5 wirkungsvolle Strategien zur Schlagfertigkeit
Von Gastautor
Von Matthias Pöhm
Schlagfertig reagieren wie Thomas Gottschalk, Harald Schmidt oder Kanzler Gerhard Schröder? Davon träumen viele! Oft fällt einem die ultimative Antwort erst viel später ein. Schlagfertigkeit ist aber nicht angeboren.
Ich habe schlagfertige Menschen analysiert und grundlegende Schemen entdeckt. Daraus habe ich “Grammatikregeln der Schlagfertigkeit” abgeleitet, die einmal erlernt, systematisch angewandt werden können.
Das ist wie beim Kochen. Es gibt Leute, die haben ein Naturtalent zum Kochen. Wirbeln selbstvergessen in der Küche und zaubern ein kulinarisches Gedicht, bei dem alle Menschen ins Schwärmen geraten. Sie kochen “einfach so”, geben alle Zutaten nach Gefühl in den Kochtopf. Jetzt aber kommt ein interessierter Mensch daher und sagt: “So will ich auch kochen können” und beschließt, solche genialen Köche unter die Lupe zu nehmen. Er beobachtet genau, was sie scheinbar intuitiv tun, welche Rohmaterialien sie benutzen, misst die Zutaten und schreibt Kochzeiten und Temperaturen auf. Er verfasst auf diese Art das, was jeder unter dem Begriff “Rezept” kennt. Mit diesen Rezepten, können plötzlich auch Leute, die nicht zu den Naturtalenten gehören, genau dasselbe kochen.
Tipp
Die Antwort-Bibliothek ist die größte im Internet zu findende Sammlung von häufig zu hörenden Angriffen und den knackigsten Antworten dazu.
Und genau so ist es auch bei der Schlagfertigkeit. Es gibt die scheinbaren Naturtalente wie Gerhard Schröder, Bill Clinton oder Thomas Gottschalk. Wenn man aber genau hinschaut, merkt man, dass sie oftmals ein intuitives Rezept verwenden. Dieses Rezept ist ihnen bewusst wahrscheinlich nicht klar, aber wenn man genau beobachtet, stellt man fest, dass sie die immer selben Prinzipien anwenden. Und die hab ich als Rezept aufgeschrieben und für andere zum “Nachkochen” aufbereitet.
Nachfolgend verrate ich Ihnen einige wirkungsvolle “Schlagfertigkeitsrezepte”.
Schlagfertigkeitsstrategie “Maßlos Übertreiben”
“Komm Jimmy, du liest doch auch immer die Heftchen mit den nackten Frauen?” ein Millionenpublikum schaut zu. Jimmy Hartwig, prominenter ehemaliger Profi-Fußballer, ist zu Gast bei Stefan Raab in seiner TV-Sendung. Jimmy Hartwig antwortet: “Ja na klar, ich hab sogar ständig ‘ne aufblasbare Puppe im Kofferraum.” Selbst Stefan Raab musste lachen. Eins zu Null für Jimmy Hartwig.
Die Antwort gehorcht einer wunderbaren Schlagfertigkeits-Technik: dem “maßlosen Übertreiben” oder anders ausgedrückt, der “übertriebenen Zustimmung”.
Das Schema ist eigentlich ganz einfach: Sie hören einen Vorwurf, aber statt etwas dagegen zu sagen, sagen Sie einfach “Stimmt” und übertreiben danach derart maßlos, dass der Vorwurf im Witz zerplatzt.
- “Ihre Krawatte ist krumm gebunden.”
=> “Stimmt, ich wollt mich gerade aufhängen.” - “Sie haben unsere Kunden falsch beraten.”
=> “Ja genau, jetzt benutzt er den Staubsauger als Haarföhn.”
Es ist eine hervorragende, universelle Technik die sowohl eine passende Erwiderung auf jegliche Art von Angriffen erlaubt, als auch gestattet, spontan humorige Bemerkungen zu machen. Und das Schönste ist: Sie tun niemand weh dabei.
- “Siehst Du heute schlecht aus!”
=> “Ich war heute morgen beim Arzt und der wollte mir grade den Totenschein ausstellen.” - “Sie sind doch nur ein Ossi.”
=> “Stimmt, haben Sie vielleicht ein Foto von einer Banane dabei?”
Diese Technik des maßlosen Übertreibens finde ich allein deshalb schon so gut, weil Sie dabei lernen, über sich selbst zu lachen und sich nicht so ernst zu nehmen. Das ist eine Eigenschaft, die für nicht nur für schlagfertiges Reagieren sehr wichtig ist, sondern Ihnen allgemein ein gesünderes Leben verschafft. Wenn Sie alles nicht so verbissen und ernst sehen, bekommen Sie weniger Magengeschwüre, weniger Sorgenfalten und sehen einfach jünger aus.
Die übertriebene Zustimmung können Sie sowohl als witzige Bemerkung zu Situationen benutzen oder aber als Erwiderung auf Angriffe. In beiden Fällen nehmen Sie einen Sachverhalt, hier in unserem Fall den Vorwurf, und übersteigern ihn ins Uferlose. Die Übertreibung lebt davon, dass Sie den Regler nicht nur an den Anschlag schieben, sondern sogar noch weiter darüber hinaus. Sie konstruieren ein Szenario, jenseits der Realität, in dem die Übertreibung statt gefunden haben könnte. Und das beschreiben Sie dann als Realität.
- “Sie transpirieren unter den Achseln.”
=> “Meine Nachbarin duscht sogar immer darunter.”
Sie müssen beim Übertreiben darauf achten, dass Sie möglichst absurde Bilder kreieren. Denken Sie auch an eine weit hergeholte Konsequenz, wenn Sie den Vorwurf bis zum Exzess treiben.
- “Können Sie sich nicht mal die Ohren putzen?”
=> “Nein da will ich Karotten anpflanzen.”
Das Grundprinzip der Schlagfertigkeit, das indirekte Ausdrücken, muss natürlich auch hier beachtet werden. Je mehr der Zuhörer durch Ihre Erwiderung rückwärts ergänzen muss, desto witziger wirkt es. Es muss sich ihm erst im Nachhinein erschließen, in welchem Szenario er gelandet ist. Wenn beispielsweise jemand sagt: “Mein Gott, haben Sie zugenommen” und Sie antworten: “Stimmt, ich bin dick wie ein Wal” so ist das zwar übertrieben, aber das wirkt trotzdem noch nicht schlagfertig. Es ist zu direkt ausgedrückt. Wenn Sie hingegen sagen: “Stimmt, die von Greenpeace haben mich gleich vom Strand ins Wasser zurückgezogen.” haben Sie besser geantwortet, weil durch diese Bemerkung erst der Rückschluss gezogen werden muss, dass Sie wohl als gestrandeter Blauwal verwechselt wurden.
Extra-Tipp
Testen Sie es doch gleich mal aus. Gehen Sie zu einem Kollegen und lassen Sie sich angreifen. In sechs von 10 Fällen dürfte eine der beiden Antworten passen.
Es gibt, wie zu jeder Technik, Standardantworten, die in der Mehrzahl der Fälle eine brauchbare Erwiderung abgeben.
Hier zwei davon:
- “Stimmt ich bin jetzt im Guinness-Buch der Rekorde.”
- “Sie hätten mich mal gestern erleben sollen.”
© Matthias Pöhm
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