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Vom Setzen und Durchsetzen persönlicher Grenzen

Von Tania Konnerth


Jeder Mensch hat seine ganz persönlichen Grenzen. Bei dem einen sind sie eng gesteckt, ein anderer hingegen geht großzügig damit um. Solange andere unsere Grenzen respektieren ist alles ok. Manchmal allerdings setzen sich Menschen über unsere Grenzen hinweg und dann wird es schwierig…

In diesem Artikel geht es um folgende drei Fragen:

  1. Was sind persönliche Grenzen und wie entstehen sie?
  2. Wie finde ich heraus, wo meine eigenen Grenzen sind?
  3. Und wie kann ich meine Grenzen anderen gegenüber durchsetzen?

“Bis hier hin und nicht weiter”

“Bis hier hin und nicht weiter” – das ist ein Satz, der dann in uns aufkommt, wenn wir eine persönliche Grenze überschritten sehen. Wir müssen ihn gar nicht immer so konkret formulieren – viel häufiger macht er sich als Empfindung in uns bemerkbar: vielleicht durch Wut und Ärger, vielleicht verspannen wir uns, alles zieht sich zusammen, vielleicht reagieren wir auch aggressiv.

Persönliche Grenzen können sehr vielfältig sein. Hier einige Beispiele:

Wie Sie allein an dieser kleinen Auswahl sehen können, sind persönliche Grenzen vollkommen unterschiedlich. Manche werden Sie sofort nachvollziehen können, andere hingegen werden Ihnen vielleicht kleinlich erscheinen. Persönliche Grenzen sind eben vor allem eines: sehr persönlich.

Wie entstehen persönliche Grenzen?

Unsere persönlichen Grenzen haben vor allem etwas mit unseren Werten, Überzeugungen und Einstellungen zu tun.

Wem z.B. “Ehrlichkeit” wichtig ist, der wird nicht bereit sein, für einen anderen zu lügen. Hier liegt seine ganz persönliche Grenze. Für einen anderen, dem “Ehrlichkeit” nicht ganz so wichtig ist, wird es kein Thema sein, eine kleine Lüge mitzutragen. Diesem Menschen hingegen wird es vielleicht gegen den Strich gehen, Überstunden zu machen. Seine persönliche Grenze liegt hier darin, nicht bereit zu sein, seine Freizeit für die Firma zu opfern.

Grenzen sind nicht gut oder schlecht

Wichtig ist an dieser Stelle sich klarzumachen, dass persönliche Grenzen nie per se “gut” oder “schlecht” sind.

Persönliche Grenzen haben etwas mit unserer Prägung und Entwicklung zu tun, mit unseren Vorerfahrungen und Erlebnissen. Oft werden die persönlichen Grenzen eines Menschen verständlicher, wenn man mehr erfährt – über seine Geschichte und seine Erlebnisse. Es ist wichtig, das im Kopf zu behalten, um selbst die Grenzen anderer Menschen nicht zu verurteilen.

Wo sind Ihre Grenzen?

Die meisten unserer persönlichen Grenzen sind uns gar nicht bewusst. Sie entstehen durch unterschiedliche Ereignisse zu ganz unterschiedlichen Zeiten und wir spüren sie eigentlich nur dann, wenn sie verletzt werden.

Halten Sie einmal einen Moment inne und beantworten Sie sich folgende Fragen:

Sammeln Sie auf diese Weise unsortiert Situationen und Vorkommnisse, in denen Sie Ihre Grenzen durch andere überschritten sehen. Denken Sie dabei an berufliche und private Umgebung.

Fragen Sie sich dann zu den einzelnen Punkten:

Die zwei Seiten der persönlichen Grenzen

Unsere persönlichen Grenzen dienen vor allem unserem Schutz. Sie sorgen z.B. dafür, dass wir nicht überfordert oder übervorteilt werden, sie sollen uns vor Enttäuschungen oder Schmerzen schützen und dergleichen mehr. Wenn wir uns klar darüber sind, wie wichtig eine persönliche Grenze für uns ist, ist es auch viel leichter, sie anderen gegenüber durchzusetzen.

Bei allen positiven Aspekten unserer persönlichen Grenzen soll aber nicht außer Acht gelassen werden, dass sie auch deutliche Begrenzungen sein können. Wenn wir z.B. eine Mauer um uns ziehen, damit niemand an uns herankommt, dann könnte es sein, dass wir uns irgendwann einsam fühlen. Wir schützen uns zwar vor Verletzungen durch andere, schließen aber auch Kontakt, Zuneigung und Liebe aus unserem Leben aus. Je nach Art der Grenze, können uns unsere Grenzen entsprechend in ganz unterschiedlicher Weise eben auch behindern.

Es macht deshalb Sinn, sich einmal genauer damit zu befassen, welche Einschränkungen unsere Grenzen in unserem Leben verursachen. Überprüfen Sie dazu die Grenzen, die Sie bisher für sich gefunden haben mit den folgenden Fragen:

Alte und neue Grenzen

Wenn Sie sich nun der Vorteile und der Einschränkungen Ihrer Grenzen bewusst werden, können Sie auch darüber nachdenken, ob Sie Ihre Grenzen vielleicht in Zukunft erweitern oder flexibler gestalten wollen. Unsere persönlichen Grenzen wirken zwar oft, als wären sie aus Beton – sie sind aber durchaus veränderlich, wenn wir uns dazu entscheiden.

Genauso können Sie sich entscheiden, in Situationen, in denen Sie immer wieder Schmerz empfinden oder von anderen überrumpelt werden, klarere Grenzen zu definieren und diese auch durchzusetzen.

Hier noch einige Denkfragen, mit denen Sie arbeiten können:

Das Bewusstsein, welches Sie bekommen, wenn Sie sich in dieser Weise mit dem Thema “persönliche Grenzen” befassen, wird Ihnen dabei helfen, die Grenzen, die Ihnen wichtig sind, auch im Alltag durchzusetzen. Dafür finden Sie nun  im Folgenden noch einige Anregungen und Tipps.