Hinter der Fassade…
Von Tania Konnerth
"Die Buchstabenprinzessin" von Myla Goldberg. – Reinbeck: Rowohlt, 2006. – ISBN-10: 3-4992-3800-4. – ca. 9,- EUR
Bisher hat die neunjährige Eliza Naumann, was die Aufmerksamkeit ihres Vaters Saul angeht, immer gegen ihren Bruder verloren. Er ist es, mit dem der Vater stundenlang lernt und musiziert, während sie vor der verschlossenen Tür steht. Denn hier gilt die Regel ihres Vaters: Das Arbeitszimmer darf nur betreten werden, wenn die Tür offen ist.
Das ändert sich, als in der Schule bei einem Buchstabierwettbewerb deutlich wird, dass Eliza ein besonderes Talent zum Buchstabieren hat. Nun ist sie es, die mit dem Vater im Arbeitszimmer sitzt, der sie auf die anstehenden Wettbewerbe vorbereiten will.
Immer deutlicher werden nun aber auch die Risse, die das oberflächliche Familienidyll durchziehen. Ihr Bruder Aaron gerät durch den plötzlichen Aufmerksamkeitsentzug seines Vaters in eine Sekte und es zeigt sich, dass Elizas Mutter, scheinbar eine erfolgreiche Juristin, dem Wahnsinn immer näher kommt.
Die Geschichte dieser jüdischen Familie hat mich sehr berührt. Vor allem die Erkenntnis, wozu falsch verstandene Liebe führen kann und die Tatsache, dass Menschen so dicht miteinander leben, aber dennoch kaum etwas voneinander wissen können, hat die Autorin eindrucksvoll herausgearbeitet.
Im Original erschien das Buch unter dem Titel Bee Season (die englische Ausgabe lag auch der Besprechung zugrunde).
Fazit: Ein erschütterndes Portrait des Verfalls einer augenscheinlich perfekten Familie.
Bewertung: ![]()
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