Anregende Wortspiele
Von Tania Konnerth • 2 Kommentare
"wortlose: Gedichte" von Anne Mai und Carla Capellmann. – Oberhausen: Athena, 2010. – 112 S. – ISBN: 3-8989-6404-3. – ca. 13,- EUR
Sprache dient viel mehr als nur der reinen Kommunikation. Sprache kann auch Kunst sein. Worte zu nutzen wie ein Künstler Farben, um Bilder zu malen, Akzente zu setzen, Gefühle auszulösen.
Anne Mai und Carla Capellmann füllen diesen Lyrikband mit ungewöhnlichen Wortspielen. Fern ab vom Naheliegenden lesen sie sich verblüffend anders und bieten Überraschungen. Oder, wie es der Verlag formuliert: "Jedes Gedicht geht von einem Losungswort aus, entfernt sich von ihm, umkreist es, um am Ende zu ihm zurückzukehren. Voller Staunen erfährt der Leser, wie ein gemeinsames Kernwort facettenreich in viele Richtungen weisen oder auch verschiedene Stimmungen auslösen kann – aber nicht zwingend muss. Entscheidend sind der Blickwinkel, aus dem es betrachtet wird, und da eigene Erleben, mit dem man es füllt."
Und das trifft es tatsächlich sehr gut, denn die Texte der Autorinnen regen auf eine intensive Art an, ohne dabei vorzugeben – im Gegenteil, sie bieten viel Raum für Eigenes.
Hier eine Kostprobe von Carla Capellmann:
stille
angst leben zu verpassen angst im regen zu stehen angst von innen zu vertrocknen angst zu leis zu laut zu
… sein
Fazit: Lyrik im besten Sinne – schön zum Verschenken, aber auch zum Behalten.
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Einfach nur schön und tief und bemerkenswert treffend, kurz und prägnant, schnörkellos gut!
Ein tolles Buch - schlicht und elegant in der Aufmachung, doch wehe, man öffnet es - dann geht es ans Eingemachte.
Einmal aufgeschlagen, konnte ich mich nur mit Vehemenz bremsen, es wieder wegzulegen: Hier werden Worte im Hin und Her und im Für und Wider betrachtet, in Silben gewendet und neu gestaltet. Ich lag mit diesem Lyrikbuch genüsslich im Liegestuhl und sah sie förmlich vor mir, die Autorinnen, wie sie Impulse mit Nachdenklichem verarbeiten ... doch auch, wie sie mit viel Augenzwinkern an die Texte gegangen sein müssen.