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Vom Ich zu anderen - das Thema "Engagement"

Von Tania Konnerth

Zeit zu leben ist ein Angebot, in dem es sehr viel um die Persönlichkeitsentwicklung und damit um die Beschäftigung mit der eigenen Person geht. Da aber die Auseinandersetzung mit sich selbst auch Auswirkung auf unser Sein im Zusammenhang mit anderen hat, wäre unser Ansatz nicht vollständig, wenn wir nicht auch einmal auf die Möglichkeiten eingehen, wie man außerhalb “sich selbst” aktiv werden kann.

Dieser Artikel soll vor allem eine Einleitung in das Thema “Engagement” allgemein sein und aufzeigen, welche Bedeutung es für unser Leben haben kann und wie sich das Bedürfnis danach praktisch umsetzen lässt.

Tatsächlich erwacht in sehr vielen Menschen, die sich intensiv mit sich selbst beschäftigen, früher oder später das Bedürfnis, den eigenen “Wirkungskreis” zu vergrößern – sprich in irgendeiner Weise aktiv zu werden. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums (von 1999) engagieren sich über ein Drittel der Deutschen ehrenamtlich – also rund 22 Millionen Bürger/innen über 14 Jahren.

Wir möchten diese Tendenz gerne unterstützen, weil diese Zahlen ein sehr kraftvolles Gegengewicht zum allgemeinen Frust bilden und weil wir selbst immer wieder die Erfahrung machen, dass Engagement etwas Wundervolles ist.

Gute Gründe, sich zu engagieren

Gründe, sich zu engagieren gibt es genug:

Überzeugt?

Überlegen Sie doch gleich einmal, ob es Bereiche gibt, in denen Sie immer wieder an äußere Grenzen stoßen. Also Sachen, über die Sie sich ärgern oder die Sie frustrieren. Genau daraus kann nämlich der erste Schritt zum Engagement entstehen.

Nur bei sich beginnen, reicht oft nicht aus

“Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.

Laotse

In vielen Büchern zum Thema Persönlichkeitsentwicklung liest man immer wieder davon, dass man bei sich selbst anfangen muss. Ein guter Rat, der aber dann zu kurz greift, wenn man mit Umständen konfrontiert wird, die einen einengen oder blockieren. Mehr noch, es kann manchmal sogar leichter sein, erst einmal etwas im Außen zu ändern, weil das dann wiederum Folgen auf uns selbst hat.

Keine/r von uns ist eine Insel, sondern jede/r ist Teil eines Systems. Überall sind andere Menschen, die uns und unsere Lebensumstände beeinflussen. Viele Zusammenhänge und Vernetzungen sind uns nicht bewusst, aber da wo es unangenehm wird, macht es Sinn, sich klarzumachen, dass wir auch im Außen etwas bewirken können, wenn wir aktiv werden.

Beispiele

Nehmen wir an, Sie haben nie eine ruhige Minute für sich selbst. Da wirbeln die Kinder um sie herum, Freunde gehen ein und aus, alle Naselang ruft jemand an und möchte etwas von Ihnen. Von Ihren Freundinnen oder Bekannten wissen Sie, dass auch diese immer unzufriedener werden, weil sie ebenfalls nie Zeit für sich haben. Sie überlegen sich, wie man das ändern kann und regen an, reihum für zwei Stunden am Tag die Kinder der jeweils anderen zu betreuen. Diese kleine Initiative bringt für Sie alle etwas mehr Freizeit und somit Lebensqualität.

Und wie dieses sehr private Beispiel können auch andere Maßnahmen sinnvoll sein, um die eigene Zufriedenheit zu steigern, wie z.B.:

Wer sich engagiert, tut etwas gegen seine Ohnmacht und auch wenn nicht alle Aktivitäten erfolgreich sein mögen, so erhalten wir etwas ganz Wichtiges durch unser Engagement – und das ist Sinn.

Das Bedürfnis nach Sinn

Das, was Sinn für unser Leben bedeutet, wird leider oft unterschätzt und so ist manches Leben sinnleer. Aber die gute Nachricht ist: genau das lässt sich ändern!

Sinn schenkt Zufriedenheit. Folgendes Zitat bringt das sehr gut auf den Punkt:

“Derjenige, der ein WARUM zum Leben hat, kann fast jedes WIE ertragen.”

Friedrich Nietzsche

Es gibt sogar eine ganze Therapierichtung, die das Phänomen “Sinn” im Zentrum hat, nämlich die so genannte “Logotherapie”.

Exkurs: Ein Ausflug in die Logotherapie

Begründet wurde die Logotherapie von Viktor E. Frankl (1905-1997). Er sah den Menschen vor allem auch als ein “geistiges Wesen”, dem es ein Grundbedürfnis ist, ein sinnvolles Leben zu führen. Fehlt der Sinn, so kommt es zu psychischen Störungen und Erkrankungen, wie z.B. Depressionen, Neurosen oder ähnlichem.

Viktor E. Frankl machte als Insasse eines KZs die Erfahrung, dass Menschen, die einen Sinn in ihrem Leben gefunden hatten (der selbst unter diesen lebensfeindlichen Umständen Bestand hatte), Leid, Schmerz und Furcht besser ertragen konnten, als solche, die aufgaben. Sinn ist für ihn ein zentraler Lebensantrieb.

Heilung setzt nach der Logotherapie dort an, Klienten dabei zu unterstützen, wieder Sinn im eigenen Tun und im Leben zu finden – und das weniger philosophisch als vielmehr ganz praktisch. Für den einen kann ein solcher Sinn darin bestehen, sich um ein Tier zu kümmern, ein anderer engagiert sich ehrenamtlich und wieder eine anderer beginnt die Kinder in der Umgebung zu betreuen.

Entscheidend ist, dass wir uns den uns offenbar innewohnenden “Willen zum Sinn” nicht durch gesellschaftliche Bedingungen frustrieren lassen. Die Folge davon ist ein schmerzliches “Sinnlosigkeitsgefühl”. Dem ist mit einer ganz konkreten Suche danach, was dem eigenen Leben Sinn geben kann, entgegen zu wirken.

Frisch motiviert ans Werk

Nach all den hoffentlich auch Sie motivierenden Gründen für ein Engagement, folgen hier nur eine Reihe konkreter Tipps, wie Sie Ihren Wunsch nach Aktivität umsetzen können.