Win-Win in der Praxis
Und wie sieht das nun mit dem “Win-Win” in der Praxis aus?
Eine kleine Warnung vorweg
“Win-Win” ist sehr positiv besetzt und wird hin und wieder recht inflationär benutzt. Leider beruht dabei nicht alles, was als “Win-Win” angeboten wird, auch wirklich auf der Win-Win-Grundlage.
Manch ein Zeitgenosse deutet “Win-Win” nämlich ganz gerne in “I win and I win” (“Ich gewinne und ich gewinne”). Lassen Sie sich also nicht davon beeindrucken, wenn jemand lauthals über seine Win-Win-Denkweise philosophiert. Oft ist es so, dass wer wirklich im Sinne des Win-Win denkt und handelt, gar nicht groß darüber zu reden braucht.
Win-Win-Lösungen zu finden, müssen wir üben
Tipp
Formulieren Sie Ihre Ideen und Vorschläge immer so, dass Ihr Gesprächspartner einen Vorteil für sich erkennen kann.
“Win-Win”-Lösungen sind nicht immer gleich ersichtlich, denn die wenigsten von uns sind es gewohnt, im Rahmen dieser Methode zu denken. Die meisten von uns denken automatisch zunächst an ihren eigenen Vorteil und möchten verhindern, dass es da Abstriche gibt. Hier gilt es umzudenken und immer zu fragen, welche Lösung für alle Beteiligten eine Verbesserung erzielen kann. Und dazu muss immer erst einmal ermittelt werden, was die einzelnen Personen oder Parteien eigentlich wollen.
Ein einfaches Beispiel für die angewandte Win-Win-Strategie
Frau Ludwig ist die Vorgesetzte von Herrn Baumann. Herr Baumann ist bereits ein langjähriger Mitarbeiter und bisher gab es für Frau Ludwig auch keinen Anlass zur Klage. Nun es aber seit einiger Zeit so, dass Herr Baumann regelmäßig zu spät kommt und unkonzentriert ist. Frau Ludwig sieht dadurch das Projekt, in dem Herr Baumann arbeitet, gefährdet.
Sie könnte nun Herrn Baumann nun zur Rede stellen, ihn ernsthaft ermahnen oder sogar mit Kündigung drohen. Frau Ludwig möchte aber nach der Win-Win-Methode vorgehen und zielt auf eine Konfliktlösung, von der beide profitieren.
Zunächst macht sie sich klar, dass sie ein großes Interesse daran hat, Herrn Baumann als Mitarbeiter zu behalten. Als nächstes möchte sie die Gründe für die Unzuverlässigkeit Ihres sonst so korrekt arbeitenden Kollegen ermitteln.
Frau Ludwig redet also mit Herrn Baumann und erfährt, dass dessen Mutter schwer erkrankt ist und dass Herr Baumann zum Teil die Pflege der alten Frau übernommen hat. Es wird also schnell deutlich, dass Herr Baumann nicht einfach unwillig ist, gute Arbeitsleistungen zu vollbringen, sondern dass sich seine Lebensumstände so geändert haben, dass er einfach nicht mehr die volle Leistung erbringen kann.
Es gibt nun ganz verschiedene Möglichkeiten, die Frau Ludwig und Herr Baumann zusammen erarbeiten können:
- eine mögliche Teilzeitarbeit für die Dauer der Krankheit der Mutter,
- die teilweise Erledigung bestimmter Aufgaben von Zuhause aus,
- Herrn Baumann eine Mitarbeiterin oder einen Praktikanten zuzuweisen, der ihn in einigen Bereichen entlasten kann,
- u.a.
Win-Win heißt hier: Der Mitarbeiter wird mit seinem Problem als Mensch angenommen und es werden Möglichkeiten geschaffen, wie er weiterhin für das Unternehmen arbeiten kann. Dafür steigt auch seine Leistungsbereitschaft und seine Loyalität zu seiner Chefin. Und das Unternehmen muss nicht auf einen langjährigen Mitarbeiter verzichten.
Win-Win ist auch etwas für Sie!
Das Win-Win-Denken ist überall von Nutzen – ob nun im Beruf, im Alltag, in der Beziehung oder Kindererziehung. Indem wir uns angewöhnen, die Interessen aller zu berücksichtigen und Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten eine Verbesserung bedeuten, werden wir konstruktiver und müssen viel weniger kämpfen.
Nutzen Sie dafür die folgenden Fragen:
- Um was genau geht es eigentlich in dieser Situation?
- Worin genau besteht der Konflikt?
- Welches sind die einzelnen Positionen der Beteiligten (was wird z.B. gefordert, behauptet o.ä.) und welche wahren Interessen liegen dahinter?
- Was will eine Person oder eine Gruppe mit ihrer jeweiligen Position erreichen – was ist der Nutzen, das Interesse hinter dieser Position?
- Widersprechen oder blockieren sich die einzelnen Interessen wirklich oder haben die Beteiligten nur den Eindruck, dass es so ist?
- Werden Forderungen von den Beteiligten erhoben?
- Wenn ja: Könnte man das, was hinter den Forderungen steckt, auch auf andere Art erreichen, als vielleicht zunächst gefordert wird?
- Welche Lösungen würden dazu führen, dass alle Beteiligten davon eine Verbesserung erleben?





Das Beispiel mit den beiden Schwestern zeigt sehr gut, wie wichtig es ist, miteinander zu reden und vor allem, einander sehr genau zuzuhören. Leider geht uns diese Fähigkeit mehr und mehr verloren, je länger wir einen Menschen zu kennen glauben. Die fixe Überzeugung, genau zu wissen, was der andere will, verhindert oft, die beste Lösung zu finden. Ein schöner Artikel, der gut in Erinnerung ruft, wie wichtig es ist, dann einen Schritt zurückzumachen und dem anderen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Herzliche Grüße, Tanja
Es ist gut, immer wieder an diese Strategie erinnert zu werden. Ich versuche auch, sie schon seit Jahren anzuwenden. Jetzt wurde mir bewusst, dass das auch den Vorteil hat, dass ich zum einen ziemlich viel Verhandlungserfolg habe, und zusätzlich - egal wie eine Situation ausgeht - ein gutes Gewissen habe. So lebt es sich entspannter und gesünder.
Viele Grüße, Lisa
Die Win Win Strategie funktioniert nur bei etwa 20% der Menschheit. Angewandt bei Tieren kam ich auf 50%. Tatsächlich streben nur 20% danach Glücklich zu sein,dem Rest kann ich nur mit einem Wort beschreiben " Raubtiere"
Ihre Seite gefällt mir sehr gut, es beruhigt mich dann doch wieder etwas von uns 20% zu lesen.
Hochachtungsvoll
Michael Löding