Werteorientiert leben!
Von Tania Konnerth
"Das Reiss Profile: Die 16 Lebensmotive. Welche Werte und Bedürfnisse unserem Verhalten zugrunde liegen" von Steven Reiss. – 309 S. – Offenbach: Gabal, 2009. – ISBN-10: 3-8693-6000-3. – ca. 30,- EUR (gebunden)
Steven Reiss schreibt in seinem Vorwort: "Ich bin der Meinung, dass Wertvorstellungen und nicht eine unbewusste Psychodynamik der Schlüssel zum Verständnis persönlicher Schwierigkeiten bei normal veranlagten Menschen sind. Die Leute sollten aufhören, ihre Eltern oder ihre unbewussten Anteile ihrer Seele für ihre Schwierigkeiten verantwortlich zu machen; sie sollten aufhören, sich selbst als Opfer ihrer Erziehung zu verstehen. Stattdessen sollten sie sich klarmachen, wie sie durch ihre unerfüllten Wünsche, durch ihre nicht zum Ausdruck gekommenen Wertvorstellungen und durch ihre Wertekonflikte in Schwierigkeiten geraten. Wenn sich die Menschen ihrer selbst stärker bewusst sind, können sie Entscheidungen treffen, die erfüllender sind, die zu einem sinnvolleren Leben und im Laufe der Jahre zu weniger Problemen führen."
Mit diesen Worten wird der Ansatz des vorliegenden Buches sehr gut auf den Punkt gebracht: Es geht darum, sich seiner persönlichen Werte bewusster zu werden, um das eigene Leben dann auf diese Wertvorstellungen hin auszurichten. "Motivationsanalyse" nennt der Autor das und er sieht 16 Grundwerte, die in unterschiedlicher Zusammensetzung und Gewichtung ein individuelles Motivationsprofil bilden. Je besser wir unsere Wertvorstellungen kennen, desto besser wird es uns gelingen, unser Leben positiv zu gestalten.
Interessant ist dabei vor allem, dass Steven Reiss, selbst Professor für Psychologie und Psychiatrie, aufzeigt, dass viele Persönlichkeitsbeurteilungen und psychologische Modelle menschliche Eigenschaften mit denselben Begriffen versehen und dasselbe Bewertungsraster anwenden wie es auch bei der Beurteilung von psychischen Krankheiten geschieht. Wenn also jemand ordnungsliebend ist, ist das z.B. eine milde Form von Zwanghaftigkeit und Unordnung beispielsweise der Ausdruck unterdrückter Wut. Nach Ansicht des Autoren macht es aber viel mehr Sinn, unsere Eigenschaften auf der Grundlage unsere Werte zu sehen. So zeigt Ordnungsliebe die Wertschätzung von Struktur und Unordentlichkeit die Liebe zur Spontanität. Damit verlieren Eigenschaften ihre plakative (und oft negative) Kategorisierung in psychologische Schubladen, sondern sie helfen dabei, besser zu verstehen, wie man tickt (und auch, wie andere ticken).
Das recht anspruchsvolle und über 300-Seiten starke Buch bietet viele Denkanstöße und Informationen. Es kann einiges, von dem Sie bisher überzeugt waren, ins Wanken bringen und das auf eine sehr positive Weise: denn endlich einmal das Gefühl zu bekommen, nicht "falsch" zu sein wie man ist, sondern einfach nur bisher versäumt zu haben, sich ein Leben zu schaffen, in dem man wirklich glücklich sein kann, kann sehr befreiend wirken. Einen gewissen Leseatem sollten Sie mitbringen, denn das Buch geht an vielen Stellen deutlich in die Tiefe. Es bietet auch praktische Ansätze für die Selbstreflexion, ist aber kein praktisches Arbeitsbuch.
Fazit: Ein erfrischend befreiender Ansatz für eine aktive Lebengestaltung und eine gute Hilfe, sich selbst besser kennen zu lernen.
Bewertung: ![]()
![]()
![]()
![]()
![]()




