Raus aus der Opferrolle: Beenden Sie Ihr Leid
“Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig.”
M. Kathleen Casey
Viele von uns sehen sich selbst als Opfer. So sind es die Umstände, das Schicksal oder andere Menschen, die uns übel mitspielen. Wir verlieren Geld, unseren Job oder Freunde, wir werden krank oder arm und andere bringen uns dazu, etwas zu tun oder zu sein, obwohl wir das eigentlich nicht wollen. Wir werden verlassen und sind unglücklich und “können gar nichts dafür”. Das Gefühl Opfer zu sein, ist vielen von uns nur zu gut vertraut. Dabei haben wir es fast immer selbst in der Hand, ob wir leiden wollen oder nicht, auch wenn diese Behauptung manche von uns vielleicht zunächst verärgern mag.
Ein wirklich eigenverantwortliches Leben ist nicht leicht
Tatsächlich ist die Einsicht der Eigenverantwortung in diesem Bereich mit einer gewissen Härte verbunden: Durch eine solche Sicht der Dinge verlieren wir unsere vielen kleinen und großen Entschuldigungen für alles Mögliche . Z.B. dafür, Dinge nicht geschafft zu haben (“Daran waren die Kinder schuld.”), Geld oder einen Job verloren zu haben (“Ich habe mir solche Mühe gegeben und kann gar nichts dafür”), unglücklich und einsam zu sein (“Ich bin verlassen worden und weiß gar nicht warum.”) usw.
Opfer geben Macht ab
Machen Sie sich einmal klar, wieviel Macht wir anderen Menschen über uns in die Hand geben, wenn wir uns ihnen als Opfer ausliefern:
- Die Frau im Supermarkt kann Ihnen mit einer dummen Bemerkung den ganzen Tag vermiesen.
- Der pampige Schalterbeamte löst bei Ihnen Sodbrennen und Magendruck aus. Aus Ärger über den Taxifahrer streiten Sie sich mit Ihrem Lebenspartner.
- Weil Ihre Eltern früher etwas falsch gemacht haben, leiden Sie nun den Rest Ihres Lebens.
- Weil Ihr Lebenspartner Sie enttäuscht hat, können Sie nun niemanden mehr vertrauen und bleiben allein.
- usw.
Wer hat Macht über Sie?
Tipp
Denken Sie doch einmal in verschiedensten Situationen darüber nach, ob es sich wirklich lohnt, sich z.B. aufzuregen oder schlecht zu fühlen. Vielen Menschen hilft es, wenn sie sich im Vorfeld überlegen, wie sie sich in diesen Situationen das nächste Mal anders verhalten wollen. Schreiben Sie sich das vielleicht auf.
Überlegen Sie doch einmal, wem in Ihrem Leben Sie alles Macht über sich geben und fragen Sie sich, ob Sie das eigentlich wirklich wollen. Wenn nicht, dann geben Sie anderen Menschen
weniger Macht über sich und Ihre Gefühle: Kein Mensch kann dafür sorgen, dass Sie sich schlecht fühlen, wenn Sie es ihm nicht erlauben.
Sie selbst lassen Ihr Leiden zu
Machen Sie sich klar, dass Sie Ihr Leiden selbst zulassen. So hart das klingen mag, aber Sie selbst entscheiden z.B., dass ein wildfremder Mensch Ihnen so wichtig ist, dass Sie Zeit und Energie verbrauchen und im schlimmsten Fall sogar Ihre Gesundheit gefährden, um sich über ihn oder sie zu ärgern. Sie können stundenlang über die Verkäuferin oder den Beamten schimpfen, können sich als Opfer fühlen und leiden, aber Sie ändern damit überhaupt nichts und Sie fügen sich damit selbst Leid zu.
Übung
Schreiben Sie für sich selbst eine Liste der Dinge oder Situationen unter denen Sie regelmäßig leiden. Schreiben Sie auf,
- worüber Sie sich ärgern,
- wer Sie ärgert
- was Sie ärgert,
- wodurch Sie sich schlecht fühlen,
- worunter Sie leiden
Und dann überlegen Sie einmal, was Sie ganz konkret tun können, um etwas zu ändern. Vielleicht können Sie bestimmte Situationen vermeiden, oder ein klärendes Gespräch führen. Vielleicht können Sie auch etwas an Ihrer Einstellung verändern, so dass Sie sich nicht jedes Mal wieder über dieselben Dinge ärgern müssen. Fragen Sie vielleicht auch andere Menschen um Rat, wie Sie die Dinge, die Sie stören in Zukunft anders gestalten können.
Auch “nichts zu tun” ist eine Entscheidung
Tipp
Denken Sie einmal darüber nach, in welchen Bereichen Ihres Lebens Sie sich dafür entscheiden, nichts zu tun und damit Macht über Ihr Leben abgeben. Sind Sie mit diesen Situationen zufrieden?
Jeder von uns trifft täglich, stündlich, ja minütlich Entscheidungen. Entscheidungen für oder gegen etwas. Auch nichts zu tun ist eine Entscheidung. So ist es Ihre persönliche Entscheidung, wenn Sie sich z.B. nicht wehren, obwohl Sie übergangen werden. Es ist auch Ihre Entscheidung, sich nicht um einen neuen Job zu bemühen, obwohl Sie in Ihrem alten Job unglücklich sind. Und es ist IhreEntscheidung, nichts in Ihrem Leben zu verändern, obwohl Sie vielleicht unzufrieden sind.





Hallo zusammen! Dieser Beitrag erinnert mich an eine Zeit in der ich bemüht und recht erfolgreich mit und nach einem Spruch leben konnte: "Aller Schmerz den Du erfährst, ist selbst erschaffen, Widerstand gegen den Fluss". Wenn es gelingt, so vollständig wie möglich in sich selbst zu ruhen und zum eigenen sein und Handeln ja zu sagen, dann fällt Eigenverantwortung leicht. Oft ist das jedoch anders. Mein Streitpunkt in Sachen Eigenverantwortung sind (geistige, seelische) Krankheiten. Hier fühle ich mich persönlich provoziert: Sind sie zufällig oder ist man, weil man das falsche denkt, die nicht der Mehrheit entsprechende Wahrnehmung hat, selbst daran Schuld? Fasse ich in diesem Punkt die Eigenverantwortung zu weit? Vermutlich liegt es in der Art und Weise wie ich als Individuum damit umgehe und mir immerwieder vor Augen halte, das alles veränderbar ist. Von Möglichkeit zu Möglichkeit freundlich, offen und liebevoll auf mich, die Situation und die anderen Beteiligten schauen, möglichst objektiv bleiben, erkennen was ist und was gerade fehlt und gebraucht wird. Und auch akzeptieren, das es Situationen gibt, in denen ich nicht in der Lage bin, zu ersetzen, einzuspringen, zu geben oder; was oft passiert, Kontakt und Gespräch herzustellen, ohne darüber Schmerz und Trauer zu empfinden. Im Augenblick wünsche ich mir jedenfalls, das mein Maß an Selbstverantwortung gut zu mir und meinem Leben past.
Das mit den geistigen und seelischen Erkrankungen ist ein guter Punkt.
Ich bin der Ansicht das hier das Modell Selbstverantwortung in der Akuten Phase nicht greifen kann. Später ist es gut, sich damit auseinanderzusetzen, aber zunächst sollte man diese Menschen dort abholen, wo sie sind.
Wer sagt, ein Mensch, der beispielsweise eine Depression hat, solle bei sich selbst schauen und/oder sei selbst schuld an der Situation (durch die Blume: man kann, wenn man will), der weiß einfach nicht, was eine Depression ist und stößt bei solchen Situationen wohl auch an die Grenzen der eigenen Empathie und Fähigkeit, sich in andere Menschen Hineinzuversetzen.
Bis es dazu kommt, kann man allerdings viel tun. Ein mit Leid und Seele selbstverantwortlich gelebtes Leben mit einem hohen Maß an diesem "In sich selbst Ruhen"-Faktor ;) kann meiner Ansicht nach größere Krisen im Leben weniger schlimm oder besser bewältigbar erscheinen lassen.
Ich denke, hier sollte man immer auch von sich und seinen Lebensumständen ausgehen und keinesfalls glauben, dass andere hier ähnlich zu denken und zu handeln haben.
Ein Mensch mit schweren Schicksalsschlägen (Krebserkrankung/ Tod eines Nahestehenden) wird wohl ebenfalls erst langsam lernen müssen, mit diesen Schocks umzugehen.
Insgesamt aber ein sehr hilfreicher Artikel =).
Mir gefällt der Artikel sehr gut, weil er zusammemnfasst, was man eigentlich weiß, wenn man sich mit persönlicher Weiterentwicklung befasst, aber im Alltag leider immer wieder missachtet. Jedenfalls geht es mir so.
Klar weiß ich, dass ich mich über den unfreundlichen Verkäufer oder den rücksichtslosen Autofahrer nicht ärgern muss, wenn ich es nicht will, nicht zulasse. Aber meine Reaktion ist häufig in Bruchteilen von Sekunden da, mein Denken folgt erst hinterher. Zumindest gelingt es mir immer häufiger, dann schnell wieder "auf seelisches Normalmaß" zu kommen. Ich arbeitere daran ... :)
Schwierig finde ich es allerdings, wenn man bei Freunden, Bekannten sieht, dass es ihnen offensichtlich deswegen schlecht geht, weil sie die Umstände und andere Menschen verantwortlich machen für ihre Situation. Hier bin ich immer unsicher, inwieweit man da was zu diesem Thema sagen soll? Einerseits möchte ich nicht bevormunden, zu nahe treten, andererseits will ich helfen, damit es ihnen besser geht. Für mich immer wieder eine schwierige Situation ...
An sich stimme ich Ihrem Artikel zu, nur beim Punkt sich nicht mehr zu ärgern bin ich nicht Ihrer Meinung. Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, seine Gefühle so weit zu kontrollieren, dass man sich nicht mehr ärgert. Denn ich denke, man hat Grund sich zu ärgern.
Wenn einen andere Menschen schlecht behandeln, ist es sicher gut sich zu überlegen, wie man der Situation begegnen könnte um sich davon nicht den Tag vermiesen zu lasssen, aber ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn ein Mensch dem schon fast gleichgültig gegenübertritt oder sich versucht, dazu zu bringen immer suverän und ausgeglichen zu sein. Ich denke, man verbiegt sich damit selbst und setzt Masken auf. Am Ende kommen die unterdrückten Gefühle zum Vorschein. Nur in einer anderen Form und wahrscheinlich nicht mehr zuordnenbar, was die Sache sehr viel schwerer macht.
Ich denke, es ist besser sich zu ärgern und dabei aber zu wissen, okay, ich bin frei zu reagieren und wenn ich meinem Ärger jetzt Luft machen will, dann ist das in Ordnung und berechtigt. Das macht es, denke ich, auch dem Gegenüber leichter, damit umzugehen.
Ich bin immer iritiert von Menschen, die grade unfair behandelt wurden und dann einfach lächeln. Anstatt klar zu sagen, dass sie etwas verletzt hat und das sie das nicht in Ordung finden. Man ist da, denke ich, schnell versucht, Dinge einfach zu ignorieren und wegzulächeln.
Wahrscheinlich war das gar nicht das, was Sie gemeint haben, aber ich hatte das Gefühl der Artikel ging in die Richtung und da wollte ich das los werden :-)