Kontakt
Facebook
Twitter
RSS
Gästebuch
Wöchentlicher Newsletter

Das Krankheitsbild der Depression

Von Tania Konnerth7 Kommentare

"Depression: die Sehnsucht nach Zukunft. Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige" von Eckhard Roediger . – Stuttgart: aethera (Freies Geistesleben), 2008. – 256. S. – ISBN-10: 3-7725-5039-8. – ca. 19,- EUR (mehrfarbig)

Gleich zu Beginn kann man in dem vorliegenden Buch lesen, dass jeder 5. Deutsche im Laufe seines Lebens an einer leichten Form der Depression erkrankt, 8% an einer schweren. Es gibt also viel Bedarf für Literatur zu diesem Thema.

Der Autor schreibt gut und verständlich und bietet sehr viel Inhalt. Beschrieben werden verschiedene Erscheinungsformen der Depression, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und vieles mehr. Das Buch ist angenehm aufgemacht. Fotos lockern den Inhalt auf ohne abzulenken.

Trotz all des Lobs hat das Buch ein ähnliches Problem, wie viele andere zu diesem Thema: nämlich den Anspruch für Betroffene und Angehörige zugleich geschrieben zu sein. Meiner Ansicht nach kann dieses Konzept nicht wirklich aufgehen.

Wer an einer Depression erkrankt ist, wird kaum die Kraft aufwenden können, die 250 anspruchs- und inhaltsvollen Seiten über seine Erkrankung zu lesen und hier insbesondere die ersten Kapitel, die viel Grundlagenwissen über die Erkrankung vermitteln. Für Betroffene also müsste der Ratgeber anders konzipiert sein. Angehörige werden sicher etwas mehr Atem mitbringen, doch sie sehnen sich mehr als alles andere nach Rat dazu, was sie für den Erkrankten tun können. Da das in der Regel schmerzlich wenig ist, brauchen sie besonderen Zuspruch und auch Hinweise darauf, wo und wie sie selbst Hilfe finden können. Erst auf Seite 190 folgt ein Kapitel, in dem Angehörige direkt angesprochen. Dort finden sie dann zwar sehr gute Ausführungen, diese sind aber nur 17 Seiten lang.

Und so holt dieses Buch leider weder Betroffene noch Angehörige wirklich da ab, wo sie stehen. Es eignet sich deshalb mehr für Menschen, die sich ausführlich mit dem Krankheitsbild der Depression befassen wollen, also beratende Personen, therapeutisch Arbeitende oder interessierte Laien.

Fazit: Eine umfassende Darstellung des Krankheitsbildes der Depression, leider aber nur mit Abstrichen für die angedachten Zielgruppen zu empfehlen.

  1. nightstar schreibt am 13. Januar 2009 um 13:27

    Hallo,

    vor einigen Jahren oder auch schon in meiner Kindheit erkrankte ich an einer Depression- mit der ich durch Gesprächs-Medikamenten Therapie- zu leben versuche.
    Um die biologischen und seelsichen Hintergründe besser zu verstehen, habe ich eine Vielzahl von Ratgebern gelesen- und bin jetzt erst auf ein wunderbares Buch für Depressionsbetroffene gestoßen:

    Schattendasein - Das unverstandene Leiden Depression: Thomas Müller-Rörich, Kirsten Hass, Francoise Margue, Annekäthi van den Broek, Rita Wagner

    Sehr oft werden Zitate von Betroffenen zum besseren Verständnis eingebaut. Oft konnte ich so die Dinge besser verstehen, weil sie mir aus der Seele sprachen.

  2. burine schreibt am 14. Januar 2009 um 13:46

    Als Angehöriger kann ich sehr empfehlen das Buch
    "Wenn der Mensch, den Du liebst, depressiv ist" (Rosen/Amador).
    Über die verschiedenen Formen und Auswirkungen der Depression habe ich viel erfahren. Habe mich sehr gut verstanden und nicht mehr so alleingelassen gefühlt. Mir ist dabei klar geworden, wie wichtig es ist, als Angehöriger für sich selbst zu sorgen, damit man selbst nicht auf der Strecke und überhaupt in der Lage bleibt, hilfreich zur Seite zu stehen.

  3. Regine schreibt am 14. Januar 2009 um 14:37

    Mir hat (als Beroffene) sehr das Buch "Der Zen-Weg aus der Depression.Therapeutisch-spirituelle Hilfe zur Selbsthlfe" von Philip Martin geholfen.
    Martin ist Psychotherapeut, Zen-Buddhist und hat auch mit Hilfe der spirituellen Praxis die eigene Depression überwinden können.
    Mit vielen Übungen war/ist das Buch für mich sehr verständlich und lebendig und wegen der ergänzenden spirituellen Sichtweise sehr hilfreich, die Erfahrung der Depression anders als durch die "Krankheits- bzw. Defizitbrille" zu sehen.
    Ein Buch ganz besonders für Beroffenen, für Angehörige weniger geeignet. Diesen Spapgat hinzubekommen ist sicher schwierig.

  4. Elke schreibt am 20. Januar 2009 um 18:43

    Ich habe viele Jahre selbst mit Depressionen gekämpft und am Anfang Ratgeber um Ratgeber verschlungen. Bei echten Depressionen hilft das nichts, bei depressiven Verstimmungen vielleicht. Meiner Meinung nach hilft nur fachkundige Behandlung, auch wenn es eine Klinik sein muss. Davor sollte man keine Angst haben.
    LG - Elke

  5. Gerhard schreibt am 21. Januar 2009 um 06:58

    Kann 'burine' (Eintrag 14.1.09) da nur zustimmen, das Buch "Der Zen-Weg aus der Depression. Therapeutisch-spirituelle Hilfe zur Selbsthilfe" von Philip Martin halte ich persönlich für eins der hilfreichsten Bücher zu diesem Thema. Hatte seit meiner Pubertät immer wieder mittlere bis schwerere Depressionen - auch über längere Zeiten - und hab mich dabei oft mit diesem Buch unterstützt. Konnte meine Depression auch mal als "Freund" betrachten, der mir etwas sagen will, nicht nur als Feind, den ich nicht haben will oder bekämpfen muss. Die kurzen Kapitel mit Anregung zur meditativen Innenschau halten an, wieder ins Spüren zu gehen, was letztendlich schon wieder ein Ende der Depression ankündigen kann(ist doch vor allem ein "Nichtspüren", "Nichtfühlen").

    Betrachte mich (nach vielen Jahren Therapie, spirituelle Hilfe, Meditation und nur sehr selten Medikamente) seit letztem Jahr als "geheilt", doch die vielen Jahre der Depressionszeiten haben eben ihre Spuren hinterlassen - und "es" klopft immer mal wieder an. Das wichtigste für mich ist im Moment: "Ich bin okay und liebenswert" - ob nun mit oder ohne Depression. Das würde ich am liebsten auch jeder/jedem "mitgeben", der diese Zustände kennt.

    Macht's gut da draußen - vor allem in Euerm Innern!

    LG Gerhard

  6. Eva schreibt am 23. Januar 2009 um 16:54

    Ja, es ist sehr schwer als nicht betroffener mit dieser Krankheit umzugehen. Mir hat auch das Buch "Wenn der Mensch, den Du liebst, depressiv ist" sehr geholfen. Danach hatte ich genügend Kraft für mich und auch für meinen Partner. Überwunden ist die Krankheit noch nicht, aber auf dem besten Wege. Wie bereits gesagt ein depressiver Mensch hat keinen Willen sich mit der Literatur auseinander zu setzen, aber als Parner kann mann sich Wissen aneignen, das dann z.B. bei der Suche des richtigen Therapeuten hilfe leistet.

    Ich wünsche Allen viel Kraft.

    LG Eva

  7. wagner schreibt am 24. Januar 2009 um 20:25

    ich finde, es ist ein großes Problem, dass gerade Männer ihre Depression nicht wahrhaben wollen,dadurch keinen Therapeuten aufsuchen und keine Medikamente nehmen....
    leider oft als "Medikament" Alkohol....sie tun mir leid!
    Tina