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Denk-ABC zum Thema "Angst" - Teil 1

Von Ralf Senftleben

Wichtiger Hinweis!

Die folgenden Ausführungen sind als reine Denkanstöße gemeint und stellen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Phobieforschung dar. Wenn Sie unter einer ernsten Angststörung leiden, empfehlen wir Ihnen, auf jeden Fall die fachliche Hilfe eines guten Therapeuten in Anspruch zu nehmen.

Praktische Tipps klingen für Menschen, die unter Ängsten leiden, oft wie ein Hohn. Schnell fühlt man sich bei guten Ratschlägen unverstanden. Wenn man das könnte, was einem da empfohlen wird, würde man es ja tun!

Statt solcher praktischen Tipps möchten wir Ihnen mit diesem Artikel vor allem Denkanstöße bieten. Sie finden ganz verschiedene Einzelaspekte zum Thema Angst und jeweils ganz konkrete Denkanstöße, mit denen Sie für sich weiterarbeiten können.

A wie Angst

Angst hat viele Gesichter. Zwischen einem mulmigen Gefühl und schierer Panik gibt es alle erdenklichen Facetten und Abstufungen.

Fest steht: Angst hat jeder Mensch. Angst kann eine leichte bis starke Unsicherheit auslösen, aber Angst kann auch quälende und krankmachende Züge annehmen.

Wenn Angst für Sie ein Thema ist, dann finden Sie hier und im Folgenden viele Möglichkeiten, sich damit einmal ausführlich zu befassen.

Zum Weiterdenken:

B wie Berührungsängste

Gewisse Berührungsängste haben wir wohl alle. Meistens geht es um Dinge, die wir nicht kennen und die uns (noch) unheimlich sind. Es geht um die Angst vor dem Unbekannten. Wenn wir diese Dinge erst einmal kennen gelernt haben, verlieren wir unsere Berührungsängste meist schnell – ja, manchmal können freunden wir uns mit dem erst so Bedrohlichen an.

Es ist sehr oft die Angst davor, mit einer Situation oder Sache nicht umgehen zu können, also eine Angst vor Peinlichkeit oder nicht den eigenen Ansprüchen zu genügen, die Berührungsängste auslöst. Wenn wir z.B. in eine Gruppe von unbekannten Menschen kommen, haben wir fast alle Berührungsängste – man kennt die anderen nicht, will erst einmal abwarten, will sich keine Blöße geben. Wenn Berührungsängste zu stark werden, verlieren wir damit die Möglichkeit, uns auf Neues einzulassen.

Zum Weiterdenken:

C wie Chaos

Wir empfinden instinktiv Angst, wenn unsere ganz persönliche Ordnung aus den Fugen gerät oder zu geraten droht. Aus den Fugen kann unsere Welt durch ganz verschiedene Ereignisse geraten, wie z.B.:

All diese und ähnliche Ereignisse stürzen uns in ein Chaos und Chaos kann sehr bedrohlich sein. Manche Ereignisse können uns sogar so stark belasten, dass wir daraus eine kurzfristige oder auch dauerhafte Angststörungen entwickeln.

Nun ist es leider so, dass Ordnung immer nur ein vorrübergehender Zustand ist. Leben heißt Veränderung und wenn sich Dinge verändern, geraten sie oft auch durcheinander. Wir sind also gefordert, mit einem gewissen Chaos leben zu lernen.

Zum Weiterdenken:


D wie Dunkelheit

Vor der Dunkelheit haben nicht nur viele Kinder Angst, sondern auch Erwachsene. In harmloseren Fällen geht man mit einem mulmigen Gefühl in den Keller oder vermeidet Spaziergänge zu später Stunde. In ernsten Fällen kann die Angst vor der Dunkelheit aber auch zu einer richtigen Phobie werden.

Tatsächlich hat die Dunkelheit ein bisschen etwas Unheimliches: Wir können weniger sehen, uns weniger orientieren und so fühlen wir uns auch weniger sicher.

Darüber hinaus kann die Dunkelheit aber auch symbolhaft für Dinge stehen, mit denen wir uns nicht beschäftigen wollen – oder, wie man auch sagt, die wir “verdrängen”. Hin und wieder macht es aber Sinn, auch mal in die dunklen Ecken zu schauen, denn nur so können wir erkennen, dass dort gar keine schrecklichen Monster sind.

Zum Weiterdenken:

E wie Enge

Von seiner Wortbedeutung her kommt “Angst” von dem lateinischen Begriff “angustus”, was soviel wie “eng” bedeutet. Und als Enge oder Beklemmung empfinden wir dann auch oft unsere Angst.

Enge bedeutet, keinen Ausweg zu haben, sich nicht bewegen zu können, festzustecken. Man sagt auch, dass jemand sich in die Enge getrieben fühlt – und das ist ein sehr unangenehmes Gefühl.

Wer Angst hat, neigt dazu, sich einzuigeln. So wird der Erfahrens- und Lebenshorizont immer kleiner – und enger. Ein Teufelskreis setzt ein. Um den durchbrechen zu können, ist es wichtig, wieder Stück für Stück für eine Erweiterung zu sorgen – in unseren Gedanken, in unseren Erfahrungen, in unserem Leben.

Zum Weiterdenken:

F wie Fokus

Wenn wir Angst haben, dann sind wir wie das Kaninchen vor der Schlange. Völlig gelähmt starren wir auf die Gefahr (real, aber auch bildlich gesprochen).

Das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken, gewinnt an Bedeutung – wird also größer (auch wieder real und bildlich gesprochen). Es füllt bald unser gesamtes Sicht- und Wahrnehmungsfeld aus, so dass es nur noch das angstmachende Element gibt.

Tatsächlich aber, gibt es immer noch die Welt darum herum. Indem wir lernen, unseren Fokus nicht spitz nur auf das angstauslösende Objekt zu richten, sondern auch wenigstens kleine Teile der Umgebung wahrzunehmen, können wir uns ein bisschen aus unserer Angststarre lösen.

Zum Weiterdenken:

G wie Geborgenheit

Wenn wir uns geborgen fühlen, haben wir weniger Angst oder können uns der Angst leichter stellen. Innerhalb einer geborgenen Atmosphäre können Kinder und auch Erwachsene leichter Mut und innere Stärke entwickeln.

Geborgenheit suchen wir vor allem bei unserem/r Partner/in. Manchmal kann aber der andere durch unser Bedürfnis nach Halt überfordert werden. Auch wenn wir verlassen werden oder keinen Partner haben, geht es darum, dafür zu sorgen, trotzdem Geborgenheit zu finden – z.B. in dem wir uns Gleichgesinnten anschließen. Es ist gut, gerade in der Angst, nicht allein zu sein.

In letzter Konsequenz müssen wir aber selbst innerlich bereit sein, Geborgenheit erleben zu können. Wir müssen sie uns erlauben, sie uns zugestehen und bereit sein, etwas dafür zu tun. Dazu gehört, sich manchmal einzugestehen, schwach zu sein und dazu gehört auch, selbst etwas zu geben.

Zum Weiterdenken:

H wie Hilfe

Angst ist zunächst ein ganz normales und grundsätzlich auch ein sehr sinnvolles Gefühl. Ohne Angst würden wir uns zu leicht in allerlei Gefahrensituationen begeben. Unsere Angst bewahrt uns also vor vielen schlimmen Dingen. Aber wie alles andere auch wird unsere Angst dann kritisch, wenn sie zu stark wird.

Bei stärkeren und vor allem massiven Angststörungen ist es ratsam, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Immer noch scheuen viele Menschen diesen Weg, weil sie befürchten, als “verrückt” angesehen zu werden. Wer aber spürt, allein nicht weiterzukommen, ist nicht krank, sondern braucht einfach Hilfe. Und Hilfe braucht jeder mal.

Zum Weiterdenken: