Die 11 effektivsten Selbstcoaching-Methoden in einem Selbstlernkurs

Neu hervorgeholt: 5 Tipps zum “Nein-sagen” (Seite 2 von 2)

5 Tipps nein sagen

Hier folgen weitere Tipps, die Ihnen das “Nein-sagen” leichter machen.

Tipp 3: Machen Sie sich klar, welchen Preis Sie zahlen, wenn Sie “ja” sagen

Dieser Tipp klang schon im ersten – also der Situationsanalyse – an, ist aber wichtig genug, auch noch einmal extra genannt zu werden. Machen Sie sich klar, was es Sie eigentlich kostet, zu oft “ja” zu sagen. Das nämlich kann Ihnen eine gute Portion Motivation und Anreiz geben, ab sofort ein bisschen genauer zu überlegen, ob Sie nicht vielleicht doch einmal etwas ablehnen.

Extra-Tipp

Rechnen Sie ruhig einmal allein zusammen, wie viel Zeit es Sie ganz konkret kostet, Aufgaben für andere zu erledigen. Das einmal summiert zu sehen, kann ein echter Augenöffner sein!

Kosten für zu vorschnelles Ja-sagen sind z.B.:

  • Weniger Zeit, Kraft, Energie u.ä. für Ihre eigenen Vorhaben und Projekte oder für die Menschen, für die Sie viel lieber etwas tun würden.
  • Sehr oft Stress, weil die zusätzlichen Aufgaben ja zu denen hinzukommen, die wir eh schon erledigen müssen.
  • Häufig Ärger darüber, doch wieder nachgegeben zu haben.
  • Nach einer gewissen Zeit das nagende Gefühl, ausgenutzt zu werden.
  • U.ä.

Auch wenn Beziehungen nicht nach kaufmännischen Regeln zu bewerten sind, so sollte doch das Verhältnis im Großen und Ganzen ausgeglichen sein. Das gilt für den Job genauso wie für Freundschaften oder die Familie. Wenn Sie dauerhaft mehr geben als Sie bekommen, werden Sie unzufrieden. Und hier gilt es, besser für sich zu sorgen.

Indem Sie sich klarmachen, was es ganz konkret für Sie bedeutet, immer wieder etwas für andere zu tun, kommen Sie in Kontakt mit Ihren eigenen Bedürfnissen. Menschen, die sich schwer damit tun, “nein” zu sagen, stellen ihre eigenen Bedürfnisse oft hinten an. Auf Dauer aber höhlt das aus und macht unzufrieden.

Sie sind auch wichtig! Ihre Zeit ist genauso wichtig, wie die anderer Leute, Ihre Kraft ist auch nicht endlos und es steht Ihnen – genau wie jedem anderen zu – gut für sich zu sorgen.

Tipp 4: Erlauben Sie sich “nein” zu sagen

Dieser Tipp knüpft unmittelbar an den vorherigen an. Dann, wenn Sie sich nämlich klargemacht haben, dass Sie für jedes “Nein”, das Sie nicht sagen, auch einen Preis zahlen, fällt es Ihnen vielleicht leichter, sich selbst die Erlaubnis dafür zu geben, irgendwann auch einmal an sich und nicht nur an andere zu denken.

Sie sind kein schlechter Mensch, wenn Sie eine Bitte ablehnen. Niemand kann ständig für alle bereit stehen. Der Vorwurf, egoistisch zu sein, kommt schnell – aber gut für sich zu sorgen, ist kein Egoismus, das ist notwendige Selbsterhaltung. Sie können anderen nur dann wirklich etwas geben, wenn Sie selbst genug Kraft und Energie haben – und vor allem dann, wenn Sie gerne tun, worum man Sie bittet.

Tipp

Manchmal kann es sinnvoll sein, sich eine solche Erlaubnis schriftlich zu geben.

Erlauben Sie sich also, auch mal “nein” zu sagen – es ist Ihr gutes Recht! Warten Sie nicht darauf, dass andere Menschen Ihnen dazu die Absolution erteilen, denn gerade diejenigen, die etwas von Ihnen wollen, haben natürlich nur wenig Interesse daran, dass Sie für sich sorgen.

Tipp 5: Lernen Sie, auf sanfte Art “nein” zu sagen

Wichtig beim Nein-sagen ist vor allem, klar zu sein, aber dabei nicht brutal. Wenn Sie etwas nicht tun wollen, dann sollten Sie das so deutlich sagen, dass der andere es nicht missinterpretieren kann. Das aber kann man behutsam und freundlich tun, so dass das Nein nicht verletzt.

Hier finden Sie eine Reihe von Möglichkeiten, wie Sie respektvoll “nein” sagen können:

  • Das Nein begründen - Sie brauchen sich zwar nicht zu rechtfertigen, aber Sie können Ihr Nein begründen. Das macht es dem anderen leichter, es anzunehmen. Wenn sich z.B. ein Kollege zu Ihnen setzen will, Sie aber gerade in einem wichtigen Gespräch vertieft sind, bei dem Sie keinen anderen dabeihaben möchten, dann können Sie genau das sagen: “Oh, ansonsten jederzeit gerne – nur jetzt besprechen wir gerade etwas Persönliches.” Hier bitten Sie selbst um Rücksichtnahme und motivieren so Ihr Nein. Auf diese Weise wird deutlich, dass sich das Nein nicht gegen die Person richtet, sondern andere Ursachen hat.
  • Verständnis zeigen - Indem Sie Verständnis für die Bitte des anderen zeigen, wirkt jedes Nein schon viel weicher. Sagen Sie so etwas wie “Dass du so im Zeitstress bist, tut mir sehr leid – aber ich kann dir leider heute trotzdem nicht aushelfen.” oder “Ihr Team steht da wirklich stark unter Druck. Leider ist es trotzdem nicht möglich, dass eine Arbeitskraft von uns zu Ihnen wechselt.”
  • Bedanken - Eine schöne Geste ist, sich dafür zu bedanken, dass der andere einem die Aufgabe zutraut oder das Vertrauen in uns hat: “Ich fühle mich geehrt, dass Sie da an mich denken, aber mein Terminkalender ist leider komplett voll.” oder “Das ist ein wundervolles Kompliment, dass du mir das zutraust, aber ich kann leider nicht.”
  • Mit Humor - In manchen Situationen ist Humor eine wundervolle Möglichkeit, ein Nein zu verpacken. Aber Vorsicht: nicht jeder versteht jede Art von Humor! Im Zweifelsfall sollten Sie deshalb doch lieber eine neutrale Formulierung wählen.
  • Manchmal reicht auch ein Teil-Nein - Häufig muss man gar kein striktes Nein sagen. Wenn Sie z.B. nur heute keine Zeit haben, es Ihnen aber nichts ausmachen würde, die Aufgabe morgen zu übernehmen, dann können Sie das genauso sagen. Oder vielleicht sind Sie bereit, einen Teil der Bitte zu erfüllen, dann bieten Sie das an.
  • Gegenangebot machen – Es ist auch möglich, einen Gegenvorschlag zu machen – also vielleicht eine andere Idee anzuregen, wie derjenige sein Anliegen lösen kann. Sie zeigen damit, dass Ihnen der andere nicht egal ist, machen aber auch klar, dass Sie nicht zur Verfügung stehen.

In der Regel reicht es aus, wenn Sie konsequent bei Ihrem Nein bleiben. Aber es gibt auch Zeitgenossen, die – gerade wenn diese von Ihnen kein Nein gewohnt sind – hartnäckig davon ausgehen, Sie doch noch “rumzukriegen”. Hier ist dann manchmal auch ein deutlicheres Wort angesagt. Auch hier können Sie die eingesetzte Strategie ansprechen, wie z.B.

  • “Du möchtest mich jetzt offenbar mit allen Mitteln dazu bringen, dass ich “ja” sage – tut mir wirklich leid, aber das zieht dieses Mal nicht.”
  • “Ihnen scheint es sehr wichtig zu sein, mich umzustimmen. Aber leider kann ich nur noch einmal wiederholen, dass es heute nicht geht.”

Und noch ein Denkanstoß zum Schluss

Und hier haben wir noch einen spannenden Denkanstoß für Sie: Überprüfen Sie einmal, wie Sie selbst damit umgehen, wenn jemand anders “nein” sagt.

  • Können Sie das Nein akzeptieren oder neigen Sie selbst dazu, den anderen umstimmen zu wollen?
  • Finden Sie es angemessen, wenn andere Ihren Bitten nicht immer nachkommen oder fühlen Sie sich dann verletzt oder beleidigt?
  • Können Sie mit Ihrer Enttäuschung gut umgehen oder werden Sie wütend?

Wenn Sie sich diese Fragen ehrlich beantworten und ggf. hier im Sinne des “Rechts zum Nein-sagen für alle” etwas an sich arbeiten, wird es Ihnen auch leichter fallen, sich dieses Recht selbst zu nehmen.

Literatur zum Thema

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Kommentare

Sibylle Hoffmann schreibt am 27. April 2014

Zu diesem Satz “Ich kann verstehen, dass es dir nicht gefällt, wenn ich jetzt “nein” sage. Ich möchte mir aber deswegen keine Schuldgefühle machen lassen.” möchte ich erwähnen, dass niemand einem Schuldgefühle machen kann, man hat sie bereits selbst und daran muss etwas geändert werden! Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich!

    Ulli schreibt am 27. April 2014

    Das ist meiner Meinung nach wieder so ein Lehrsatz der Psychologie der nicht immer praktisch funktioniert. Unsere Gefühle werden ständig manipuliert. Das hat etwas mit unserem System zu tun. Es gibt Werbung um Bedürfnisse zu wecken. Der Konkurrenzdruck findet schon im Kindergarten statt. Wer nicht gut mitmacht wird runter geputzt. Es gibt viele die ohne Schuld den Arbeitsplatz verlieren, und ich glaube nicht das man seine Schuldgefühle ganz unterdrücken kann, wenn man dann zur Arge muss. Früher hatten Mütter Schuldgefühle, wenn sie nicht mindestens einen Sohn für das Vaterland verloren haben. Wir werden ständig manipuliert, und es wäre schön, wenn wir unsere Schuldgefühle einfach abstellen könnten. Mir gelingt es ganz gut diese Gefühle zu kontrollieren ( man muss ständig daran arbeiten ), weil ich das System kenne. Ich habe in Volkswirtschaftspolitik meine Diplomarbeit geschrieben, und eine psychologische Ausbildung gemacht. Deshalb glaube ich, das ich das System kenne und den Menschen dahinter. Wenn man beides versteht, kennt man auch die Gefahren und Arbeitsweisen dieses Systems. Es beruht auf Ausbeutung und arbeitet mit Schuldgefühlen.
    Mein Fazit: Schuldgefühle werden bewusst von außen eingesetzt um zu manipulieren. Man kann sie allenfalls kontrollieren, und das Wissen warum Schuldgefühle eingesetzt werden, hilft bei der Kontrolle der Schuldgefühle.

Yasmin schreibt am 27. April 2014

Liebe Sibylle, das ist ein ganz großes Missverständnis. Selbstverständlich können uns andere Menschen Gefühle verursachen! Gefühle entwickeln sich ja meist als Reaktion auf etwas, und ich denke, es ist weder möglich noch erstrebenswert, unsere Gefühlsreaktionen völlig abzuschaffen. Darüber nachdenken, ja. Sie loslassen können, auch. In der eigenen Verantwortung liegt aber nur, mit den eigenen Gefühlen so umzugehen, dass sie weder das eigene noch das Leben anderer ruinieren.

    Paul schreibt am 27. April 2014

    Hallo Yasmin,
    ich denke da gibt es ein grosses Missverstaendnis gegenueber der Aussage von Sibylle?
    Gefuehle gehoeren uns und dir kann auch niemand Gefuehle *machen*
    Gefuehle sind antrainierte Standardreaktionen auf Einfluesse der Aussenwelt. Du darfst nicht das Verursachen als Ausloeser mit dem Entstehen der Gefuehle verwechseln.
    Das reagieren auf die Aussenwelt liegt in unseren Haenden, sobald wir es erkennen. Dann gewinnen wir auch Freiheiten.

    Die Alternative ist, dass wir Marionetten sind.

    Yasmin schreibt am 14. Mai 2014

    Paul – ernsthaft? Du nennst Gefühle “antrainierte Standardreaktionen”??
    Lass mich meinen Standpunkt mit ein paar simplen, wenn auch krassen Beispielen verdeutlichen: Eine Frau, die überfallen, vergewaltigt und halb totgeschlagen wird. Der Vertrauensverlust, die Panik, die Wut, waren die wirklich schon da und sind vom Vergewaltiger nur “ausgelöst” worden? Oder: Ein Kind, das von seinen Eltern im Heim abgegeben wird, weil die jetzt doch mehr Lust auf ein anderes Leben haben. Die Einsamkeit, die Verletztheit, die Traurigkeit, waren die wirklich schon da und sind durch die Eltern nur “ausgelöst” worden? Es gibt sehr wohl Fälle, in denen Menschen anderen Gefühle MACHEN. Das muss auch klar so benannt werden. Aussagen wie “Es ist alles eine Sache der Perspektive, es gehören immer zwei dazu” etc. sind Teil einer nur sehr begrenzt gültigen Heititei-Psychologie, und in Fällen echter Traumatisierung ist es durchaus sehr therapeutisch, die Verantwortlichen (ja, i. S. von “die Schuldigen”!) klar zu benennen. Noch mal: Dass der/die Geschädigte dennoch selbst dafür verantwortlich ist, eigeninitiativ alles zu tun, damit es ihm/ihr besser geht, stimmt natürlich. Ich sage, dass man ein Opfer klar als solches benennen dürfen muss, nicht, dass es ewig in einer passiven Opferhaltung verharren muss oder sollte.

Frank schreibt am 27. April 2014

Guten Morgen. Ich habe in diesem Zusammenhang folgendes für mich gelernt. Wenn ich jemandem Hilfe oder Unterstützung gewähre, dann tue ich dies freiwillig, nach eigenem Ermessen und uneigennützig. Sollte mir jemand Hilfe und Unterstützung gewähren, dann akzeptiere ich selbige aussschließlich auf Basis der zuvor genannten Prinzipien. Dies macht es mir möglich sehr wohl Dankbarkeit, jedoch keine Schuldgefühle zu empfinden. Ich lasse mir nicht aufrechnen, wie oft jemand in seinem Leben für mich da gewesen ist oder sein will, um daraus wiederholte Hilfestellungen bei mir abzufragen. Ich habe das Recht Grenzen zu setzen und aus meinen Gründen NEIN zu sagen.

Frank schreibt am 27. April 2014

P.S. Ich habe nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht – mir selbst gegenüber – mich vor solchen Vorgehensweisen zu schützen, womit auch das Thema Eigenverantwortung im Umgang mit der ureigenen Gefühlswelt klar und eindeutig beantwortet sein sollte.

Ulli schreibt am 27. April 2014

Mit Nein sagen habe ich keine Probleme, allerdings kann es leicht passieren, das der „Freundeskreis“ schnell kleiner wird. Aber vielleicht ist dieses auch ein Vorteil. Bei den Übriggebliebenen würde ich wohl nie Nein sagen, und das aus folgenden Gründen. Erstens haben sie viel für mich getan, so das ich mich freue ihnen zu helfen. Zweitens würden sie keine unzumutbaren Forderungen stellen. Das Problem, das ich mich unter Druck gesetzt fühle, entsteht so gar nicht erst. Vielleicht ist die richtige Auswahl der Freunde schon ein Schutz vor unangenehmen Situationen.

    Silke Jahn schreibt am 27. April 2014

    Wenn Du Freunde verlierst, dann wird Platz für etwas Neues.

Anna-Maria schreibt am 27. April 2014

Der Artikel hat mich echt sehr angesprochen. Seit Jahren versuche ich immer wieder auch einmal NEIN zu sagen. Mein Problem ist jedoch, dass mich andere nicht einmal fragen müssen. Sobald mir jemand sein Problem erzählt, meine ich es für ihn lösen zu müssen! Ich komme also gar nicht in die Verlegenheit NEIN sagen zu müssen. Ich springe sofort darauf an und das nutzen anderen natürlich mittlerweile aus.
Wenn ich Hilfe bräuchte, bitte ich selten andere um Hilfe. Ich will selbst immer stark sein und es alleine schaffen. Ich bin einige Male schon schwer enttäuscht geworden und habe das Gefühl, dass ich mich nur auf mich SELBST verlassen kann.
Diese Problem verfolgt mich in allen Lebenslagen – aber immerhin merke ich es mittlerweile schon und kann dadurch versuchen es zu ändern!

Silke Jahn schreibt am 27. April 2014

Wo liegt der Unterschied zwischen rechtfertigen und begründen?

    michael schreibt am 10. Juni 2014

    rechtfertigen ist in kommunikation mit anderen, man ist jemand anderen eine erklärung schuldig oder hat zumindest das gefühl. sie ist eine begründung, aber eine begründung ist nicht zwangsläufig eine rechtfertigung, nämlich dann wenn man es zum beispiel in einem bericht etwas begründet.

Frank schreibt am 27. April 2014

…also ich für meinen Teil beziehe mich auf Einzel-, respektive Grenzfälle, die von denjenigen Machenschaften betroffen sind, bei denen ob bewusst oder unbewusst, die zuvor genannten Strategien angewendet werden. Auch ich war und bin gerne hilfsbereit und freue mich Menschen auf Basis der von mir beschriebenen Prinzipien zu unterstützen und auch ich habe noch selten eine einigermaßen nett formulierte Bitte ausgeschlagen.

Ich lasse jedoch nicht zu, dass meine Integrität, meine Loyalität und meine Gefühle der Verbundenheit aufgrund meines Status eines Freundes oder Familienmitglieds missbraucht oder dazu instrumenalisiert werden, um mich dazu zu bringen, individuelle Hilfestellungen zu leisten, in dem man mich mit dem eigenen Leid konfronitiert, mich auf der Mitleidschiene anspricht, mich empfundermaßen emotional und finanziell unter Druck setzt, indem man mir leidvolle Gedichte schickt, mir schmeichelt oder mich an gemeinsame schöne Momente erinnert. No way! Da gibt es für mich ein klar und eindeutige Grenze!

Sonja schreibt am 3. Mai 2014

Lieber Frank,

Die Kommentare zu diesem Thema sind sehr reflektiert und spannend zu lesen, aber vor allem Dein Letzter Kommentar hat mich sehr zum nachdenken und angeregt in wie weit genau diese Mechanismen bei mir funktionieren und ich doch noch zu oft ja als Nein sage, danke dafür

    Frank schreibt am 9. Mai 2014

    Liebe Sonja. Fein, dass ich zum Nachdenken anregen konnte. Höre auf deine innere Stimme und dein Herz und agiere/reagiere in diesem Zusammenhängen bestenfalls so früh als möglich, einfühlsam, durchdacht, mutig, klar, freundlich und bestimmt. Wenn irgend möglich – hab keine Angst! Und lass dir nicht einreden, dass ein solches Verhalten anmaßend, überheblich oder selbstsüchtig sei. Bullshit!

    Und auch ich bin weder die Ursache, noch trage ich die Ver-Antwortung dafür, wenn ein Mensch in meiner Nähe seine Lebensgeschichte, seinen Mittelpunkt, seinen Weg oder seinen roten Faden verliert. Spätestens an dieser Stelle bin ich schlicht und ergreifend hilf- und machtlos.

Saskia schreibt am 5. Mai 2014

Ein weiterer Aspekt kann auch die (von aussen: eingeimpfte) Ver-antwortung sein.

Ich habe fast acht Jahre meines Lebens mit einem Menschen “ver-plempert”, den ich gar nicht wollte.

Vorausging, dass ich einen Schwerbehindertenausweis mit 100 % mit den Merkmalen “h” (hilflos – meine Emder Freundin flaxt meist: Heute sind nur noch die hilflos, die mit mir konfrontiert werden) “B” (Beglei-tung), Streckenverzeichnis (steckt um den jeweiligen Wohnort einen Umkreis von 50 km, in welchem man gratis fahren kann) und dem sinngemäßen Zusatz “Bedarf ständiger Begleitung gilt als erwiesen”.

Vor allem auf das “B” hat mich meine Mutter immer “festgenagelt”!

Eines Tages wollte ich zur Messe “Du und Deine Welt”, da auch der NDR von da aus sendete.

Meine Mutter machte Terz: Entweder brächte ich ihr eine Begleit-Per-son oder ich müsse daheim bleiben.

Also habe ich ihr einen Schulkameraden als “Alibi-Begleiter” gebracht.

Damit hatte sie ihr Recht und ich meine Ruhe!

Doch plötzlich wirkte man von mehreren Seiten (Eltern, Schwester, ge-meinsame Klassenlehrerin) so auf mich ein, bis ich mich schlussend-lich “breitschlagen” ließ – wieder damit “die anderen ihr Recht und ich meine Ruhe hatte”- des lieben Frieden willen mich auf ihn einließ.

Damit begann dann aber das Unheil: Seine Mutter (damals in den Wechseljahren) betrachtete mich mehr als sein Kindermädchen, denn mehr als sein Freundin (Partnerin).

Er durfte nur fahren, wenn wir uns an “sicheren” Orten trafen wie S-/ U-/ Bushaltestellen oder vorort beim Veranstaltungsort. Wenn er aber wo nur einmal und dann nie wieder hinkam, konnte man es knicken!

So hat sie einen jungen Mann von damals angehenden 22! Jahren mit dem Auto nach Harburg gebracht!

Zwei Jahre später, als ich mit meinem Jugendcamp in Ohlstedt war, hat sie ihn so kirre gemacht, dass er nicht allein hinfindet, dass er sich gar nicht loszufahren getraut hat!

Am liebsten wäre ihr gewesen, ich wäre gekommen, hätte das “kleine” orientierungslose Jüngelchen am besten noch von der Wohnungstür abgeholt, beim Patschehändchen genommen, mit ihm nach Ohlstedt gefahren und es abends zurückgebracht! Der “Kleine” war Mitte 20!

Ebenso undenkbar waren “bewegliche” Treffpunkte. Ich konnte nicht sagen “Du nimmst um die und die Zeit von Dir aus die U2 und bist dann und dann am Jungfernstieg. Ich sitze in der S 1 Richtung Poppen-büttel, die um Zeit x einläuft, im ersten Waggon.”!

Um Himmels Willen! Wir hätten uns ja verpassen können!

Fazit: Ich musste eine KOMPLETT neue Verbindung herausschreiben und hatte ihn länger an den Hacken als ich eigentlich wollte!

Nur eigenartigerweise: Als wir zu Norbert Susemihl ins Poppenbüttler Golf-Hotel Treudelberg wollten, hatte ich ihm gesagt, wie wir hinfah-ren, dass und welchen Bus wir bis zu welcher Haltestelle nehmen. An jenem Tag habe ich verschlafen!

Aber nun stelle man sich mal das ACHTE Weltwunder vor: Da hat er doch tatsächlich GANZ ALLEIN OHNE MICH ins Treudelberg gefunden!

Also ganz so orientierungslos wie ihn Mama immer gemacht hat, war er gar nicht!

Meine Mutter war auch nicht anders, hat auch immer gesagt “Aber was ist, wenn du dich verfährst oder verläufst?!”. Ich habe dann genau so oft immer wieder zurückgegeben “Ich habe einen Mund zum Fra-gen. Ob ich zehnmal oder zwanzigmal frage: Entscheidend ist, dass ich mein Ziel erreiche!

Ausserdem gibt es Leute, die mir auf jeden Fall weiterhelfen können – sei es die Polizei oder generell Motorisierte wie Taxifahrer oder ande-re.” Wenn sie weiter gemacht hat, hiess es irgendwann “…tschau Ma-ma!” und ich war ab durch die Mitte!

Sie hat mir völlig perplex hinterher gesehen, es mir aber schlussend-lich nie verdacht. Denn nur dadurch habe ich gelernt, eigenständig mit dem ÖPNV umzugehen!

Die Trennung wurde mehr als bitter nötig, als bei mir eine Arbeitser-probung* ganz gründlich in die Grütze ging. Es spielten mehrere Fak-toren zusammen, doch der Haupt-Störfaktor saß in Hamburg. Ständig spukte mir der Gedanke durch den Kopf: Was würde aus ihm werden, wenn man mich gleich zur Ausbildung dabehielte?!

Als ich eine erneute Arbeitserprobung bewilligt bekam, hielt ich es zu-nächst für einen Irrläufer. Denn dass bei den Ämtern meist eine Hand nicht weiss, was die andere macht, ist ein offenes Geheimnis.

Da kann man es haben, dass ein Sachbearbeiter einem die beantragte Leistung/ Maßnahme versagt und ein anderer Kollege bewilligt einem selbige. Was stimmt dann? Ab- oder Zusage?

In der stillschweigenden Annahme, dass es sich bei dem Schrieb um einen Irrläufer handele, habe ich dem keine weitere Beachtung ge-schenkt.

Nun war mein damaliger kaufmännischer G-Lehrgang ebenfalls vom Arbeitsamt bewilligt worden. Daher wusste man um meinen Verbleib.

Ich hatte Textverarbeitungsunterricht, welcher im EDV-Raum statt-fand. Um in den besagten Raum zu gelangen, musste ich unweigerlich am Büro unseres Schulleiters vorbei.

Als er mich vorbeihuschen sah, rief er mich und bat mich zu sich.

Ich bin hingegangen, denn ich hatte ja nichts zu befürchten:

Meine Leistungen waren in Ordnung.
Mein Verhältnis zu meinen Klassenkameraden: durchwachsen, aber ansonsten in Ordnung.
Ich hatte keinen Ärger mit den Dozenten oder Berufsschullehrern.
Übermäßige Fehlzeiten gab es auch nicht!

Als er mich auf die (augenscheinlich) ignorierte Bewilligung ansprach, habe ich zunächst geschluckt und mich gefragt, woher er darum weiss.

Nach dem ich mich nicht gemeldet hatte, nahm das Arbeitsamt an, dass mich deren Schrieb gar nicht erreicht hat, also: auf dem Postweg verloren gegangen ist.

Er bemerkte meine Zweifel und versicherte mir, dass mein Platz bei ih-nen sicher sei und erst bei entsprechender Info neu vergeben wäre.

Ich könnte die Maßnahme ganz beruhigt antreten.

Nun wusste ich ja, dass uns unsere Dozenten/ Institution (GRONE) gut gesonnen war und uns niemals sehenden Auges in unser sicheres Ver-derben hätte rennen lassen.

Die vergangene Arbeitserprobung reflektierend fragte ich mich nach dem damaligen Haupt-Störfaktor und kam sehr schnell zum Schluss, dass mich meine (unabgeschlossene, faktisch ungewollte) Beziehung an der nötigen Konzentration behinderte.

Also habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und mich von ihm getrennt. Er hat mir noch die Ohren voll geplärrt und mit Suizid gedroht – Pech nur, dass ich nicht auf diese Drohung eingegangen bin, sondern nur mit “Tu ‘s doch! Dann habe ich einen Deppen weniger an den Hacken!” quittiert habe.

Nach der Trennung habe ich mich gefühlt wie ein Sträfling, der sich sei-ner Steinkugel entledigt hat!

Das große “Kleinkind” lebt heute mit bald Mitte 40 bei seinen Eltern und läuft an einem sog. Dreifuß (einer Gehhilfe, die nicht umfallen kann), da er eine angebotene Hüft-Op abgelehnt hat.

Immer wenn er mich sieht, wirft er mir sehnsüchtigste Blicke zu – in der Hoffnung, dass ich zu ihm zurückkehre!

Aber seit er mich mit meinem heutigen Lebensgefährten Kristian gese-hen hat (und wir flirten dann ganz demonstrativ vor ihm! ;-)), lässt er mich in Ruhe!

Heute lasse ich mich nicht mehr in etwas drängen, wovon ich (für mich) ganz sicher weiss, dass ich nicht wirklich mit ganzem Herzen hin-ter stehen kann.

Entweder kann man hinter dem/ der Liebsten stehen oder man lässt es bleiben. Aber dann ist eine emotionale Größe und Aufrichtigkeit vonnöten zu sagen “Ich will derzeit keine Beziehung/ Ich will mit DIR keine Beziehung./ Um gleich mal Klartext zu reden: Eine Beziehung wie du sie gerne hättest und dir wünschst, kannst du knicken! Die ist nicht -heute nicht, morgen nicht, gestern oder vorgestern nicht, nicht über-morgen oder irgendwann!

Wir können gerne gute Kumpels sein und zusammen um die Häuser ziehen. Aber eine Beziehung wie du sie gerne hättest: Eher Nein als Ja!”

Punkt ist, dass man bei diesen Leuten eine (falsche) Hoffnung weckt und sie sich über etwas freuen, was sie faktisch gar nicht haben!

Ich habe auch schon einem ehemaligen Arbeitskollegen freundlich-be-stimmt Nein gesagt. Denn zu damaliger Zeit wollte ich einfach keinen Partner.

Er war mir zu sympathisch, um ihm ein halbherziges “Ja” zu geben.

Später sagte er mir, dass ihn meine Absage damals sehr getroffen hät-te. Doch schlussendlich sei er mir für meine Aufrichtigkeit sehr dank-bar, dass ich in ihm keine Hoffnungen geschürt habe, die sich per sè nicht erfüllt hätten.

* Arbeitserprobung: Vorberufliche Maßnahme

Es gibt drei vorberufliche Maßnahmen: Arbeitserprobung, Berufsfindung und den Förderlehrgang

Arbeitserprobung:

Dauer: vier Wochen
Klientel: Entweder Wissende, was sie machen wollen/ können oder bei denen ersichtlich ist, was sie machen können.

Im Hannoveraner Berufsbildungswerk war ein Maßnahme-Teilneh-mer, der bedingt durch einen Verkehrsunfall beide Beine und einen Arm verloren hatte und im Rollstuhl saß.

Dass so jemand wohl kaum in etwas Handwerklichen zu finden sein dürfte, dürfte selbst dem größten Nerd einleuchten!

Die Leute erhalten berufstypische Aufgaben (z. B. Aufsetzen eines Ge-schäftsbriefs gem. DIN Norm 508?).

Berufsfindung:

Dauer: Vierteljahr

Klientel: Unschlüssige, die entweder nicht wissen, was sie machen wol-len, oder bei denen nicht ersichtlich ist was sie (hinsichtlich ihrer Fähig-keiten) machen können.

Sie durchlaufen alle Ausbildungsbereiche und erhalten für jedes eine Beurteilung. Zum Ende der Maßnahme wird analysiert, was er/ sie (mangels “Talent” dazu) lieber lassen sollte (um eventuellen Enttäu-schungen/ Frustrationen oder Über- wie Unterforderung vorzubeu-gen) und wo er/ sie besonders gut abgeschnitten hat.

Förderlehrgang:

Dauer: Ein Jahr

Klientel: Ähnlich bei der Berufsfindung, nur muss hier noch die nötige Ausbildungsreife erlangt werden.

Im Idealfall münden alle Maßnahmen in eine überbetriebliche Lehre.

Während in den Berufsbildungswerken ausschließlich vorberufliche Maßnahmen und Erst-Berufsausbildungen absolviert werden, steht bei Berufsförderungswerken die Umschulung im Vordergrund.

Überbetriebliche Umschulungen erfolgen primär aus Gesundheits-gründen (z. B. Allergien) oder wenn der-/ diejenige aufgrund psychi-scher Traumata ihren erlernten Job nicht mehr (adäquat) ausüben kön-nen.