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Was Sie tun können, wenn jemand depremiert ist (Seite 3 von 3)

deprimiert

Wie schon gesagt: Viel können Sie leider nicht tun. Und weil das sehr frustrierend sein kann, ist es besonders schwer als Angehöriger und Freund einen depressiven Menschen zu begleiten.

Das was Sie tun können, besteht vor allem darin, die Depression zusammen mit dem Betroffenen durchzustehen – und zwar ohne Vorwürfe, ungehaltene Ausbrüche oder Frust, sondern mit viel Liebe und Verständnis.

Das Wichtigste: Sorgen Sie gut für sich

Tipp

Erkundigen Sie sich nach einer Selbsthilfegruppe für Angehörige in Ihrer Nähe. Falls es keine gibt, könnten Sie selbst eine gründen. Der Austausch mit anderen Betroffenen ist sehr hilfreich.

So seltsam es klingen mag: mit das wichtigste, was Sie tun können, ist gut für sich selbst zu sorgen. Die Depression eines nahestehenden Menschen durchzustehen kostet viel Kraft, Geduld und Liebe. Solange es Ihnen gut dabei geht, haben Sie diese Kraft. Wenn Sie selbst zu leiden beginnen, ist das nicht nur für Sie schlimm, sondern besonders auch für den Depressiven. Damit werden die Schuldgefühle verstärkt. Sorgen Sie also dafür, dass Sie ausreichend Kraft haben, damit Sie dem anderen Halt und Zuversicht geben können. Sie brauchen diese Kraft, um Ihre erzwungene Untätigkeit in der Phase einer akuten Depression auszuhalten. Scheuen Sie sich nicht, ggf. fachlichen Rat anzunehmen.

Aktiv helfen können Sie erst nach der Depression

Aktiv helfen können Sie eigentlich erst dann, wenn die akute Depression nachlässt und die Person wieder “klar denken” kann. Falls Sie das Vertrauen dieser Person haben und sie Ihnen gestattet, überhaupt als “Helfer” aktiv zu werden, können Sie nach der akuten Depression weitere Schritte überlegen. Sie können sich z.B. anbieten zu einem Therapeuten mitzufahren, einmal gemeinsam nach Literatur zu suchen oder zu recherchieren, ob es eine Selbsthilfegruppe in der Nähe gibt. Aber – wie schon gesagt – erst wenn:

Und das können Sie in der depressiven Phase tun

In der Depression können Sie vor allem da sein und da bleiben. Es geht darum, einfach zusammen mit dem Deprimierten diese Phase durchstehen. Ohne Wenn und Aber und ohne kluge Ratschläge. Fragen Sie danach, was der andere braucht. Besorgen Sie vielleicht etwas besonders Leckeres zu essen, aber seien Sie nicht enttäuscht, wenn es nicht gegessen wird. Sie können sich sicher sein: Ihre liebevolle Aufmerksamkeit tut dem Deprimierten gut, auch wenn er oder sie es nicht zeigen kann. Besorgen Sie vielleicht auch ein paar frische Blumen. Verlassen Sie den Raum, wenn der andere allein sein möchte, aber bleiben Sie möglichst in der Wohnung – also verfügbar und ansprechbar, ohne sich aufzudrängen.

Angst nehmen und “Normalität” herstellen

Eine fundamentale Angst depressiver Menschen ist es, verlassen zu werden. Sie denken, dass sie nicht liebenswert sind und durch die Depression verschärft sich ihre Angst enorm. Es ist gut, wenn Sie diese Angst durch Worte und Verhalten auffangen können. Zeigen Sie, dass Sie den anderen mögen, indem Sie da sind. Und ganz wichtig: Sagen Sie es. Und das möglichst oft. Egal, wie oft der andere Ihre Worte in Zweifel zieht und auch wenn Sie das Gefühl haben, sich x-mal zu wiederholen.

Eine weitere Angst des Depressiven ist “verrückt” zu sein. Auch hier können Sie immer wieder mit Worten und Taten beschwichtigen und zum Ausdruck bringen, dass der andere nicht verrückt ist – am besten, indem Sie sich ganz normal verhalten und die Depression selbst annehmen.

Was Sie sagen können

Hier finden Sie einige hilfreiche Sätze, die Sie Menschen sagen können, die in einer depressiven Stimmung sind. Allerdings sagen Sie nie etwas, das Sie nicht auch ehrlich meinen. Depressive Menschen neigen dazu, kaum einem netten Wort zu glauben und zweifeln vieles an. Damit Sie sich von den dann möglichen Reaktionen nicht provozieren lassen und vielleicht zugeben müssen, etwas nur aus Trost zu sagen, sollten Sie lieber gleich ehrlich sein.

Literatur zum Thema:

  1. Mirko D. Walter schreibt am 8. Dezember 2011 um 08:10

    Hinweis: Die Verlinkung auf die Seite 2 und 3 in der Liste funktioniert nicht ;)

    Guter Artikel!

  2. Lucia schreibt am 9. Dezember 2011 um 12:23

    Danke.
    Der Mensch, der in der Depression steckt, weiß nicht, welches Wort ihm hilft.
    Der Mensch daneben weiß es auch nicht.
    Der Artikel zeigt, wie aus dieser Wortlosigkeit Hoffnung wachsen kann.
    Danke.

    Viele Grüße
    Lucia

  3. Sylvia schreibt am 11. Dezember 2011 um 06:30

    Sehr stimmiger Artikel!!!!!
    Ich hatte das große Glück während meiner Depression eine Freundin an meiner Seite zu haben, die sich genau so verhalten hat , wie Sie es hier empfehlen. Natürlich auch andere, die damit große Schwierigkeiten hatten. Es ist eine sehr belastende und bedrohliche Lebenssituation für alle Beteiligten und aus meiner Erfahrung raus kann man wirklich helfen durch viel Information. Denn wenn man etwas ( zumindest im Ansatz) besser versteht, findet man Wege damit umzugehen bzw. zu helfen.

    Viele Grüße

    Sylvia

  4. Kirstin schreibt am 11. Dezember 2011 um 10:17

    Danke für den Artikel und die hilfreichen Ausführungen. Auch die Literaturempfehlungen hören sich gut an. Ich habe eine depressive Freundin und muss sagen, dass ich mich selbst oft schuldig fühle, weil ich nicht so da sein kann, wie ich es von mir erwarte....aber - ich kann es einfach manchmal nicht mehr hören. Dieses ewige Kreisen um die immer gleichen Dinge....die Schwere kriecht mir in alle Knochen und saugt alles Leben aus mir heraus, so fühlt es sich manchmal an. Und in Phasen, wo ich selbst froh bin, den Kopf über Wasser zu haben, ist mir dies einfach zu viel. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die liebend da sind und 'das gemeinsam durchstehen'....

  5. Hexe schreibt am 11. Dezember 2011 um 11:54

    Hallo,
    entschuldigt bitte, aber mir ist das alles ein bißchen zuviel: Armes Opfer (nur der Depressive). Aus der Erfahrung in meinem Umfeld bleibt der Partner (oder auch andere Familienangehörige) eines Depressiven nicht selten völlig auf der Strecke. Und das vor allem dann, wenn der depressive Partner therapieresistent ist, sich also nicht von Außen helfen lassen will. Es kann ja wohl nicht sein, dass der Kranke Hilfe und Behandlung ablehnt und der Partner oder die Familie sich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr wohl fühlen, weil sich dauerhaft alles nur noch um diese Depression dreht.
    Rücksichtnahme und Unterstützung halte ich für unbedingt nötig und selbstverständlich, aber nur solange der Depressive auch selbst etwas gegen seine Krankheit unternimmt. Dann kann man ALLES gemeinsam durchstehen, wenn BEIDE dabei sind!
    Ich wünsche einen schönen 3. Advent!

  6. Monika schreibt am 11. Dezember 2011 um 14:06

    Hallo Zusammen,

    ich habe selbst schon ein paar Mal Depressionen gehabt und mich zieht der Umgamg mit manchen depressiven Menschen sehr runter. Andere kann ich begleiten und mit ihnen sein, in den Arm nehmen.

    Vielleicht liegt der Unterschied darin, wie sehr sich die Depressiven selbst um Heilung bemühen. Denn mich ziehen in erster linie die herunter, die selbst jede Hilfe, jede Befassung damit ablehnen, aber von mir fordern, ich solle ganz viel Zeit mit Ihnen verbringen. Das überfordert mich und ich fühle mich immer schlecht, wenn ich gehe, weil mir dann vermittelt wird, es war zu wenig. Diejenigen, die sich um Heilung bemühen, sind oft dankbar dafür, dass ich da bin, auch wenn ich nicht oft da bin.

    Aber was ist es dann: ist mir der Dank wichtig, ist es mir wichtig, etwas geben zu können, ist es mir wichtig, dass der andere mich wieder gehen läßt? Liegt es daran, welche Art der Beziehung vor der Erkrankung möglich war? Ich weiß es nicht, es ist ein sehr komplexes Thema.

    einen schönen Sonntag
    wünscht Monika

    • susanne schreibt am 11. Dezember 2011 um 14:43

      Liebe Monika,
      vielleicht ist es ja unter anderem so:
      Weil Sie selbst Depression kennen, und weil Sie manche Menschen mögen, möchten und können Sie bei manchen unterstützend zur Seite stehen.
      Und weil Sie selbst Depression kennen, klingt im Kontakt nicht selten auch eigenes in der Seele an; da ist es gut, achtsam mit sich selbst zu sein und sich selbst stärkend zu Seite zu stehen.
      Für beides wünsche ich Ihnen weiterhin Kraft und Klarheit - denn beides ist so viel angemessener als das weit verbreitete 'Ach komm, so schlimm kann's doch nicht sein...'

  7. Monika schreibt am 11. Dezember 2011 um 14:46

    Das Thema läßt mir keine Ruhe. Wenn ich mich daran erinnere, wie es war, als ich sehr deprimiert war, kann ich nur sagen: es wäre mir zutiefst unangenehm gewesen, hätten Menschen sich in allem zurückgehalten, was Ihr als "was sie nicht tun sollten" aufgelistet habt. Da wäre ich mir vorgekommen, wie ein noch viel mehr verletzlicher Mensch, weil ich andere von Ihrem Sosein abgehalten hätte. Ich habe damals selbst entschieden, mit wem ich mich treffe und wenn es inkompatibel war, bin ich wieder gegangen, aber gerade das Fröhlichsein, das Lebendige hat in mir immer den Glauben gestärkt, dass ich auch wieder so lebendig sein kann und möchte und auch die vielen Tips, die ich erhielt, habe ich als Wertschätzung anderer empfunden, auch wenn ich viele damals nicht umsetzen konnte, sie mir wie in einer fremden Sprache erzählt vorkamen. Vielleicht sind Menschen in einer Depression genauso Individuen, wie Menschen ohne. Eben auch nicht alle gleich.

    liebe Grüße
    Monika

  8. susanne schreibt am 11. Dezember 2011 um 14:47

    Noch ein Buchtipp, ein wunderbares Bilderbuch zu diesem herausfordernden Themenfeld:

    "Mit dem schwarzen Hund leben.Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren" - http://www.kunstmann.de/titel-0-0/mit_dem_schwarzen_hund_leben-650/

  9. Gilbert schreibt am 11. Dezember 2011 um 23:38

    TOLLER Artikel! Besonders, die falschen Sachen nicht sagen oder tun, ist wichtig. Und das ist schon richtig schwer. Danke für die Zusammenfassung.

  10. Monika1 schreibt am 13. Dezember 2011 um 11:56

    Hallo,

    dass einzige was mich an dem Artikel stört ist, dass von "deprimiert" geschrieben wird. Deprimiert sein hat nicht wirklich was mit Depressionen haben zu tun. Ansonsten war der Artikel ganz ok.

    Gruß Monika1