Das kleine ABC der erfolgreichen Kommunikation
Von Tania Konnerth
Hier finden Sie ein kleines Alphabet der zwischenmenschlichen Kommunikation. Es geht also im Wesentlichen um die Gestaltung von Gesprächen jeder Art.
Dieses Alphabet hat nicht den Anspruch, das Thema wissenschaftlich oder erschöpfend zu behandeln, sondern es will vor allem Denkanstöße vermitteln. Hier werden Aspekte angesprochen, die unserer Ansicht nach wichtig für die Kommunikation sind, die aber nicht immer so gezielt beachtet werden. Zu jedem Punkt finden Sie Reflexionsfragen, mit denen Sie die einzelnen Bereiche noch für sich selbst durchdenken können.
A wie anders
Jeder ist anders – eigentlich eine Binsenweisheit, die aber gerade in der Kommunikation gerne vergessen wird. Wir gehen z.B. vorschnell davon aus, auf dieselbe Art zu kommunizieren. So nehmen wir an, mit denselben Wörtern dieselben Dinge zu bezeichnen und mit denselben Formulierungen dieselben Phänomene zu beschreiben. Genau das aber muss nicht so sein.
Wer sich darüber bewusst ist, dass jeder Mensch anders ist – und entsprechend anders kommuniziert – kann eine tragfähige Basis zur Verständigung schaffen. Mit diesem Gedanken im Kopf gehen wir nicht mehr einfach davon aus, den anderen zu verstehen oder verstanden zu werden, sondern wir tragen aktiv Sorge dafür, dass es wirklich so ist.
Reflexionsfragen:
- Welche Unterschiede in der Kommunikation kennen Sie?
- In wieweit kommunizieren andere anders als Sie?
- Welche Probleme bringt das?
- Und wie kann man diese lösen?
B wie Bewusstsein
Bewusstsein kann sich in der Kommunikation auf sehr viele verschiedene Bereiche beziehen, wie z.B.:
- auf unsere Wortwahl und deren Wirkung
- auf unsere Körpersprache und deren Wirkung
- auf unsere Botschaft zwischen den Zeilen
- und vieles mehr.
Je bewusster wir uns unseres Verhaltens, unserer Kommunikationsmittel und deren Wirkung sind, desto gezielter und gekonnter können wir sie benutzen. Wir überlassen unsere Kommunikation dann nicht mehr dem Zufall, sondern gestalten sie aktiv.
Reflexionsfragen:
- Wie bewusst sind Sie sich ihrer eigenen Kommunikationsfähigkeiten, -strategien und -mittel?
- Wie könnten Sie hier mehr Bewusstsein erlangen?
- Wer könnte Ihnen ein neutrales Feedback geben?
C wie Charisma
Kommunikation mit charismatischen Menschen macht uns besonders viel Freude. Wir sind von diesen Menschen fasziniert und begeistert. Wir hängen ihnen oft regelrecht an den Lippen. Wäre es nicht toll, ebenfalls so viel Charisma zu haben?
Überlegen Sie doch einmal, was für Sie Charisma ausmacht. Was ist es konkret, was Sie da so anspricht? Was macht charismatische Menschen attraktiv? Für viele entsteht der Reiz aus einer Kombination aus Lebendigkeit und Authentizität. Charismatische Menschen scheinen “ganz da” zu sein. Sie sind witzig, aufmerksam und sprühen nur so vor Energie. Eine andere Form von Charisma entsteht aus einer inneren Reife. Solche Menschen wirken selbstsicher und überlegen. Sie strahlen Führungskompetenz aus.
Was auch immer Charisma für Sie persönlich ausmacht – probieren Sie bitte nicht, die Sache einfach zu kopieren. Das ist zwar ein Tipp, den man in manchen Kommunikationsratgebern lesen kann, aber Charisma entsteht von innen heraus und kann nicht einfach außen aufgesetzt werden. Der erste Schritt, charismatisch zu wirken, könnte sein, sich selbst anzunehmen. Sich genauso anzunehmen, wie Sie jetzt sind – mit Ihrer ganz persönlichen Art zu kommunizieren und auf andere zuzugehen. Schauen Sie, welche Stärken Sie haben und was Sie ausmacht. Das sind die Elemente, aus denen Ihre Ausstrahlung entsteht und sich weiterentwickeln kann.
Reflexionsfragen:
- Was bedeutet Charisma für mich?
- Wie wirke ich auf andere?
- Was sind meine (Kommunikations)Stärken und wie kann ich diese noch besser nutzen?
- Wie kann ich authentisch sein?
D wie Dolmetscher
Dolmetscher werden eingesetzt, um eine Kommunikation zwischen zwei Menschen zu ermöglichen, die jeweils eine Sprache sprechen, die der andere nicht versteht. Beim Sprechen unterschiedlicher Fremdsprachen leuchtet diese Idee ein – tatsächlich aber könnte auch so manches Mal in der Kommunikation in derselben Sprache eine Übersetzung nötig sein, so unterschiedlich wie wir oft miteinander kommunizieren.
Denken Sie ruhig einmal an das Bild vom Dolmetscher, wenn Sie mit einem Menschen ständig in Konflikte geraten oder wenn es im Team Dauerspannungen gibt. Vielleicht ist hier nur die Verständigung gestört, weil – bildlich gemeint – verschiedene Sprachen gesprochen werden. Ein Aufdecken eines solchen Phänomens kann es möglich machen, doch noch zusammenzukommen.
Reflexionsfragen:
- Fallen Ihnen Situationen ein, in denen Sie sich manchmal einen Dolmetscher wünschten, um sich anderen verständlich zu machen? Welche sind das?
- Wer könnte in solchen Situationen für eine bessere Verständigung sorgen?
- Was können Sie selbst dafür tun?
E wie Empfänger
Es macht Sinn, sich immer mal wieder zu überlegen, wer eigentlich der Empfänger der eigenen Kommunikation ist – und vor allem, ob und wie die eigenen Sendungen beim Empfänger ankommen.
Es gibt Menschen, die kommunizieren wie Fernseh- oder Radiosender: einfach senden, ob es ankommt, wird nicht überprüft. Stilvoller und vor allem effektiver ist es allerdings, sich seiner “Zielgruppe” – also der Menschen, die von unseren Worten erreicht werden sollen, bewusst zu sein und sich auf das anvisierte Kommunikationsziel auszurichten.
Reflexionsfragen:
- Wer sind ganz konkret die Empfänger Ihrer Kommunikation?
- Was zeichnet diese Empfänger aus?
- Was könnte es diesen Empfängern leichter machen, Sie zu verstehen bzw. wie könnten Sie Ihre Empfänger besser verstehen?
F wie Flüstern
Auch wenn es häufig angewandt wird, so erreicht man eine bessere Kommunikation nicht dadurch, dass man lauter wird. In Streits und Konfliktsituationen kann man immer wieder beobachten, wie sich die Gesprächspartner durch eine immer lauter werdende Stimme versuchen, Gehör zu verschaffen bzw. ihr Recht oder ihren Willen durchzusetzen. Für eine Kommunikation, die auf Verständigung zielt, ist aber eine ständige Erhöhung des Lautstärkepegels kontraproduktiv.
Häufig wäre es viel besser, bildlich gesprochen, zu flüstern. So ließe sich die Aufmerksamkeit vielleicht wieder auf die Inhalte und Kommunikationsziele richten.
Reflexionsfragen:
- In welchen Situationen erwische ich mich selbst dabei, wie ich mir durch eine Steigerung der Lautstärke mehr Gehör verschaffen will?
- Wie könnte ich das durch andere Mittel schaffen?
- Wie kann ich konstruktiv darauf reagieren, wenn jemand anders immer lauter wird?
G wie Gemeinsam
Kommunikation ist keine Einbahnstraße – zumindest sollte sie das in den meisten Fällen nicht sein. Den Aspekt der “Gemeinsamkeit” im Auge zu behalten, kann wesentlich dazu beitragen, eine Verständigung zu fördern. Das allerdings erfordert, neben dem eigenen Kommunikationsziel auch die Kommunikationspartner wahrzunehmen und gelten zu lassen.
Reflexionsfragen:
- Was ist mir in dieser Kommunikationssituation wichtig?
- Was könnte den anderen wichtig sein? (Wie kann ich das herausfinden, falls ich es nicht weiß?)
- Wie wird es möglich, dass wir alle auf unsere Kosten kommen?
H wie Humor
Humor wird in der Kommunikation gerne und auch mit vielen Vorteilen eingesetzt. Er kann heikle Situationen entschärfen und so manches lässt sich mit einer Prise Humor leichter sagen. Aber, aufgepasst: nicht jede/r versteht jede Art von Humor.
Ein Grundsatz könnte lauten: Humor ist das Salz in der (Kommunikations)Suppe, aber es gilt aufzupassen, dass man es nicht übertreibt, da die Suppe sonst schnell versalzen schmeckt.
Reflexionsfragen:
- Welchen Humor habe ich?
- Welchen Humor hat mein Gegenüber? Wie kann ich das herausfinden?
- Welche Art von Humor und wie viel ist hier angemessen?
I wie Informationsgehalt
Es ist bemerkenswert, wie abwertend viele Menschen auf das Stichwort Smalltalk reagieren. Viel negativer ist aber eigentlich das, was man “leeres Gerede” nennen kann. Smalltalk kann durchaus aus leerem Gerede bestehen (muss es aber nicht), aber leeres Gerede gibt es auch in allen möglichen anderen Gesprächs- und Kommunikationsformen. “Leeres Gerede” entsteht oft aus einer Unsicherheit heraus oder aus dem Wunsch, nichts Falsches zu sagen oder einfach aus der Tatsache, nicht Mitteilenswertes zu haben.
Das, was wir mitzuteilen haben, bestimmt den Informationsgehalt unserer Kommunikation. Wenn man sich vornimmt, nur dann etwas zu sagen, wenn man auch wirklich etwas zu sagen hat, ist das das Beste, was man vorbeugend gegen “leeres Gerede” tun kann. Wenn Sie nichts zu sagen haben, ist es oft besser zu schweigen – oder stellen Sie eine interessierte Frage (das fördert die Kommunikation weitaus besser).
Reflexionsfragen:
- Habe ich wirklich etwas zu der Sache zu sagen?
- Wenn nicht – was interessiert mich? Kann ich daraus eine Frage formulieren?
- Wie geht es mir damit, auch mal nichts zu sagen?
K wie Klarheit
Ein nützlicher Kommunikationsgrundsatz könnte lauten: “Kommuniziere so klar wie möglich”. Warum? Weil sich dadurch Missverständnisse reduzieren lassen und es leichter wird, einander zu verstehen.
“Klar” heißt möglichst einfach und unkompliziert. Dazu gehört z.B.
- komplizierte Dinge so auszudrücken, dass sie auch von jemandem verstanden werden können, der die Materie nicht kennt,
- auf Fremdwörter zu verzichten,
- die Sache nicht endlos lange zu umschreiben, sondern auf den Punkt zu kommen,
- sich in Stil und Ausdruck dem Gegenüber anzupassen
- und anderes mehr.
Reflexionsfragen:
- Bin ich so klar in meinen Aussagen, wie ich denke?
- Wie kann ich das überprüfen?
- Und wie kann ich vielleicht noch klarer werden?
J wie Ja
Das kleine Wörtchen “ja” ist ein Zauberwort und das nicht nur, aber eben auch gerade in Bezug auf die Kommunikation. Gehen Sie in Gespräche möglichst immer mit einem inneren “ja” – mit einem “ja” der Person gegenüber und auch dem Thema. Dieses “Ja” muss keine Zustimmung sein, sondern damit ist die innere Bereitschaft gemeint, sich auf die Person und das Thema einzulassen. Ein inneres “nein” baut Mauern und macht es oft unmöglich, zusammenzukommen.
Wenn Ihnen die Bereitschaft, sich auf den anderen einzulassen, unmöglich ist, sollten Sie überlegen, ob es dann überhaupt Sinn macht, in das Gespräch zu gehen.
Reflexionsfragen:
- Wie kann ich mich für meinen Kommunikationspartner öffnen, auch wenn ich ihn z.B. nicht mag?
- Wie kann ich mich auf ein Thema einlassen, auch wenn es mich nicht interessiert?
- Was kann ich tun, wenn ich nicht zu einem inneren “ja” bereit bin?





