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"Ich bin viele": der innere Dialog

Von Tania Konnerth

Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal aufgefallen: Wir sprechen innerlich ständig mit uns selbst. Manchmal mahnt uns eine innere Stimme zu mehr Disziplin, macht uns Vorwürfe, kritisiert uns oder erinnert uns an wichtige Sachen o.ä.

Dieses Phänomen, welches in der Regel eher unbewusst abläuft, können wir sehr gut dafür nutzen, uns besser kennen zu lernen. Wie, das erfahren Sie hier.

Es gibt psychologische Persönlichkeitsmodelle, die das Phänomen der inneren Stimmen nicht nur aufgreifen, sondern noch einen Schritt weitergehen:

Ihnen zu Folge setzt sich unsere Persönlichkeit aus verschiedenen Persönlichkeitsanteilen zusammen. Mehr noch: es entwickeln sich regelrecht eigenständige Persönlichkeiten in uns. Und die Stimmen in uns können somit diesen verschiedenen Personen zugeordnet werden. Eines dieser Modelle ist "Voice Dialogue". Mehr Infos dazu finden Sie in dem Artikel Voice Dialogue – die innere Ordnung den unser Gastautor Artho Wittemann verfasst hat.

In diesem Artikel hier geht es uns nun weniger um das tiefenpsychologische Modell, als viel mehr um Überlegungen, wie man das Ganze ganz praktisch für sich im Alltag nutzen kann.

Etwas weniger psychologisch

Wenn die Sache mit den "inneren Personen" für Sie nach dem Krankheitsbild der "multiplen Persönlichkeiten" oder ähnlichem klingt, seien Sie beruhigt: es geht hier um ganz "normale" Phänomene, die Sie wahrscheinlich auch bereits von sich selbst kennen. Das wird manchmal sogar durch unsere Sprache sichtbar:

Finden Sie sich da wieder?

Sich selbst kennen lernen, heißt die Personen in uns kennen lernen

Selbsterkenntnis auf der Grundlage dieses Modells heißt, sich einmal auf die Suche nach den Persönlichkeiten zu machen, die in uns leben und diese nacheinander besser kennen zu lernen.

Sie können sich das mit den inneren Personen ruhig ganz bildlich vorstellen. Wer sich auf die Vorstellung einlässt, dass in uns ganz verschiedene Persönlichkeiten zu Hause sind, hat oft sehr schnell eine konkrete Vorstellung von einigen dieser Personen.

Da können z.B. strenge Personen in uns sein, wie ein Perfektionist oder ein Antreiber, die dafür sorgen, dass wir leistungsfähig sind. Dann gibt es auch ganz "weiche" Anteile, wie z.B. eine fürsorgliche Person, die immer darauf achtet, dass es allen gut geht.

Die Art der Personen und deren Zusammenstellung in uns ist für jeden von uns ganz verschieden und es ist faszinierend und sehr erhellend, die Personen in uns selbst entdecken. Je mehr Teilpersönlichkeiten Sie in sich finden, desto komplexer wird Ihre innere Personenlandschaft. Und das ist wirklich eine faszinierende Forschungsreise.


Übung: Erste Personen identifizieren

Schauen Sie doch gleich einmal, welche Persönlichkeiten Ihnen als Teil von Ihnen spontan einfallen. Hier einige Tipps, mit denen Sie ihnen auf die Spur kommen.

Beispiele für innere Personen

Manche der Persönlichkeiten in uns sind sehr offensichtlich und wir können sie mit ein wenig Bewusstsein leicht ausmachen. Andere sind scheu oder wir möchten sie gar nicht als Teil von uns wahrhaben, so dass wir sie verdrängen.

Hier finden Sie einige Beispiele von inneren Personen, die Ihnen Mut machen sollen, Ihre eigenen Teile kennen zu lernen:

Diese kleine Aufzählung ist weder vollständig noch ausführlich in der Beschreibung. Sie soll Ihnen nur eine Idee davon geben, wer da alles vielleicht in Ihnen "wohnen" könnte. Deutlich wird aber schon bei den kurzen Beschreibungen, dass uns alle diese Personen auf ihre ganz besondere Weise beeinflussen können.

Eigene Teilpersönlichkeiten entdecken

Um möglichst viele Ihre Teilpersönlichkeiten zu entdecken, können Sie sich zu folgenden Punkten Notizen machen und diese dann auswerten:

Die Motivation unserer Teilpersönlichkeiten kennen lernen

Ein sehr wichtiger Aspekt ist, dass wir verstehen, dass die Teile in uns aus gutem Grund da sind. Ohne an dieser Stelle zu tief einsteigen zu wollen, kann man es vereinfacht gesagt so formulieren:

Irgendwann in unserer Geschichte entwickelten wir jede einzelne dieser Personen, die da in uns aktiv sind, weil es zu dem jeweiligen Zeitpunkt hilfreich oder nötig war.

Wer z.B. in einer Umgebung aufwuchs, in der er sich sehr oft körperlich durchsetzen musste, um nicht verprügelt zu werden, könnte z.B. einen inneren Kämpfer entwickeln, der den Mut hat, sich gegen die Angreifer zu stellen. Ein anderer hingegen wird in dieser Situation vielleicht einen Spaßmacher entwickeln, der die Angreifer mit Witzen und coolen Sprüchen beeindruckt.

Jede Person hat ein Geschenk für uns – aber in der Regel auch eine Beschränkung

Je klarer Sie erkennen, was die eigentliche Absicht der Personen in Ihnen ist, desto besser können Sie das Geschenk und auch die Beschränkung sehen.

Ein Kritiker in uns, der uns davor schützen will, dass andere über uns lachen oder uns kritisieren, hemmt auf der anderen Seite vielleicht unsere Kreativität. Der innere Aufpasser, der dafür sorgt, dass uns niemand etwas tut, kann uns einsam machen.

Jede Person in uns nutzt uns. Aber sie kann uns eben auch beschränken. Bei wem ein Kaufmann sehr ausgeprägt ist, bei dem werden zwischenmenschliche Beziehungen vor allem unter dem "Kosten-Nutzen-Aspekt" betrachtet, was für romantische Gefühle oder tiefe Hingabe wenig Spielraum lässt. Oder wer einen sehr aktiven Spaßmacher in sich hat, kann in Gesellschaft leicht nur noch oberflächlich sein und zugunsten der Show auf jede Tiefe verzichten.

Um diese einseitig-negativen Einflüsse unserer inneren Personen zu verändern, können wir beginnen, mit ihnen zu sprechen. Und dazu finden Sie im Folgenden praktische Tipps.