Wie gestresst sind Sie?
Oft sind wir uns gar nicht darüber bewusst , ob wir gestresst sind oder nicht. Viele von uns sind richtig gut darin, den eigenen Stress zu verdrängen und wir fühlen uns so lange gut, bis wir irgendwann zusammenbrechen oder sich unsere emotionale Spannung sich z.B. in einem belanglosen Streit entlädt.
Ein Stressbewertungssystem
Die Stressforscher Prof. Dr. Thomas Holmes und Richard Rahe haben ein Bewertungssystem erarbeitet, nach dem bestimmte Ereignisse in unserem Leben als besonders stressig und andere als weniger stressig zu bewerten sind. Sie verteilen für verschiedene Ereignisse oder Probleme Stresspunkte von 10 – 100. Je mehr Ereignisse zusammenkommen, desto höher wird die Anzahl an Stresspunkten und damit die Belastung für uns, denn Stressfaktoren summieren sich. Ein Wert, der über 100 Stresspunkten liegt, stellt bereits eine erhöhte Stressbelastung dar. Wir wollen Ihnen hier eine Auswahl aus den Stressfaktoren dieser Tabelle geben, damit Sie besser einschätzen können, wie hoch Ihr persönlicher Stresspegel zur Zeit ist:
Hohe Stressbelastung (60-100 Punkte) - Eine hohe Stressbelastung entsteht z.B. durch den Tod des Lebenspartners, eine Scheidung, die Trennung vom Lebenspartner, ein Gefängnisaufenthalt oder auch der Tod eines nahen Verwandten.
Mittlere Stressbelastung (30-60 Punkte) – Stressbelastungen dieser Kategorie sind z.B. eine ernste Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes, der Ruhestand, der Tod eines Freundes, höhere Darlehen, eine größere Umorganisation am Arbeitsplatz und neue Aufgaben im Beruf sowie häufige Ehestreits oder sexuelle Schwierigkeiten. In diese Kategorie fallen aber auch so freudige Ereignisse wie eine Heirat oder Familiennachwuchs.
Geringe Stressbelastung (10-30 Punkte) – Zu diesen Belastungen gehört z.B. der Beginn oder das Ende einer Ausbildung, besondere persönliche Leistungen, Ärger mit Verwanden, kleinere Darlehen, ein Wohnungswechsel, Ärger mit Vorgesetzten, veränderte Arbeitsbedingungen, Änderungen der Lebensumstände, der Essgewohnheiten oder im Schlafverhalten.
Stress wird subjektiv empfunden
Die Bewertung von Situationen in Hinblick auf Stress ist subjektiv sehr unterschiedlich. Für den einen stellt ein Umzug eine sehr große Belastung dar, weil dieser Umzug vielleicht eher unfreiwillig stattfindet oder mit großen körperlichen Belastungen verbunden ist. Für den anderen ist das Ganze eher ein Spaß, da er nun endlich in seiner Wunschstadt leben kann und die Umzugsarbeiten sowieso von einer Spedition durchgeführt wird. Die obige Tabelle kann deshalb nur Orientierungswerte vermitteln.
Was sonst noch Stress machen kann
Stress kann z.B. auch durch Einsamkeit und durch Krankheiten entstehen. Vielleicht sind Sie auch sehr ehrgeizig? Oder Sie machen sich durch Ihren eigenen hohen Anspruch an sich selbst und an andere Stress? Wenn Sie mit vielen Menschen auf engstem Raum sein müssen – z.B. zu Hause oder auf der Arbeit – kann Stress entstehen. Auch Lärm ist eine Stressquelle. Ständige Ungewissheit in Fragen, die für Sie wichtig sind, kann großen Stress auslösen. Überlegen Sie einmal, wobei Sie überall Stress empfinden – und hier kommt es nicht darauf an, was vielleicht "normal" wäre, sondern was Sie subjektiv als Stress empfinden.
Übung: Zeichnen Sie Ihre Stresskarte
Nehmen Sie sich ein großes Blatt Papier und schreiben Sie Ihren eigenen Namen in die Mitte. Schreiben Sie nun um Ihren Namen herum alle Bereiche, Aufgaben und Personen auf, die in Ihrem Leben eine Rolle spielen. All das, was Ihnen nahe steht, schreiben Sie dicht an Ihren Namen und all das, was Sie nicht so sehr berührt, schreiben Sie weiter entfernt von Ihrem Namen auf. Dann bewerten Sie jeden Bereich, jede Aufgabe und jede Person mit Punkten: 5 Punkte für einen hohen Stressfaktor, 0 Punkte für keinen Stress. Fragen Sie sich auch, ob Sie jeweils Kraft in dem entsprechenden Bereich investieren müssen oder ob Sie Kraft daraus bekommen. Markieren Sie das mit einen Minus- bzw. Pluszeichen. Am Ende dieser Übung haben Sie einen sehr guten Überblick über Ihre größten Stressfaktoren und Kraftfresser. Sie wissen dann, wo Sie ansetzen können, um etwas zu ändern.
Stress steigert sich mit der Anzahl der Stresssituationen
Siehe auch
Einen oder zwei große Stressfaktoren können wir alle ganz gut bewältigen. Nur wenn sich der Stress häuft und immer wieder etwas Neues dazukommt, ohne dass wir uns ausruhen und erholen können, überfordert uns das. Wir alle verfügen über eine ganze Menge Energie und Kraft. Aber ein bisschen sind wir auch wie Batterien, die immer wieder aufgeladen werden müssen. In der Regel haben wir immer noch Reserven, auch wenn wir schon das Gefühl haben, nicht mehr weitermachen zu können. Dieses Warnsignal sollten wir aber in jedem Fall sehr ernst nehmen und keinesfalls einfach weitermachen. Starker und dauerhafter Stress kann sich schnell gesundheitsschädigend auswirken. Stress baut sich nicht einfach schnell wieder ab, sondern wir müssen uns immer wieder Möglichkeiten schaffen, aufzutanken. Sorgen Sie gut für sich. Betreiben Sie ein effektives Stressmanagement und schauen Sie in unsere Anti-Stresstipps.





