besser gemacht haben, als ein anderer, reicht es in der Regel nicht aus. Vielleicht fühlen Sie für kurze Zeit eine Befriedigung. Sie werden aber immer nur so gut sein, wie Sie es eben gerade sind. Sie können nicht besser sein, als Sie es sind. Und damit kämpfen Sie einen Kampf, den Sie nie gewinnen werden.

Perfektionsstreben bringt keine Liebe…

Hinter unserem Drang, perfekt zu sein, liegt oft die Idee, dass uns andere Menschen lieben werden, wenn wir nur gut genug sind. Nicht selten versuchen wir durch hohe Leistungen die Liebe vor allem von den Menschen zu bekommen, die uns Anerkennung verweigern.

Liebe lässt sich aber nicht bestechen. Hohe Leistungen bringen uns vielleicht bewundernde Blicke, aber noch lange keine Liebe.

Der erste Schritt, um geliebt werden zu können ist, dass Sie lernen, sich selbst anzunehmen und zu lieben – so unperfekt Sie auch immer sein mögen.

… aber dafür so viel Schmerz

Instinktiv spüren wir alle, dass unser Ziel, perfekt zu sein, nicht zu erreichen ist. Schließlich scheitern wir wieder und wieder, denn es gibt immer jemanden, der etwas besser kann als wir. Und sollten wir tatsächlich in einem Gebiet Meisterschaft erreichen, so wachsen irgendwann Jüngere nach, die uns überholen oder wir stellen fest, dass dafür andere in anderen Gebieten besser als wir sind.

Mit unserem Perfektionsdrang fügen wir uns immer wieder selbst Schmerz zu. Zunächst durch den enormen Druck, den wir uns auferlegen und dann aber auch durch die ständige – zwangsläufige – Konfrontation mit unserem Scheitern. Und wie um das Ganze noch schlimmer zu machen, schimpfen wir dann auch noch auf uns selbst und reden uns ein, dass wir nicht liebens- oder achtenswert sind.

Was tun Sie sich an?

Sehr wahrscheinlich werden Ihnen diese Formulierungen überzogen vorkommen und Sie werden viele gute Argumente dafür finden, warum es gut ist, perfekt sein zu wollen. So werden Sie vielleicht einwenden, dass Sie nur durch Ihren Perfektionsanspruch so leistungsfähig und erfolgreich sind und dass man immer an sich arbeiten muss – Stümper gibt es genug… usw.

Richtig ist,

Aber zwischen diesem Ehrgeiz und dem Anspruch, perfekt zu sein, liegen Welten. Bei Menschen, die an sich den Anspruch haben, perfekt zu sein, ist Dauerfrust und -schmerz vorprogrammiert. Spüren Sie noch einmal in aller Ruhe nach: Wo ordnen Sie sich selbst ein?

Wenn Sie beim Lesen dieses Artikels ahnen, dass Sie sich mit Ihrem Perfektionsanspruch das Leben doch deutlich schwerer machen, als nötig, dann haben wir im Folgenden einige Denkanstöße und praktische Tipps für Sie, wie Sie einen anderen Umgang mit sich selbst lernen können.

  1. Alraune schreibt am 30. Januar 2011 um 10:40

    Tja, schwieriges Thema. Ich bin kein Perfektionist. Ich kann nicht mit alldem mithalten, was die Welt heute so fordert und ich finde da eher, die Welt muß sich ändern - nicht wegen mir, sondern weil ich sehe, daß so viele Menschen dabei kaputt gehen. Burn-Out und Depressionen sind ja schon irgendwie "Volkssport" geworden - mit dieser flapsigen Ausdrucksweise will ilch das nicht abwerten; ich weiß, den Leuten geht es schlecht genug.
    Bei schneller höher weiter hört es für mich auf, da kann und will ich nicht mitmachen. Zum Glück habe ich z.Zt. eine Arbeitsstelle, die genauso ist und meine Leistung - die ja nicht schlecht ist - anerkennt, aber ich kenne auch den Frust, schneller, besser und vor allem mehr arbeiten zu müssen.
    Damit sind wir beim Thema: Wenn man das nicht mitmacht, ist der Frust genauso vorprogrammiert. Warum? Weil man, wie ein kleines Kind, anerkannt werden will wie man ist. Ich arbeite ja nicht absichtlich langsam, sondern das ist eben mein Tempo (nebenbei - ich bin nicht langsam, sondern Durchschnitt) und meine Qualitäten habe ich dafür an anderer Stelle. Ich mache meine Arbeit, so gut ich kann. Punkt. Ich gebe mein Bestes für eine Arbeit, die mir Spaß macht. Ich will nicht besser sein, als ich im Moment leisten kann.
    Wahre Perfektionisten sehen zu, daß sie die Dinge ihn ihrem Rahmen und für sich immer wieder verbessern - und nicht für einen Chef. Und dann, wenn man etwas für sich perfektionieren WILL (nicht MUSS), dann macht es ja auch Spaß und man kann auch stolz auf sich sein. Das geht natürlich nicht, wenn man eine Arbeit hat, die stumpfe Routine ist. Dann sehen, glaube ich, die meisten Leute im Freizeitbereich zu, daß sie etwas haben wo sie sich perfektionieren können - in einem selbstbestimmten Tempo und für selbstbestimmte Ziele.

    Und Perfektionismus und Liebe - das schließt sich eh von vornherein aus. Ich wage die These: Wer Perfektionist ist, macht seine Arbeit nicht mit Liebe.

  2. Helmut Peters schreibt am 30. Januar 2011 um 11:51

    Helmut.
    Ich kenne den Anspruch und leide häufig darunter! Ich weiß, wo er herkommt - meine lieben Eltern haben mir meinen 2 Jahre älteren Bruder immer als leuchtendes Beispiel vorgebetet - der es viel viel leichter in der Schule hatte, als ich. Ich habe gelitten wie ein Hund, weil ich ihn nie erreichen konnte! Später habe ich dann festgestellt, dass ich andere Qualitäten habe und andere Fähigkeiten, für die ich Anerkennung bekam. Trotzdem holen mich die unseeligen Vergleiche immer noch ein, obwohl ich im Altern von 60 eigentlich darüber stehen sollen können müsste ;-). Ich erwische mich immer noch bei dem Gefühl, mh, der oder die kann es besser!! Ich werde mir den Beitrag mal ausdrucken und in meine Arbeitsmappe legen und mal drauf schauen, wenn ich wieder in so einer Schleife stecke! Danke!