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Psychosomatisch?

Von Tania Konnerth10 Kommentare

"Heilen ohne Medikamente. Wie chronische Krankheiten ganz einfach wieder verschwinden! (Der Psychocoach 2) " von Andreas Winter. – Murnau: Mankau, 2007. – ISBN-10: 3-9383-9611-3. – ca. 15,- EUR (gebunden mit CD)

"Heilen ohne Medikamente" ist ein Titel, der einen Nerv unserer Zeit trifft. Immer mehr Menschen fragen sich, ob und wann eine schulmedizinische Behandlung Sinn macht und suchen nach Alternativen. Vor allem diejenigen, die unter einer chronischen Krankheit leiden, haben oft erleben müssen, dass sie von einem Arzt zum anderen laufen, aber keine wirkliche Hilfe finden.

Andreas Winter legt hier nun ein Buch vor, in dem er zunächst die These aufstellt, dass Symptome keine Krankheiten sind. Symptome haben seiner Auffassung immer seelische Ursachen und können deshalb nicht körperlich geheilt werden. Zu den Symptomen zählt er beispielsweise Allergien, Migräne, Krebserkrankungen, aber auch Ängste, Zwänge u.ä. Darüber hinaus präsentiert er sich selbst als Person, die solchen Menschen helfen kann und berichtet von seinen Erfolgen von verschiedenen Fällen. Seiner Ansicht nach kann ein einziges, intensives Gespräch dazu führen, dass man die Beschwerden dauerhaft los ist.

Und damit wird bereits klar: der Autor provoziert. Die z.T. doch stark vereinfachten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge (wie z.B. dass die Erfahrung, dass Weiblichkeit etwas Schlechtes ist, Ursache für Brust- oder Gebärmutterkrebs ist oder dass sich sämtliche Magen- und Darmbeschwerden mit der Angst vor Ablehnung erklären lassen) dürften in vielen Fällen allerdings weniger provozieren als dass sie an der Glaubwürdigkeit des Autoren kratzen.

Die Erkenntnis, dass sehr viele Erkrankungen auch psychosomatische Ursachen haben (können), ist nicht neu – aber mit so ein bisschen Küchenpsychologie lassen sich schwere Krankheiten wohl kaum erschöpfend erklären. Und dass sie mit dem Lesen dieses Buches und dem Beantworten einiger Fragen "ganz einfach verschwinden" sollen, dürfte in den Ohren vieler doch schon einen Tick höhnisch klingen. Skeptikern dürfte auch aufstoßen, dass Andreas Winter weder Arzt, noch Psychologe, sondern Dipl.-Pädagoge ist. Wie glaubwürdig das seine Thesen macht, muss jeder für sich entscheiden.

Die beigefügte CD will mit einer Form hypnotischer Phantasiereise als Starthilfe fungieren. Die seltsam nasal gesprochene Stimme ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig.

Fazit: Ein provokatives Buch mit einer anderen Sicht auf Krankheiten und Symptome.

Bewertung: Sehr schwierig zu bewerten, da das Buch stark polarisieren und so sehr gegensätzliche Meinungen auslösen dürfte.

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  1. Heide schreibt am 29. September 2007 um 10:53

    Vorweg: Ich kenne dieses Buch nicht.

    Aber nach dem, was du schreibst, Tania, bin ich da sehr skeptisch.

    Immer, wenn jemand verspricht, ALLES mit einer Methode heilen zu können, dann schrillen bei mir eher die Alarmglocken. Und dann besteht die Gefahr, dass ich auch das ablehne, was an Wahrheit hinter diesen Behandlungsmethoden steckt.

    Auch ich glaube, dass Krankheiten wirklich Zeichen des Körpers sind. Je älter ich werde, umso mehr sehe ich auch, dass in den Redensarten (z.B. mir liegt was im Magen, ich bin verschnupft,...) etwas Wahres dran ist.

    Und diese Erkenntnis kann unter Umständen zu einer Heilung führen, wenn ich eben durch diese Erkenntnis dazu komme, meine Lebensumstände zu ändern und die Ursachen auszuräumen.
    Aber kann man das denn immer?

    Und funktioniert dieses Einmalbesprechen denn IMMER?
    Ich kann es höchstens ausprobieren, wie ich auch andere Heilungsmöglichkeiten ausprobieren kann.

  2. Danny-Mo schreibt am 30. September 2007 um 09:56

    Ich kenne dieses Buch auch nicht, kann mir aber auch nicht vorstellen, daß Hr. Winter mit seiner Theorie auf dem richtigen Weg ist.

    Es klingt provozierend, aber auch irgendwie unglaubwürdig, schon fast lächerlich.

    Wenn ich meinen Brustkrebspatientinnen sagen würde, daß sie ihre Weiblichkeit als etwas Schönes ansehen müssen, damit ihr Krebs nicht wiederkommt, bin ich mein Job wahrscheinlich los...

  3. Herbert K. Reese, Ph.D. schreibt am 30. September 2007 um 18:42

    Auch ich habe dieses Buch noch nicht gelesen - lediglich die entsprechenden Rezensionen von Lesern bei Amazon.

    Der methodische Ansatz, der von Herrn Winter propagiert wird, ist sicher hilfreich, wenn nicht sogar - letztlich - heilend.

    Leider wird dann jedoch das NLP zu stark in den Vordergrund gestellt und anscheinend auch angewandt. Mit NLP (Neuro-Linguistisches-Programmieren)lassen sich keine wirklichen, bleibenden Heilerfolge erzielen und schon mal gar nicht mit der angeblichen Schnelligkeit, denn, der Körper reagiert normalerweise auf psychische Reize (Veränderungen) sehr träge.

    Dort, wo dann doch schnelle gefühlsmäßige oder körperliche Veränderungen stattfinden, entstehen diese ausnahmslos auf Kosten von Symptomverschiebungen, die durchaus später erst auftreten können und somit ein zeitlicher Zusammmenhang nicht ersichtlich ist.

    Echte Heilung braucht Zeit - viel Zeit !!!

    Der Leser, der den methodischen "Ansatz", also das grobe "Grundgerüst", das hier zur Diskussion steht, versteht, aber eine andere Vorgehensweise sucht, der oder die sollte mal auf folgender Seite nachlesen:
    http://www.ute-lauterbach.de
    Ich kenne Frau Lauterbach (noch) nicht persönlich, aber ihre fachliche Kompetenz ist beeindruckend.

  4. Andreas Winter schreibt am 1. Oktober 2007 um 12:58

    Zunächst einmal vielen Dank für die kritische Auseinandersetzung mit meinem Buch. Dass Ihnen meine Stimme nicht gefällt, finde ich zwar etwas schade, aber da muss ich wohl mit leben.
    Was allerdings den Inhalt meines Buches anbelangt, so möchte ich gerne etwas zum besseren Verständnis - und vielleicht auch zum besseren Gefallen - beitragen, denn dies ist ein Buch aus der tiefenpsychologischen Praxis, welcher etwa 20 Jahre sehr erfolgreiche Berufserfahrung zugrunde liegen. Die von Ihnen gewählte Formulierung "ein bisschen Küchenpsychologie" klingt wahrscheinlich nicht nur für mich polemisch und despektierlich und lässt mich vermuten, dass Sie mein Buch entweder einfach nicht mögen wollen oder etwas zu flüchtig gelesen haben. Es gibt Menschen, die mit diesem "bisschen" nach Jahren des schier ausweglosen Leidens endlich symptomfrei wurden. Die chance darauf sollte einem Menschen nicht durch eine despektierliche Buchkritik erschwert werden.
    Sie haben durchaus recht, wenn Sie schreiben, dass mein Ansatz zu einfach klingt. Das liegt daran, dass ich Reduktionist bin. Es ist nämlich so einfach, Symptomfreiheit zu erlangen - vielleicht ist Ihnen das zu einfach. Vielleicht ist das auch der Grund, warum lieber monatelang an etwas herumtherapiert wird, um dann vielleicht mit etwas Glück Linderung zu erreichen. Mir persönlich wäre das zu ungründlich und ungenau, wenn es um meine Gesundheit ginge.

    Ich sage: Wenn ein schweres Trauma innerhalb von wenigen Augenblicken unser Leben verändern kann, dann sollte das eine gute Therapie auch können.

    Ich habe mich als Diplompädagoge vor allem mit der Frage: Wie lernt das Gehirn und was macht es mit dem Gelernten? beschäftigt und so bin ich darauf gestoßen, dass wir Menschen zum einen voller Konditionierungen sind und zum anderen Angst eine verheerende Wirkung auf unser Verhalten, aber auch auf unseren Organismus haben kann.
    Die moderne Psychologie, der ich mich bediene (und das ist einem Pädagogen nicht verboten; die Werbung, die Polizei und jeder Fußballtrainer arbeitet mit Psychologie), ist in der Lage, Konditionierungen durch Reflektion sehr schnell aufzulösen und kann somit auch Ängste beseitigen. Genau davon handelt mein Buch. Ich würde mir wünschen, dass Sie Ihre Leser ein bisschen weniger abgeschreckt hätten, es zu lesen, da ich - und ich hoffe Sie auch - niemanden missionieren möchte, sondern eine neue gründliche und einfache Form der Hilfestellung darstellen möchte.

    Die Fallbeispiele von rasanten Heilungsprozessen in meinem Buch entstammen nicht der "Küche", sondern tatsächlich der pädagogischen Praxis.
    Mit freundlichen Grüßen aus Dortmund,
    Andreas Winter

  5. Iris Lenz schreibt am 8. Oktober 2007 um 06:43

    Ich bin durch mein Freund auf diese Seite gestossen und muss sagen super,ich kenne das Buch noch nicht,ich lese es sofort, es hört sich sehr interessant an.Ich selbst wende Jin Shin Jyutsu an, eine japanische Methode um die Energie in das Gleichgewicht zu bringen und Mentaltraining. Ich habe viel von Ärzten die letzten 2 Jahren mit bekommen, mein Mann der im Juli gestorben ist war für die Ärzte ein Rätsel, denn Sie konnten Ihm nicht helfen.Als er Medikamente auf Verdacht einer Krankheit bekam,ging es ihm immer schlechter, ein Freund der Krebs hatte musste auch sterben, jedoch nicht durch den Krebs sondern durch die Behandlung. Ich weiß das Medikamente die Krankheiten überdecken, jedoch die Ursache nicht geheilt wird.Wenn ich meine anstehenden Aufgaben des Lebens dann angehe kann es zur Heilung kommen. Wenn wir Menschen endlich die Verantwortung für unser Leben übernehmen würden ginge es uns besser.Wir werden nach meiner Meinung krank da wir unsere ich nenne es mal Lektionen die das Leben uns gibt nicht lernen, zuerst kommt ein kleines Wehwehchen, schauen wir uns an, was ansteht ist es weg,schauen wir jedoch weg, wird es immer größer und größer, manchmal bis zum Tod. Wir gestalten unser Leben mit unserem Denken, ich habe soviele Situationen erkannt die mir dies in meinem Leben gezeigt haben, die mir dies bestätigten.Wir Menschen brauchen ja immer Beweise!!!!
    Mein Lebensmotto ist Gedanke-Ursache-Wirkung. Wenn ich denke das es so ist wie es ist, dann wird es so für mich sein, denn ich bin mein Bewustsein. Und nur weil es für die Menschheit nicht vorstellbar ist, wie einfach das Leben ist,darf es nicht einfach sein ????
    In der Technik ist die Entwicklung rasend schnell,wo aber ist die Entwicklung bei den Menschen selbst. Wir sind so wie es aussieht weit,weit zurück.Wir Menschen habe eine Macht mit der wir alles in unserem Leben ändern können, ich muss dafür nur die Verantwortung für mein Leben übernehmen, auch Krankheit in Gesundheit umwandeln, ich muss mir nur eingestehen das "ich" für meine Krankheit die Verantwortung trage und nicht ihrgend was vom Aussen die Verantwortung hat. Es gehört z.B. Verzeihen,Liebe und Dankbarkeit dazu.
    Zudem finde ich steht Kritik nur dem zu, der den Inhalt kennt, erst das Buch lesen und dann kritisieren. Die Menschen neigen dazu, zu bewerten und urteilen ohne das Gesamte zu sehen.

    Herliche Grüße
    Iris Lenz

  6. Tania Konnerth (von Zeit zu leben) schreibt am 8. Oktober 2007 um 06:52

    Wow,

    hier melden sich ja viele zu Wort :-) Klar, ist ja auch ein wichtiges Thema, das vielen auf der Seele brennt.

    Grundsätzlich möchte ich vorabschicken, dass ich gerade die Bücher, die ich eher kritisch bespreche, besonders gründlich lese.

    Ich ganz persönlich sehe ganz klar einen Zusammenhang zwischen Psyche (Einstellungen, Erlebnissen, Gedanken, Gefühlen etc.) und Körper (Haltung, Empfindungen, Erkrankungen etc.). Deshalb halte ich rein schulmedizinische Ansätze, die immer nur Teile des Menschen (Körperteile, Symptome etc.) betrachten, für fragwürdig. So etwas mag bei einem einfachen Knochenbruch noch angehen, aber bei komplexeren Erkrankungen muss man meiner Ansicht nach immer versuchen, den Blick viel weiter zu öffnen.

    Mir geht es aber auch hier um Differenzierung. Denn das andere Extrem ist, die hoch komplexen Zusammenhänge so stark zu vereinfachen, dass sie der Sache auch wieder nicht gerecht werden.

    Herzlich,
    Tania vom "Zeit zu leben"-Team

  7. Irmy schreibt am 9. Oktober 2007 um 12:53

    @Iris Lenz,

    Zitat:

    «Wir Menschen habe eine Macht mit der wir ~alles~ in unserem Leben ändern können, ich muss dafür nur die Verantwortung für mein Leben übernehmen...»

    Wir können durch die Kraft unserer Gedanken unser Leben zum einem großen Teil
    mitgestalten, das ist ganz richtig. Doch ALLES? Diese Behauptung ist äußerst problematisch für mich! Es gibt Situationen auf die ich keinen Einfluss habe, die mir
    schicksalhaft gegeben sind.

    Ich kenne zuviel, positiv und bewusst denkende und handelnde Menschen, welche vor dem Schicksal kapitulieren mussten. Sind dies nun alle Versager, die keine Verantwortung für sich übernommen haben?

  8. Hexe schreibt am 15. Oktober 2007 um 13:54

    Liebe Irmy,

    die Aussage von Iris Lenz war ja, dass wir die Dinge in unserem Leben ÄNDERN können - das heißt nicht, wir können alles vermeiden und verhindern.

    Wir alle haben ein Lebensthema und Aufgaben, die wir zu bearbeiten haben auf unserem Lebensweg. Und um das zu bewältigen, bekommen wir eben die vielfältigen Aufgaben - nenne es Schicksalschläge oder wie auch immer - die wir benötigen, um bestimmte unserer Probleme zu lösen und letztendlich aufzulösen.

    Die Verantwortung für all unser Denken und Tun zu übernehmen, das ist sicher eine der größten Schwierigkeiten bei den meisten Menschen. Achte genau darauf, wenn einem Menschen etwas passiert, ob er nicht sofort überlegt, wer oder was daran nun schuld ist.

    Oder ob er sich vielleicht überlegt, warum diese Situation jetzt und immer wieder gerade beim ihm auftaucht - ob es vielleicht bewirken soll, dass sich dieser Mensch mit einem bestimmten Denkmuster und Handlungsweisen auseinandersetzen sollte und es künftig einfach anders machen und somit aus diesem Geschehen etwas gelernt hat.

    Das ist gemeint mit Verantwortung übernehmen für sich selbst und sein Leben.

    Ich persönlich weiß genau, wovon Iris spricht und kann dem nur uneingeschränkt zustimmen. Aber fairerweise muß ich auch gestehen, dass es oft sehr schwierig ist, die Verantwortung zu übernehmen und etwas zu ändern. Bequemer ist der Weg, einen anderen "Schuldigen" zu finden, über den es sich leicht jammern läßt. Sich mit sich selbst zu beschäftigen, das ist harte Arbeit und die Wahrheit in sich zu entdecken ist häufig sehr unangenehm und bedeutet nicht selten den Aufstieg auf einen sehr hohen Berg über einen sehr steilen Weg.

    Wir alle haben immer die Wahl!

  9. Irmy schreibt am 17. Oktober 2007 um 14:36

    Hallo Hexe,

    natürlich können wir unser Leben mitgestalten. Durch unsere Gedanken, Einstellungen und Handlungen, darum ging es mir nicht. Solange es in ~meiner~ Macht steht, etwas zu ändern, käme ich gar nicht auf die Idee, das Schicksal für etwas verantwortlich zu machen. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“

    Wir sind Menschen und deshalb nicht allmächtig. Es gibt eine letzte Instanz, auf deren Entscheidung wir, trotz allem, keinen Einfluss haben.

    Uns bleibt dann die Wahl, wie wir es annehmen und damit umgehen.

  10. Hexe schreibt am 19. Oktober 2007 um 12:51

    Hallo Irmy,

    ja genau, diese Wahl haben wir immer. Und ich finde, das ist eine ganze Menge, die wir jedoch auch für uns nutzen sollten. Ist nicht immer einfach und bequem, aber auf Dauer tut es uns besser.

    Nur was ich annehme (egal wie schlimm es auch sein mag), das kann ich auch wieder loslassen.