Wie Sie Schreibblockaden auflösen
Es dürfte wohl kaum einen schreibenden Menschen geben, der nicht auch schon einmal eine Begegnung mit einer handfesten Schreibblockade hatte. Schreibblockaden erwischen den Studenten, der sich endlich an seine Diplomarbeit setzen will, genauso wie die etablierte Schriftstellerin, die einen neuen Roman beginnt. Sie machen unseren Kopf leer, nichts, aber auch gar nichts will uns einfallen und das Blatt bleibt weiß und leer.
Zwei Gedanken als Sofortmaßnahme
Als Sofortmaßnahme bei Schreibblockaden jeder Art sind die folgenden beiden Gedanken hilfreich:
- Sie sind nicht allein damit – Schreibblockaden tauchen immer mal wieder auf. Es liegt also nicht speziell an Ihnen, an Ihrer Einfallslosigkeit oder Ihrer Unfähigkeit, sondern Blockaden gehören zum Schreiben einfach manchmal dazu.
- Schreibblockaden, so massiv sie sich auch immer anfühlen mögen, dauern nicht ewig. Sie sind auflösbar und können oft genauso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Und wenn sie nicht von allein weggehen, gibt es einige Möglichkeiten, nachzuhelfen.
Diese beiden Gedanken erreichen hoffentlich vor allem eines bei Ihnen: nämlich Erleichterung. Erleichterung bringt Entspannung und Entspannung ist das beste Mittel gegen Blockaden.
Wie Blockaden entstehen
Schreibblockaden entstehen vor allem durch zu viel Druck. Druck, der z.B. durch folgende Faktoren ausgelöst wird:
- Zu hohe Ansprüche und Erwartungen an sich selbst,
- Zeitdruck,
- Themendruck, also eine Fixierung auf ein Thema oder eine bestimmte Herangehensweise, die keinen Raum für andere Gedanken
- zulässt und uns so von unserer Kreativität abschneidet,
- zu viele Ideen auf einmal, so dass man nicht weiß, wo man beginnen soll,
- u.a.
Unter Druck reagieren manche Menschen aggressiv, sehr viele aber mit einer Lähmung. Aggressionen können beim Schreiben förderlich sein, weil sie uns eine ganze Menge Energie schenken. So können manche Schreiberlinge erst mit einem festen Termin richtig loslegen. Für diejenigen, die auf Druck aber eher mit einer Lähmung reagieren, führt das dann oft zu einer Blockade.
Dem Druck auf die Spur kommen
Hier finden Sie eine Reihe von Denkanstößen, mit denen Sie erforschen können, wie Sie sich – vielleicht ganz unbewusst – selbst Druck machen:
- Welche Erwartungen haben Sie an Ihre eigenen Texte? Mit wem vergleichen Sie sich und was versuchen Sie zu erreichen? (Da unsere Erwartungen an uns selbst manchmal eher unterbewusst sind, lohnt es sich, sich mit diesen Fragen einmal genauer zu befassen. Es könnte gut sein, dass Sie unterschwellig von sich erwarten, schon in der ersten Fassung einen Bestseller zu schreiben o.ä. Mit einem solchen Anspruch ist Frust vorprogrammiert.)
- Überlegen Sie einmal, ob es Personen gibt, bei denen Sie glauben, ihnen mit Ihren Texten etwas beweisen zu müssen. Wenn Sie z.B. unbewusst versuchen, Ihren Vater zu beeindrucken oder Ihre Schwester auszustechen, ist das eine ungünstige Ausgangslage für das Schreiben.
- Wenn Sie beim Schreiben immer wieder unter Zeitdruck geraten, so hat auch das meist unbewusste Gründe. Ein bisschen Zeitdruck kann für manch einen förderlich sein, um endlich anzufangen. Wird er allerdings zu groß, führt das schnell zu einer Blockade. Gehen Sie dem Zeitdruck-Problem einmal auf den Grund. Fragen Sie sich: Woran liegt das? Warum schiebe ich das Schreiben immer wieder auf? Wozu dient mir der Zeitdruck? Und überlegen Sie sich konkrete Maßnahmen, wie Sie ihre Schreibtätigkeit anders organisieren können.
- Fragen Sie sich auch, ob Sie vielleicht zu verbissen an ein Thema herangehen oder ob Sie zu starre Vorstellungen davon haben, wie Ihr Text werden soll: Warum glaube ich, dass der Text auf diese Weise geschrieben werden muss? Könnte ich den Text nicht vielleicht auch ganz anders schreiben? Wie? Welcher andere Schwerpunkt wäre denkbar? Welches andere Ende? So lösen Sie sich von möglicherweise zu starren Vorstellungen.
- Bei zu vielen Ideen ist es spannend herauszufinden, warum Ihnen wohl immer dann ganz viel einfällt, wenn Sie eigentlich an einem Thema bleiben wollen. Das ist eine gut getarnte Strategie des Selbstboykotts, denn auf diese Weise hindern Sie sich am Schreiben. Auch hier kann es hilfreich sein, die Gründe dafür zu finden: Wovor habe ich vielleicht Angst? Was macht es mir so schwer, bei einer Sache zu bleiben? Warum sehen die neuen Ideen immer viel besser aus, als die, die ich mir gerade vornehmen will? Usw.
Grundsätzlich gilt: Blockaden sind immer eine gute Möglichkeit, etwas über sich selbst zu erfahren. Schimpfen Sie also nicht auf Ihre Blockaden und kämpfen sie nicht dagegen an. Nehmen Sie sie vielmehr als einen Teil von sich an und versuchen Sie zu verstehen, was Sie blockiert.
Wege aus der Blockade: Praktische Tipps
Das Wichtigste ist, sich bei einer Blockade nicht noch mehr Druck zu machen, indem man sich darin verbeißt, sie auflösen zu wollen. So schwer es vielleicht fällt: sich zu entspannen ist die beste Reaktion auf eine Blockade. Viele Blockaden lösen sich allein dadurch auf, dass man etwas loslässt.
Die folgenden Tipps sollten Sie also nicht wie ein “Anti-Blockade-Programm” anwenden. Sie sollen Ihnen nur Anregungen dafür geben, auf welch’ unterschiedliche Weise mit Blockaden umgegangen werden kann.
Entspannung als Gegenmittel
Wie schon gesagt, ist Entspannung das beste Mittel gegen eine Blockade. Wenn Sie also eine Entspannungsmethode, wie z.B. das Autogene Training, Atemtechniken o.ä. beherrschen, ist es zu empfehlen, sich beim ersten Anzeichen einer Blockade erst einmal ganz bewusst zu entspannen.
Aber auch ein Spaziergang, eine entspannende Tätigkeit, ein heißes Bad oder ein nettes Gespräch mit anderen können den gleichen Zweck erfüllen. Das mag wie der Aufruf zum Aufschieben klingen. Tatsächlich aber fließen die Ideen sehr oft genau in dem Moment, wenn wir uns erlauben, etwas anderes zu machen.
Achtung: Unbedingt Stift und Zettel mitnehmen, denn vielleicht wird Ihnen, sowie Sie aus dem Haus sind oder in der Wanne liegen, etwas einfallen.
Spielerisches Herangehen ist immer gut
Um entspannt an das Schreiben zu gehen, ist es empfehlenswert, dass Sie sich eine spielerische Grundeinstellung bewahren. Sehen Sie Ihr Schreiben nicht bitterernst. Es hängt nicht Ihr Leben davon ab, ob Sie Ihren Text heute fertig bekommen oder nicht. Erlauben Sie sich auch mal, ein bisschen zu blödeln, nutzen Sie Kreativmethoden und machen Sie einige Wortspielereien. Durch diesen lockeren Umgang mit dem Schreiben beugen Sie Blockaden vor und können bestehende auflösen.
Vermeiden Sie ein weißes Blatt Papier
Schon allein der Anblick eines leeren, weißen Blatt Papiers kann bei vielen Menschen eine handfeste Blockade auslösen. Zu bedrohlich scheint diese Fläche weiß zu sein, die darauf wartet, mit klugen Dingen voll geschrieben zu werden.
Lösen Sie also als erstes die Aura des Weißes, indem Sie einfach irgendetwas auf das Blatt schreiben. Z.B. Ihr Thema in die Mitte. Oder Sie zeichnen etwas. Oder Sie notieren Stichwörter, die Ihnen spontan in den Sinn kommen. Alles, was den ersten Schritt möglich macht, das weiße Blatt Papier zu füllen, ist gut. (Diese Tipps gelten übrigens auch für ein neu eröffnetes Dokument am PC).
Aufwärmen – wie beim Sport
Eine sehr gute Möglichkeit, Blockaden zu vermeiden ist, sich vor dem eigentlichen Schreiben warmzuschreiben. Machen Sie z.B. für 5 Minuten “Freewriting”: also schreiben Sie unzensiert und ohne auf Stil oder Fehler zu achten das auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Auf diese Weise können Sie Gedanken, die Ihre Energie blockieren, loswerden und der Anfang ist gemacht.
Auch aufhören ist eine Option
Gestehen Sie sich auch die Möglichkeit zu, dass heute einfach kein guter Tag zum Schreiben ist. Sich selbst um jeden Preis zum Schreiben zwingen zu wollen, führt sehr häufig dazu, dass Sie viel Zeit vergeuden und am Ende ganz frustriert sind.
Setzen Sie sich zum Ziel, mindestens zehn oder fünfzehn Minuten dranzubleiben, aber wenn Sie in dieser Zeit absolut nichts zustande bringen, beenden Sie diese Schreibsitzung. Morgen ist ein besserer Tag – oder vielleicht fließt es auch schon einige Stunden später wieder.
Und wenn alle Stricke reißen und Sie bei einem Thema oder einer Geschichte überhaupt nicht weiterkommen, dann kann es auch sein, dass dieser Text einfach nicht “funktioniert”. Manchmal wirkt eine Idee oder ein Thema faszinierend, aber in der Praxis stellt sich heraus, dass es nicht in den Griff zu bekommen ist. In einem solchen Fall kann man noch überlegen, sich professionellen Rat bei einem erfahrenen Schreiber zu suchen – oder aber man verabschiedet sich von diesem Projekt und beginnt ein anderes.




