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Kommunikationsbaustein "Sprachgefühl"

Von Tania Konnerth

Wenn es um das Thema Kommunikation geht, dann kann man sehr viel z.B. über “Gesprächsführung”, über “Fragetechnik” oder über “Dialogstrategien” lesen.

Kaum allerdings wird das Thema “Sprachgefühl” angesprochen. Mit Sprachgefühl meinen wir die Fähigkeit, einschätzen zu können, wie unsere Worte und Formulierungen auf andere wirken. Das ist ein Aspekt für eine erfolgreiche Kommunikation, der nicht unterschätzt werden sollte. Deshalb finden Sie hier einige grundlegende Gedanken sowie praktische Tipps zu diesem Thema.

Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist!?

Die meisten Menschen reden im Alltag so, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Die Mühe, einmal die Formulierungen, die man automatisch verwendet, zu hinterfragen, macht sich kaum jemand.

Dabei haben aber die Worte und Formulierungen, die wir wählen sehr unterschiedliche Wirkungen haben. So können wir z.B. ungewollt aggressiv wirken, obwohl wir es nicht so meinen oder wir machen einen unsicheren Eindruck und wundern uns, wieso.

Wie gut, denken Sie, ist Ihr eigenes Gefühl für die Wirkung Ihrer Worte?

Wie unsere Sprache auf andere wirkt

So wie auch unser Tonfall oder unsere Lautstärke auf andere angenehm oder unangenehm wirken kann, so wirkt sich auch die Wahl unserer Worte oder unsere Art zu formulieren auf unseren Austausch mit anderen. Unsere Wortwahl kann eine Verständigung erleichtern oder erschweren. Wir können mit unseren Worten dem anderen Respekt zeigen oder Missachtung usw.

Beispiel

Zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten, jemanden um etwas zu bitten:

Dasselbe noch einmal einer weniger vertrauten Person gegenüber:

Kommunikation ist zielgerichtet

Wenn wir mit anderen Menschen sprechen, verfolgen wir immer auch ein Ziel. Ob wir nun verstanden werden wollen, eine Reaktion auslösen oder eine Frage beantwortet haben möchten, kaum jemand richtet seine Worte absichtslos an einen anderen. Schon allein deshalb ist es sinnvoll, sich seiner Wortwahl bewusster zu werden.

Aber auch um Konflikte zu verhindern bzw. zu klären, kann es sehr hilfreich sein, sich der Wahl seiner eigenen Worte bewusster zu werden. Denn oft merken wir gar nicht, dass wir anderen durch unsere Worte zu nahe treten oder dass wir uns selbst kommunikative Wege verbauen.

Wer allen Menschen gegenüber immer die gleichen Formulierungen verwendet, wird schnell in Fettnäpfchen treten oder andere kränken bzw. beleidigen. Eigentlich weiß das jeder, denn wer reißt schon seinem Chef gegenüber dieselben “blöden Sprüche”, wie man es z.B. unter Freunden gewohnt ist? Aber gerade im Privatumfeld oder auch unter gleichgestellten Kollegen/innen beglückt man dann oft schnell alle gleichermaßen ohne zu differenzieren. Es gibt aber immer auch sensible Menschen im eigenen Umfeld, die sich manch eine Bemerkunge sehr zu Herzen nehmen können. In einem solchen Fall zu sagen “So bin ich halt, die kennen mich doch.”, zeugt von wenig Einfühlungsvermögen und einem mangelnden kommunikativem Gefühl.

Beispiele

Hier einige Beispiele für scheinbar harmlose Sätze, die viel anrichten können:

Spüren Sie einmal selbst nach, wie es sich anfühlt, wenn jemand so etwas zu Ihnen sagt. Und achten Sie ab sofort ganz bewusst auf Ihre Wortwahl anderen gegenüber. Wie oft sind abwertende Sätze darunter?

Ist doch alles nur Spaß!

Mit der Erwiderung, dass “doch alles nur Spaß” sei, versuchen viele Menschen ihre teils plumpe, teils unpassende Wortwahl zu entschuldigen.

Klar, jeder kann auch mal einen schiefen Satz einstecken – und wenn erkennbar Humor dahintersteckt, verstehen das auch die meisten richtig. Der Punkt ist nur, dass sich eine bestimmte Wortwahl schnell einschleift und man dann immer so mit dieser Person spricht. Spätestens da hört dann der Humor auf, weil dem anderen dann schon lange nicht mehr zum Lachen zumute ist…

Das Wie bestimmt die Beziehung

Wenn Sie sich an dieser Stelle fragen, was an Ihrer Wortwahl so wichtig sein soll, dass Sie sich auch noch damit befassen sollten, dann machen Sie sich einmal klar, dass unsere Kommunikation unser Miteinander bestimmt oder wenigstens stark beeinflusst. Reden wir mit einer Person respektvoll und achtsam, so ist auch unsere Beziehung (in diesem Moment oder eben auch grundlegend) respektvoll und achtsam (es sei denn, wir verstellen uns extrem). Bei einer aggressiven Wortwahl wird die Stimmung entsprechend sein.

Nun kann man einwenden, dass sich die Wortwahl ja aus der Beziehung, die man zu jemandem hat, ergibt. Sprich: wenn man eine Person nicht mag, dann spricht man eben auch so mit ihm oder ihr. Genau das aber funktioniert auch in der anderen Richtung: wenn wir bewusst auf unsere Wortwahl achten und z.B. unseren Gegenüber freundlich ansprechen, der uns eigentlich nicht so sympathisch ist, kann es gut sein, dass dieser Mensch auch freundlich reagiert. Und vielleicht stellen wir dann fest, dass er gar nicht so unangenehm ist, wie wir erst dachten.

Kommunikation ist immer auch Beziehungsgestaltung. In jedem Moment, in dem wir mit jemanden reden, gestalten wir auch die Beziehung zu diesem Menschen. Und das können wir positiv oder negativ tun.

Kann ich überhaupt verstanden werden?

In dieses Feld gehört auch die Frage danach, wie leicht oder schwer ich es anderen mache, mich zu verstehen.

Dazu ein simples Beispiel: Um mich mit jemand anderem verständigen zu können, muss ich seine Sprache sprechen. Spreche ich deutsch mit einem Japaner, wird die Kommunikation mehr als schwierig (zumindest, wenn der Japaner des Deutschen nicht mächtig ist). Selbstverständlich? Mag sein, nur wird diese einfache Tatsache dann im Kommunikationsalltag leider oft vergessen, dann z.B. wenn jemand mit Fachbegriffen um sich wirft, die nur Spezialisten verstehen oder wenn z.B. Anweisungen so kompliziert gegeben werden, dass Missverständnisse vorprogrammiert sind.

Um verstanden zu werden, gilt es also, sich mit seiner Wortwahl, mit der Kompliziertheit der Sätze und Formulierungen und auch mit der Wahl des Inhaltes aufeinander einzustellen.

Der Schlüssel heißt “Bewusstsein”

Beim Thema “Sprachgefühl” geht es einmal mehr darum, mehr Bewusstsein zu entwickeln. Ziel ist nicht, dass Sie sich eine künstliche Sprache angewöhnen oder dass Sie “schlechte Worte” kategorisch aussortieren. Ziel ist vielmehr, die Chance zu nutzen,

Es geht um Wahlmöglichkeiten. Indem wir die Automatismen unterbrechen und beginnen, sie zu hinterfragen, öffnen sich Türen für neue Möglichkeiten. Im Folgenden finden Sie einige Tipps, mit denen Sie Ihr Sprachgefühl ganz praktisch verfeinern können.