Fragetechnik - Probleme und Vertiefung
In der Theorie hören sich viele Methoden gut an, aber in der Praxis tauchen dann immer wieder Probleme auf. Bei der Fragetechnik stellt sich einem manchmal folgende Frage:
Was, wenn Sie nicht weiterkommen?
Es kann sein, dass Sie an einem bestimmten Punkt mit der Fragetechnik nicht weiterkommen. Das kann verschiedene Gründe haben:
Wenn Sie keine Fragen finden – Finden Sie keine Fragen, dann sollten Sie sich zuerst fragen: Wie kann ich mehr über mein Thema erfahren? Was muss ich überhaupt alles wissen? Sie können dazu:
- einmal überlegen, wo Sie sich gezielt über Ihr Thema informieren können,
- andere Personen finden, die mehr als Sie wissen und die Ihnen weiterhelfen können,
- sich einen Ratgeber oder eine Broschüre zu Ihrem jeweiligen Thema besorgen, ein Seminar besuchen o. ä.
Ziel ist es, sich erst einmal so viele Informationen zu beschaffen, wie Sie benötigen, um gezielte Fragen zu Ihrem Thema stellen zu können – wie wollen Sie über etwas nachdenken, über das Sie gar nichts wissen?
Wenn Sie keine Antworten finden – Es kann gut sein, dass Sie auf einige oder vielleicht auch viele Fragen keine Antworten wissen. Dann haben Sie verschiedene Möglichkeiten:
- Schreiben Sie zunächst einfach ein Fragezeichen als Antwort auf.
- Schreiben Sie eine oder mehrere Vermutungen auf.
- Schreiben Sie auf, wie Sie an die Antwort kommen können, wo Sie recherchieren können und wen Sie fragen könnten.
Verbeißen Sie sich bitte nicht darin, eine Frage unbedingt sofort beantworten zu wollen. Denken Sie an die spielerische Grundhaltung. Oft fällt Ihnen die Antwort auf eine bestimmte Frage auch erst später ganz von alleine ein, z.B. wenn Sie bei einer anderen Frage sind oder etwas völlig anderes tun.
Bestimmte Fragen können Ihnen helfen, sich noch tiefer in ein Thema hineinzudenken
Wenn Sie Antworten auf alle Ihre Fragen aufgeschrieben haben, aber noch nicht mit Ihren Ergebnissen zufrieden sind, dann haben Sie vielleicht nicht genau genug gefragt. Wir neigen beim Nachdenken manchmal dazu, viele Details einfach wegzulassen. Oft können uns aber gerade sehr spezielle Details nützliche Hinweise geben. Ausgehend von Ihren schon vorhandenen Antworten können Sie dann versuchen, weiter über Ihr Thema nachzudenken, indem Sie sich z.B. die folgenden Detailfragen stellen:
- Was genau?
- Wo genau?
- Wann genau?
- Mit wem genau?
- Warum genau?
- Wie genau?
Beispiel
Nehmen wir einmal an, Ihre Frage war: Was kann ich persönlich ganz besonders gut? Und Ihre Antwort darauf lautet: Ich kann besonders gut organisieren.
Jetzt könnten Sie weiter fragen:
- Was genau kann ich gut organisieren?
- Warum kann ich besonders gut organisieren?
- Wie, also in welchen Situationen, kann ich besonders gut organisieren?
- usw.
Solche Detailfragen helfen Ihnen, sich noch tiefer in die Materie hineinzudenken. Es ist natürlich nicht sinnvoll diese weiterführenden Fragen auf jede Antwort anzuwenden. Spielen Sie einfach ein bisschen mit den Fragen herum, und Sie werden bald ein Gefühl dafür bekommen, welche Antworten Sie in Zukunft genauer untersuchen müssen und welche nicht.
Überblicksfragen – Betrachten Sie Ihr Thema vielleicht aus einem höheren Blickwinkel
Manchmal kann es Ihnen auch helfen, Ihre Fragen und Antworten aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn Sie gerade über das Thema “Organisation” nachdenken, können Sie die Frage stellen: “Worum geht es bei der Organisation eigentlich?” Mit einer solchen sogenannten Überblicksfrage “Worum geht es bei diesem und jenem eigentlich?” betrachten wir unser Thema automatisch aus einem allgemeineren Blickwinkel. Diese Technik eignet sich besonders, wenn wir mit unseren Gedanken festgefahren sind. Während wir bei den Fragen “Was genau?”, “Wie genau?” usw. über die Details einer Fragestellung nachdenken, gehen wir mit der Frage “Worum geht es dabei eigentlich?” auf eine allgemeinere Überblicksebene und wir setzen unser Thema mit anderen Themen in Beziehung.
Beispiele zu Detail- und Überblicksfragen
Nehmen wir an, wir haben die Fragestellung: “Wie komme ich besser damit zurecht, wenn mein Chef mich anschreit?”
Auf der Detailebene finden wir vielleicht die Fragen:
- Was genau muss ich tun? Wie soll ich mich verhalten?
- Was genau darf ich nicht mehr tun?
- Welche innere Einstellung könnte mir dabei helfen, mit der Situation besser klarzukommen?
Auf der Überblicksebene fragen wir uns, worum es bei diesem Thema eigentlich geht und finden vielleicht die folgenden Antworten:
- Es geht um Macht, weil mein Chef mich seine Macht spüren lässt.
- Es geht um fehlendes Durchsetzungsvermögen.
- Es geht darum, dass mein Chef keinen Respekt vor mir hat.
- Es geht darum, dass ich mich schlecht fühle, wenn ich angeschrien werde.
Nun können Sie aus diesen Erkenntnissen wieder neue Fragen bilden, die Sie weiterbringen. z.B.: “Warum hat mein Chef keinen Respekt vor mir? Wie kann ich erreichen, dass er mehr Respekt vor mit hat?” usw.
Nutzen Sie immer sowohl Detail- als auch Überblicksfragen
Je nachdem, ob Sie eine Detail- oder eine Überblicksfrage stellen, gehen Sie mit Ihren Gedanken in ganz unterschiedliche Richtungen. Meist sind beide Richtungen wichtig, um ein Thema gründlich zu durchdenken und zu einer guten Lösung zu kommen.
Literatur zum Thema:





