Denk-ABC zum Thema "Angst" - Teil 2
Hier kommt Teil 2 unseres Denk-ABCs zum Thema “Angst”.
I wie Innere Sicherheit
Als Kinder waren wir in hohem Maß abhängig von anderen Menschen. Als Säuglinge noch vollständig, aber mit zunehmenden Alter wurden wir selbstständiger und damit auch unabhängiger. Mit der zunehmenden Selbstständigkeit bildet sich dann auch das in uns, was man als “innere Sicherheit” bezeichnen kann.
Innere Sicherheit – das ist im Idealfall die Gewissheit, dass wir selbst für uns sorgen können und dass, was immer auch passieren wird, es einen Weg geben wird, wie es weitergeht.
Gerade bei ängstlichen Menschen ist das Gefühl der inneren Sicherheit aber oft wenig ausgeprägt bzw. verkümmert. Es ist sehr hilfreich, sich einmal ganz bewusst mit dem Thema “innere Sicherheit” zu befassen, denn indem wir lernen, dieses Gefühl zu entwickeln, werden uns auch beängstigende Momente immer weniger hilflos sein lassen.
Zum Weiterdenken:
- In welchen Situationen in meinem Leben habe ich ein Gefühl von innerer Sicherheit gespürt?
- Auf einer Skala von 1 für “nicht vorhanden” bis 10 für “perfekt” wo würde ich meine momentane innere Sicherheit einschätzen?
- Was für ein Symbol, eine Erinnerung oder Metapher könnte für meine innere Sicherheit stehen, woran ich denken kann, wenn ich mich schwach fühle?
- Was macht es mir schwer, mich innerlich sicher zu fühlen?
- Was kann ich heute tun, um 5% mehr innerer Sicherheit zu gewinnen?
J wie Ja
Die meisten Menschen kämpfen gegen ihre Angst an, sehen sie als Feind, als Quälgeist, ja sogar als Folterknecht. Sehr oft aber könnte sich die Situation durch folgende zwei Buchstaben ändern: “Ja”.
Das kleine Wörtchen “ja” ist eines der kraftvollsten, das es gibt! Wenn Sie Ihre Angst hassen und bekämpfen, dann hassen und bekämpfen Sie damit einen Teil in sich selbst. Wenn Sie Ihre Angst annehmen können und “ja” sagen, dann nehmen Sie diesen Teil in sich an und sagen zu sich selbst “ja”.
So abstrus das vielleicht klingen mag, weil Sie ja die Angst weghaben wollen, aber durch dieses “ja” wird die Angst kleiner werden.
Zum Weiterdenken:
- Meine Assoziationen zu dem Wort “ja”: …
- Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn ich öfter “ja” zu meiner Angst sagen würde?
- Ob es mir möglich wäre, vielleicht zunächst nur zu 5% “ja” zu meiner Angst zu sagen?
- Würde es vielleicht etwas bringen, wenn ich statt “nein”, zuerst “vielleicht” sage?
K wie Körperreaktionen
Unsere Angst können wir auch körperlich spüren:
- Wir bekommen ein mulmiges Gefühl im Magen,
- unsere Knie werden weich,
- vielleicht zittern wir,
- unsere Stimme kann versagen,
- uns der Schweiß ausbrechen,
- unsere Atmung wird immer schneller und flacher und trotzdem haben wir das Gefühl, kaum Luft zu bekommen,
- uns kann schwindelig werden,
- die Fähigkeit, klar zu denken, wird blockiert
- u.ä.
Diese körperlichen Reaktionen setzen oft reflexartig ein, so dass wir zunächst nicht allzu viel tun können. Aber sowie wir uns unserer Angst bewusst werden, können wir mit kleinen und einfachen Dingen der Angstreaktion entgegensteuern, wie z.B. tief durchzuatmen, uns zu bewegen u.ä.
Zum Weiterdenken:
- Wie könnte ich mich selbst daran erinnern, in einer Angstsituation einige Male tief durchzuatmen?
- Welche Bewegungsmethoden (oder auch Körpertherapien) könnten mir gut tun? Wo könnte ich z.B. Atemtechniken oder die Bioenergetik erlernen?
- Was könnte mir sonst noch alles körperlich gut tun, wenn ich Angst habe?
L wie Loslassen
Angst bekommen wir oft dann, wenn wir das Gefühl haben, über eine Situation keine Kontrolle zu haben.
Aber wenn wir mal ehrlich sind, dann haben wir sowieso nur über ganz wenige Dinge wirklich Kontrolle. Wir versuchen Dinge festzuhalten, die man nicht festhalten kann.
Was hier hilft, ist loslassen, loslassen und noch mal loslassen.
Zum Weiterdenken:
- Was fällt mir spontan zum Thema “Loslassen” ein?
- Über was in meinem Leben habe ich wirkliche und 100%-ige Kontrolle?
- Was würde passieren, wenn ich mehr Dinge mit einem Lächeln loslassen könnte?
- In welchen Bereichen kann ich das Loslassen üben?
M wie Mut
Als Gegenteil von Angst gilt Mut. Aber was ist Mut eigentlich? Mut hat genauso viele Gesichter wie die Angst. Mutig kann es sein, sich einer Gefahr zu stellen. Mut beweist aber auch, wer eine Angst zugeben kann. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Sprung vom 3-Meter-Brett im Schwimmunterricht. Die ganze Schulklasse steht unten und johlt. Wer dort oben ist, seine Angst eingesteht und die Treppe heruntersteigt, zeigt eine andere Art von Mut als die wir normalhin kennen.
Mut ist also nicht das Gegenteil von Angst. Aber Mut ist eine enorme Kraftquelle, um uns der Angst zu stellen.
Zum Weiterdenken:
- Wo bin ich schon einmal mutig gewesen?
- Wo würde ich gerne mutiger sein?
- Was könnte ich tun, um meinen Mut öfter zu spüren?
- Welches Symbol oder welche Metapher könnte mich in Kontakt mit meinem Mut bringen?
- Wann wäre ich richtig mutig?
N wie Nutzen
Ein Punkt der oft übersehen wird, ist der Nutzen, den wir von unserer Angst haben. Vielleicht reagieren Sie jetzt ganz erstaunt oder sogar etwas verärgert? Sie leiden schließlich unter Ihrer Angst – wie kann ich da von “Nutzen” schreiben?
Tatsächlich aber haben wir von unserer Angst, so schlimm sie auch sein mag, einen oder sogar mehrere so genannter “Sekundärnutzen”. Wir bekommen auch etwas dafür, sonst würden wir die Situation ändern.
Als ängstliche Menschen bekommen wir zum Beispiel oft:
- Aufmerksamkeit,
- Fürsorge,
- eine Entschuldigung, etwas nicht tun zu müssen,
- die Möglichkeit zu Aus- oder Schonzeiten
- u.ä.
Wenn wir nun versuchen, unsere Angst zu überwinden, dann kann es sein, dass wir es unbewusst gar nicht wollen, weil sie ja eben auch einen Nutzen hat. Sich klar darüber zu werden, was uns unsere Angst bringt, ermöglicht es uns, für diese Sachen auf eine bessere Art zu sorgen, so dass es leichter wird, die Angst loszulassen.
Zum Weiterdenken:
- Was könnte ich von meiner Angst haben?
- Was könnte sie mir für einen Nutzen bringen?
- Wie könnte ich diesen Nutzen auf anderen Wegen erreichen, mit denen es mir besser geht?
O wie Ohnmacht
Angst kann uns in eine Starre versetzen. Wir fühlen uns ohnmächtig und sind unfähig, etwas zu tun. Durch das Gefühl der Ohnmacht und des Gelähmtseins wird unser Angstgefühl noch schlimmer, denn zu spüren, dass wir nichts tun können, ist zusätzlich beängstigend.
Diesen Teufelskreislauf gilt es zu unterbrechen. Ein Ansatz könnte sein, eine winzig-kleine Aktivität zu machen.
Zum Weiterdenken:
- Welche aktive Handlung – so winzig sie auch immer sein mag – könnte ich das nächste Mal machen, wenn ich Angst habe?
- Wie könnte ich mich an diese winzige, aktive Handlung erinnern, damit ich sie nicht vergesse?
- Womit belohne ich mich, wenn ich diese kleine aktive Handlung geschafft habe?
P wie Panik(attacke)
Die Steigerung von Angst ist Panik. Hier verlieren wir vollkommen die Kontrolle über uns. Wir sind komplett gelähmt oder schreien, weil wir uns nicht anders zu helfen wissen.
Menschen mit einer Angststörung kann eine Panikattacke ohne ersichtlichen Grund überfallen. Wenn das passiert, dann kommt zu der Angst oft auch noch die Angst vor der unerwarteten Angst hinzu. Wieder entsteht ein Teufelskreis. Bei solchen massiven Angststörungen ist grundsätzlich therapeutische Hilfe zu empfehlen.
Zum Weiterdenken:
- War ich schon mal richtig in Panik? Was hat das mit mir gemacht?
- Was bedeutet Panik für mich persönlich?
- Wozu könnte Panik gut sein?
- Gibt es Dinge, die ich tun kann, um eine Panikattacke im Vorfeld zu vermeiden? Welche sind das?
- An wen kann ich mich in einer akuten Panik-Attacke wenden? Wo finde ich Hilfe?
Q wie Qualität
Kennen Sie den Begriff “Lebensqualität”? Lebensqualität ist ein Ausdruck dafür, dass wir unser Leben so gestalten, dass wir es genießen können. Dass wir glücklich sind, zufrieden und dankbar, mit dem was wir haben und dass wir wissen, was wir gerne noch erreichen möchten und das angehen.
Für Menschen, die unter massiver Angst leiden, hat das Leben oft kaum noch Qualität. Es wird vielmehr zur Qual. Hier gilt es hinzuschauen, dass wir oft bereit sind, unendliche Qualen zu ertragen, bevor wir z.B. Hilfe annehmen oder etwas in unserem Leben verändern. Sie können Ihre Lebensqualität aber nur steigern, wenn Sie etwas für sich tun. Angst geht nicht von allein weg.
Zum Weiterdenken:
- Welche Qualität hat mein Leben jetzt?
- Wie würde ich mir mein Leben wünschen?
- Will ich zulassen, dass weiterhin durch meine Angst leide?
- Was könnte es mir ermöglichen, für mich zu sorgen und mein Leben in die Hand zu nehmen?
- Wo kann ich Hilfe finden, um meine Lebensqualität Schritt für Schritt zu steigern?




