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Wie wir jemanden richtig kritisieren (Seite 2 von 2)

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Wenn Sie jemanden kritisieren wollen, können Sie es ihm leichter machen, Ihre Kritik anzunehmen. Dazu gibt es ein paar einfache Spielregeln:

Der Ton macht die Musik

Es ist sehr wichtig, sich einmal selbst klarzumachen, in welchen Ton wir unsere Mitmenschen kritisieren. Besonders bei Menschen, die uns nahe stehen oder mit denen wir schon sehr lange zusammenarbeiten, achten wir oft nicht mehr auf unseren Ton. Und so wird aus unserer Kritik schnell ein Anblaffen. Damit machen wir es der anderen Person natürlich sehr schwer, uns zuzuhören und unsere Kritik anzunehmen. Mehr noch: der Angegriffene wird vermutlich zum Gegenschlag ausholen und selbst angreifen. Und dann sind Sie wieder mitten in einem Streit.

Beginnen Sie jede Kritik mit einem Lob

Bevor Sie das nächste Mal eine andere Person kritisieren, könnten Sie diese Person zuerst für irgendetwas loben. Wenn Sie Ihre Kritik mit etwas Positivem einleiten, fühlt sich Ihr Gegenüber respektiert und gewürdigt und die nachfolgende Kritik tut ihm oder ihr mehr nicht so weh. Ihr Gesprächspartner oder -partnerin kann Ihnen dann wahrscheinlich viel leichter und offener zuhören.

Wenn Sie glauben, es gäbe nichts Positives

Vielleicht denken Sie, dass Ihnen meist aber gar nichts Positives einfällt. Dann liegt es in der Regel nicht daran, dass es tatsächlich nichts Positives zu bemerken gibt, sondern vielmehr daran, dass wir uns nicht genug Mühe geben, es zu erkennen. Denn: Es gibt immer irgendetwas Positives zu sagen. Nehmen Sie das gleich als ein kleines Training, Ihren Fokus mehr auf die positiven Dinge zu legen.

Finden Sie Gegen- und Verbesserungsvorschläge

Es ist oft leichter, einen Gegenvorschlag oder ein Verbesserungsvorschlag anzunehmen als pure Kritik. Stellen Sie also nicht das Problem, sondern die Lösung in den Mittelpunkt. Statt zu sagen, was Ihnen nicht gefällt, versuchen Sie das nächste Mal lieber einen Vorschlag zu machen, was Sie für richtig oder effektiver halten.

Beachtung verstärkt die Dinge

In der Regel werden die Dinge verstärkt, denen wir Beachtung schenken. Wenn Sie sich also nur auf die Fehler oder Unzulänglichkeiten einer anderen Person konzentrieren, schenken Sie dem Negativen viel Aufmerksamkeit. Viel nützlicher ist es aber oft, Alternativvorschläge zu machen oder Tipps dafür zu geben, wie es besser gehen könnte. Dann weist Ihre Kritik auch gleich in die richtige Richtung: nämlich nach vorn auf die Lösung zu.

Ohne Gegenvorschlag keine Kritik

Falls Ihnen selbst kein Verbesserungsvorschlag einfällt, können Sie sich einmal überlegen, ob Sie dann überhaupt kritisieren sollten. Anstatt die Person zu kritisieren, sagen Sie dann vielleicht etwas in der Art: “Bei diesem und jedem habe ich noch kein gutes Gefühl.” Damit können Sie ein Gespräch über ein Problem beginnen, ohne Ihren Gegenüber direkt zu kritisieren.

Machen Sie deutlich, dass Sie Ihre persönliche Meinung äußern

Wenn Sie Kritik als Ihre ganz persönliche Meinung kennzeichnen, fällt es dem Gegenüber wahrscheinlich leichter, sich nicht angegriffen zu fühlen. So können Sie z.B. sagen: “Also, meiner Auffassung nach könnten dies noch verbessert werden und zwar …” oder “Ich weiß nicht wie Du das siehst, aber ich denke, dass …”.

Denn: Ihre Kritik ist tatsächlich Ihre ganz persönliche Meinung

Viele von uns vergessen, dass Kritik immer aus unserer persönlichen Meinung entsteht. Wie überzeugt Sie auch immer sein mögen, letztlich äußern Sie mit Ihrer Kritik wirklich nur Ihre persönliche Ansicht, denn es gibt für alles immer verschiedene Sichtweisen.

Auch Vorgesetzte können sich irren

Vielleicht sehen Sie sich als Vorgesetzte, Lehrer oder Elternteil in der Position, Ihre Meinung über die von anderen zu stellen. Und es kann ja auch gut sein, dass Sie tatsächlich recht haben mit Ihrer Kritik. Denken Sie aber vielleicht einmal daran, dass immer viele verschiedene Wege möglich sind, und dass es zu jeder Ansicht eine Gegenansicht gibt.

Überprüfen Sie, ob Ihre Kritik angebracht ist

Nicht immer ist unsere Kritik tatsächlich notwendig. Dann kritisieren wir andere Menschen völlig ungefragt, weil wir z.B. glauben, es besser zu wissen oder weil wir der Person helfen möchten. So gut Sie das vielleicht auch meinen mögen, denken Sie daran: Jeder Mensch hat das Recht seine Fehler selbst zu machen. Wir lernen vor allem durch Ausprobieren. Wenn Sie also das nächste Mal eine andere Person kritisieren wollen, überlegen Sie zuerst, ob das wirklich angebracht ist und fragen Sie vielleicht einmal, bevor Sie zu kritisieren beginnen, ob der andere überhaupt an Ihrer Ansicht interessiert ist.

Literatur zum Thema:

  1. Michael J.Bauch schreibt am 4. April 2011 um 14:58

    Die Zeit der Einzelkämpfer ist endgültig vorbei. Ein gut funktionierendes Team ist der Erfolgsfaktor im Arbeitsalltag, aber auch Grundvoraussetzung in Krisensituationen wie einem Veränderungsprozess. In der Realität scheitern Teams aber häufig bei der Zusammenarbeit und gegenseitige Kritik ist an der Tagesordnung. Kritisieren ist keine Kunst. 80% der „Kritik“ ist jedoch nur Nörgelei und kann getrost gespart werden. Wenn das gelingt, dann werden die wirklich wichtigen Kritikpunkte auch wahrgenommen und können konstruktiv gelöst werden.

    Kritik darf keine Einbahnstraße von oben nach unten sein. Menschen, die kritisieren, werden oft abgetan oder die Kritik wird persönlich genommen. Tatsächlich jedoch liefert Kritik kostenlose Bausteine für die Entwicklung einer Abteilung bzw. eines Unternehmens. Führungskräfte sind die entscheidenden Schlüsselpersonen für die Kommunikationskultur in der Abteilung. Sie sollten neugierig und risikofreudig bleiben und Kritik als kostenlose Beratung für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Ihrer Abteilung bzw. ihrem Unternehmen sehen. Eine gekonnt und bewusst gelebte Kritikkultur wird die Kommunikation systematisch fördern. So wird verhindert, dass hintenrum getuschelt wird und letztlich nichts dabei herauskommt.

    Eine sehr wichtige Frage finde ich persönlich, wann kein Kritikgespräch erfolgen sollte. Dies immer dann, wenn ein Mitarbeiter sich nicht an Vorgaben hält bzw. einen Fehler macht und seine falsche Handlung selbst erkennt (und natürlich verbessert). Dann, so meine persönliche Erfahrung, würde ein Kritikgespräch nur noch verletzen.

    Immer dann, wenn ein Mitarbeiter sich nicht an Vorgaben hält bzw. einen Fehler macht und gleichzeitig seine Handlung mutmaßlich als richtig einstuft stelle ich mir die Frage nach der (Aus-)Wirkung. Ein Kritikgespräch erfolgt dann, wenn meine Wahrnehmung eine Auswirkung hat oder haben könnte.

    Übrigens halte ich gar nichts von Lob vor einem Kritikgespräch. Ich spüre das und denke mir in solchen Situationen: "Komm endlich zur Sache bitte". Alles zu seiner Zeit!