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Symptome ohne Diagnose

Von Tania KonnerthEin Kommentar

"Wenn der Arzt nichts findet: Kranksein ohne Befund" von Wilhelm Girstenbrey. – Hannover: humboldt, 2008. – 152 S. – ISBN: 3899941594 . – ca. 9,- EUR

Wenn in der Medizin einigermaßen eindeutige Ursache-Wirkungs-Mechanismen zu erkennen sind, gestaltet sich die Sache relativ einfach: die Symptome werden begutachtet, eine Diagnose gestellt und eine Behandlung eingeleitet, die dann im Idealfall zum Verschwinden der Symptome führt. In vielen Fällen fehlt aber genau diese Eindeutigkeit. Was genau führt zu dem jeweiligen Symptom? Wie hängen die Beschwerden zusammen? Und was, wenn sich keine körperlichen Ursachen finden lassen?

Genau um diese so genannten "somatoformen Störungen", also Krankheitsbilder, sie sich nicht körperlich erklären lassen, geht es in dem vorliegenden Buch. Betroffene haben oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich und der Titel lässt sicher viele von ihnen zu diesem Buch greifen.

Aber genau hier zeigt sich das Manko des Buches: Es ist nicht eindeutig, für wen es geschrieben wurde. Bei "Wenn der Arzt nichts findet" handelt es sich um eine sachliche Abhandlung über das Phänomen von somatoformen Störungen. Nun sollte man davon ausgehen, dass Ärzten das Buch (hoffentlich) nicht allzu viel Neues bietet und dass es mehr für Betroffene geschrieben wurde. Diese finden darin durchaus wichtige Informationen, wie ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt:

Darüber hinaus werden verschiedene Symptombilder beschrieben und es werden Hinweise zur Selbsthilfe gegeben.

Allerdings ist das Buch mehr über die Betroffenen geschrieben als tatsächlich für sie. Sie werden nicht einbezogen in den Text, nicht angesprochen – und das, obwohl es ja um sie geht und obwohl genau das entscheidend wäre. Und damit zeigt sich vielleicht sogar eines der größten Probleme von Menschen, die unter somatischen Störungen leiden: dass man über sie redet, aber nicht mit ihnen. Wie hilfreich ist es z.B. für Betroffene darüber zu lesen, wie "schwierig" sie als Patienten sind? Viele von ihnen befürchten eh schon, "verrückt" zu sein und es wäre die große Chance eines solchen Buches gewesen, Betroffene in ihrer Not zu sehen und ihnen Mut zu machen, Auswege zu suchen und aktiv mitzugestalten.

Fazit: Ein informativer Ratgeber, der leider ein ganzes Stück an der Zielgruppe vorbeigeht.

Bewertung: PunktPunktPunktPunktPunkt

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  1. claudia schreibt am 13. Juni 2008 um 12:26

    Hallo,
    bei mir war es so, dass ich Symptome hatte, die auch irgendwie zusammen passten und auch nicht. Ich bin durch 10 leidvolle Jahre gegangen bis ein Arzt sagte, sie haben Fibromyalgie. Alles passte, alles stimmte. Ich sprach auch auf alle Tenterpoints an. Diese nichtentzündliche Rheumaart nannte man frühe Weichteilrheuma. Es spricht den Muskelsehenbereich an. Leider gibt es wenig Ärzte die solch ein Diagnose finden können. Aber diese Krankheit hat nun einen Namen, dagegen tun kann man wohl etwas, aber es gibt kein Medikament dafür. Die Fibro hat viele Gesichter und über 100 Symptome dazu. Eine Krankheit die sich maskiert.

    Immer den Arzt löchern (kann ich nur als ehemalige Arzthelferin sagen)

    Claudia