Vom Ich zu anderen – das Thema “Engagement”

engagement

 

Zeit zu leben ist ein Angebot, in dem es sehr viel um die Persönlichkeitsentwicklung und damit um die Beschäftigung mit der eigenen Person geht. Da aber die Auseinandersetzung mit sich selbst auch Auswirkung auf unser Sein im Zusammenhang mit anderen hat, wäre unser Ansatz nicht vollständig, wenn wir nicht auch einmal auf die Möglichkeiten eingehen, wie man außerhalb “sich selbst” aktiv werden kann.

Dieser Artikel soll vor allem eine Einleitung in das Thema “Engagement” allgemein sein und aufzeigen, welche Bedeutung es für unser Leben haben kann und wie sich das Bedürfnis danach praktisch umsetzen lässt.

Tatsächlich erwacht in sehr vielen Menschen, die sich intensiv mit sich selbst beschäftigen, früher oder später das Bedürfnis, den eigenen “Wirkungskreis” zu vergrößern – sprich in irgendeiner Weise aktiv zu werden. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums (von 1999) engagieren sich über ein Drittel der Deutschen ehrenamtlich – also rund 22 Millionen Bürger/innen über 14 Jahren.

Wir möchten diese Tendenz gerne unterstützen, weil diese Zahlen ein sehr kraftvolles Gegengewicht zum allgemeinen Frust bilden und weil wir selbst immer wieder die Erfahrung machen, dass Engagement etwas Wundervolles ist.

Gute Gründe, sich zu engagieren

Gründe, sich zu engagieren gibt es genug:

  • Es ist viel befriedigender, aktiv zu werden als ohnmächtig zu sein.
  • Man bekommt oft viel zurück.
  • Es tut gut und macht Spaß.
  • Man kann wirklich etwas bewegen, wenn man loslegt.
  • Der Kontakt zu Gleichgesinnten bereichert.
  • Wer sich engagiert, ist nicht einsam.
  • Man kann vieles nur zusammen mit anderen erreichen.
  • Ein aktives Leben ist spannender.
  • Es ist schön, etwas gegen die Behauptung zu tun, dass unsere Gesellschaft nur noch ichzentriert und selbstsüchtig ist.
  • Unser Land kann es gut gebrauchen, wenn wir alle uns mehr dafür einsetzen, dass wir hier gut, zufrieden und friedlich leben können.
  • Es schenkt Sinn, wenn man sich engagiert.
  • Es ist ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden.
  • Es macht zutiefst zufrieden, wenn man etwas erreicht hat.
  • Es steigert das Selbstbewusstsein, etwas zu tun für das, was uns wichtig ist.
  • Es baut auf, zu erkennen, wozu man alles fähig ist.
  • Es kann einem auch dabei helfen, die eigenen Probleme nicht ganz so wichtig zu nehmen.
  • Es kann regelrecht “heilend” sein, für andere da zu sein.
  • Man kann Erfahrungen sammeln – auch solche, die sich dann wieder für andere Bereiche nutzen lassen (z.B. in einem neuen Berufsfeld).
  • An Erfahrungen wächst und reift man.
  • (Soziales) Engagement macht sich gut im Lebenslauf.
  • Man kann so auch Phasen überbrücken, in denen man sonst “rumhängen” würde (z.B. Wartezeiten vor dem Studium, arbeitslose Zeiten, Überbrückungsphasen etc.).
  • Aktivität setzt ein deutliches Zeichen gegen Motzen und Miesmacherei.
  • Nichts zu tun, kostet auch Energie (z.B. durch Frust) – die kann man besser einsetzen!
  • Man kann sich generell leichter motivieren, wenn man erst einmal aktiv ist.
  • Wir können die Welt damit durchaus ein kleines bisschen besser machen.
  • Unser Engagement kann für Kinder und auch für andere Menschen ein Vorbild sein.
  • Und last but not least ist es einfach gut fürs “Karma” ;-)

Überzeugt?

Überlegen Sie doch gleich einmal, ob es Bereiche gibt, in denen Sie immer wieder an äußere Grenzen stoßen. Also Sachen, über die Sie sich ärgern oder die Sie frustrieren. Genau daraus kann nämlich der erste Schritt zum Engagement entstehen.

Nur bei sich beginnen, reicht oft nicht aus

“Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.

Laotse

In vielen Büchern zum Thema Persönlichkeitsentwicklung liest man immer wieder davon, dass man bei sich selbst anfangen muss. Ein guter Rat, der aber dann zu kurz greift, wenn man mit Umständen konfrontiert wird, die einen einengen oder blockieren. Mehr noch, es kann manchmal sogar leichter sein, erst einmal etwas im Außen zu ändern, weil das dann wiederum Folgen auf uns selbst hat.

Keine/r von uns ist eine Insel, sondern jede/r ist Teil eines Systems. Überall sind andere Menschen, die uns und unsere Lebensumstände beeinflussen. Viele Zusammenhänge und Vernetzungen sind uns nicht bewusst, aber da wo es unangenehm wird, macht es Sinn, sich klarzumachen, dass wir auch im Außen etwas bewirken können, wenn wir aktiv werden.

Beispiele

Nehmen wir an, Sie haben nie eine ruhige Minute für sich selbst. Da wirbeln die Kinder um sie herum, Freunde gehen ein und aus, alle Naselang ruft jemand an und möchte etwas von Ihnen. Von Ihren Freundinnen oder Bekannten wissen Sie, dass auch diese immer unzufriedener werden, weil sie ebenfalls nie Zeit für sich haben. Sie überlegen sich, wie man das ändern kann und regen an, reihum für zwei Stunden am Tag die Kinder der jeweils anderen zu betreuen. Diese kleine Initiative bringt für Sie alle etwas mehr Freizeit und somit Lebensqualität.

Und wie dieses sehr private Beispiel können auch andere Maßnahmen sinnvoll sein, um die eigene Zufriedenheit zu steigern, wie z.B.:

  • In Ihrer Abteilung herrscht ein mieses Arbeitsklima. Sie haben versucht, das durch eine eigene positive Ausstrahlung zu verändern, aber ohne Erfolg. Sie merken, dass Sie die Stimmung immer öfter auch selbst runterzieht. Hier scheint eine Aktion “im Außen” notwendig.
  • In Ihrer Straße wird es zunehmend schmutziger. Überall liegt Müll herum, der Spielplatz verkommt, die Hundehäufchen werden immer mehr. Wenn Sie hier aktiv werden wollen, reicht es sehr wahrscheinlich nicht aus, “nur vor der eigenen Tür zu kehren” – hier kann es angeraten sein, das Problem etwas umfassender anzugehen.
  • Sie sehen im Fernsehen immer wieder Berichte darüber, wie viele Tierarten aussterben. Das deprimiert Sie. Bevor Sie hier nun Ihre Energie in Ohnmacht investieren, könnten Sie überlegen, aktiv zu werden und sich für den Erhalt der Arten einzusetzen.
  • Sie ärgern sich regelmäßig über die Politik in diesem Land. Diese Energie könnten Sie auch dafür nutzen, selbst politisch aktiv zu werden.
  • Usw.

Wer sich engagiert, tut etwas gegen seine Ohnmacht und auch wenn nicht alle Aktivitäten erfolgreich sein mögen, so erhalten wir etwas ganz Wichtiges durch unser Engagement – und das ist Sinn.

( In eigener Sache: Bereits über 140.000 Menschen haben unseren wöchentlichen, kostenlosen Newsletter abonniert. Und Sie? )

Das Bedürfnis nach Sinn

Das, was Sinn für unser Leben bedeutet, wird leider oft unterschätzt und so ist manches Leben sinnleer. Aber die gute Nachricht ist: genau das lässt sich ändern!

Sinn schenkt Zufriedenheit. Folgendes Zitat bringt das sehr gut auf den Punkt:

“Derjenige, der ein WARUM zum Leben hat, kann fast jedes WIE ertragen.”

Friedrich Nietzsche

Es gibt sogar eine ganze Therapierichtung, die das Phänomen “Sinn” im Zentrum hat, nämlich die so genannte “Logotherapie”.

Exkurs: Ein Ausflug in die Logotherapie

Begründet wurde die Logotherapie von Viktor E. Frankl (1905-1997). Er sah den Menschen vor allem auch als ein “geistiges Wesen”, dem es ein Grundbedürfnis ist, ein sinnvolles Leben zu führen. Fehlt der Sinn, so kommt es zu psychischen Störungen und Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, Neurosen oder ähnlichem.

Viktor E. Frankl machte als Insasse eines KZs die Erfahrung, dass Menschen, die einen Sinn in ihrem Leben gefunden hatten (der selbst unter diesen lebensfeindlichen Umständen Bestand hatte), Leid, Schmerz und Furcht besser ertragen konnten, als solche, die aufgaben. Sinn ist für ihn ein zentraler Lebensantrieb.

Heilung setzt nach der Logotherapie dort an, Klienten dabei zu unterstützen, wieder Sinn im eigenen Tun und im Leben zu finden – und das weniger philosophisch als vielmehr ganz praktisch. Für den einen kann ein solcher Sinn darin bestehen, sich um ein Tier zu kümmern, ein anderer engagiert sich ehrenamtlich und wieder eine anderer beginnt die Kinder in der Umgebung zu betreuen.

Entscheidend ist, dass wir uns den uns offenbar innewohnenden “Willen zum Sinn” nicht durch gesellschaftliche Bedingungen frustrieren lassen. Die Folge davon ist ein schmerzliches “Sinnlosigkeitsgefühl”. Dem ist mit einer ganz konkreten Suche danach, was dem eigenen Leben Sinn geben kann, entgegen zu wirken.

Frisch motiviert ans Werk

Nach all den hoffentlich auch Sie motivierenden Gründen für ein Engagement, folgen hier nur eine Reihe konkreter Tipps, wie Sie Ihren Wunsch nach Aktivität umsetzen können.

Nächste Seite »

Wie finden Sie den Beitrag?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1)
Loading ... Loading ...

Kommentare

Alexandra schreibt am 22. März 2012

Im Grunde stimme ich dem zu. Aber und jetzt muss ich von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Ich habe mich jahrelang ehrenamtlich in einem Nationalpark engagiert, d.h. an Sitzungen teilgenommen, Protokolle geschrieben, Wege abgegangen um zu schaun, wo was los ist bis hin als Mitautorin an einem Buch zu schreiben. Wir haben damals alle einvernehmlich, da zuviele Autoren, auf Gewinn verzichtet und das quasi gespendet. Was für mich auch nach wie vor OK war. Allerdings habe ich mich dort so dermaßen eingebracht, fast jede freie Minute, ich habe den kleinen Finger gereicht genommen wurde die ganze Hand. Das liegt natürlich auch an mir, eine Grenze zu ziehen. Doch wo fängt man da an, wann fängt man an. Als ich mal nicht da war, da mal wohlverdienterweise in Urlaub hat man kurzerhand eine Exkursion terminlich umgelegt, die ich hätte mir organisieren und leiten sollen. Erfahren habe ich das dann ehr zufällig. Und als ich reklamierte und meinte, dass müsse man aber mit mir abstimmen und man könnte nicht einfach einen Terminfestmachen. da hieß es zum einen, du warst ja nicht da und du kannst ja immer. Uppps, da war wohl gerade das Faß übergelaufen, ich in meinen Kalender geschaut und gesagt, nö, da kann ich nicht. Das ging dann dreisterweise soweit, dass ich mich rechtfertigen sollte, was ich den da vorhabe und ich könnte doch den Termin absagen bzw. verschieben bis hin zu dem Versuch in meinen Kalender zu schaun. SO!!!!!! Bis hierher. Konsequenz, totaler Rückzug Meinerseits. Dann eine Entschuldigung und Aussprache mit dem Vorsitzenden. Ich dann klar gesagt, ich schreibe erstmal kein Protokoll mehr und mache erstmal nur noch dies und jenes und nicht mehr. Ergebnis, das Interesse an mir und meiner ehrenamtlichen Tätigkeit wurde mit Füßen getreten. Soviel dazu. Bisher habe ich mich was Ehrenamt angeht sehr zurückgehalten und sage von vornherein was ich mache. Allerdings merkt man dann sofort, dass sie das nicht gut finden. Wenn es um verdreckte Hundespielplätze oder Rasenstücke geht, braucht man mehr Unterstützung, die man meist nicht bekommt. Dieses Jahr wage ich nochmal ein Experiment, wir wohnen auch gleich neben einen solchen tollen Hundewiese. Ich habe Samen gestreut, Wildblumen, Sonnenblumen etc. und bin mal gespannt, was passiert. Ob eine Reaktion kommt. Die Wiese säh um einiges besser aus. Sobald die ersten Blumen kommen will ich ein Schild aufstellen, dass die Stadt es bitte nicht mähen soll, da bin ich am meisten drauf gespannt. Sollte das nicht funktionieren, werde ich da auch nix mehr machen. Wenn man gegen Wände läuft, habe ich dazu keine Lust mehr. Meine Erfahrung diesbezüglich also ehr verhalten. Eigentlich sehr Schade :-(!

Alexander Beck schreibt am 22. März 2012

hehe… ja genau. Engagement bringt gute “Karmapunkte”. Vorausgesetzt man engagiert sich auf Basis der Integrität – doch davon gehe ich mal aus :)
So wichtig ich Engagement auch finde. Ich denke wir verändern die Welt nicht nur durch das was wir tun oder sagen, sondern auch dadurch zu wem wir durch persönliche Weiterentwicklung geworden sind. Das strahlt man schon auf einer gewissen Ebene aus.

Denny schreibt am 24. März 2012

Engagement an sichist natürlich gut aus vielen, der oben aufgelisteten Gründen
Doch es lohnt sich nur wenn man das im richtigen Bereich macht, dort wo man Inspiration findet! – Einfach so Zeit zu investieren macht keinen Sinn

“Derjenige, der ein WARUM zum Leben hat, kann fast jedes WIE ertragen.” –> das ist SEHR GUT!

Danke