5 Tipps für das lösungsorientierte Denken und Handeln
Tipp 3: Erfassen Sie das Problem in seiner ganzen Komplexität
“Ein Problem ist halb gelöst, wenn es klar formuliert ist.”
– John Dewey
So banal diese Aussage klingen mag, so wichtig ist sie. Die meisten Menschen neigen dazu, vorschnell davon überzeugt zu sein, ein Problem bereits erkannt und durchschaut zu haben. Auf diese Weise werden sehr häufig Lösungswege eingeschlagen, die vollkommen in die Irre führen, denn sie passen gar nicht zu der tatsächlichen Herausforderung.
Nehmen wir an, Sie haben einen Konflikt mit einer Arbeitskollegin. Sie fragen sich, was eigentlich das Problem ist und kommen zu der Annahme, dass Ihre Kollegin neidisch auf Sie ist, weil Sie mehr Geld für die gleiche Tätigkeit bekommen. Welche Maßnahmen Sie nun auch immer treffen – falls Neid in diesem Fall nicht das Problem ist, werden sie nicht zur Lösung des Konfliktes führen.
Ein Problem wirklich zu erfassen, ist eine in der Regel ziemlich schwierige Sache. Wir vergessen hier nämlich gerne, dass Probleme und Herausforderungen fast immer die Folge mehrerer Ursachen und Faktoren sind. Natürlich würde es die Sache deutlich leichter machen, wenn wir es mit eindeutigen Ursache-Wirkungen zu tun hätten. In der Realität haben wir es aber mit Systemen, also mit einem Geflecht von ganz verschiedenen Faktoren und ganz verschiedenen Wirkungen zu tun.
Behalten Sie bitte deswegen im Hinterkopf, dass die meisten Dinge sehr viel komplexer sind, als sie auf den ersten Blick aussehen. Das ist ein hilfreicher Gedanke, der uns davor bewahrt, uns zu schnell von der am naheliegendsten Lösung verlocken zu lassen.
Widerstehen Sie also der Annahme, Sie wüssten bereits, worum es geht und beginnen Sie bei der Problemlösung immer damit, noch einmal ganz an den Anfang zu gehen. Tun Sie so, als würden Sie noch nie etwas von dem Problem gehört oder gespürt haben. Im Zen spricht man vom “Anfängergeist“. Gemeint ist damit, dass man sich von seinem Vorwissen, von seinen Vorannahmen und Vorurteilen löst, um frischen Geistes an die Sache gehen zu können.
Tipp
Um ein Problem in all seinen Facetten zu analysieren, können Sie z.B. die Methode des Mind Mappings nutzen.
Versuchen Sie dann das Problem neu zu analysieren:
- So würde ich das Problem beschreiben:
- Worum es daneben noch gehen könnte:
- Und wenn noch intensiver nachdenke, worum es zusätzlich gehen könnte:
- Wer und was alles an dem Problem beteiligt ist:
- Was sonst noch Einfluss haben könnte:
- Was bisher versucht wurde, um das Problem zu lösen und welchen Erfolg das hatte:
Tipp 4: Seien Sie offen für viele Möglichkeiten
Dieser Tipp hängt eng mit Tipp 3 zusammen. Wenn Sie sich für den Gedanken öffnen, dass Probleme komplexer sind, als sie auf den ersten Blick wirken, dann fällt es leichter, sich klarzumachen, dass in der Regel nicht eine einzige Lösung zum Ziel führt – und schon gar nicht die erstbeste, die einem einfällt.
Die Sehnsucht danach, möglichst schnell eine passende Lösung zu finden, ist verständlich. Sie führt aber genauso schnell dazu, sich auf einen einzigen Lösungsweg zu versteifen – und der kann ins Nichts führen oder das Problem sogar verstärken. Es ist schon vorgekommen, dass Menschen so fixiert auf ihren eingeschlagenen Lösungsweg waren, dass sie nicht einmal gemerkt haben, dass sich das Problem in der Zwischenzeit erledigt hatte…
Es ist deshalb ratsam, über möglichst viele Lösungsansätze nachzudenken. Das klingt zunächst nach Mehrarbeit, hat aber folgende Vorteile:
- Sie durchdenken ein Problem weitaus intensiver, wenn Sie sich über mehrere Lösungen Gedanken machen.
- Sie verrennen sich nicht so schnell in eine Richtung, sondern bleiben gedanklich flexibel.
- Sie haben auch praktisch verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, müssen also nicht verzweifelt sein, wenn ein Weg nicht zum Erfolg geführt hat.
Blockieren Sie sich also nie für andere Lösungswege. Nutzen Sie Kreativmethoden, wie z.B. das Brainstorming, um möglichst viele Ideen zu finden. Notieren Sie alle Ideen, auch die, die verrückt klingen – wer weiß, ob nicht gerade in Ihnen die ersehnte Lösung liegt!
Tipp 5: Mut zum Querdenken
Dieser Tipp steckt schon fast in Tipp 4 drin, ist aber so wichtig, dass er extra genannt werden muss: Üben Sie sich im Querdenken.
Querdenken heißt auf Ideen zu kommen, auf die man üblicherweise nicht kommt. Querdenken heißt um die Ecke zu denken. Den Mut zu haben, auch verrückte und scheinbar abwegige Ideen zu entwickeln.
Querdenken ist nicht von heute auf morgen zu lernen, aber es gibt eine Reihe von Hilfsmitteln, mit denen Sie starten können, wie z.B.:
- Fragen Sie Personen, die überhaupt keine Ahnung von dem Problem haben nach ihren Ideen. Unbedarfte haben oft geniale Einfälle, auf die wir durch unser Vorwissen nicht kommen, weil wir in unseren Gedanken festgefahren sind.
- Drehen Sie Ihr Problem einfach einmal um. Fragen Sie also statt “Was kann ich tun, damit meine Beziehung besser wird?” – “Was kann ich tun, damit meine Beziehung schlechter wird?” und am Ende drehen Sie dann die Ideen, die Sie gesammelt haben, erneut um. Das klingt verrückt, aber genau auf diese Weise kommen wir oft auf Ideen, die wir bei der ersten Frage nicht gefunden hätten.
- Nutzen Sie die Macht der Assoziationen. Formulieren Sie Ihr Problem. Schlagen Sie ein Wörterbuch oder ein Lexikon an einer beliebigen Stelle auf und wählen Sie zufällig einen Begriff. Egal, wie wenig der Begriff etwas mit Ihrem Problem zu tun haben scheint, sammeln Sie nun schriftlich alles, was Ihnen zu diesem Begriff im Zusammenhang mit Ihrem Problem einfällt. Probieren Sie es einmal aus – die Wirkung dieser Methode kann wirklich verblüffend sein!
Bitte beachten Sie: es bedarf ein bisschen Übung, auf wirklich neue Gedanken zu kommen. Erwarten Sie hier nicht gleich zu viel von sich, sondern erforschen Sie offen und neugierig diese Art des Denkens.
Literatur zum Thema
- Matthias Varga von Kibed und Insa Sparrer: Ganz im Gegenteil
- Joseph O’Connor und Ian McDermott: Die Lösung lauert überall
- Edward De Bono: De Bono’s neue Denkschule
- Rolf Kretschmann: Die Kraft der inneren Bilder
- Steve DeShazer: Wege der erfolgreichen Kurztherapie
- Werner Winkler: Probleme schnell und einfach lösen





