Übungen für alle Sinne: ein 5-Tage-Programm - Teil 2
Hier folgen die nächsten drei Tage unseres Programmes.
3. Tag: Schmecken
Heute geht es um alles, was unseren Gaumen kitzelt. Essen ist für viele ein vertrauter Genuss. Aber wirklich bewusst erleben wir unseren Geschmackssinn eher selten. Hier finden Sie Übungen, mit denen Sie einmal ganz bewusst auf Ihren Geschmackssinn achten können:
Tipp
Beim Schmecken gehen viele nach dem Motto “mehr hilft mehr” vor. Wir salzen und würzen kräftig nach, um so süßer um so besser und je schärfer, desto lieber. Hier kann es sinnvoll sein, sich einmal durch ganz bewussten Verzicht von Würz- oder Süßmitteln wieder neu für eine feinere Geschmackswahrnehmung zu sensibilisieren. Wer z.B. fastet, spricht danach oft von ganz besonderen Geschmackserlebnissen.
- Was essen Sie am liebsten? Denken Sie jetzt an Ihre Lieblingsspeise und holen Sie sich den Geschmack auf die Zunge. Wie intensiv können Sie ihn wahrnehmen? Kleiner Tipp: denken Sie daran, wie die Speise riecht. Diese kleine Übung können Sie auch vor Ihrer Mahlzeit machen. Wenn der Teller auf dem Tisch steht, schließen Sie kurz die Augen und erleben den Geschmack in Ihrer Vorstellung.
- Trinken Sie einmal ganz achtsam ein Glas Wasser. Wasser ist nicht ohne Geschmack – wir müssen ihn nur wahrnehmen. Ein Glas Wasser kann tatsächlich zu einem Geschmackserlebnis werden.
- Lernen Sie ungewöhnliche Gewürze kennen. Welche mögen Sie? Welche nicht?
- Gehen Sie heute in ein Restaurant, das eine Küche bietet, die Sie noch nicht kennen, wie z.B. in ein pakistanisches oder zum Thailänder. Wählen Sie ein Menü, in dem Sie viele verschiedene Dinge kosten können und erleben Sie die ungewohnten Geschmackserlebnisse ganz bewusst. Kauen Sie sehr langsam und bewegen Sie die Nahrung in Ihrem Mund, damit sich der Geschmack voll entfalten kann.
- Verbinden Sie Ihre Augen und lassen Sie sich von jemandem mit verschiedenen Speisen füttern, ohne das Sie wissen, was Ihnen angeboten wird. Nehmen Sie wahr, wie ungewohnt selbst bekannte Speisen wirken, wenn Sie sie vorher nicht sehen.
Fassen Sie am Ende Ihren Tag zusammen. Schreiben Sie auf, wie es Ihnen mit Ihrem Schmeck-Tag ergangen ist. Was war anders als sonst? Was haben Sie entdeckt? Was haben Sie genossen? Was war schwierig?
Kreativitäts-Tipp: Können Sie verschiedene Geschmackserlebnisse so beschreiben oder darstellen, dass andere erkennen können, um welchen Geschmack es geht? Am einfachsten ist es natürlich, einen Text dazu zu schreiben, aber vielleicht können Sie einen Geschmack auch als Bild oder als Melodie ausdrücken?
4. Tag: Riechen
Tipp
Weil der Riechsinn von den meisten von uns gar nicht bewusst wahrgenommen wird, ist der heutige Tag sicher spannend. Auch hier wissen wir oft erst, was wir daran haben, wenn wir es verlieren. Menschen, die krankheitsbedingt auf das Riechen verzichten müssen, verlieren oft den Spaß am Essen, denn das Riechen spielt für unseren Geschmack eine große Rolle. Essen Sie einmal etwas mit zugehaltener Nase!
Heute stehen Geruchs-Reize im Vordergrund. Gerüche nehmen wir bewusst oft nur wahr, wenn sie besonders angenehm oder besonders unangenehm sind. Konzentrieren Sie sich heute immer wieder darauf, zu riechen, auch wenn es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Die folgenden Übungen helfen Ihnen dabei:
- Riechen Sie heute ganz intensiv an der Nahrung, die Sie zu sich nehmen und an den Getränken, die Sie trinken. Was löst das in Ihnen und in Ihrem Körper aus?
- Gehen Sie spazieren und zwar sowohl in der Stadt als auch im Wald. Nehmen Sie alle Gerüche, die Sie finden, wahr und registrieren Sie Unterschiede. Riechen Sie an Hauswänden, in U-Bahnschächten und Straßenzügen. Schnuppern Sie an Bäumen, Pilzen und Pflanzen.
- Gerüche sind starke Erkennungszeichen. Sie erkennen eine Person oft an ihrem Parfüm, noch bevor Sie sie sehen. Viele Geschäfte haben einen ganz eigenen Geruch, z.B. ein Kaffee-Geschäft oder eine Esoterikbuchhandlung. Auch so große Dinge wie z.B. Büroabteilungen, Stadtviertel oder Jahreszeiten haben ihren ganz eigenen Geruch. Suchen Sie nach solchen Erkennungsgerüchen.
- Sicher kennen Sie auch Gerüche, die Sie sofort in eine alte Erinnerung zurückversetzen? Ein Parfüm? Der Duft einer Blume oder eines Baumes? Vielleicht finden Sie heute einen solchen Duftstoff, mit dem Sie sich auf eine Kurzreise in vergangene Zeiten versetzen können.
- Machen Sie einen Abstecher in eine Parfümabteilung und schnuppern Sie an verschiedenen Proben. Bitten Sie die Verkäuferin um exotische und ungewöhnliche Düfte. Nach 3 bis 5 Parfüms ist die Übung jedoch zu Ende, denn dann stumpft Ihre Nase ab.
- Lassen Sie sich von einer Person die Augen verbinden und bitten sie ihn oder sie dann, Ihnen 3 bis 5 Duftstoffe vorzusetzen. Das können z.B. Nahrungsmittel sein, Gewürze und Obst oder auch ätherische Öle (Vorsicht, diese sind sehr intensiv; hier sollte immer nur ein Tropfen auf ein Blatt gegeben werden), Kosmetika oder anderes. Es darf auch ruhig mal ein unangenehmer Geruch dazwischen sein. Lassen Sie sich auf die Duftüberraschungen ein.
Fassen Sie am Ende Ihren Tag zusammen. Schreiben Sie auf, wie es Ihnen mit Ihrem Riech-Tag ergangen ist. Was war anders als sonst? Was haben Sie entdeckt? Was haben Sie genossen? Was war schwierig?
Kreativitäts-Tipp: Beschreiben Sie Gerüche so intensiv wie möglich. Wenn Sie über Düfte berichten, lösen Sie damit in der Regel viele Assoziationen bei anderen Menschen aus. Sie können auf diese Weise Geschichten anreichern. Vielleicht schaffen Sie es auch, einen Duft in ein Bild oder eine Melodie umzuwandeln?
5. Tag: Fühlen
Tipp
Die Haut ist unser Tastsinnesorgan. Sie ist gleichzeitig unser größtes Organ und sie umgibt uns komplett. Das führt dazu, dass wir eigentlich gar nicht nicht fühlen können. Wir haben ständig Kontakt zu etwas – sei es der Stoff der Kleider, die wir tragen, die Unterlage auf der wir sitzen oder die Dinge die wir gerade anfassen. Aber wie wenig ist uns das bewusst? Achten Sie heute einmal darauf.
Heute geht es darum, sich einmal dem Tastsinn ganz bewusst und intensiv zu widmen. Fühlen ist ein elementarer Sinn für uns alle. Wie bewusst wir uns unseres Tastsinnes sind, ist sehr unterschiedlich. Öffnen Sie sich mit den folgenden Übungen dafür, das für sich selbst heute herauszufinden:
- Achten Sie einmal auf all die Sachen, die Sie im Laufe des Tages berühren. Das beginnt schon mit der Bettdecke, wenn Sie diese aufschlagen und mit der Zahnbürste, die Sie in die Hand nehmen. Welche Gegenstände fühlen sich kühl an, welche warm? Welche glatt, welche rau? Welche sind hart, welche weich?
- Lernen heißt auch “begreifen”. Lernen Sie heute einmal etwas durch Anfassen – z.B. wie die Muskeln Ihres Beines sich bei bestimmten Bewegungen verändern. Lernen durch ertasten kann sehr spannend sein!
- Was berühren Sie gerne? Was ist Ihnen eher unangenehm?
- Probieren Sie heute in einem Geschäft ganz unterschiedliche Kleidungsstücke an und spüren Sie, wie sich die verschiedenen Stoffe auf Ihrer Haut anfühlen. Welche Gefühle lösen die verschiedenen Kleidungsstücke in Ihnen aus? Wie fühlen Sie sich in einem edlen Gewand und wie in einem Synthetik-Pulli? Nehmen Sie bewusst wahr, was Sie auf Ihrer Haut spüren.
- Lassen Sie sich von Ihrem/ Partner/in heute die Haare waschen. Schließen Sie dabei die Augen und spüren Sie dem Gefühl nach.
- Lernen Sie verschiedene Massage-Methoden oder auch Streichelarten kennen und fühlen Sie, welchen Ihnen gut tun und welche Sie nicht so mögen. Können Sie Unterschiede in Bezug auf Ihre Körperteile merken? Wo mögen Sie welche Berührungen am liebsten?
- Gönnen Sie sich einige Stunden in einer Saunalandschaft. Erleben Sie trockene Hitze, warmen Dampf, kaltes Wasser ganz bewusst. Wenn Sie schwimmen, registrieren Sie, wie sich das Wasser am ganzen Körper anfühlt.
- Legen Sie sich auf den Bauch und lassen Sie eine andere Person verschiedene Gegenstände über Ihren Rücken streichen. Können Sie erraten, um welche es sich handelt? Alternativ können Sie sich auch mit geschlossenen Augen unterschiedliche Gegenstände in die Hand geben lassen und dann raten, was es ist.
Fassen Sie am Ende Ihren Tag zusammen. Schreiben Sie auf, wie es Ihnen mit Ihrem Fühl-Tag ergangen ist. Was war anders als sonst? Was haben Sie entdeckt? Was haben Sie genossen? Was war schwierig?
Kreativitäts-Tipp: Gefühlswahrnehmungen eignen sich sehr gut, um sie in Texte einfließen zu lassen. Beschreiben Sie einmal eine solche Wahrnehmung so intensiv wie möglich. Einen Gegenstand intensiv zu ertasten, macht es für viele Menschen leichter, ihn zu malen. Probieren Sie es gleich mal aus.
Literatur zum Thema:
Für Kinder:





Guten Morgen liebe Tania,
schöner Tipp. Viele von Menschen sind so geplagt von Sorgen und Ängsten, dass die schöne Dinge keinen Platz und keine Aufmerksamkeit mehr haben.
Ich habe eine schöne Geschichte von N. Peseschkian (iranischer Psycholog und Grüder der "Positiven Psychologie":
„Vergebliche Sorgen um die Schulden“
Ein Mann stellte fest, dass er Schulden hatte. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr schlafen.
Er litt unter Depressionen und wollte aus dem Leben scheiden.
Dies klagte er einem guten Freund.
Der hörte sich geduldig die Sorgen an. Anschließend sprach er jedoch nicht über die Schulden.
Das verwunderte den Mann sehr. Sein Freund sprach stattdessen von dem, was der Mann noch als Eigentum besaß, vom Geld, das er hatte, und von den Freunden, die bereit waren, ihm zu helfen. Plötzlich sah dieser seine Situation mit anderen Augen.
Indem er seine Energie nicht mehr zugunsten der vergeblichen Sorgen um die Schulden verbrauchte, sondern sie im Verhältnis zu seinem tatsächlichen Vermögen sah, hatte er genügend Kräfte frei und Wege offen, sein Problem zu lösen."
Schönen Tag wünsche ich allen:-)
Soheila
Hallo zusammen,
während Kur habe ich das Genußtraining kennengelernt. Sinn davon war, ein Gegengewicht zu setzen gegen Schmerzen, Ängste und Depressionen, für einen Moment auszusteigen und in den Augenblick zu gelangen und diesen zu genießen. Dass es die Kreativität anregt, finde ich eine schöne Begleiterscheinung..
Was mir dabei auch besonders eindrucksvoll in Erinnerung blieb, war - neben Vielem, was Ihr vorschlagt: Langsam spazierengehen und dabei darauf achten, wie sich der Untergrund, auf dem man sich bewegt, anfühlt. Das ist mittlerweile meine liebste Erdungsübung, funktioniert sogar mit Schuhen.
liebe Grüße
Monika
Hallo!
Das ist sehr sehr schön! Gefällt mir...! Die Fragen haben mich sofort angesprochen, so, dass ich weiter gelesen habe. Das Leben fühlt sich anders an und lebt sich anders, wenn man/frau mit allen Sinnen z.B. einen Spaziergang macht und sich auch grundsätzlich so im Alltag bewegt. Dies meine eigene Erfahrung! :-)
Allen einen schönen Sonntag,
Frauke