Das kleine ABC der erfolgreichen Kommunikation - Teil 2
Hier folgt Teil 2 unseres Kommunikationsalphabets.
L wie Lernen
Kommunikation ist etwas Hochkomplexes und sie ist ganz schön schwierig. Damit eröffnet sich ein riesiges Lernfeld!
Wenn Sie das Thema “Kommunikation” als etwas sehen, wo Sie ständig dazulernen können, bleiben Sie offen für Anregungen und Neues. Und das ist eine gute Vorraussetzung, Ihre Kommunikationsfähigkeiten stetig zu verbessern.
Reflexionsfragen:
- Was alles möchte ich in Bezug auf das Thema Kommunikation lernen?
- Wer oder was kann mir dabei helfen?
M wie Mut
Zur Kommunikation gehört auch Mut. Warum? Weil wir auf andere zugehen müssen, weil wir etwas von uns zeigen und geben und weil wir riskieren, z.B. nicht angenommen, nicht gemocht oder nicht verstanden zu werden. Darüber hinaus kann Kommunikation immer auch zu Konflikten führen und dieses Risiko einzugehen, erfordert ebenfalls Mut.
Reflexionsfragen:
- Welche Aspekte der Kommunikation fordern Mut auf meiner Seite?
- Was bedeutet es für mich, mutig zu sein?
- Wir kann ich den Mut aufbringen, mich wirklich auf das Gespräch oder die Kommunikationssituation einzulassen?
- Wie sehe ich den anderen, wenn ich mir klarmache, dass auch für ihn die Kommunikation mit mir vielleicht Mut erfordert?
N wie Neugier
Nicht jede/r empfindet Neugier als etwas Positives. Natürlich kann eine übertriebende Neugier unangenehm sein. Grundsätzlich aber ist Neugier in Bezug auf die Kommunikation etwas sehr Schönes und zwar weil sie öffnet. Wer neugierig ist, zeigt Interesse. Und unser Interesse lässt uns aufmerksam werden und zuhören. Wenn wir offen und neugierig sind, halten wir nicht mehr an dem fest, was wir schon zu wissen glauben, sondern wir möchten Neues bzw. mehr erfahren. Und das ist eine schöne Basis, um sich kommunikativ besser kennen zu lernen.
Reflexionsfragen:
- Wie kann ich mich im positiven Sinne neugierig auf andere Menschen machen?
- Was könnte ich alles interessant finden?
- Wo könnte es spannend werden, von anderen mehr zu erfahren?
O wie “ohne Bedeutung”
Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass es in der Kommunikation fast nichts gibt, was ohne Bedeutung ist. Wir registrieren viel mehr voneinander als uns bewusst ist. Wenn Sie also z.B. in einem Nebensatz etwas “einfach dahinsagen”, dann hat auch das eine Wirkung – ebenso wie z.B. gedankenlose Gesten oder schnell gemachte “Späßchen”.
Wer effektiv kommunizieren will, sollte sich klarmachen, dass alles im Miteinander gedeutet werden und somit auch eine Wirkung haben kann.
Reflexionsfragen:
- Wenn ich zurückdenke, gab es Situationen, in denen andere auf etwas reagiert haben, dem ich selbst keine Bedeutung zugemessen habe?
- Welche Folgen hatte das?
- Wie kann ich lernen, mir meiner Äußerungen besser bewusst zu werden?
P wie Präsentation
Auch eine Präsentation ist eine Form der Kommunikation. Und wir können aus der Art, wie professionelle Präsentation gemacht werden, eine Menge auch für unsere alltägliche Kommunikation mitnehmen, wie z.B.:
- Gute Präsentationen werden gut vorbereitet.
- Zu einer guten Präsentation gehört, dass man sich genau klarmacht, was man eigentlich mit seiner Präsentation erreichen will.
- Man überlegt sich, vor wem man präsentiert und richtet die Präsentation auf das Zielpublikum aus.
- Eine gute Präsentation ist so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig.
- u.a.
Klar, im Alltag kann man nicht ständig den Aufwand einer Präsentation betreiben. Für bestimmte Anlässe aber lohnt es sich durchaus.
Reflexionsfragen:
- Wie kann ich meinen Standpunkt möglichst gut präsentieren?
- Für welche Anlässe sollte ich mich vielleicht systematisch vorbereiten, bevor ich in das Gespräch gehe?
Q wie Quasseln
Sehr viele Menschen hören sich selbst gerne reden. Dementsprechend reden sie oft und viel. Hier gilt es, darauf zu achten, andere Menschen nicht einfach “vollzuquasseln”. Gerade, wenn uns z.B. viel durch den Kopf geht oder wir viel erlebt haben, sprudeln wir nur so über. Das ist in einem gewissen Rahmen auch in Ordnung, wir sollten aber dennoch nicht ganz vergessen, einmal zu schauen, wie der andere darauf reagiert. Es könnte sein, dass diese Person gerade nicht in Zuhörlaune ist bzw. dass sie selbst ganz viel zu berichten hat.
Wenn Sie in Quassellaune sind, kündigen Sie das am besten vorher an und fragen Sie beim anderen nach, ob das für ihn oder sie in Ordnung ist.
Reflexionsfragen:
- Woran kann ich erkennen, dass ich jemanden “vollquassel”?
- Wie kann ich konstruktiv reagieren, wenn mich jemand “vollquasselt” und ich dazu keine Lust habe?
R wie Recht haben
Bei der Kommunikation geht es sehr häufig darum, dass ein (oder auch beide) Kommunikationspartner Recht haben will. Dieses “Recht haben wollen” führt sehr schnell zu einem Gegeneinander.
Wenn wir damit beschäftigt sind, den anderen überzeugen zu wollen (oder auch einfach nur übertönen wollen), befinden wir uns in einer Einweg-Kommunikation. Wir sind dann nicht mehr offen für die Botschaften des anderen. Eine effektive Kommunikation wird auf diese Weise schwierig bis unmöglich.
Reflexionsfragen:
- Wie oft geht es mir eigentlich darum, “Recht haben” zu wollen?
- Wem gegenüber und in welchen Situationen ist es mir besonders wichtig?
- Wie kann ich dem entgegensteuern und mich wieder für den Austausch öffnen?
- Wie empfinde ich es, wenn jemand anderes unbedingt Recht haben will?
S wie Störung
In der TZI (der “themenzentrierten Interaktion”, einem Kommunikationsmodell nach Ruth Cohn) gilt der Grundsatz “Störungen haben Vorrang”. Diese Regel soll sicherstellen, dass sich alle Beteiligten zu jeder Zeit voll und ganz auf das jeweilige Thema konzentrieren können. Treten Störungen auf, werden diese zunächst behandelt, damit sie nicht weiter dazwischenfunken.
Ob es sinnvoll ist, immer nach dieser Regel zu handeln, ist sicher diskutierenswert – in vielen Situationen käme man dann nämlich gar nicht mehr voran. Aber grundsätzlich ist es schon zu empfehlen, Störungen bewusst wahrzunehmen bzw. sie überhaupt erst einmal als solche zu identifizieren. Wenn Sie z.B. ein Mitarbeitergespräch führen und im Hintergrund ein ohrenbetäubender Lärm in der Maschinenhalle tobt, ist das eine Störung, die Ihre gemeinsame Kommunikation negativ beeinflussen wird. Oder wenn Sie versuchen, Ihrer Tochter klarzumachen, dass sie nicht einfach auf die Straße rennen darf, diese aber von einem wuschlig-süßen Hund abgelenkt wird, wird Ihre Botschaft kaum bis gar nicht ankommen.
Reflexionsfragen:
- Gibt es Störungen in dieser Situation?
- Wenn ja, welche und wie stark beeinflussen sie unsere Kommunikation?
- Lassen sich die Störungen abstellen? Wenn ja, wie? Wenn nein, wie können wir trotzdem möglichst effektiv kommunizieren?
T wie Timing
Das Timing, also die Wahl des richtigen Zeitpunkts, kann für den Erfolg von Gesprächen und anderen Kommunikationssituationen sehr entscheidend sein. Ein schlecht gewählter Zeitpunkt kann z.B. zu Ungeduld, Unlust, Ärger oder auch zu einem Abbruch der Kommunikation führen.
Wenn wir im Kopf haben, dass unser Kommunikationspartner nicht jederzeit für uns bereitstehen muss, fällt es leichter, sensibel dafür zu werden, wann ein Thema oder ein Gespräch passt und wann nicht.
Reflexionsfragen:
- Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um das Gespräch zu beginnen?
- Woran kann ich das merken?
- Wie kann ich sicherstellen, dass mein Kommunikationspartner wirklich bereit dazu ist, jetzt mit mir zu kommunizieren?
- Könnte es vielleicht einen besseren Zeitpunkt geben – und wenn ja, welchen?
U wie Unachtsamkeit
Dieser Punkt klang bereits in einigen anderen an, aber er ist wichtig genug, ihn noch einmal zu betonen: Viele Probleme in der zwischenmenschlichen Kommunikation entstehen, weil wir mehr bei uns als beim anderen sind. Wir sagen – ohne es zu merken – Dinge, die z.B. verletzend oder anmaßend wirken oder wir registrieren nicht, wenn jemand mit dem Gespräch überfordert ist oder vielleicht einfach schlechte Laune hat – aber wir sind dann ganz verwundert, dass die Kommunikation nicht klappt.
Indem wir achtsam für unsere Kommunikationspartner sind, können wir sehr viel dafür tun, dass die Kommunikation für beide Seiten gut verläuft.
Reflexionsfragen:
- Wie kann ich mich darin schulen, mehr auf den anderen zu achten?
- Wie sensibilisiere ich mich für meine Kommunikationspartner?
V wie Verstehen
Ziel einer effektiven Kommunikation ist, dass die Gesprächspartner einander verstehen. Selbst bei einer “Einbahnkommunikation” wie z.B. einem Befehl oder einer Anweisung, ist es wichtig, dass die gesendete Nachricht auch wirklich ankommt. Allerdings ist gerade das “Verstehen” einer der schwierigsten Punkte bei der Kommunikation. Wir sind zwar oft davon überzeugt, dass man uns verstehen müsste, aber das heißt noch lange nicht, dass es auch wirklich so ist. Und je komplexer der Austausch oder die Themen werden, desto schwieriger wird es in der Regel mit dem Verstehen.
Gehen Sie im Zweifelsfall immer eher davon aus, nicht verstanden zu werden. Dann werden Sie mehr Sorgfalt darauf verwenden, dass Sie Ihre Botschaft “empfängergerecht” vermitteln bzw. können Sie dann durch gezieltes Nachfragen sicherstellen, was wirklich beim anderen angekommen ist.
Reflexionsfragen:
- Gehe auch ich vielleicht oft vorschnell davon aus, von anderen verstanden zu werden?
- Wie kann ich überprüfen, ob man mich wirklich versteht?
- Wie kann ich sicherstellen, dass ich andere richtig verstehe?
W wie Watzlawick & Co
Paul Watzlawick gehört zu den großen Kommunikationswissenschaftlern. Außer ihm haben sich noch zahlreiche andere Wissenschaftler mit dem Thema befasst und es gibt auch viele Buchveröffentlichungen zu Kommunikationstheorien und -modellen.
Sich mit der theoretischen Seite der Kommunikation zu befassen, kann sehr hilfreich sein, um die Vorgänge in der Praxis besser zu verstehen und vor allem um nachvollziehen zu können, was schief läuft. Deshalb ist es ratsam, hier möglichst viel zu lesen und die Modelle und Ansätze gut zu durchdenken.
Reflexionsfragen:
- Welche Kommunikationsmodelle oder -theorien kennen Sie?
- Fallen Ihnen Autoren oder Buchtitel zum Thema “Kommunikation” ein?
- Wenn nicht – wo könnten Sie diese recherchieren? (Tipp: einige finden Sie hier)
X wie “X für ein U vormachen”
Jemanden ein “X für ein U vormachen” beschreibt, dass wir eine Sache als etwas darstellen, was sie nicht ist. Die Spannbreite ist hier recht weit und reicht vom kleinen Beschönigungsversuch über die Schwindelei bis hin zum Betrug. Wie auch immer man es nennt, hier geht es um den Versuch der Manipulation. Wir möchten jemanden dazu bringen, etwas zu tun oder etwas anders zu sehen. Welche Mittel dafür gerechtfertigt sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und damit sind wir mitten in ethisch-moralischen Fragen.
Reflexionsfragen:
- Wann glaube ich durch meine Kommunikation manipulieren zu dürfen?
- Gestehe ich, wenn ich es mir erlaube, auch anderen zu, mich kommunikativ zu manipulieren?
- Welche anderen Wege gibt es als den der Manipulation?
Z wie Zuhören
Dieser wichtige Aspekt in der Kommunikation steht nur deshalb ganz hinten, weil das “Z” eben der letzte Buchstabe im Alphabet ist. Im Grunde aber gehört das Zuhören mit an die erste Stelle.
Nur wer zuhört, kann mitbekommen, was der Kommunikationspartner sagt. Was so einfach klingt, ist in der Praxis oft endlos schwer. Die meisten Menschen reden gerne selbst, tun sich aber schwer, anderen zuzuhören. Zuhören besteht nämlich nicht nur darin, leise zu sein, solange der andere spricht, sondern auch aufzunehmen, was und wie etwas gesagt wird – und dabei vor allem nicht schon gedanklich bei dem zu sein, was man antworten will.
Reflexionsfragen:
- Wie gut kann ich zuhören?
- Wann fällt es mir leichter zuzuhören, wann schwerer?
- Wie kann ich meine Fähigkeit zum Zuhören verbessern?
Literatur zum Thema
- Christian-Rainer Weisbach: Professionelle Gesprächsführung
- Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation
- Eva Neumann: Ich bin da anderer Meinung…




