Das Leben umarmen lernen
Von Tania Konnerth • 5 Kommentare
"In Abstand zur inneren Wortmaschine: ein Selbsthilfe- und Therapiebegleitbuch auf der Grundlage der Aktzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) " von Steven C. Hayes und Spencer Smith. – Tübingen: Dgvt-Verlag, 2007. – ISBN: 3-8715-9069-X. – ca. 24,- EUR
"Wenn du etwas nicht haben willst, dann hast du es." – dieser Satz auf S. 57 des vorliegenden Buches wird mich noch lange begleiten, weil er so treffsicher beschreibt, wie es uns allen oft mit inneren Prozessen geht: Wenn wir keinen Schmerz wollen, haben wir ihn, wenn wir keine Angst haben wollen, haben wir sie. Unsere Tendenz der Vermeidung führt uns oft erst geradewegs in das, worunter wir leiden, ein Paradox, was schwer zu verstehen ist, das wir aber nur lösen können, wenn wir bereit sind, die Folgerung daraus anzunehmen. Und die bedeutet, dass wir uns dem stellen müssen, was uns leiden lässt.
"In Abstand zur inneren Wortmaschine" lautet der etwas sperrige Titel dieses Buches (im Original: "Get Out of Your Mind & Into Your Life"), welches und genau dabei tatkräftig unterstützen will. Zugrunde liegt die so genannte "Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Dieser wissenschaftlich fundierte Ansatz beschreibt, wie es uns möglich werden kann, das Leben zu umarmen und zwar, unabhängig davon, was es uns präsentiert.
Konkret geht es u.a.
- um die Bedeutung der Sprache für unsere Gefühle,
- darum, wie wir Gedanken von ihren Verknüpfungen (also z.B. negative Gefühle) lösen können,
- um das Loslassen,
- um unser Selbstbild,
- um Achtsamkeit,
- um unsere Werte
- und vieles mehr.
Das Buch ist sehr verständnisvoll und annehmend geschrieben. Es tut gut, es zu lesen, da das Autorenteam mit viel Feingefühl auch schwierige Themen angeht und dabei gleichzeitig immer wieder deutlich macht, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Die Gedanken und Übungen sind sehr hilfreich – vorausgesetzt, man ist wirklich bereit, sie auszuführen. Das über 300-Seiten starke Buch im DinA4-Format bedeutet nämlich auch eine ganze Portion Arbeit. Die aber wird reich belohnt, denn hier lässt sich wirklich viel lernen. Im Buch gibt es Raum für Notizen zu den Übungen, so dass man es tatsächlich als Arbeitsbuch verwenden kann. Leider gibt es einige Fehler (Beschriftung von Graphiken, Hinweis auf Übung, Tippfehler) – aber das tut dem Inhalt keinen Abbruch.
Fazit: Ein Buch für Menschen, die am Leben leiden und damit besser klar kommen möchten – konzipiert als Selbsthilfebuch, aber auch gut zur Therapie-Begleitung geeignet.
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Das Leben umarmen lernen, heißt sich selbst umarmen, mit allem, was ICH bin. Das Leben beinhaltet Aspekte, die auch in unserem Innern unter der Oberfläche schlummern. Diese Anteile in uns wollen in unser ganzes Sein einfließen, integriert werden. Welcher Spiegel ist da trefflicher und lebendiger als das Leben selbst?
Danke für den Tipp!
Aufgrund des blöden deutschen Titels wäre ich sonst nie auf dieses Buch gekommen.
Zumindest mal anschauen ...
Vielen Dank für die tolle Buchempfehlung. ACT (Acceptance & Commitment Therapy) ist ja die sogenannte 3. Welle der Verhaltenstherapie und in den USA mittlerweile hoch auf Erfolgskurs. Da mir die normale kognitive Verhaltenstherapie nicht geholfen hat, gibt mir das Buch sehr viel Hoffnung (und auch eine Erklärung dafür, wieso es mir nach der Therapie noch schlechter ging als vorher!)!!! Der Titel ist wirklich komisch übersetzt, ich hoffe, dass das Buch trotzdem in Deutschland weite Verbreitung finden wird. Andere Bücher zum Theme ACT auf deutsch sind: "Das Leben annehmen" von Matthias Wengenroth, "ACT-Training" von Jason Luoma (ab November) und nächstes Jahr kommt auch die Übersetzung von "The Happiness Trap" von Russ Harris heraus....
Das Buch ist nicht schlecht, etwas amerikanisch vielleicht und mir persönlich wiederstrebt es ein bisschen, in ein Buch hineinzuschreiben. Erinnert mich sehr an Übungsbücher aus der Schulzeit. Das Buch von Matthias Wengenroth finde ich persönlich noch viel besser, vor allem ist auch eine Menge Humor darin, was dem Buch von Hayes manchmal ein bisschen abgeht. Zu Wengenroths Buch gibt es auch eine gut gemachte Homepage: www.daslebenannehmen.de
Durch diesen Buchtipp bin ich auf die "Akzeptanz- und Commitment-Therapie" gestoßen.
Ich habe mir dann auch "Das Leben annehmen" von Matthias Wengenroth angesehen - habe mich dann aber doch für "In Abstand zur inneren Wortmaschine" entschieden.
Für mich enthält dieses Buch sehr viel Hilfreiches - danke für den Tipp.